Wenn es nach Gott ginge, …

dann wären bereits alle Menschen erlöst, dann würde kein Mensch und kein Tier mehr leiden. Es gäbe kein Übel mehr auf der Welt, nichts Böses. Keine Krankheiten und Gebrechen würden den Menschen plagen. Streit und Kriege würde man nur noch vom Hörensagen kennen. Es gäbe keinen Tod mehr. Nur unaufhörliche Glückseligkeit. Aber es geht nicht nach Gott. Wenn der Mensch nicht will, kann Gott kann nichts gegen des Menschen Willen für ihn tun.

Andererseits, Gott hat bereits alles getan, was dem Menschen die Befreiung von allem Übel ermöglicht. Der Mensch muss es nur ergreifen. Zumindest Christen könnten frei von allem Negativen sein, da sie behaupten, die Gnade angenommen zu haben und Gott zu glauben. Aber da sieht es oft nicht viel anders aus als bei den sogenannten „Kindern der Welt“. Auch sie erwarten, dass Gott ihnen einfach alles Leiden wegnimmt. Doch gerade das ist Gott unmöglich.

Denn würde er uns einfach für immer vom Leiden befreien, dann wären wir mitsamt dem Leiden verschwunden! Unser falschen Denken, Fühlen und Wollen ist nämlich Ursache aller unserer Leiden, und unsere persönliche Existenz gründet auf unserem Denken, Fühlen und Wollen.

Es gibt also nur einen Weg, wie wir frei werden können: Durch Erkenntnis der Wahrheit (Jo 8,32) und dem damit verbundenen Umdenken (Rö 12,2) : „…werdet verwandelt [griech. metamorphoō. Metamorphose!] durch die Erneuerung eures Sinnes [griech. Nous = Verständnis]“ . Durch anderes Denken verändern sich unsere Gefühle und durch die Gefühle schließlich auch unser Wollen. Wenn wir also das Heilsame suchen und verwirklichen, werden wir heil werden. Anders bleiben wir, ob Christ oder Nichtchrist, weiterhin allem Übel unterworfen.

Wir können deshalb nicht einfach in den Tag hineinleben, sondern „müssen“ erforschen, was die Ursachen unserer ganz persönlichen Krankheiten sind (die ja nach der Bibel primär nicht in Viren oder Bakterien oder genetischen Defekten liegen), „müssen“ uns fragen, weshalb wir immer wieder das tun, was wir nicht möchten, oder weshalb wir sogar das zum Leiden führende Tun lieben und deshalb nicht aufgeben möchten. Wir brauchen also eine ganz andere Bewusstheit für das Wesentliche im Leben. Nur so können wir allmählich frei werden, gemäß Goethes Spruch:

„Wer immer strebend sich bemüht, den können wir erlösen“.

 

 

 

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Jeder Christ ein Psychologe?

Eine sonderbare Fragestellung? – Nein, ganz und gar nicht! Ganz eindeutig heißt es doch in der Bibel, daß niemand ohne Heiligung den Herrn sehen wird (Hebr 12,14). Heiligung aber ist ein Prozess der Transformation des natürlichen Menschen in einen übernatürlichen, eines „fleischlichen“ Menschen in einen „geistlichen“ Menschen, eines Sünders in einen Heiligen (1. Kor. 2, 14-15; Kol 3,9-10). Das setzt voraus, dass wir nicht nur die Bibel gut kennen, sondern auch in ganz engem Kontakt mit uns selbst sind. Denn wir sollen ja, durch das „Wort Gottes“, das uns informiert (nebenbei: im Wort „informieren“ steckt das Wort „eine Gestalt geben“, lat. „informare), verwandelt werden. Es findet also in uns etwas statt. Wie sollten wir da von dem, was wir sind und von dem was wir sein könnten und den „Techniken“ der Wandlung „keine Ahnung“ haben? – Dadurch, dass wir eine solche Wandlung anstreben, müssten wir doch zu psychologischen Experten werden!

Wer sich aber in der Christenheit umsieht, bemerkt, dass das nicht der Fall ist. Nicht nur der einfache Christ hat wenig Einsicht in psychologische Tatsachen, sondern auch die führenden Köpfe kommen kaum über das hinaus, was die profane Psychologie lehrt. Das alles deutet darauf hin, dass der Glaube bei uns lediglich ein Oberflächenphänomen ist, dass er nicht tief genug geht. Er verändert uns nicht wirklich, da wir es uns an der allgemeinen Wurstelei genügen lassen.

Da Selbsterkenntnis und Gotterkenntnis untrennbar zusammengehören, muss uns das Chaos der Auffassungen über Wesen und Inhalte des christlichen Glaubens nicht wundern, denn wir sind alle mehr von einer „christlichen“ Ideologie geprägt denn von wirklichem Glauben.

In der psychologischen Praxis wird deshalb häufig erlebt, „wie ein scheinbar fester Glaube [sich] auflöst – aber nicht, weil die Psychotherapie ein Feind des Glaubens wäre, sondern weil Ideologie ihr nicht standhält.“ Solche Christen haben, wie der Psychotherapeut H. Bartz erläutert, „ eine intellektuelle Überzeugung religiöser Art für Glauben gehalten. Sie haben den Glauben, der ein Akt des ganzen Menschen ist, mit einer Meinung verwechselt. Sie haben gewähnt, Gotteserkenntnis zu besitzen, besaßen aber nur eine tote Wahrheit, weil sie den Weg dahin, nämlich den Weg der Selbst-Erfahrung, nicht gegangen waren.“ [Hervorhebungen innerhalb des Zitats von mir.]

Wenn wir nicht mehr als nur ein Vertreter einer Ideologie sind, dann sind wir nicht besser als die Pharisäer, die auch den „Schlüssel der Erkenntnis“ besaßen, ihn aber nicht nutzten (Lk 11,52). Dann können wir weiterhin nur Meinungen haben und uns ewig über das Schriftverständnis streiten. Wir haben dann nur den Buchstaben, der tötet, und nicht den Geist, der lebendig macht (2. Kor 3,6).

Wir haben dann nur ein Buch, das uns zum Götzen wird, anstatt Christus!

Lasst uns umkehren zu einem lebendigen Glauben!