Packen wir es an!

Jesus sagt in Mt. 10,28 etwas sehr Zentrales, das aber von Christen kaum beachtet wird. Er meint, wir sollen uns nicht vor denen fürchten ,„die den Leib (zu) töten vermögen“. Bleiben wir zunächst dabei. Er erkennt damit zunächst an, dass wir uns vor dem Sterben fürchten. An anderer Stelle spricht er davon, dass diese Todesangst unser ganzes Dasein auf Erden bestimmt – „In der Welt habt ihr Angst.“ (Joh. 16,33) Das wird jeder aus seinem Leben bestätigen können, auch wenn wir dieses Wissen gern verdrängen und uns lebenstüchtig und furchtlos geben. Aber Jesus möchte nicht, dass wir unsere existentiellen Ängste verdrängen und uns in allerlei Aktivitäten stürzen, sondern, dass wir ihnen bewusst begegnen. Nur so können wir heil und gesund werden.

Deshalb sagt er uns auch, wie wir unsere Ängste überwinden können. Er gibt uns das Universalrezept dafür in die Hand! Das Einzige, das uns wirklich hilft ist – nein, nicht Jesus, sondern das Bewusstsein der Unsterblichkeit unserer eigenen Seele!

Er begründet, weshalb wir uns nicht fürchten müssen damit, dass die Seele nicht getötet werden kann. Also mit einer objektiv bestehenden Faktizität! „Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht zu töten vermögen“ (Mt. 10, 28a)

Daran schließt sich aber gleich eine Warnung an. Wenn wir uns also nicht darin üben, durch die Pflege des richtigen Bewusstseins – nämlich unserer Unsterblichkeit – die Todesfurcht zu minimieren und schließlich ganz zu überwinden, dann übt diese existentielle Angst weiterhin ihre destruktive Macht aus. Vers 28 geht also weiter, „fürchtet aber vielmehr das, was sowohl Seele als auch Leib zu verderben vermag in der Hölle!“ Es ist nicht eine Person, die Seele und Leib zu verderben, sie krank zu machen vermag, sondern eben die Seeleninhalte, die aus der Identifikation mit dem Leib erwachsen. Aus der Identifikation mit dem Leib ergibt sich eine „fleischliche“ Gesinnung. Diese ist, wie Paulus schreibt, die Wirksamkeit des Todes. „Fleischlich gesinnt sein, ist der Tod“ (Rö. 8,6a). Wer sich aber mit der Unsterblichkeit der Seele, also der eigenen Ewigkeit identifiziert, baut eine geistliche Gesinnung auf, die Leben und Friede bringt. „doch geistlich gesinnt sein ist Leben und Friede.“ (Rö. 8,6b)

Fassen wir zusammen: Um heil zu werden, ist es notwendig, unsere Existenz-/Todesangst zu überwinden, sonst bleibt man weiter den destruktiven Kräften unterworfen. Die Überwindung der Todesangst ist allein auf wissenschaftlicher Basis möglich, nämlich durch das, was jeder Mensch wirklich, d.h. objektiv ist!

Noch etwas ganz Wichtiges: Im Text Mt. 10,28 steht γέεννα (geenna), das mit „Hölle“ übersetzt wird. Ganz klar geht daraus, wie auch aus Mt. 5,29-30 hervor, dass damit kein jenseitiger Ort, in den man nach dem Tod kommt, gemeint ist, sondern „nur“ das allseits zerstörerische Wirken der Sünde, der geistig-seelische Quellort der Zerstörung. Denn einen physischen Leib haben wir nur hier auf Erden.

Und noch etwas wichtiges: Weil auch Christen sich nicht gern ihren Ängsten aussetzen, sondern vor ihnen in allerlei Ablenkungen fliehen und sei es die Beschäftigung mit der Bibel, dem Predigen, dem Diskutieren in christlichen Foren oder dem Posten auf facebook, geschieht natürlich nicht viel, das uns Heilung in der Tiefe unseres Lebens bringt, bleibt unser Leben und Reden oberflächlich.

Deshalb ist es wichtig, dass wir nun endlich unsere wahren Probleme angehen!

Ideale müssen verwirklicht werden –

denn sonst erfährt man nicht ihren Segen. Das Christentum stellte das Ideal des Reiches Gottes auf, in dem alle Lebewesen miteinander in Harmonie und der gesamten Schöpfung leben (Mt. 6,10).

Damit dieses Ideal Wirklichkeit werden kann, müssen sich zuerst die Menschen ändern. Das kann nicht durch Zwang, also durch äussere Mittel geschehen, sondern nur indem der Mensch freiwillig dieses Ideal in sein Herz aufnimmt und dessen Verwirklichung anstrebt. Er muss also dieses Ideal lieben, um es zu erreichen (Jak. 2,17). Es ist klar, dass sich ein so großes Ideal nicht von heute auf morgen verwirklicht, sondern dass es ein langer Weg ist.

Das Wesen des christlichen Glaubens besteht nicht darin, daß der Mensch ohne sein Zutun – einfach aus Gnade – in eine bessere Welt versetzt wird (die er ja sofort wieder durch sein sündiges Wesen verderben würde) – sondern daß jeder Mensch, unabhängig von seiner Vergangenheit, dieses Ideal ergreifen und verwirklichen kann.

Dazu gehört natürlich der Glaube, dass das ein lohnenswertes Lebensziel und daß seine Realisation schrittweise möglich ist.

Denn Jesus sagte nicht, dass wir schlechtere Menschen sein dürften als die Pharisäer, die die Gebote nur äußerlich erfüllten, sondern er sagte in der Bergpredigt, dass wir weit besser sein müssten (Mt. 5)

Christlicher Glaube ist deshalb kein Hoffen auf ein „besseres Jenseits“, in das wir nach dem Tod kommen, sondern berechtigtes Hoffen auf eine zukünftige Welt (Hebr. 6,5), die durch die kontinuierliche Heiligung erreicht wird.

Dabei wird das menschliche Sein und Verhalten nicht mehr von der Vorstellung geprägt, wir seien vergängliche, dem Tod unterworfene Geschöpfe, sondern davon, dass wir im Kern unsterbliche Wesen sind. Infolgedessen müssen alle gegenwärtig noch vorhandenen Bedrohungen unseres leiblichen Daseins nicht mehr die Reaktionen hervorrufen, die wir zur Genüge gewohnt sind. Nein, weil sie uns im Kern nicht  treffen (Mt. 10,28), ist uns ein ganz anderer Umgang mit den Lebensverhältnissen möglich. Wir können schließlich jegliche Angst verlieren und durch den Frieden unseres Wesens nicht nur eine bisher unbekannte Stärke unseres Immunsystems erreichen, sondern sogar eine Geistesstärke, die es dem Gegner unmöglich macht, uns überhaupt anzugreifen (Lk 4,29-30, Joh. 10,18).

Wie weit entfernt wir aber noch von einem wahren Herzensfrieden sind, kann uns bereits das morgendliche Aufwachen lehren: Wir wachen oft nicht in friedlicher, angenehmer Stimmung auf, sondern so, dass wir lieber noch etwas schlafen würden.

Christliches Leben führt deshalb immer mehr zu einem von äusseren Anforderung freien, selbstbestimmten Leben, in dem wir durch zunächst recht grobe, dann aber immer feinere Abstimmung unserere jeweils gegenwärtige Realität mit dem Ideal in Übereinstimmung bringen.

 

Das Himmelreich ist in Dir

Jesu Reden handelten vom Himmelreich, das „nahe herbei gekommen“ sei (Mt. 4,17) und dessen Wesen er in zahlreichen Gleichnissen erläuterte. Das Himmelreich ist kein äußeres Reich, das von Raum und Zeit abhängt, sondern ein inneres Reich, das auf der Gegenwart Gottes beruht. Das machte Jesus gegenüber den Pharisäern deutlich, die darunter eine äußere Herrschaft verstanden: „Gottes Reich kann man nicht sehen wie ein irdisches Reich. Niemand wird sagen können: ›Hier ist es!‹ oder ›Dort ist es!‹ Denn Gottes Reich ist schon jetzt da – mitten unter euch.“ (Lk. 17,20; HfA)

Und so ist es kein Wunder, dass es auch einige Menschen gab und gibt, die dieses Reich „geschmeckt“ haben. Es sind das die wahren Christen , die sogenannten Mystiker! Gerhard Tersteegen (1697-1769) hielt es gegenüber dem veräußerlichten Christentum für nötig, zu betonen, dass mystisches Leben nichts Neues sei, sondern „das christliche Leben in seiner Schönheit und eigentlichen Gestalt“.

Des Mystikers Sinn ist treffend in Ps. 73, 25 mit den Worten „Wenn ich nur dich habe, so frage ich nicht nach Himmel und Erde“ ausgedrückt. So äußerte Katharina von Genua (1447-1510), „ Ich empfinde eine solche Liebe zu Gott, dass alle Liebe zum Nächsten mir im Vergleich zu jener zu Gott als eine Heuchelei erscheint“. Oder Mme. Guyon (1648-1717) : „Ich liebte Gott mehr als der leidenschaftlichste Liebhaber seine Geliebte… Diese Liebe war so beständig und beschäftigte mich so unablässig und so mächtig, dass ich an nichts anderes zu denken vermochte.“

Auch in unserer heutigen Zeit machen Menschen solche Erfahrungen. Während bei den Genannten die leidenschaftliche Hinwendung zu Gott alles andere verzehrt hatte, ist es bei den folgenden, heutigen Beispielen, die zeitweilige Loslösung von allem Irdischen in der Meditation.

Während der Meditation durchzogen mich so ungeheuer starke elektrische Ströme, dass mein ganzer Körper in Wonne eingetaucht zu sein schien. In Tränen aufgelöst schien ich nicht mehr derselbe zu sein mit dem allzubekannten, begrenzten Ich-Verständnis.” Eine andere Person empfindet im Zustand der Losgelöstheit „eine Liebe, die man, da sie ohne Objekt ist, am besten ‚Liebevollheit‘ nennen kann. Ja, sie ist umso vollkommener sie selbst, wenn sie ohne Objekt ist.“ Das bestätigen zwei nicht voneinander beeinflusste Lehrer aus ihrer persönlichen Erfahrung. „Wahre Loslösung ist eine Liebe selber ohne Objekt und Subjekt.“ Der andere: „Liebe ist keine Beziehung zwischen zwei Personen. Sie ist ein Gemütszustand. Bist du liebevoll, bist du es zu jedermann.“

Der Zustand der Losgelöstheit ist der Zustand der Einheit mit Gott. Deshalb auch diese Seligkeit und bedingungslose Liebe. So konnte auch Tersteegen sprechen, „Ich hab’s erlangt, was ich begehr‘, Mein Beten ist Genießen.“ Doch nur mittels persönlich geübter Disziplin erlangt man die Herrlichkeit des göttlichen Lebens. Angelus Silesius (1624-1677) ruft deshalb die trägen Christen auf,

Ach Fauler, reg dich doch, wie bleibst du immer liegen!

Fürwahr der Himmel wird dir nicht ins Maul reinfliegen!“

Mit Recht heißt es schließlich: „Doch wer im Himmel seines Innern wohnt, zufrieden mit sich selbst, begierdenlos, der ist erhaben über alles Wirken. Er wirkt nicht selbst; für ihn ist nichts zu tun.“ (Bhagavadgita III,17) Oder wie es die Offb. 14,13 sagt: „Glückselig die Toten [d.h. die Sünder, s. Eph. 2,1], die von jetzt an im Herrn sterben! [d.h. in das Ewige hinein] Ja, spricht der Geist, damit sie ruhen von ihren Mühen, denn ihre Werke folgen ihnen nach. [d.h. sie gehen aus der Einheit Gottes mit dem Menschen mühelos hervor].“

Geglaubt – und dann enttäuscht ?

Sicher erinnert man sich noch an Gottschalks Show „Wetten, dass…?“, wo ein junger Mann, beim Versuch, ein fahrendes Auto mit Sprungfedern an den Füßen zu überwinden, verunglückte. Infolgedessen ist er heute querschnittsgelähmt. Nun bekennt Samuel Koch, dass er lernen musste, Gott zu vergeben, denn er wollte sich bei diesem Sprung „vom Heiligen Geist tragen lassen und von Gott erzählen“, „den Leuten etwas Gutes mitgeben“. Er bekennt: „Wenn ich gewusst hätte, dass Gottes Antwort so ausfällt, hätte ich lieber was anderes gemacht.“ (idea – online, 06.01.2019). Auch ich, und andere, die ich kenne, hatten Phasen, wo sie etwas in gutem Glauben zur Verherrlichung Gottes tun wollten und Schiffbruch erlitten. Mehr als alles andere können solche Enttäuschungen zu Glaubenszweifeln, ja vielleicht sogar zur Abkehr von Gott führen.

In einer solchen Phase las ich von einem Unternehmer, der ein ebenso fragwürdiges Verständnis vom Wirken Gottes hatte. Sein Autohaus steuerte auf den Konkurs zu und nun fragte er sich, ob er die Prioritäten falsch gesetzt habe. Stets stand, seiner Meinung, das „Reich Gottes“ an erster Stelle (Mt. 6,33). Er schrieb christliche Bücher, unterstützte christliche Werke mit Spenden und verwendete viel Zeit darauf, mit Missionaren in Briefkontakt zu bleiben, da das für sie wichtig sei. Auch im „unchristlichen Alltag“ des Geschäftslebens versuchte er christlich zu handeln. Und nun erwartete er von Gott ein Wunder. Aber, so resümierte er: „Es ist so einfach, von Wundern zu reden und zu behaupten, man glaube daran, solange nicht die eigene Existenz davon abhängt, dass eins passiert!“ (Christ & Wirtschaft 1/99)

 

Worin bestehen die falschen Vorstellungen, die das vermeintliche Vertrauen in Gott zu einer Enttäuschung werden lassen?

Zunächst sind es Kopfgeburten, und sie bleiben solche. Man hat bestimmte Vorstellungen, womit man Gott „Ehre erweisen“ könnte oder was er doch tun müsste, wenn man ihn darum bitte. Man bittet, oft recht ernsthaft, und meint, damit sei die Sache erledigt: Nun sei Gott dran.

Aber Glaube ist Gefühl, Empfindung. Man muss innerlich spüren, dass etwas in der gewünschten Richtung geschehen wird. Nur dann ist die Sache von Erfolg gekrönt. Nur dann tritt Wunscherfüllung ein. Bleibt das entsprechende Empfinden aus, muss man weiterbeten oder aufgeben. Vor allem muss das Gebet in Konzentration geschehen. Es ist echte Arbeit.

Weshalb das so ist?

Bleiben wir am Beispiel des Unternehmers. Nun stellen Sie sich vor, wie oft Gott zu ihnen ganz konkret gesprochen hat: Zum Beispiel: „Gehe zu dieser Adresse und überbringe einer Frau mit blonden Haaren und Brille folgende Botschaft…“ Wahrscheinlich nie. Aber wenn einem Unbekannten eine Spende geschehen soll, müsste Gott in ähnlicher Weise zu ihm reden können.

Also werden Menschen, die uns helfen sollen, nur auf der Gefühlsebene erreicht. Das geschieht oft auch spontan, und nicht nur bei Christen.

Ein mir bekanntes Ehepaar, beide bekennende Atheisten, hatten eine Pilzvergiftung. In einem weit entfernten Ort wurde eine Verwandte unruhig und dachte, sie müsse dort unbedingt anrufen. Sie tat es. Es wurde abgehoben, und sie bekam nur mit, dass sie dort unbedingt einen Notarzt vorbeischicken musste. Das rettete ihnen das Leben.

Und, es geht sogar ganz profan. Ich kenne Menschen, die ein Preisausschreiben mitmachten und genau wussten, dass sie den Preis gewinnen würden. Und tatsächlich war es so!

Bei einem ernsthaften Gebet, das in Erfüllung geht, sind es oft die nahen Verwandten oder sonst nahestehende Menschen, die den „Ruf“ erhalten. Unter Umständen müssen sie auch das Anliegen teilen. Jemand z.B., der mit der Mission nichts am Hut hat, wird kaum etwas für die Mission spenden.

Wir beteten nach der Vereinigung Deutschlands lange Zeit, dass uns ein Computer für meine missionarische Tätigkeit geschenkt würde. Dann kam plötzlich von einem völlig unbekannten Menschen ein Paket mit Computerteilen. Im Abstand von Tagen weitere.

Natürlich erkundigte ich mich, wie er auf die Idee gekommen war. Einem Bücherpaket hatte der Versand kostenlos eine Schrift, in der meine Adresse stand, beigelegt. Und da er sich einen neuen Computer angeschafft hatte, dachte er, dass der alte vielleicht noch jemand im Osten nutzen könnte…

Ich hatte damals Kontakt zu o.g. Unternehmer aufgenommen, um zu erfahren, wie es weitergegangen sei, aber keine Antwort erhalten.

Ich könnte mir denken, dass er pleitegegangen ist. Und zwar auch aus folgendem Grund. Er schrieb im Artikel, sein ursprünglicher Wunsch in jungen Jahren sei es gewesen, sich berufsmäßig ganz „ der Reichsgottesarbeit zur Verfügung zu stellen,“ das sei aber nie in Erfüllung gegangen, weil er sich „nicht wirklich dazu durchringen konnte, (…) der familiären Verantwortung so radikal zu entziehen, wie dies in meinem Fall hätte sein müssen.“ Dennoch habe er „ den Glauben an ein ‚eines Tages doch noch‘ nie aufgegeben.“

Während ich die letzten Sätze schrieb, schaute ich ins Internet, und entdeckte, dass die Firma tatsächlich aufgegeben werden musste. Heute ist er als (christlicher) Coach tätig.

Tiefen- entspannung

Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben,
wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt.“

Friedrich Schiller

 

Seit einigen Jahren wohne ich in einem hellhörigen Plattenbau, der einiges an Konzentration abverlangt, will man sich nicht gestört fühlen. Das alles würde noch gehen, wenn es nicht Nachbarn gäbe, die gelegentlich oder auch ziemlich regelmässig anscheinend der Auffassung sind, sie seien die einzigen Bewohner des Hauses und müssten keine Rücksicht nehmen. Die Versuche, ihnen schonend beizubringen, dass das ein Mehrfamilienhaus sei, führten bisher zu keinem Erfolg.

Wie will man also mit solchen Menschen in Frieden leben? – Nein, liebe Leser, ich erwarte jetzt keine Vorschläge, was ich alles tun könnte. Mir geht es wirklich um die Grundsatzfrage, wie lebt man im Frieden, wenn doch der Friede immer wieder durch lärmende Zeitgenossen beeinträchtigt wird? Zum Beispiel, wenn jemand Party feiert und Disco macht zur Schlafenszeit, oder dann, wenn man meinte, ungestört einer eigenen Beschäftigung nachgehen zu können?

Die erste Reaktion, die bei solchen Störungen auftritt, ist ja Empörung über ein solches Verhalten. Aber die tut einem zusätzlich nicht gut, wenn es keine Möglichkeit gibt, ein solches abzustellen. Sie macht einen unruhig, voll von Gedanken, die nichts taugen, schließlich wütend, dass man dem Störenfried gehörig eins überziehen möchte und zum Schluss bleibt man verzweifelt zurück. Natürlich ist das auf die Dauer krank machend.

Dass in einem solchen Fall Gebete geholfen hätten, habe ich noch nicht erlebt. Es sei denn, man bezeichnet die Ausrichtung auf das, was man ist und will, als solches.1 Da öffnet sich nämlich wirklich ein Weg. Der Weg des Heils ist ja ein Weg in die Tiefenentspannung. Nur so wird dauerhafter Frieden möglich. Gestört fühlen kann man sich tatsächlich nur, wenn man selbst auf etwas ganz Bestimmtes fixiert ist. Ist man losgelöst, kann auch nichts stören. Das Ewige, da es von allen Erscheinungen losgelöst ist, ruht im beständigen Frieden.

Da ich ewig bin, muss ich also nichts festhalten, sondern will im Gegenteil mit ihm in Übereinstimmung kommen, also losgelöst sein. Es gibt also nichts zu wollen, nichts zu tun, keine Vorsätze zu haben, sondern einfach nur zu sein. Alles, was ich wahrnehme, ist Außenwelt und geht mich nichts an.

Das, als tägliches Lebensprogramm, hilft auch in anscheinend aussichtslosen Situationen. Man regt sich nicht mehr auf, fragt nicht mehr, was man tun könnte, um die äußeren Beeinträchtigungen abzustellen, sondern bleibt bei sich, bzw. kommt sich näher. Man atmet dann nur noch, die Gedanken und Gefühle kommen zur Ruhe, der innere Aufruhr ist vorbei und schließlich schläft man trotz des Lärms ein.

„Ich werd‘ affektenlos in mir,

Die Sinne und Gedanken hier

Sind lieblich, süß und stille,

Der Leib tut ruhig, was er macht,

Der Atem gehet immer sacht,

Wie schmeidig wird der Wille!

Er schmilzt wie weiches Wachs dahin,

Weg ist der harte Eigensinn,

Hier gilt nur sanftes Wesen,

Die Adern sind von Friede voll;

O wie so ruhig, o wie wohl!“

(G. Tersteegen)

Ich bin überzeugt, die Tiefen des Friedens, den man erlangen kann, kennen keine Grenzen, ebenso die Stärken der Geisteskraft. Da ist längst noch nicht alles entdeckt und erlebt.

1 Eine Form des „Gebets ohne Unterlass“ (1. Thess. 2,13)

Von der Freude, sich heiligen zu können

Wie froh und dankbar bin ich doch, dass ich mich in all den Jahrzehnten meines Christseins in der Wahrheit heiligen (Joh. 17,17) konnte. Was für eine Befreiung! Was für ein Glück! Was für eine Freude!

Heiligung ist keine Last, sondern eine Entlastung des Daseins (Mt. 11,30). Das Dasein stellt uns vor „eiserne“ Notwendigkeiten und ist damit für einen jeden Menschen fordernd. Das fängt damit an, dass wir als Kind den Eltern gehorsam sein sollen. Es setzt sich fort mit den Anforderungen der Schule und mündet in den sogenannten „Ernst des Lebens“. Nun ist unser Leben hauptsächlich von Mühe und Arbeit gekennzeichnet. Hinzu kommen nicht selten diese oder jene Sorgen. Das alles macht uns mehr oder weniger krank.

Und dahinein schallt der Ruf von der Erlösung, von der Möglichkeit eines immer sorgloseren Lebens (Mt. 6,25)! Von der Möglichkeit, die Kindheit (Mt. 18,7), die Gesundheit zurück zu erlangen. Was für eine Chance!

Ein solches Leben ist aller Mühe wert! Was sind dagegen die „Schätze“ dieser Welt? Was Karriere, Eigenheim, Status, Wohlstand, für die sich die unwissenden Menschen plagen? – Aber in der Heiligung wirke ich nicht für vergängliche Werte, sondern schaffe nicht nur für die Gegenwart und nahe Zukunft, sondern für alle Zeiten Bleibendes (Mt. 6,20)!

Weshalb sollten wir denn immer nur zu Nichtigem, zu Unsinn fähig sein? Weshalb sollte es uns nicht vergönnt sein, Gutes, Heilsames zu tun? Dazu sind wir doch geschaffen (Eph. 2,10)!

Nur sinnvolles Tun befriedigt. Alles andere zerstört die menschliche Seele und den Leib! Ich habe es selbst in meiner Jugend erfahren, wie zerstörend Sinnlosigkeit und Hoffnungslosigkeit sind! Wie sie geradewegs in die Hölle führen…

Mit vierzehn Jahren erlebte ich den Schock meines Lebens! Plötzlich war alles zu Ende! Noch sieben Jahre etwa hätte ich zu leben unter der Last einer unheilbaren und ansteckenden Krankheit!

Was für eine Qual! Keine Liebe…, – zu der das Sehnen in diesem Alter aufbricht! Wie ertragen, unter Menschen zu sein mit diesem „Wissen“? Mein Schreien zu Gott – vergeblich! Ich konnte nur verdrängen…Diese „Wahrheit“ vergessen. Aber das funktioniert natürlich nicht. Verdrängtes kommt auf andere Weise wieder ans Licht. Und so hatte ich bald einen „Engel“, der mich immer dann mit „Fäusten“ schlug, wenn es mir am wenigsten passte! Dann die Nötigung in einen Beruf, den ich mir beileibe nicht ausgesucht hätte! Was soll dieses sinnlose, verfluchte Leben?!!! Die Depressionen wuchsen. Aber immer noch hatte ich Kraft, mich zu verlieben. Damit kam neuer Kummer. Ich war am Ende! Genau nach sieben Jahren! – Doch statt des physischen Todes kam der Neuanfang! Aber ich war ein seelisches Wrack!

Schnelle Lösungen gab es auch jetzt nicht. Ich baute mich auf durch Bibelstudium, durch wachsende Erkenntnis der Wahrheit. Nur so konnte ich die Schatten der Vergangenheit allmählich überwinden. Hätte ich diese Möglichkeit nicht gehabt, so hätte der Neuanfang schnell geendet.

Dass ich heute noch lebe, und zwar glücklich, habe ich der Heiligung zu verdanken. „Was, dieser fröhliche Mensch soll Depressionen gehabt haben?“ staunte eine Dame als ich auf einer Freizeit meine Geschichte erzählte. Der, der sich nicht mehr aus dem Haus traute, bereiste mit dem Rucksack die Welt! Der stumpfsinnig Gewordene, wurde zum begeistert Interessierten!

Mein Fazit:

Heiligung bringt das Himmelreich ins persönliche Dasein.

Heiligung lässt uns teilhaben an der Leichtigkeit des Seins.

Übung macht den Meister

Im Januar 1982 hatte ich eine Traumvision: In einer Wüste wanderten schwarzgewandete Menschen aufwärts mit einem Stab, wie ihn Hirten haben, und auf dem Kopf trugen sie einen schwarzen Melonenhut. Rechts im Traumbild standen in numerischer Abfolge die einzelnen Etappen untereinander aufgeführt, deren Inhalte ich aber wegen der Schnelle des Geschehens nicht lesen konnte. Dann sah ich links unten ganz deutlich die Ziffer 9 und daneben den Satz „Erlösung durch Sport.“ Dazu tanzte im Rhythmus ein Stockschirm, und ihm entsprechend ein Mann.

Ich begriff, dass es zum Fruchtbringen (9 ist die Zahl des Fruchtbringens) nötig sei, wie die Sportler immer wieder freiwillig, also aus eigenem Wollen (und nicht weil man muss), im rhythmischen Wechsel bestimmte Glaubensinhalte zu üben.

Zum Üben, das wissen die wenigsten Christen, fordert uns auch die Bibel explizit auf. In 1. Tim. 4,7 heißt es: „ übe dich aber zur Gottseligkeit“. Da steht das griechische Wort γυμνάζω (gymnázo), von dem das Wort Gymnastik abgeleitet ist.

Im evangelischen Glauben kommt man, wenn man etwas übt, sofort in den Verdacht, durch Werke gerecht werden zu wollen. Falls man da überhaupt etwas tut, außer Predigen, dann aus Dankbarkeit oder Liebe zu Gott. Die Werke, die man da tut, sind Werke der Nächstenliebe, also nichts Innerseelisches! Doch gerade das innerseelische Tun ist eminent notwendig, um das Ziel des Glaubens zu erreichen. Paulus schreibt 1. Kor 9,24: „Wisst ihr nicht: Die im Stadion laufen, die laufen alle, aber nur einer empfängt den Siegespreis? Lauft so, dass ihr ihn erlangt.“

Stattdessen hört man immer wieder, aus eigener Kraft können wir nichts tun. Und so überlässt man sich den fleischlichen Mächten.

Aber wer sagt denn, dass wir etwas aus eigener Kraft tun sollen? Nein, aus der Kraft Gottes, um die wir nicht bitten müssen, sondern die uns unablässig zur Verfügung steht, können wir aktiv an unserer Wandlung arbeiten.

Die Kraft Gottes ist aber keine besondere, keine magische Kraft, sondern die Kraft der Wahrheit!

Das Leben ist unablässig tätig. Ohne Pause schlägt das Herz, atmen wir ein und aus. Unablässig sind auch unsere Seeleninhalte in Bewegung. Das sehen wir an unseren Träumen, die aber auch im Tiefschlaf vorhanden sind (nur nehmen wir sie da nicht wahr). Was wir gewohnheitsmässig denken, beinflusst unser Gefühlsleben. Dieses wirkt wiederum zurück auf das Denken, und beides bewirkt unser Handeln. Statt also weiter das Falsche, können wir doch lieber das Richtige tun. Denn unsere Gedanken steuern die Lebenskraft.

Deshalb ist es so wichtig, dass wir die Wahrheit erkennen (Joh. 8,32) und ihr gemäss zu denken üben.

Wer bin ich, wenn ich wiedergeboren bin? – Bin ich dann noch der Mensch, der ich vorher war?

Wenn ich wiedergeboren bin, dann habe ich doch eine neue Identität und dann ist es falsch (also nicht der Wahrheit gemäss), sich weiterhin mit dem zu identifizieren, der ich durch die natürliche Geburt geworden bin.

Ich darf mich jetzt – wenn ich in der Wahrheit bleiben will – nicht mehr als ein vergängliches Wesen ansehen, das unauflöslich von der geschaffenen Welt und ihren Inhalten abhängig ist, sondern ich muss von mir als einem ewigen Wesen denken, das grundsätzlich absolut frei ist und Herrschaft über alles Geschaffene hat.

Nur so ergibt der Begriff „Kind Gottes“ einen Sinn. Ein Kind, das natürlich sich seiner selbst noch nicht so recht bewusst ist, deshalb sein wahres Wesen noch nicht erlebt und seine Kräfte ausleben kann, soll aber erwachsen werden. In Eph. 4,13 ist von der „vollen Mannesreife“ , der vollen Reife Christi“ die Rede, die wir erlangen sollen.

Nur, weil unser neues Leben die gleichen Voraussetzungen, wie das Leben Jesu Christi hat, ist es gerechtfertigt, dass Jesus seinen Nachfolgern verheißt: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer an mich glaubt, der wird auch die Werke tun, die ich tue, und wird größere als diese tun, weil ich zum Vater gehe.“ (Joh. 14,12)

Davon sind wir aber noch weit entfernt! Nicht, weil Gott das nicht wollte, sondern infolge unseres Unglaubens. Wir glauben nicht an das, was wir wirklich sind und aufgrund dieser Wirklichkeit könnten. Das ist wiederum die Folge mangelnden Interesses an der Wahrheit.

In Kirchen und Gemeinden wurden wir in den Schlaf gelullt, indem nicht die Wahrheiten gelehrt, die zum inneren Wachstum nötig sind, sondern in denen wir immer nur in allgemeinen Floskeln ermahnt wurden, zu „glauben“ und Gutes zu tun. Reifer als ein Baby in der Krabbelbox kann man auf diese Weise kaum werden.

Werde, der Du bist.“

Verständnis und Orientierung durch Vertiefung

In unserer schnelllebigen Zeit huschen wir von einem zum anderen, ohne etwas zu vertiefen. In einer viel extremeren Form als zur Zeit Jesu sind wir Menschen, die Augen haben, aber nichts sehen und Ohren haben, die nichts hören (Mt. 13,13). Alles haftet nur flüchtig an uns und so bleiben wir bei allem Angebot innerlich leer und können nicht entscheiden, was wesentlich und was unwesentlich ist.

Für unser christliches Leben ist das verhängnisvoll, denn es geht nichts mehr vom Kopf in das Herz! Wir bleiben deshalb unerneuert (Eph. 4,23). Alles ist nur noch ein leerer Wort- und Bilderschwall. In den sozialen Netzwerken knallen wir uns gegenseitig Bibelverse an den Kopf und sprechen dem anderen das Christsein ab.

Dieser Verwahrlosung können wir nur durch die Pflege der Stille und durch Meditation/Kontemplation abhelfen, ähnlich wie es Maria mit den ihr vom Engel zugesprochenen Worten tat: “Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen.“ ( Lk 2,19).

Nur so kommen wir zu einer Verinnerlichung, zu einer Vertiefung des Glaubens und zu einem wirklichen Verständnis. Denn alles, was uns die Bibel lehrt, ist nicht etwas Irrationales, das sich dem Verstehen entzieht, sondern durchgehend rational. Jesus und den Aposteln war nicht an einem Nachplappern von Bibelversen gelegen, das viele mit „Glauben“ verwechseln, sondern an einem wirklichen Verständnis dessen, was gesagt und geschrieben wurde.

Im Gleichnis vom Sämann spricht Jesus: „Wenn jemand das Wort von dem Reich hört und nicht versteht, so kommt der Böse und reißt hinweg, was in sein Herz gesät war “ (Mt 13,19).

Auch die bringen keine Frucht, die von den Sorgen des Alltags oder von den Verlockungen der Welt (also allem, was man in seiner Freizeit alles so Tolles machen kann) in Anspruch genommen werden (Mt 13,22). Nachfolge Jesu ist kein Spaziergang, sondern etwas, das uns ganz angeht. Aber uns damit auch wirklich befreit und heilt.

Zum Glückso kann ich allerdings nur heute sprechen – hatte ich in meiner Jugend mehrere traumatische Erfahrungen. Da suchte ich natürlich, weil christlich erzogen und regelmässiger Kirchgänger, Hilfe bei den Gläubigen. Aber da war nichts zu finden. Die hatten ja selber nichts! Es war alles nur unverstandene Tradition. So musste ich mich selbst auf die Suche machen.

Es war am Anfang ganz wenig, was ich begriff. Aber es wurde immer mehr, und heute bin ich überreich belohnt. An mir bewahrheitete sich der Spruch „wer da hat, dem wird gegeben, dass er die Fülle habe“ (Mt 13,12). Übrigens ein schöner Hinweis darauf, dass Gott ein lebendiger Gott ist, und alle die Unrecht haben, dass er über das fixierte Bibelwort hinaus nichts gebe!

Das wird auch in den Gleichnissen von den anvertrauten Pfunden/Talenten deutlich. Nur die, die damit wucherten, wurden belohnt. Der aber zurückgab, was er bekam, weil er es nicht entdecken wollte, wurde in die äusserste Finsternis geworfen (Mt. 25,24-29).

Der lebendige Nachfolger Christi steht immer zwischen zwei Extremen, wie auch schon die Gottergebenen zur Zeit Jesu: dem verhärteten Pharisäer, dem der innere Sinn fehlt, aber für seine Sache eifert und dem vom Zeitgeist beherrschten Sadduzäer, der gemäss diesem alles relativiert.

Wirkliche Hilfe auf dem Glaubensweg kann man deshalb nur von denen erlangen, die nicht Lehr- sondern „Lebemeister“ (Meister Eckhart) sein wollen, denn die sind allein in der Lage, aus einem wirklichen Verständnis heraus zu lehren. Das sind leider wenige. In der Vergangenheit, um einige zu nennen, waren es der schon erwähnte Meister Eckhart, Johannes Tauler, Angelus Silesius, Madame de Guyon, Gerhard Tersteegen, Johannes Gommel, Sadhu Sundar Singh und ganz aktuell, Rut Björkman .

 

Hat der Mensch einen freien Willen?

Noch nicht lange her, da berichtete DER SPIEGEL (5/2018) wieder einmal von einem Experiment, mit dem man dieser Frage auf die Spur kommen wollte. Dabei ist es aber überhaupt nicht nötig, irgendwelche Experimente zu bemühen. Denn durch diese allein lässt sich die Frage ohnehin nicht lösen, weil alle Probleme, die Lebewesen betreffend lebendige Abläufe und deshalb komplex sind. Klarheit über Lebenszusammenhänge kann man deshalb nur durch die wache Beobachtung dieser durch das Leben selbst erlangen.

Fangen wir ganz einfach an: in irgendeinem Geschäft vor den Angeboten stehend, muss ich wählen, was ich einkaufen will. Die Dinge bewegen sich nicht von allein in meinen Einkaufswagen. Also bin ich frei, aber gleichzeitig gezwungen, etwas aus der Fülle zu wählen.

Was ich auswähle, hängt von meinen Bedürfnissen ab (in dieser Hinsicht bin ich unfrei, also determiniert) und gleichzeitig von der Information (die nicht aus mir selbst kommt, sondern die mir durch die Wahrnehmung der Objekte selbst – z.B.: sieht gut aus, scheint gute Qualität zu sein – oder durch eine Beschreibung bzw. einen Werbeinhalt gegeben wird).

Wir stellen also fest: Der Mensch ist determiniert durch seine Bedürfnisse, und frei aus dem Angebot zu wählen, von dem er meint, dass es am besten seinen Wünschen entspricht.

Nun kann aber der Mensch auch schlechte Bedürfnisse haben. Von denen kann er jedoch nur wissen, wenn er durch das Leben selbst (z.B. Erkrankung infolge dieser) oder durch äussere Information entsprechende Kunde erhält, dass dies oder jenes Bedürfnis, das er hat, schädlich für ihn oder andere ist. Sobald der Mensch meint, fähig zu sein, auf eine solche Bedürfnisbefriedigung verzichten zu können, ist der bisherige Drang nach Befriedigung aufgehoben. Er hat also eine Freiheit gewonnen!

Mit anderen Worten heißt das: Was zuvor determiniert und damit unfrei war, ist es nicht für immer. Damit gibt es kein „unabänderliches Schicksal“, also keine endgültige Vorherbestimmung!

 

Prädestination?

Und nun begeben wir uns auf die religiöse Ebene. Diese können wir auch nur verstehen, wenn wir zuvor die natürliche verstanden haben. Denn auf dieser geht es nicht anders zu.

Da gibt es eine Lehre, die behauptet, Gott habe die einen zum ewigen Leben, die anderen zur ewigen Verdammnis vorherbestimmt (lateinisch ausgedrückt: prädestiniert). Zum anderen sagt das Christentum, dass man nur durch Jesus Christus zum ewigen Leben kommen und demzufolge aus der „ewigen Verdammnis“ gerettet werden könne.

Würde erstgenannte Lehre der Wahrheit entsprechen, hätte der Mensch nicht die geringste Entscheidungsfreiheit, also keinen freien Willen! Aber wir haben ja schon am Anfang dieses Beitrags gesehen, dass der Menschen einen freien Willen hat.

Weil der Mensch einen freien Willen hat, wird er auch immer wieder aufgerufen und ermahnt, aus dem Ewigen zu leben. Er bekommt also von Außen die entsprechenden Informationen durch die Verkündigung des Evangeliums und die Lehre. Aber, wie bei der Auswahl der Produkte in einem Supermarkt, scheint nicht alles meinen Bedürfnissen zu entsprechen. Mit anderen Worten: nicht jede christliche Verkündigung oder Lehre überzeugt mich. Das kann an den Verkündigern/Lehrern selbst liegen (in der heutigen Zeit oft der Fall) oder meiner Zufriedenheit mit meinen gegenwärtigen Lebensverhältnissen (persönliche Gründe). Eine Entscheidung für Christus kann also nur dann getroffen werden, wenn im Menschen wirklich ein tiefer gehendes Bedürfnis nach Lebensänderung vorhanden ist, und das Angebot stimmig zu sein scheint.

Solange also kein Bedürfnis nach einem Leben aus dem Ewigen besteht, bleibt man im normalen Leben, das unter dem Zeichen der „Verdammnis“. d. h. unter dem Gesetz der Sünde steht (Rö 8,1). – Es darf hier angemerkt werden, dass die Bibel den Begriff „ewige Verdammnis“ nicht kennt! – Aber solange man sich mit dem physischen Körper (und damit mit der Vergänglichkeit und dem Mangel) identifiziert, bleibt man in der Sünde und damit auch im Leiden. Erst wenn man die Nase davon voll hat oder bereits eine idealistische Gesinnung mitbringt, wird man offen für das Evangelium – insofern es einleuchtend rübergebracht wird.

Gott kann demzufolge den Menschen nur dadurch zu sich rufen, indem im Menschen durch die irdischen Umstände und Erfahrungen ein entsprechendes Bedürfnis nach umfassender Erlösung vom Leid entsteht. Der Mensch, der begriffen hat, dass er selbst ewig ist, ist damit auserwählt, aus ihm zu leben. Sein Leben hat nun eine neue Grundlage, durch die er alles Leid überwindet.

Das „Wort Gottes“ selbst besitzt keine magische Kraft. Es täuschen sich also die, die meinen, man müsse nur immer „das Wort“ – so wie es immer verkündet wurde – predigen. Nein, das Evangelium bringt nur dann gute Frucht, wenn ich gute Gründe anführen kann, weshalb das natürliche Leben zugunsten eines übernatürlichen aufzugeben sei.

 

P.S. Gestern abend ging mir noch einmal auf, was für eine ungeheuerliche Lehre doch die Lehre von der Prädestination ist. Gott  macht man mit ihr  zu einem schizophrenen Monster, das einerseits sich freut, dass Menschen das Heil erlangen, andererseits ein sadistisches Wohlgefallen daran haben muss, wenn Menschen ewig  in der Hölle schmoren!

Wenn heute noch einer solchen Lehre geglaubt oder über die Möglichkeit ihrer Wahrheit diskutiert wird, dann offenbart das eine kolossale  Gedankenlosigkeit vieler Christen und die Seichtigkeit der Theologie in den vergangenen Jahrtausenden!

Ich selbst hatte in den Anfangsjahren meines Christseins unter ihr gelitten. Da war ich noch depressiv und  da focht mich zeitweilig der Gedanke an, ich sei zur Verdammnis vorherbestimmt! Solche Gedanken kommen in einem solchen Zustand sehr schnell. Es sind auch nicht die oberflächlichen Menschen, die unter solchen Vorstellungen leiden, sondern gerade die, die sensibler als andere sind.

Es wäre gut, wenn dieser Beitrag – mit Namensnennung – vielfach verbreitet würde, damit eine so verderbliche Lehre weniger Unheil anrichtet.

 

 

Erlöst leben

Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass heute kaum noch jemand weiß – einschließlich derer, die aufrichtig Christen sein wollen- , was die Erlösung durch Jesus Christus überhaupt bedeutet.

Sie ist die Überwindung alles dessen, was der Sündenfall bewirkte: Leid, Krankheit, Tod! Sie ist die Wiederherstellung des ursprünglichen paradiesischen Zustandes auf einer höheren Stufe.

Eine höhere Stufe deshalb, weil der Mensch einst im Paradies in einem den Pflanzen vergleichbaren Bewusstseinszustand lebte, denn er konnte noch keine Emotionen empfinden, also auch nichts wie Freude, Liebe und Glück. Alles war selbstverständlich. Es gab keine Dankbarkeit.

Erst indem der Mensch durch den Sündenfall einen niederen Zustand kennenlernte, also das Leid in umfänglichem Sinne, konnten auch die positiven Emotionen entstehen und die Sehnsucht danach, nur noch in solchen aufgehen zu können. Damit war die Idee des Himmelreiches geboren (auf einer vergleichbaren weniger dramatischen Ebene, kommt ein solches Empfinden im Spruch „Erst wenn man in der Fremde ist, weiß man wie schön die Heimat ist.“ zum Ausdruck).

Natürlich lässt sich die Zeit nicht einfach zurückschrauben. Der Mensch kann nicht einfach auf den Zustand vor der Unterscheidung von positiv und negativ zurückgesetzt werden. Wenn deshalb der Mensch in das Paradies zurückkehren will, dann ist das nur möglich, indem er lernt, alles, was ihm begegnet, positiv zu bewerten. Deshalb schreibt Paulus „Seid dankbar in allen Dingen, denn das ist der Wille Gottes in Christus Jesus für euch.“ (1. Thess. 5,18). Die Begründung „denn das ist der Wille Gottes…“ kann man auch so übersetzen: „denn das ist notwendig für euch, damit ihr die Erlösung auch erfahrt. Es gibt keinen Willen Gottes für uns, der nicht auch notwendig wäre.

Auf der gleichen Ebene liegen Phil. 4,4 :Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch!“ und 1. Thess. 5,16 „Freut euch allezeit!

Da kann natürlich der Einwand kommen, dass man sich doch nicht künstlich freuen könne. Natürlich nicht. Deshalb gehört ja zum Glauben an die Erlösung, dass man weiß, dass uns alles zum Besten dienen muss (Rö 8,8). Wenn das wahr ist, haben wir doch keinen Grund zum nörgeln, zornig oder traurig sein! Sondern tatsächlich nur Grund zu Lob und Dank!

Allgemein sollte man eine gehobene Gemütsstimmung pflegen. Das gelingt besonders gut, indem man (für sich Lieder) singt und vor sich hindudelt (Eph. 5,19; Kol 3,16). Denn eine gehobene Stimmung fördert postive Gedanken, während auch postive Gedanken das Gemüt erheben.

Trotzdem wird es nötig sein, dass wir auch immer mehr Einsichten in die Wege Gottes und die Wahrheit erlangen, um nicht nur auf der Ebene des Wollens das Positive pflegen zu können, sondern durch die Wahrheit im Positiven gefestigt werden.

Letztendlich sollen wir wie die Kinder werden (Mt. 18,3), die im völligen Vertrauen leben, deren Leben keinen Ernst kennt, sondern nur das Spiel. Um das zu erreichen, wird immer wieder betont, dass wir uns um nichts sorgen sollen (Mt 6,25; 1. Petr 5,7).

Auch von der Notwendigkeit der Arbeit sind wir grundsätzlich durch die Erlösung befreit. Denn sie ist kein Segen, sondern ein Fluch (1. Mo 3,19). Kurz, seit 2000 Jahren steht uns das (Paradies) Himmelreich (wieder) offen! Wie weit es uns gelingt hineinzugehen, hängt von unserer Geistesstärke oder Glaubenskraft (Rö 12,3b) ab.