„Niemand kommt zum Vater, denn durch mich“

Jesus spricht „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater, denn durch mich.“ (Joh. 14,16). Doch weshalb sollte man überhaupt zum Vater kommen wollen? Man macht sich gewöhnlich keine Gedanken darüber und wenn man doch irgendwelche Vorstellungen dazu hat, dann sind sie wohl eher unzutreffend.

Der Vater ist der Ursprung. Der Ursprung ist das Leben! Um zum Vater kommen zu können, müssen wir als Geschöpfe alles Geschaffene verlassen. Das ist der Weg! Weil Jesus Christus diesen Weg gegangen und eins mit dem Vater ist, kann er auch davon sprechen, dass er der Weg ist. Wir haben bereits Weg und Ziel. Aber was hat es mit der Wahrheit auf sich? – Ganz einfach: Wir sind deshalb vom Vater getrennt, weil wir die Wahrheit nicht kennen und deshalb in der Unwahrheit leben. Wir leben nicht richtig, d.h. wir sind nicht „gerecht“ vor Gott und leiden deshalb.

Nun geht es aber im christlichen Glauben in Wahrheit nicht um einen Personenkult. Wahrheit ist nicht exklusiv, sondern inclusiv. Sie schließt lediglich das Unwahre aus. Jeder versteht deshalb den Weg völlig falsch, der meint, der Weg könne ausschließlich auf dem Boden christlichen Glaubens beginnen. Denn dem Menschen stehen grundsätzlich nur zwei Wege offen, d.h. er hat nur zwei Möglichkeiten zu leben. Diese Möglichkeiten hat Jesus klar definiert (Mt. 7,13-14). Der breite Weg ist der Weg der Anhänglichkeit am Geschaffenen. Der andere ist der der Loslösung von der Welt.

Es ist klar erkennbar, dass nicht nur der breite Weg überall in der Welt beschritten wird, sondern auch der schmale Weg, ohne dass man sich mit Jesus Christus verbunden weiß. Ursprünglich dienten Yoga oder buddhistische Versenkung, Zen-Meditation und anderes einzig dazu, um sich von den Anhaftungen an das Innerweltliche, also den Dingen und Personen, zu lösen. Etwas anderes können auch Christen nicht tun. Aber tun sie es mit der gleichen Ernsthaftigkeit wie die vermeintlichen Heiden? – Durch eine solche Loslösung stirbt man – christlich formuliert – unweigerlich „dem alten Menschen“, dem „Fleisch“, der Sünde ab und kommt zum wahrhaftigen Leben.

Das ist etwas ganz anderes als der oberflächliche Glaube vieler Christen, die meinen, Gott würde schon alles tun, und sie kämen aus Gnade in den Himmel, was sie mit dem „beim Vater sein“ gleichsetzen. Sie denken nicht ernsthaft daran, den schmalen Weg zu gehen, sondern meinen, ihr Bekenntnis zu Christus, eventuell etwas Evangelisation/Mission, sei der Weg.

Nein, es geht um die Umwandlung unserer Natur. Die ist nur durch permanentes Loslassen zu erreichen. Der so entstehende neue Mensch lebt unter allen äußeren Bedingungen in Glückseligkeit, denn er trägt nicht nur das Himmelreich in sich, sondern es tut sich am „Ende“ auch kund in der Unverletzlichkeit seiner neuen Leiblichkeit (Joh. 6,54).