Hast Du „den Schatz“ wirklich schon gefunden?

Das frage ich mich selbst, weil ich heute bemerkte, dass ich mich doch etwas viel mit der russischen Invasion in der Ukraine beschäftige. Das ist ja nun wirklich nichts Erfreuliches. „Weshalb tust du dir das eigentlich an ? “ Ich muss mich doch nicht mit negativen Erscheinungen der Welt beschäftigen. Ich habe doch das Beste, das es geben kann.

Das Himmelreich ist gleich einem im Acker verborgenen Schatz, den ein Mensch fand und verbarg. Und in seiner Freude geht er hin und verkauft alles, was er hat, und kauft jenen Acker.

(Mt. 13,44)

Also, warum lässt du dich ablenken?
Wer einen Schatz gefunden hat, hat nur noch im Sinn, ihn vollständig zu bergen! – Offenbar ist mir eben nicht wirklich bewusst, was ich habe. Doch wenn selbst ich noch so unbewusst bin, was ist dann erst mit den anderen, mit meinen Mitbrüdern und -schwestern? Mit jenen, die ständig über die moderne Gesellschaft die Nase rümpfen, weil sie keine christlichen Werte umsetzt? Oder denen, die unentwegt im Clinch mit anderen um das rechte Verständnis der Bibel liegen? Und schließlich noch jene, die mehr gedankenlos gutbürgerlich dahinleben und meinen, dies ließe sich mit dem christlichen Glauben vereinbaren?
Uns allen fehlt mehr oder minder nicht irgendein „Glaube“, sondern wirklich das Bewusstsein, einen Schatz jetzt auf Erden (und nicht erst dann – nach dem Tod) zu haben. Weshalb? – Weil wir alle durch falsche Glaubenslehrer fehlgeleitet wurden!

Jäh wurden wir aus dem Schlaf gerissen

Plötzlich ist der Weltfriede wieder gefährdet. Unversehens wurde ein neues Wettrüsten angestoßen, ist ein abermaliger „eiserner Vorhang“ zwischen Ost und West denkbar geworden.
Es ist klar, dass es keinen dauerhaften äußeren Frieden geben kann, wenn der innere Friede fehlt. Inneren Frieden kann nur jeder Mensch persönlich erlangen (s. auch: „Wahrer Friede“). Er ist kein Natur- oder gesellschaftliches Ereignis.
Nun reden wir Christen gern vom „Frieden Gottes“, den wir (angeblich) haben. Aber ist dieser Friede
wirklich substanzhaft? Etwa so, wie der von Swami Muktananda, dessen Friede so groß war, dass ein
ganzer Ort ihn bat, „für immer dort zu bleiben, da sich um ihn herum Frieden ausbreitete.“[1]? Oder jener von Sadhu Sundar Singh, der berichtete, dass ihn der Friede auch im größten äußeren Leid nicht verließ? – Es ist nicht von ungefähr, dass hier zwei Inder als Protagonisten genannt werden, denn sie wissen, dass geistliche Schätze nur durch geistliche Disziplin erlangt werden können. Wir stattdessen meinen, es müsste uns alles in den Schoß fallen, da Gott uns ja gnädig sei.
Doch wie lautet es im Hebräerbrief (12,14)? – „Jagt nach dem Frieden…“. Der Friede flüchtet ständig vor dem Menschen. Der Mensch muss ihm wahrhaft hinterherjagen, um in seinen Besitz zu kommen.
Friede beginnt in der Gedankendisziplin. Indem wir wissen, dass es nichts Wertvolleres als unsere
Unsterblichkeit/Ewigkeit/Gott gibt, haben wir bereits alles und brauchen nichts Äußeres, noch kann uns Letzteres wirklichen Schaden zufügen. In der Pflege dieser Gedanken lassen wir uns nicht verleiten, erregt oder gar empört zu werden, sondern wir bleiben immer bei uns, die wir Frieden haben.

[1] EZW, Orientierungen und Berichte Nr. 19,9

As times goes by

Im Dezember hatte ich mir wieder einmal ein „christliches Buch“ zur Rezension bestellt, aber bald gemerkt, dass mich das Thema eigentlich nicht mehr interessierte. Längst war ich über das Pfingstlerische, Charismatische hinausgewachsen.

Bereits während meiner Zeit als Bausoldat in der damaligen DDR hatte ich einige übersinnliche Erlebnisse, die durch die Begegnung mit der charismatischen Bewegung sich vertieften und ausweiteten.

Mit Begeisterung las ich charismatische und pfingstlerische Literatur, die hauptsächlich dadurch vorhanden war, dass man sie sich gegenseitig auslieh. „Die glücklichsten Menschen auf Erden“ von Demos Shakarian trug nicht unwesentlich dazu bei, dass ich zu meiner ersten Vision kam (s. hier).

Meine Erwartungen in die Bewegung waren hoch und ich hoffte auf eine kraftvollere Wiederholung der Ereignisse, die 1835 zur Aussendung von 12 Aposteln führte, die die Christenheit durch das Wirken in Geisteskraft einen sollte. Der gegenwärtige Zustand der Kirchen und Gemeinden bedrückte mich sehr. Sie waren in meinen Augen „tot“. Da war wesentlich nur Gewohnheit, Tradition wahrnehmbar.

Obwohl mir bald in einer Vision gezeigt wurde, dass aus dieser Bewegung nichts zu erhoffen war, bezog ich weiterhin Zeitschriften aus der Erneuerungsbewegung, um ja nichts zu verpassen!

Nun, die Geschichte hat gezeigt, dass dieser Aufbruch tatsächlich schon in seinen Anfängen steckenblieb, weil eine theologische Durchdringung der unsichtbaren Realitäten unterblieb und der Geist nicht „in alle Wahrheit“ führen durfte, sondern lediglich gut dazu war, Heilungen zu bewirken oder dem eigenen Ego zur Anerkennung zu verhelfen, indem man sich darauf berief, dass „der Geist“ einem dies oder jenes gesagt habe.

Schon im Anfang meiner Berührung mit pfingstlerisch/charismatischer Literatur wunderte ich mich über das Banale, das „Gott“ angeblich wollte oder dem Menschen schenkte. Das schien mir etwas daneben, wo mir schon mein Verstand sagte, dass es Wichtigeres gab. Aber damals war ich noch zu sehr von Ehrfurcht erfüllt, als dass ich das Menschliche darin durchschaut hätte.

Nun hatte ich also ein Buch zu besprechen, das den neuesten Stand der Bewegung reflektierte. Sie ist nicht tiefer geworden, sondern breiter. Doch um im europäischen Raum wirklich fruchtbar werden zu können, benötigt der Glaube eine Vertiefung, wie sie nur aus der Erkenntnis der unbewussten Glaubensmuster des natürlichen Menschen entspringen kann, die einer Heiligung des ganzen Menschen im Wege stehen. Dazu leisten Pfingst- und charismatische Bewegung bisher nichts.

Charismatisch, evangelikal und katholisch


Sandler, Willibald. Charismatisch, evangelikal und katholisch
Verlag Herder, 2021, 360 S., 28,- €

Die Symbiose von evangelikal und katholisch im Titel weckte meine Neugier. Passt denn das zusammen? Wie kann man als katholischer Christ evangelikal sein? Natürlich wird sich kein Katholik als evangelikal bezeichnen, sondern hier handelt es sich um eine Zuschreibung des Autors, um das Gemeinsame einer immer mehr über-, ja postkonfessionellen Praxis zu beschreiben. Diese ist von gefühls- und erwartungsorientierter Frömmigkeit geprägt, wie wir sie besonders aus der Pfingst- und der charismatischen Bewegung kennen und die sich damit vom Traditionalismus und progressiven Katholizismus unterscheidet.

Das Buch, verfasst von einem katholischen Theologen, der selbst bekennender Charismatiker ist, gibt im Kern einen guten Überblick über die evangelischen Erweckungsbewegungen, beginnend mit Graf Zinzendorf und den Herrnhutern bis zum „Mission Manifest“ des Augsburger Gebetshauses unter der Leitung von Johannes Hartl.

Zunehmend sehen viele Bischöfe und Pastoralverantwortliche in diesen Bewegungen und Initiativen die Zukunft der Katholischen Kirche, andere darin ihren Niedergang.

Es geht deshalb dem Autor darum, Brücken zu bauen und Dialog zu ermöglichen. Auch möchte er Hilfe zur Unterscheidung der Geister bieten.

Während er Potentiale in der lebendigen Frömmigkeit und der Erwartungshaltung sieht, die anziehend auf andere Menschen wirke, sieht er eine Gefahr in der „Geschichtsvergessenheit und Theologieverweigerung“ dieser Strömungen.

Damit ist andererseits klar, dass unreflektiertes Erleben Glauben an der Oberfläche bleiben lässt, wo doch nur Tiefe der Erkenntnis einer naturwissenschaftlich geschulten Wissensgesellschaft Paroli bieten kann. Eine Festigung im Glauben muss, wo die Erwartungen enttäuscht werden, ausbleiben. Das kann dann dazu führen, dass der Glaube gänzlich verworfen wird.

Heute benötigt man Verständnis für übersinnliche Wirkzusammenhänge.

Es bleibt dahingestellt, ob sich unter diesen Umständen Hoffnungen auf eine Neu-Missionierung Europas erfüllen können.

Mir bietet das Buch zu wenig Kritik, was ich zwar angesichts einer exoterisch bleibenden Theologie verstehen kann, aber ist es wirklich so schwierig, eine „geistliche Kriegsführung“ à la Peter Wagner als das, was es ist, nämlich Unsinn, zu bezeichnen? Der geistliche Kampf – wie ihn die Bibel versteht – richtet sich nicht gegen „Territorien“, sondern gegen die falschen Überzeugungen der Menschen. Auch die Dämonenaustreibungen sind ein Anachronismus, der als solcher benannt werden muss.

Das Buch kann nur der Anfang einer gründlichen Auseinandersetzung sein.

„Niemand kommt zum Vater, denn durch mich“

Jesus spricht „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater, denn durch mich.“ (Joh. 14,16). Doch weshalb sollte man überhaupt zum Vater kommen wollen? Man macht sich gewöhnlich keine Gedanken darüber und wenn man doch irgendwelche Vorstellungen dazu hat, dann sind sie wohl eher unzutreffend.

Der Vater ist der Ursprung. Der Ursprung ist das Leben! Um zum Vater kommen zu können, müssen wir als Geschöpfe alles Geschaffene verlassen. Das ist der Weg! Weil Jesus Christus diesen Weg gegangen und eins mit dem Vater ist, kann er auch davon sprechen, dass er der Weg ist. Wir haben bereits Weg und Ziel. Aber was hat es mit der Wahrheit auf sich? – Ganz einfach: Wir sind deshalb vom Vater getrennt, weil wir die Wahrheit nicht kennen und deshalb in der Unwahrheit leben. Wir leben nicht richtig, d.h. wir sind nicht „gerecht“ vor Gott und leiden deshalb.

Nun geht es aber im christlichen Glauben in Wahrheit nicht um einen Personenkult. Wahrheit ist nicht exklusiv, sondern inclusiv. Sie schließt lediglich das Unwahre aus. Jeder versteht deshalb den Weg völlig falsch, der meint, der Weg könne ausschließlich auf dem Boden christlichen Glaubens beginnen. Denn dem Menschen stehen grundsätzlich nur zwei Wege offen, d.h. er hat nur zwei Möglichkeiten zu leben. Diese Möglichkeiten hat Jesus klar definiert (Mt. 7,13-14). Der breite Weg ist der Weg der Anhänglichkeit am Geschaffenen. Der andere ist der der Loslösung von der Welt.

Es ist klar erkennbar, dass nicht nur der breite Weg überall in der Welt beschritten wird, sondern auch der schmale Weg, ohne dass man sich mit Jesus Christus verbunden weiß. Ursprünglich dienten Yoga oder buddhistische Versenkung, Zen-Meditation und anderes einzig dazu, um sich von den Anhaftungen an das Innerweltliche, also den Dingen und Personen, zu lösen. Etwas anderes können auch Christen nicht tun. Aber tun sie es mit der gleichen Ernsthaftigkeit wie die vermeintlichen Heiden? – Durch eine solche Loslösung stirbt man – christlich formuliert – unweigerlich „dem alten Menschen“, dem „Fleisch“, der Sünde ab und kommt zum wahrhaftigen Leben.

Das ist etwas ganz anderes als der oberflächliche Glaube vieler Christen, die meinen, Gott würde schon alles tun, und sie kämen aus Gnade in den Himmel, was sie mit dem „beim Vater sein“ gleichsetzen. Sie denken nicht ernsthaft daran, den schmalen Weg zu gehen, sondern meinen, ihr Bekenntnis zu Christus, eventuell etwas Evangelisation/Mission, sei der Weg.

Nein, es geht um die Umwandlung unserer Natur. Die ist nur durch permanentes Loslassen zu erreichen. Der so entstehende neue Mensch lebt unter allen äußeren Bedingungen in Glückseligkeit, denn er trägt nicht nur das Himmelreich in sich, sondern es tut sich am „Ende“ auch kund in der Unverletzlichkeit seiner neuen Leiblichkeit (Joh. 6,54).

Alles in meiner Macht Stehende

kann ich tun. Das Dumme ist nur, wir tun es nicht, sondern sind darum bemüht, das zu tun, wozu wir nicht in der Lage sind. Darin liegt das Scheitern der Menschen. Wir wollen andere Menschen verändern, unsere Umwelt, die Gesellschaft, die Natur. Wir buhlen um Anerkennung. Wir wollen Einfluss in der Gemeinde, der Kirche haben, usw. usf.. Doch überall, wo wir jemand anderen benötigen, sind wir machtlos. Wir können nur über uns selbst verfügen. Nur über uns selbst können wir Macht erlangen, da sie uns ganz natürlich gegeben ist1. Doch bleiben wir machtlos, solange wir uns nicht selbst verändern wollen und deshalb auch nicht wissen, wie es geht, wie es gemacht wird.

Wenn wir uns nicht selbst verändern, bleiben wir, wie wir sind. Da kann auch ein Gott nichts machen, denn wir sind keine Maschinen, die einfach nur repariert werden könnten. Wenn wir uns nicht ändern, nützt auch der höchste Himmel nichts, denn wir wären weiterhin unglücklich. Aber wir können uns ändern, wenn wir nur wollen. Das heißt aber nicht, dass wir sofort, wenn wir uns zum Wollen entschlossen haben, auch schnelle Erfolge sehen. Ganz und gar nicht! In uns gibt es gegen solche Entschlüsse genügend Widerstände, nämlich unser bisheriges Wollen, das zum neuen Wollen im Widerspruch steht, die Macht unserer Gewohnheiten, die ja bereits so stark geworden sein können, dass sie sich bereits in physischen Krankheiten manifestieren. Aber wir können jeden in uns liegenden Widerstand überwinden und wirklich heil an Seele und Leib werden. Das mag jetzt etwas blauäugig klingen und doch ist es so.

Voraussetzung dafür, ist natürlich, dass wir „von Neuem geboren werden“ (Joh. 3,7). Diese Aufforderung ist natürlich heute zu einer Floskel verkommen, mit der niemand mehr etwas rechtes anfangen kann. Aber sie bedeutet, wenn weiterhin unsere Grundüberzeugung ist, dass wir nur Geschöpfe sind, also lediglich von Vater und Mutter und letzendlich von Adam und Eva abstammen, dann bleiben wir in der Angst vor dem Tod, vor der Vernichtung, die jedes Lebewesen beherrscht. Dann stehen uns eben nur die irdischen Möglichkeiten zur Verfügung, um unseren Tod so lange wie möglich hinauszuzögern, dann bleibt uns auch nichts anderes übrig, als auf Kosten anderer zu leben und zu sündigen.

Nur wenn wir begreifen, dass wir eins mit dem Vater, dem Leben an sich, das vollkommen ist, ewig sich gleich bleibt, sind, können wir selbst vollkommen werden2, denn nur dann gibt es nichts mehr, das uns ängstigen könnte, das wir fürchten müssten! Nur wer dieses Bewusstsein hat, ist neugeboren, nur wer aus ihm lebt!

Was steht also in unserer Macht? – In unserer Macht steht, dass wir heilig werden können. Aber darunter ist auch nicht wieder eine christliche Floskel zu verstehen, sondern ein wirkliches Heilwerden. Wenn Jesus und die Apostel unvollkommene Menschen als Heilige ansprachen, dann deshalb, weil sie darauf aufmerksam machen wollten, dass wir unserem wahren Wesen nach Heilige sind und deshalb auch werden können. Würden wir solche nicht von Grund auf sein, könnten wir es auch niemals werden.

In unserer Macht steht die völlige Selbstherrschaft, die Überwindung aller Triebe und Begierden, ein glückliches Leben ganz gleich, in welchen Umständen wir leben. In unserer Macht steht die Auflösung jeglicher Krankheit, ja sogar die Überwindung des Todes!

Alles beginnt mit dem Glauben, der das rechte Wollen erzeugt und auf dem Weg des Tuns die rechten Einsichten schenkt. Denn was wir zuerst verwirklichen können, ist nicht unbedingt das, was wir uns in den Kopf gesetzt haben oder gern hätten, sondern das, was uns innerlich durch die Struktur unserer Seele, also durch die bereits vorhandenen Prioritäten ermöglicht wird. Alles ist hierarchisch gegliedert! Wir stärken also durch das Festhalten an einem bestimmten Wollen eine bestimmte Richtung und wenn diese stärker als eine diese Richtung durchkreuzende geworden ist, haben wir einen kleinen Sieg errungen.

Wichtig ist es, immer vom Allgemeinen auszugehen. Das Allgemeine eines jeden Menschen ist, dass er ein glückliches Leben haben möchte. Diesem ist sein ganzes Tun gewidmet. Nur suchen eben die Menschen das Glück außerhalb von sich selbst, wo sie es nicht finden können, da eben alles Äußere nicht in unserer Macht steht. Also beginnt man damit, sich darauf zu besinnen, dass man bereits glücklich ist und es allezeit sein kann, weil wir ewige Wesen sind und deshalb keinen Mangel haben.

1„Ich vermag alles durch den, der mich mächtig mach“ (Phil. 4,13).

2„Seid vollkommen!“

Die Sünde wider den Heiligen Geist

Man kann als Christ in Anfechtungen kommen, in denen sich der Gedanke aufdrängt, man habe wider den Hl. Geist gesündigt, also die Sünde begangen, die nicht vergeben werden kann (Mt. 12,31-32; Mk. 3, 29; Lk. 12, 9-10).

In solchen Situationen ist man in den Regel nicht in der Lage, einen klaren Gedanken zu fassen. Deshalb sollte man frühzeitig wissen, was mit ihr gemeint ist und weshalb sie nicht vergeben werden kann.

Jede Sünde und Lästerung wird den Menschen vergeben werden; aber die Lästerung des Geistes wird nicht vergeben werden. Und wenn jemand ein Wort reden wird gegen den Sohn des Menschen, dem wird vergeben werden; wenn aber jemand gegen den Heiligen Geist reden wird, dem wird nicht vergeben werden, weder in diesem Zeitalter noch in den zukünftigen.“ (Mt. 12, 31-32).

Wenn wir den Kontext betrachten, in dem Jesus das sagt, dann sehen wir, dass die Pharisäer und Schriftgelehrten die Heilshandlungen Jesu nicht einem guten, sondern einem bösen Geist zuschreiben. Wenn man aber das Gute böse nennt, dann will man nichts mit ihm zu tun haben und dann kann einem auch nicht geholfen werden. Gott oder auch einem Menschen wird damit die Wirkmöglichkeit genommen. Denn nur die Wahrheit ist heilsam. Wahrheit bleibt Wahrheit, ob das jemandem gefällt oder nicht. Darüber kann man nicht hinwegsehen, was ja „vergeben“ bedeuten würde.

Natürlich bedeutet die Sünde wider den Hl. Geist nicht, dass ein solcher Mensch für alle Zeiten unrettbar verloren ist. Eine Sinnesänderung kann auch bei den Menschen eintreten, die tatsächlich eine solche Sünde begangen haben. Und sei es durch Schicksalsschläge, die sie zur Besinnung bringen. Aber solange man Gutes böse, Richtiges falsch nennt, bleibt man Bösen, im Irrtum. Daran kann nichts geändert werden.

Aktives Nichtstun

Christen reden davon, ihr Leben dem Herrn übergeben zu haben. Aber für wie lange? Für die nächsten fünf Minuten? Dann übernimmt wieder das eigene Ich das Ruder? – Wer es wirklich ernst meint, wird die Minuten, da man bereit ist, Gott wirken zu lassen, und in denen in der Regel nichts geschieht (keine Erleuchtung, keine Idee, was zu tun ist, kein Impuls), immer mehr ausdehnen. Denn dann, wenn man wirklich zur Ruhe kommt und nicht bereit ist, sich ablenken zu lassen, kann erst Gott wirken. Dann kommen Erinnerungen, Gedanken hoch, denen man aber nicht, oder wenigstens nicht zu lange, nachhängen sollte. Vor allem nicht, wenn sich die Gedanken und Erinnerungen nicht auf die Wahrheit beziehen.

Unser Herz ist unruhig, weil uns bewusst ist, dass wir in der Welt zum Heil unseres Leibes, der bedürftig ist, handeln müssen. Wir meinen, wir könnten nicht einfach dasitzen und die gebratenen Tauben würden uns in den Mund fliegen. Aber genau das sollten wir glauben, damit es wahr wird. Denn Jesus sagte: „Sorgt euch nicht…“ (Mt. 6,25 – 34; Luk. 12,22 – 30). Wer zu Ruhe und Frieden kommen, also das Himmelreich erfahren will, muss darauf vertrauen, dass Gott handelt, wenn wir nicht handeln. Aber Vertrauen, Glauben erlangt man nicht auf Befehl oder durch einen einfachen Willensentscheid. Man kann sich nicht einfach hinsetzen und sagen, jetzt mache ich mal nichts und werde mal sehen, was Gott für meine Mittagsmahlzeit tut. So funktioniert das nicht!

Wer wirklich vertraut, der spürt, dass er ruhig bleiben darf, weil Hilfe eintreten wird. Es geht nicht darum, dass wir kopfgesteuert irgendwelche Vorsätze fassen, die erfüllt werden sollen. Wir wissen ja überhaupt nicht, wessen wir wirklich bedürfen, noch wie sich irgendwelche Probleme lösen lassen. Der Kopf ist allerdings nicht um Antworten verlegen. Aber das ist alles oberflächlich, nicht wirklich lösend, erlösend. Programme sind immer schnell zur Hand: Wir müssen uns zusammenschließen zu Bibel und Bekenntnis, wir müssen mehr Hölle predigen, wir müssen…

Nein, das wichtigste ist, zu begreifen, dass wir ewige Wesen, ja das Leben im tiefsten Sinne selbst sind, und wir deshalb grundsätzlich keinen Mangel leiden. Ein Gott hat keinen Mangel. Das ist die Basis für das Denken und den Glauben eines Christen, die dadurch immer mehr zur Erfahrung wird. Wo aber kein Mangel ist, kann man zur Ruhe kommen. Ein solcher kann mit Laotse sagen: „Durch Nichtstun wird alles getan.“

Das ist für uns Abendländer schwer zu begreifen, weil wir auf Aktivität, auf Fleiß programmiert wurden. Der Calvinismus hat da, mit seiner Wertschätzung der Arbeit, viel Schaden angerichtet. Aber noch heute gibt es kontemplative Orden, die das Nichtstun pflegen. Aber möglicherweise ist das Leben in diesen zu sehr ritualisiert, sodass das Vertrauen ins Leben dadurch doch noch zu sehr behindert wird.

So wie eine Zelle unseres Körpers sicher sein kann, dass sie stets mit allem versorgt wird, was sie benötigt, sollten wir vertrauen lernen, dass alles uns stets zum Besten ist. Wozu, wenn das Leben selbst ununterbrochene Aktivität ist (wir müssen nichts tun, um den Blutkreislauf in Bewegung zu halten; automatisch atmen wir ein und aus), sollten wir an der Idee festhalten, wir kämen um, wenn wir nicht aktiv in diese Welt eingriffen?

Lasst uns Abstand gewinnen von uns selbst, damit wir sehen, was uns umtreibt, und wir durch die Liebe zum einzig wertvollen, dem Ewigen, dem Leben an sich, von unseren vermeintlichen Pflichten und unserer Flucht in vergnügliche Ablenkungen frei werden. Das Leben wird dann zu einem immerwährenden Fest.

Corona und ich

Wenn es nach den Jahren geht, die ich bis jetzt auf der Erde weile, gehöre ich zur Risikogruppe, also zu jenen Menschen, denen das Virus gefährlich werden könnte. Aber das interessiert mich nicht. Denn ich bin, wie übrigens jeder andere Mensch auch, das Leben, und das Leben kennt weder Krankheit noch Tod – es ist ewig.

Das ist mir erst in den letzten Jahren so richtig bewusst geworden, weil ich dem Zentrum, also dem Leben selbst immer näher gekommen bin. Was ich biographisch wurde, also meine Auseinandersetzung mit der Umgebung im weitesten Sinne, bildete nur das Gerüst für diesen meinen Lebensinhalt.

Also wovor sollte ich mich fürchten? Was habe ich zu erwarten? – Doch nichts anderes als Leben und immer nur Leben!

Viren sind nicht einmal Leben, sondern auf einen Wirt angewiesen, um gedeihen zu können. Sollte mich ein Virus umprogrammieren können? Gewiss, auch Substanzen können das zeitweilig. Schon Alkohol ist dazu in der Lage. Aber in welchem Maße er das kann, hängt auch nur von den persönlichen Bedingungen ab. Resilienz ist das Stichwort. Und Resilienz wiederum ist abhängig von dem, inwieweit ich mich selbst habe, d.h. wie klar ich mir bewusst bin, was ich bin und in welchem Maße ich das verwirklicht habe.

Als Christ, und erst recht als einer, der erkannt hat, dass er mit dem Leben eins ist, ist es nicht meine Aufgabe, Krankheit und Tod zur Darstellung zu bringen, sondern allein Gesundheit und Auferstehung (als Leben, das das Negative – den Irrtum – besiegt hat). Freude und Kraft sind es, die mein Dasein bestimmen.

Als Christ erwarte  ich nicht, von irgendetwas angesteckt, krank zu werden, sondern ich erwarte immer nur ein wachsendes  Heil- , d.h. Gesundwerden. Das ist keine Blauäugigkeit, denn mir ist ja im Gegensatz zu jedem materialistisch denkenden Menschen bewusst, dass der sich mit seinem physischen Leib identifizierende Mensch per se unheilbar krank ist und dem auch, im Falle von Corona, Impfstoffe nicht wirklich helfen können.

Viele Christen haben nur einen „Feuerlöscher-Gott“, d.h. sie glauben zwar, dass er da ist, aber gebraucht wird er nur im Notfall. Aber dann wird man oft feststellen, dass der eigene Glaube gar keine Substanz hatte und man unter der Last zusammenbricht.

Das heilsame christliche Leben dagegen ist, wie bereits Luther richtig sagte ,„nicht Gesundsein, sondern Gesundwerden, nicht Sein, sondern Werden, nicht Ruhe, sondern Übung. Wir sind´s noch nicht, wir werden´s aber.“ – Und zwar kontinuierlich, indem wir permanent im Sinne der Wahrheit denken und leben. So stärken wir unser Immunsystem.

Täuschen wir uns nicht, auch mit dem Ende der Corona-Krise, wird vieles nicht mehr so sein wie bisher. Der Krisenmodus geht weiter und wer noch nicht gelernt hat, unabhängig vom Äußeren glücklich zu sein, sollte das schleunigst lernen, um krisenfest durch das Kommende zu gehen.

Die Beiträge auf diesem Blog sind dazu geeignet.

Nur im Auge des Zyklons wird man Ruhe haben.

 

Packen wir es an!

Jesus sagt in Mt. 10,28 etwas sehr Zentrales, das aber von Christen kaum beachtet wird. Er meint, wir sollen uns nicht vor denen fürchten ,„die den Leib (zu) töten vermögen“. Bleiben wir zunächst dabei. Er erkennt damit zunächst an, dass wir uns vor dem Sterben fürchten. An anderer Stelle spricht er davon, dass diese Todesangst unser ganzes Dasein auf Erden bestimmt – „In der Welt habt ihr Angst.“ (Joh. 16,33) Das wird jeder aus seinem Leben bestätigen können, auch wenn wir dieses Wissen gern verdrängen und uns lebenstüchtig und furchtlos geben. Aber Jesus möchte nicht, dass wir unsere existentiellen Ängste verdrängen und uns in allerlei Aktivitäten stürzen, sondern, dass wir ihnen bewusst begegnen. Nur so können wir heil und gesund werden.

Deshalb sagt er uns auch, wie wir unsere Ängste überwinden können. Er gibt uns das Universalrezept dafür in die Hand! Das Einzige, das uns wirklich hilft ist – nein, nicht Jesus, sondern das Bewusstsein der Unsterblichkeit unserer eigenen Seele!

Er begründet, weshalb wir uns nicht fürchten müssen damit, dass die Seele nicht getötet werden kann. Also mit einer objektiv bestehenden Faktizität! „Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht zu töten vermögen“ (Mt. 10, 28a)

Daran schließt sich aber gleich eine Warnung an. Wenn wir uns also nicht darin üben, durch die Pflege des richtigen Bewusstseins – nämlich unserer Unsterblichkeit – die Todesfurcht zu minimieren und schließlich ganz zu überwinden, dann übt diese existentielle Angst weiterhin ihre destruktive Macht aus. Vers 28 geht also weiter, „fürchtet aber vielmehr das, was sowohl Seele als auch Leib zu verderben vermag in der Hölle!“ Es ist nicht eine Person, die Seele und Leib zu verderben, sie krank zu machen vermag, sondern eben die Seeleninhalte, die aus der Identifikation mit dem Leib erwachsen. Aus der Identifikation mit dem Leib ergibt sich eine „fleischliche“ Gesinnung. Diese ist, wie Paulus schreibt, die Wirksamkeit des Todes. „Fleischlich gesinnt sein, ist der Tod“ (Rö. 8,6a). Wer sich aber mit der Unsterblichkeit der Seele, also der eigenen Ewigkeit identifiziert, baut eine geistliche Gesinnung auf, die Leben und Friede bringt. „doch geistlich gesinnt sein ist Leben und Friede.“ (Rö. 8,6b)

Fassen wir zusammen: Um heil zu werden, ist es notwendig, unsere Existenz-/Todesangst zu überwinden, sonst bleibt man weiter den destruktiven Kräften unterworfen. Die Überwindung der Todesangst ist allein auf wissenschaftlicher Basis möglich, nämlich durch das, was jeder Mensch wirklich, d.h. objektiv ist!

Noch etwas ganz Wichtiges: Im Text Mt. 10,28 steht γέεννα (geenna), das mit „Hölle“ übersetzt wird. Ganz klar geht daraus, wie auch aus Mt. 5,29-30 hervor, dass damit kein jenseitiger Ort, in den man nach dem Tod kommt, gemeint ist, sondern „nur“ das allseits zerstörerische Wirken der Sünde, der geistig-seelische Quellort der Zerstörung. Denn einen physischen Leib haben wir nur hier auf Erden.

Und noch etwas wichtiges: Weil auch Christen sich nicht gern ihren Ängsten aussetzen, sondern vor ihnen in allerlei Ablenkungen fliehen und sei es die Beschäftigung mit der Bibel, dem Predigen, dem Diskutieren in christlichen Foren oder dem Posten auf facebook, geschieht natürlich nicht viel, das uns Heilung in der Tiefe unseres Lebens bringt, bleibt unser Leben und Reden oberflächlich.

Deshalb ist es wichtig, dass wir nun endlich unsere wahren Probleme angehen!