Kann man Christ sein ohne das Alte Testament?

Unter der Berufung, dass Jesus auf die Gebote und die Propheten Bezug nahm (z.B. Mt. 5,18-20), ist die Mehrzahl der Gläubigen der Ansicht, dass ein Christ das Alte Testament zu akzeptieren habe. Dessen ungeachtet mehren sich die Stimmen derer, die viele Aussagen desselben für unvereinbar mit der von Jesus gelehrten Liebe halten. Manche sind sogar der Auffassung, dass Jahwe und der Vatergott Jesu nicht identisch seien. Zudem wird die Opfertodtheologie abgelehnt.

Kann man tatsächlich unter diesen Voraussetzungen Christ sein? – Ja, warum denn nicht? Entscheidend ist doch allein, dass man wiedergeboren ist, und damit aus dem wahren Wesen des Menschen, aus dem Ewigen, lebt (Joh 3,3). Alles andere sind Erkenntnisfragen.

Der Blick eines Christen ist zudem nicht rückwärtsgewandt auf die Vergangenheit, sondern auf das Werdende gerichtet (Luk 9,62). In diesem Sinne müssen ihn geschichtliche Zusammenhänge nicht interessieren.

In unserer Zeit, da real die Tieropfer in der zivilisierten Welt längst abgeschafft sind – durch den Sieg christlichen Denkens! – ist es auch nicht notwendig, den Opfertod Jesu als endgültigem Opfer (Heb 10,10) ständig zu thematisieren, zumal ja eine wirkliche Einsicht in die Notwendigkeit allgemein abgeht.

Für den, der allerdings daraus Kraft schöpft, weil er darin die große Liebe des Vaters sieht oder erkennt, dass dem Ewigen auch die größte Sünde nicht schaden kann, sei es unbenommen.

Im christlichen Glauben geht es ja tatsächlich nicht um ein Für-wahr-halten, sondern um Kraft (1. Kor 1,18; 2. Tim 3,5; Offb 3,8), die auf den Sieg über alle Abhängigkeiten zielt (1. Joh 5,4).

Wachsen wir also in der Erkenntnis Jesu Christi als dem wahren Menschen (1. Kor 15,22), damit es im Glauben vorwärts geht.

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4 Gedanken zu “Kann man Christ sein ohne das Alte Testament?

  1. Hallo Manfred,
    sehe ich nicht so, gerade die Kreuzigung, der Kreuzestod Chroisti muß dargestellt werden in einer Generation, die (übereinstimmend mit den Muslims) glaubt, dass Gott schon milde sein wird. Am Kreuz ist nichts milde. Es läuft viel über das Verständnis des Kreuzes – der Tod des alten Menschen / Auferstehung / Glauben.
    Kreuz / Blut / Opfer werden als nicht zeitgemäß ausgespart, (nur der IS schlachtet), gleichzeitig laufen Krimis / Horrorfilme „wie Lottchen“ und die Gedanken und Motivationen der Menschen sind entlarvend gleich wie vor Tausenden Jahren.
    Grüße
    Rolf

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    1. Hallo Rolf,
      es geht in meinem Text NICHT um irgendeine „Milde“, sondern ich habe ganz deutlich geschrieben, dass die WIEDERGEBURT entscheidend ist. Denn diese ist das neue Leben, das in der Heiligung immer sichtbarer wird. Ein Moslem kennt eine solche nicht. Er bleibt also im Natürlichen/Fleischlichen gefangen. Der Islam ist eben keine Erlösungsreligion.

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  2. Lieber Manfred, Deine Argumentation in diesem Beitrag hat mich überrascht. Warum? möchte ich nicht hier nicht näher erörtern. „Manche sind sogar der Auffassung, dass Jahwe und der Vatergott Jesu nicht identisch seien. Zudem wird die Opfertodtheologie abgelehnt.
    Kann man tatsächlich unter diesen Voraussetzungen Christ sein? – Ja, warum denn nicht? Entscheidend ist doch allein, dass man wiedergeboren ist…“ Diese Deine Aussage empfinde so gravierend diskussions-bedürftig, dass wir m. E. ein Forum unter uns Mitarbeitern dafür ‚Klärung in Grenzfragen‘ schaffen sollten, um uns brüderlich-freundschatlich weiterzuhelfen.
    Gott segne Deine pfingstliche Verkündigung und schenke Euch freudig-sonnige Stunden im Familienkreis.
    Shalom, Herbert

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    1. Lieber Herbert, ich war mir bewusst, hier ein „heißes Eisen“ anzupacken. Aber nicht, um zu provozieren, sondern einfach, weil viele Menschen inzwischen nicht mehr Aussagen eines Gottes, der befielt zu töten, oder der ein Opfer nötig habe, mit einem Gott der Liebe in Einklang zu bringen. Diese Widersprüche sind ja nicht einfach aufzulösen.
      Aber an einem Forum nehme ich gern teil. Auch Dir und Deinen Angehörigen wünsche ich ein gesegnetes Pfingstfest. Mögen wir auf`s neue begeistert werden!

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