Der Laodizea – Effekt

Materialisten bezeichneten den Glauben als „Opium für das Volk“. Aber tatsächlich kann nur ein sogenannter Glaube dazu benutzt werden, also wenn man Glaube als Zustimmung zu bestimmten Formulierungen versteht, die nicht be- oder hinterfragt werden.

Wenn man so einen Menschen nach seinem Glauben befragt, dann kann er nur in denjenigen Formulierungen antworten, die er gehört oder gelesen hat. Er redet in Stereotypen, schablonenhaft – also ohne Verständnis der Sache, die er angeblich glaubt. Ein solcher Glaube dient nicht dem Wachstum – wie echter Glaube- sondern er dient dazu, vor lästigen Fragen, vor Zweifel und Veränderungen in Ruhe gelassen zu werden. Er ist als Beschwichtigung gemeint. Er soll als Versicherung eines guten Lebens im Jenseits dienen, aber nicht zur Veränderung der eigenen Person. Denn die Person ist geistig träge. Ein Leben im Geist, ein Wandel in ihm, ist ihr völlig fremd und erscheint ihr unnötig. Man kommt ja auch so in den Himmel, meint sie. Was für eine Täuschung. Aber von dieser Täuschung wird der Großteil des christlichen Lebens bestimmt. Deshalb hat der Glaube auch keinen Einfluss auf die Gesellschaft. Denn es fehlt die Fähigkeit, die Wahrheiten, an die man angeblich glaubt, plausibel zu machen. Es mangelt an Erkenntnis, die aus lebendigem Glauben kommt. Es fehlt an Substanz. Glaube ist jetzt nur noch Ideologie. Alles bleibt beim Alten, obwohl Glaube der Motor jeglicher Entwicklung, jeglichen Fortschritts ist.

Die Selbsttäuschung in der man lebt, könnte man als „Laodizea-Effekt“ bezeichnen. Man denkt, man habe etwas, und hat doch nichts.

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