Geistig tätig sein

1. Teil

In Christus liegen verborgen alle Schätze der Weisheit und Erkenntnis (Kol. 2,3)

Denn der Geist erforscht alle Dinge, auch die Tiefen der Gottheit. (1. Ko. 2,10)

Jeder Christ hat diese Bibelstellen sicher schon einige Male gehört oder gelesen, aber kaum als Aufforderung verstanden, etwas von diesen Schätzen zu heben. Man stelle sich vor, man sagt den Menschen, ich weiß genau wo Gold vergraben liegt – da wird man nicht lange warten müssen, bis sich da eine emsige Tätigkeit entfaltet. Oder, es wird berichtet, dass es irgendwo noch unbekannte Gegenden, oder, was weiß ich, zu entdecken gäbe. Schon würden sich einige aufmachen zur Erkundung! Dergleichen in der Bibel verheißen, ruft nur Gähnen hervor. Da müsste ich mich doch vielleicht anstrengen?

Die „Kinder dieser Welt“ wissen, dass Neues zu entdecken nicht nur Freude bringt, sondern Wissen auch Macht ist. So ist es auch nicht verwunderlich, dass der Antichrist  durch seinen ungestüm aufs Materielle gerichteten Forscherdrang die Herrschaft über uns Menschen erlangte. Dem christlichen Glauben blieben nur weltanschauliche Rückzugsgefechte, die, wenn es nicht so traurig wäre, oft ins Lächerliche gehen. Da will man unbedingt an einer wortwörtlichen 6-Tage-Schöpfung festhalten, oder gar daran (wenn auch viel seltener), dass die Erde fest stehe (1. Chr. 16,30; Ps. 93,1; Ps. 96,9). Ein Anhänger der Siebenten-Tag-Adventisten meinte gar, Gott habe Saurierknochen vergraben, um die Wissenschaftler in die Irre zu führen. Extrem, aber man glaubt gar nicht, wie viel Realitätsleugnung ein gläubiger Mensch (er muss gar nicht Christ sein, jede andere Glaubensform eignet sich ebenso) aufbringen kann, um sein wortwörtliches Verständnis alter Glaubensurkunden wie der Bibel zu verteidigen. Dem einfachen Gläubigen, der nicht über genügend Bildung verfügt, ist das sicher nachzusehen.

Mit solchen apologetischen Versuchen können wir uns aber nicht abgeben, wenn wir intellektuell redlich unseren Glauben in einer wissenschaftlichen Welt, die eben in ihrem Bereich zuverlässiges Wissen bietet, leben, ja sogar in ihm wachsen wollen. Einen Glauben unter Ignoranz der Naturwissenschaft kann es deshalb nicht geben! Christlichen Glauben kann es nur geben, wenn es mehr als das naturwissenschaftlich Erfassbare gibt. Das ist heute nicht mehr zu leugnen, und so wird es auch möglich sein, die naturwissenschaftliche Weltanschauung zu widerlegen. Der Geist hat das Primat!

2. Teil

Ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen (Jo. 8,32)

Wir Menschen sind daran gewöhnt, unseren Geist, also unser Denken, hauptsächlich für die praktischen Anliegen des irdischen Lebens einzusetzen. Er hat eine dienende Funktion, die wir dann aufgeben, wenn die Bedürfnisse gestillt sind.

Klappt allerdings nicht alles so, wie wir es wollen, dann fangen wir an nachzudenken, was wir falsch gemacht haben. Wenn keine Lösung in Sicht kommt, das Problem aber bestehen bleibt, kommen wir oft ins Grübeln, in einer sinnlose Gedankenmühle. Dann wird uns der Geist so lästig, dass wir am liebsten bewusstlos sein würden.

Diejenigen Menschen, die intellektuelle Bedürfnisse haben, haben bereits eine gewisse Freude am Geist, auch wenn sie sich oft genug nur auf die Persönlichkeit betreffende Fragestellungen (man liest dann gern Romane oder beschäftigt sich mit Psychologie), auf die Kultur oder die Naturwissenschaft bezieht. Man hat Freude an klaren Gedanken, einer stimmigen Widerspiegelung der Realität. Aber viele bleiben auch hier nur passive Konsumenten.

Wenn man Gott und geistliche Dinge erkennen will, genügt eine solche Funktion des Geistes noch nicht. Man muss vielmehr von dem Bewusstsein geprägt sein, dass allein die Erkenntnis der grundlegenden Wahrheit (Gott) und mein Verhältnis zu ihr mich von allem Elend befreien kann. Ich selbst, als Mensch, muss ein Ausdruck der Wahrheit und damit ein Ausdruck Gottes werden. Glaube an die Gnade allein genügt nicht. Sie ist lediglich die Grundlage dafür, dass ich mich überhaupt auf den Weg des Lebens begeben kann. Heiligung ist angesagt, und es kann keine wirkliche Heiligung ohne Erkenntnis der Wahrheit geben. Wo keine Wahrheit ist, da ist das Falsche, und falsch zu leben, muss in ganz natürlicher Folge zum Leid führen. Unbeantwortete Fragen erzeugen Unsicherheit und Zweifel. Wie will man da zielstrebig vorwärts kommen?

Das ganze Elend der Christenheit ist nicht zuletzt einem falschen Gnadenverständnis geschuldet, wo man meint, so unvollkommen man auch sei, nach dem Tod in die ewige Glückseligkeit eingehen zu können.

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