Jesus, der Christus – traditionslos

Die meisten Menschen, die sich heute als Christen sehen, sind in einer noch nie dagewesenen Weise zerstritten und deshalb verwirrt. Da hilft es, einen traditionslosen Blick auf Jesus Christus, also unabhängig von Bibel, Kirchengeschichte und „Glauben“ zu werfen. Nur durch einen unverstellten Blick können wir wieder neuen Zugang zur herrlichen Wahrheit des Evangeliums finden.

Die Menschheit ist dem Leiden unterworfen. Es gibt keinen einzigen Menschen, der das Leiden nicht kennt. Deshalb sehnen sich alle Menschen nach Befreiung von diesem. Alle Menschen wollen nichts anderes als glücklich sein.

Tiefe Denker sehen übereinstimmend das Urproblem des Menschen im Rätsel des Todes. Schopenhauer schrieb sogar: „Der Tod ist der eigentliche inspirierende Genius, (…)der Philosophie. Schwerlich sogar würde, auch ohne den Tod, philosophiert werden.“ Auch gilt die Todesstrafe von jeher als die schwerste.

Alle Angst des Menschen ist letztendlich Todesangst, d.h. Angst vor der Vernichtung. Nur um dem Tod zu fliehen, ist der Mensch feige, und nimmt er alle Unterordnungen, alle Sklaverei und Quälerei, alle Anpassungen an die Gesellschaft auf sich, winselt er wie ein Hund um Erbarmen.

Im Umkehrschluß hätte alles Leiden ein Ende, wäre das Dasein ewige Freude, wenn es keinen endgültigen Tod gäbe.

Der Tod ist das Problem und ewiges Leben wäre die Lösung des Problems. Nichts anderes!

Nun wird seit 2000 Jahren behauptet, dass ein Mensch den Tod besiegt hätte. Wenn wir davon ausgehen, dass das tatsächlich der Wahrheit entspricht, dann ist das doch die größte Sensation, die es gibt; das wichtigste Ereignis in der Menschheitsgeschichte!

Hätte Jesus vor 2000 Jahren nicht den Tod besiegt, stünde so ein Ereignis noch aus, damit endgültig die menschlichen Probleme – also alle ohne Ausnahme – gelöst werden könnten.

Damit hat die Auferstehung eine existentielle Bedeutung für einen jeden Menschen. Denn was einmal einem Menschen gelang, das kann auch jedem anderen gelingen!

Was ist der Tod?

Der Tod ist in erster Linie eine Bewusstseinsangelegenheit. Ein Mensch im Tiefschlaf weiß nichts vom Leben und nichts vom Tod. Deshalb kennt ihn das Tier nicht. Allmählich erst wurde sich der Mensch des Todes bewusst, je mehr er erwachte.

Das bisher älteste Dokument menschlicher Angst vor dem Rätsel des Todes entstammt dem dritten Jahrtausend vor Christus. Es ist das sumerische Gilgamesch-Epos. An der Leiche seines Freundes Engidu stellt sich der Held die verzweifelte Frage: „Was ist das nun für ein Schlaf, der dich gepackt hat?“ und gesteht: „Todesfurcht überkam mich.“

Wenn wir also der Überlieferung vertrauen, dass es einem Menschen gelang, den Tod zu überwinden, dann kann es den Tod – als ein zu Nichts werden – nicht wirklich geben. Dann ist er nicht ein Faktum, sondern eine Täuschung, der der Mensch bisher unterlag.

Den Tod als Irrtum zu durchschauen, ist geistige und seelische Befreiung des Menschen. Denn wenn es den Tod nicht wirklich gibt, dann muss ich mich nicht länger ängstigen. Dann kann mich nichts mehr bedrohen. Dann bin ich absolut frei. Dann muss ich mich keiner Macht des Universums mehr unterordnen, denn ich bin ewig! Dann bin ich eins mit Gott!

In diesem herrlichen Bewusstsein, in dieser herrlichen Freiheit zu leben, verändert mich grundlegend, denn es löst alles das auf, was aus dem Irrtum, dem Tod unterworfen zu sein, entstand. Es befreit von allem Leid und aller Krankheit und gibt mir Herrschaft über die Materie.

Grenzenlose Perspektiven in jeder Hinsicht haben sich eröffnet!

Wenn es also wahr ist, dass ein Mensch den Tod besiegt hat, dann konnte der Sieg nur auf der Grundlage geschehen, dass das Leben an sich ewig ist, und dieser Mensch von dieser Tatsache wusste. Nur so konnte er in dem Bewusstsein leben, das wir erst angesichts seines Sieges über den Tod durch die gläubige Reflexion der Auferstehungstatsache gewinnen können.

Nun schlagen wir den Bogen zur jüdisch-christlichen Tradition. Das Pfingstereignis der Apostel war nichts anderes, als dass den Betenden aufging, was die Auferstehung für den Menschen und das jüdische Geistesleben bedeutete. Für den Menschen bedeutete es völliges Heil und damit das Ende aller Versuche, aus einem Bewusstsein der Vergänglichkeit Gutes zu erlangen.

Es gibt kein Heil, solange der Mensch im Bewusstsein lebt, er sei in irgendeiner Weise begrenzt und es gäbe etwas, das grundsätzlich Macht über ihn hätte.

Wer weiter im Gegensatz Gott-Mensch lebt, wird weiterhin die Früchte des Todes ernten. Wer aber weiß, dass nichts über ihn Macht hat, wird die unendliche Kraft des Lebens sich auswirken lassen.

Das hat nichts damit zu tun, dass man vor Gott aus eigener Kraft gerecht werden will, sondern man ist dadurch dem Leben gerecht.

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4 Gedanken zu “Jesus, der Christus – traditionslos

  1. Sehr gute, interessante Auslegung !

    Heißt das aber, dass grundsätzlich jedes Leben im Heil ist, da Tod ja eine Illusion, und nur manche es durch Jesus bereits zu lebzeiten erkennen und durch ihre Erkenntnis befreit werden, während die anderen es erst mit ihrem Tod erleben. Oder denkst du, dass erst die Erkenntnis von Jesus das Heil bewirkt?

    Und wie würde die christliche Vorstellung von der Getrenntheit von Gott (=Leben) durch (Erb-)Sünde in eine traditionslose Deutung passen? Durch Pfingsten wird ja auch gerade die Überwindung der Getrenntheit von Gott gefeiert, in dem Gottes Geist in das menschliche Herz gegossen wird und mit diesem verschmilzt.

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    1. Zur ersten Frage: Jeder Mensch lebt unaufhörlich (ewig), aber nur der wird immer glücklicher und dauerhaft glücklich werden, immer gesünder und dauerhaft gesund und was des Guten noch mehr ist, der die Wahrheit von der Unvernichtbarkeit des Lebens erkennt, und so sein selbst geschaffenes Gefängnis (d.h. seine infolge des Irrtums sich bereits manifestierten schädlichen Gewohnheiten) verlässt.

      Zur zweiten Frage: Die Erbsünde besteht darin, dass jeder Mensch erst einmal in der Vorstellung lebt, er könnte vernichtet werden. Das ist eben nicht möglich. Durch diese Vorstellung, aus der sich Angst und damit alles weitere Negative ergibt, ist der Mensch vom Wohlgefühl, vom perfekten Funktionieren, von Gott getrennt. Denn in Gott gibt es keine Angst und damit auch kein Unwohlsein. Ich hoffe Du verstehst, was ich meine? – Sonst frage einfach weiter.

      Übrigens gibt es zur Erbsünde hier auch einen Beitrag, und in den Kommentaren an Charly im Beitrag „Angst“ komme ich auch darauf zu sprechen.

      Ja, durch Pfingsten erlangte der Mensch den Geist der Wahrheit mittels dem er jede Illusion durchschauen und sich in Einklang mit der Wahrheit bringen kann. Damit werden Angst und alles Negative aus dem eigenen Leben verbannt. Das ist aber eine ganz individuelle Angelegenheit, keine kollektivistische. Der Mensch muss nach Wahrheit streben, dann wird er sie immer mehr erkennen, und, wie Jesus sagte: Die Wahrheit wird euch freimachen.

      Ach so, traditionslos könnte man zu einem Menschen sagen: Du weißt gar nicht, wer du wirklich bist. Obwohl Du denkst, deinen eigenen Willen zu leben, lebst du nur in Illusionen.

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