Der lernende Gott

Es muss uns ja recht sonderbar erscheinen, dass Jesus Gehorsam lernen musste (Hebr. 5,8). Ist in ihm nicht Gott Mensch geworden, und zwar von Geburt an?

Ein Gott, der allwissend und allmächtig ist, hat es nötig zu lernen? – Dieser Vers aus dem Hebräer – Brief ist ein schönes Beispiel dafür, dass man doch etwas mehr differenzieren muss, als wir gewöhnt sind.

Wenn wir nämlich tatsächlich Jesus (zurecht) eine Göttlichkeit zuschreiben, dann kann sich das nur darauf beziehen, dass er ewig ist, wie übrigens jeder Mensch auch. Aber das muss einem natürlich erst einmal bewusst werden, denn sonst kann man über die Möglichkeiten des Ewigen nicht verfügen!

Viele Menschen meinen immer noch, dass ihr Leben mit dem physischen Tod ende. Sie sind sich also ihres wahren Wesens überhaupt noch nicht bewusst geworden und erfahren deshalb ein ganz anderes Schicksal als derjenige, der überzeugt ist, dass er unsterblich sei. (Letzteres sollte ja bei jedem, der sich als Christ bezeichnet, der Fall sein.)

Als Zwölfjähriger kannte Jesus bereits seine Identität (Luk. 2,49). Da schon war er sich sicher, dass nicht die leibliche Abstammung den Menschen ausmacht, sondern die göttliche. Obwohl er bis dahin stets an Weisheit zugenommen hatte (Luk. 2,52), war doch erst um das dreißigste Jahr sein Bewusstsein so weit entwickelt, dass er voll über die göttlichen Kräfte verfügen konnte. Was mit ihnen anfangen? – Da boten sich gleich ein paar Möglichkeiten, die aber überhaupt nicht dem Wesen Gottes entsprachen. Sie wurden deshalb verworfen (Mt. 4,1-7).

Nun erst war im eigentlichen Sinn Gott Mensch geworden, d.h. in einem physischen Leib verkörpert. Deshalb tönte zur Jordantaufe die göttliche Stimme : “Du bist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe! “ (Luk. 3,21).

Bis dahin litt Jesus unter den Grenzen, die uns die äussere Welt setzt, wie wir alle. Freilich hatte er bedeutend mehr innere Freiheit als wir, aber um Großes zur Entfaltung zu bringen, bedarf es großer Selbstzucht. Diese war wiederum nötig, als es galt, die Machtfülle aufzugeben, um schwach wie ein Mensch zu werden, der sich völlig von Gott verlassen fühlt. Denn nur so konnte Gott an sich selbst erleben, was es heißt, völlig hilflos zu sein, um so allen Menschen beistehen zu können (Hebr. 2,17-18).

Dieser Prozess begann im Wesentlichen in Gethsemane und war vollendet, als Jesus am Kreuz ausrief: “Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ (Mt. 27,46).

Nun erst waren objektiv alle Hindernisse beseitigt, die einen Menschen von Gott trennen. Als Symbol darfür zerriss der Vorhang im Tempel (Mt. 27,51).

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Übung macht den Meister

Im Januar 1982 hatte ich eine Traumvision: In einer Wüste wanderten schwarzgewandete Menschen aufwärts mit einem Stab, wie ihn Hirten haben, und auf dem Kopf trugen sie einen schwarzen Melonenhut. Rechts im Traumbild standen in numerischer Abfolge die einzelnen Etappen untereinander aufgeführt, deren Inhalte ich aber wegen der Schnelle des Geschehens nicht lesen konnte. Dann sah ich links unten ganz deutlich die Ziffer 9 und daneben den Satz „Erlösung durch Sport.“ Dazu tanzte im Rhythmus ein Stockschirm, und ihm entsprechend ein Mann.

Ich begriff, dass es zum Fruchtbringen (9 ist die Zahl des Fruchtbringens) nötig sei, wie die Sportler immer wieder freiwillig, also aus eigenem Wollen (und nicht weil man muss), im rhythmischen Wechsel bestimmte Glaubensinhalte zu üben.

Zum Üben, das wissen die wenigsten Christen, fordert uns auch die Bibel explizit auf. In 1. Tim. 4,7 heißt es: „ übe dich aber zur Gottseligkeit“. Da steht das griechische Wort γυμνάζω (gymnázo), von dem das Wort Gymnastik abgeleitet ist.

Im evangelischen Glauben kommt man, wenn man etwas übt, sofort in den Verdacht, durch Werke gerecht werden zu wollen. Falls man da überhaupt etwas tut, außer Predigen, dann aus Dankbarkeit oder Liebe zu Gott. Die Werke, die man da tut, sind Werke der Nächstenliebe, also nichts Innerseelisches! Doch gerade das innerseelische Tun ist eminent notwendig, um das Ziel des Glaubens zu erreichen. Paulus schreibt 1. Kor 9,24: „Wisst ihr nicht: Die im Stadion laufen, die laufen alle, aber nur einer empfängt den Siegespreis? Lauft so, dass ihr ihn erlangt.“

Stattdessen hört man immer wieder, aus eigener Kraft können wir nichts tun. Und so überlässt man sich den fleischlichen Mächten.

Aber wer sagt denn, dass wir etwas aus eigener Kraft tun sollen? Nein, aus der Kraft Gottes, um die wir nicht bitten müssen, sondern die uns unablässig zur Verfügung steht, können wir aktiv an unserer Wandlung arbeiten.

Die Kraft Gottes ist aber keine besondere, keine magische Kraft, sondern die Kraft der Wahrheit!

Das Leben ist unablässig tätig. Ohne Pause schlägt das Herz, atmen wir ein und aus. Unablässig sind auch unsere Seeleninhalte in Bewegung. Das sehen wir an unseren Träumen, die aber auch im Tiefschlaf vorhanden sind (nur nehmen wir sie da nicht wahr). Was wir gewohnheitsmässig denken, beinflusst unser Gefühlsleben. Dieses wirkt wiederum zurück auf das Denken, und beides bewirkt unser Handeln. Statt also weiter das Falsche, können wir doch lieber das Richtige tun. Denn unsere Gedanken steuern die Lebenskraft.

Deshalb ist es so wichtig, dass wir die Wahrheit erkennen (Joh. 8,32) und ihr gemäss zu denken üben.

Wer bin ich, wenn ich wiedergeboren bin? – Bin ich dann noch der Mensch, der ich vorher war?

Wenn ich wiedergeboren bin, dann habe ich doch eine neue Identität und dann ist es falsch (also nicht der Wahrheit gemäss), sich weiterhin mit dem zu identifizieren, der ich durch die natürliche Geburt geworden bin.

Ich darf mich jetzt – wenn ich in der Wahrheit bleiben will – nicht mehr als ein vergängliches Wesen ansehen, das unauflöslich von der geschaffenen Welt und ihren Inhalten abhängig ist, sondern ich muss von mir als einem ewigen Wesen denken, das grundsätzlich absolut frei ist und Herrschaft über alles Geschaffene hat.

Nur so ergibt der Begriff „Kind Gottes“ einen Sinn. Ein Kind, das natürlich sich seiner selbst noch nicht so recht bewusst ist, deshalb sein wahres Wesen noch nicht erlebt und seine Kräfte ausleben kann, soll aber erwachsen werden. In Eph. 4,13 ist von der „vollen Mannesreife“ , der vollen Reife Christi“ die Rede, die wir erlangen sollen.

Nur, weil unser neues Leben die gleichen Voraussetzungen, wie das Leben Jesu Christi hat, ist es gerechtfertigt, dass Jesus seinen Nachfolgern verheißt: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer an mich glaubt, der wird auch die Werke tun, die ich tue, und wird größere als diese tun, weil ich zum Vater gehe.“ (Joh. 14,12)

Davon sind wir aber noch weit entfernt! Nicht, weil Gott das nicht wollte, sondern infolge unseres Unglaubens. Wir glauben nicht an das, was wir wirklich sind und aufgrund dieser Wirklichkeit könnten. Das ist wiederum die Folge mangelnden Interesses an der Wahrheit.

In Kirchen und Gemeinden wurden wir in den Schlaf gelullt, indem nicht die Wahrheiten gelehrt, die zum inneren Wachstum nötig sind, sondern in denen wir immer nur in allgemeinen Floskeln ermahnt wurden, zu „glauben“ und Gutes zu tun. Reifer als ein Baby in der Krabbelbox kann man auf diese Weise kaum werden.

Werde, der Du bist.“

Der Zorn Gottes

Andere Zeiten – andere Deutung

Kann man heute noch wirklich von einem „Zorn Gottes“ sprechen?  – Unbestritten ist, dass die Bibel vom „Zorn Gottes“ redet. Aber das ist ja auch ein Buch, dessen jüngste Teile bereits 2000 Jahre alt sind. Und was hat sich seitdem nicht alles verändert? – Für uns ist es heute nicht mehr selbstverständlich, bei einem Donner daran zu denken, dass Thor (Gott in der germanischen Mythologie) den Hammer schlägt, oder Zeus (Gott der griechischen Mythologie) aus Zorn seine Blitze auf die Erde schleudert. Wir wissen heute, dass Naturgesetze die Welt beherrschen, und einzufordern, wir sollten wieder daran glauben, dass Thor auf einen Amboss schlägt, würde nur einen Lachanfall erzeugen. Andererseits hätten wir zu der Zeit, wo eine solche Deutung des Naturgeschehens normal war, mit unseren Welterklärungen nur Kopfschütteln erzeugt.

In einer Zeit, in der die Menschheit noch von anthropomorphen (vermenschlichenden) Vorstellungen beherrscht war, konnten bestimmte Wahrheiten der Weltentwicklung eben nur in solchen vermittelt werden. Daher auch das Reden von einem „Zorn Gottes“ in der Bibel. Aber das ist eben nur eine Einkleidung der Wahrheit.

Der geläuterte Gottesbegriff

Gott hat keine menschlichen Emotionen. Gott ist das Leben und das Leben ist ewig und hat damit keine Feinde. Aber auch der Mensch, da er lebendig ist, ist ewig. Da er sich aber mit seiner Geschöpflichkeit identifiziert, also seinem Körper, befindet er sich im Konflikt mit allem anderen Leben. Dieser Konflikt kann nur aufgehoben werden, indem der Mensch sich seiner Ewigkeit bewusst wird und damit erkennt, dass auch er keine Feinde hat, weil ihn nichts vernichten kann.

Auf dieses Ziel hin geht die Weltentwicklung. Wer sich dagegenstellt, indem er seine aus der Identifikation mit der Körper kommenden Begierden kultiviert (und nicht etwa loslässt) zerstört sich selbst, da er ständig äussere und innere Konflikte erzeugt.

Auf diese Tendenz der Selbstzerstörung des Menschen möchte die Bibel mit dem Reden vom „Zorn Gottes“ aufmerksam machen. Es sind also, wie in der Natur, geistige Gesetzmässigkeiten, die entscheiden, wohin unsere persönliche Entwicklung geht. Wollen wir weiter an den Objekten dieser Welt festkleben, dann gehen wir dem Untergang entgegen, wie das ja jetzt schon recht deutlich wird, wenn man die Welt betrachtet. Denn wer nicht in Einklang mit seinem eigenen Wesen und dem des Kosmos lebt, kann keinen Erfolg haben.

Gegenprobe

Spielen wir aber nun als Gegenprobe einmal durch, Gott hätte tatsächlich soetwas wie Zorn. Das würde bedeuten, er würde beständig innerlich kochen und endlich könnte er seinem Drang nach Zerstörung freien Lauf lassen. Denn „Zorn“, so wissen wir, ist auf die Zerstörung des Gegners aus, und nicht darauf, ihm zu helfen. Er würde nicht konstruktiv, sondern destruktiv sein. Und das hat weder etwas mit Gott noch der Liebe zu tun.

Jesus sagte selbst: „Und wenn ein Haus mit sich selbst uneins wird, kann es nicht bestehen.“ (Mk 3,25) Auch Gott nicht.

Wohl sehen wir ein Vergehen von Welten und Leben, und doch hat das nichts mit unterschiedlichen Kräften (Emotionen) zu tun, sondern mit einer fortlaufenden Entwicklung, vergleichbar mit dem, wie wir unsere Kindheit und Jugend verlassen. Wir zerstören sie nicht, und können das auch nicht.

Fazit: Es macht heute also keinen Sinn mehr, von einem „Zorn Gottes“ zu sprechen, sondern nur davon, dass wir solange leiden werden, bis wir uns entschließen, als Erlöste zu leben, weil wir durch das Ewige alle Abhängigkeiten überwinden können.

 

Kann man Christ sein ohne das Alte Testament?

Unter der Berufung, dass Jesus auf die Gebote und die Propheten Bezug nahm (z.B. Mt. 5,18-20), ist die Mehrzahl der Gläubigen der Ansicht, dass ein Christ das Alte Testament zu akzeptieren habe. Dessen ungeachtet mehren sich die Stimmen derer, die viele Aussagen desselben für unvereinbar mit der von Jesus gelehrten Liebe halten. Manche sind sogar der Auffassung, dass Jahwe und der Vatergott Jesu nicht identisch seien. Zudem wird die Opfertodtheologie abgelehnt.

Kann man tatsächlich unter diesen Voraussetzungen Christ sein? – Ja, warum denn nicht? Entscheidend ist doch allein, dass man wiedergeboren ist, und damit aus dem wahren Wesen des Menschen, aus dem Ewigen, lebt (Joh 3,3). Alles andere sind Erkenntnisfragen.

Der Blick eines Christen ist zudem nicht rückwärtsgewandt auf die Vergangenheit, sondern auf das Werdende gerichtet (Luk 9,62). In diesem Sinne müssen ihn geschichtliche Zusammenhänge nicht interessieren.

In unserer Zeit, da real die Tieropfer in der zivilisierten Welt längst abgeschafft sind – durch den Sieg christlichen Denkens! – ist es auch nicht notwendig, den Opfertod Jesu als endgültigem Opfer (Heb 10,10) ständig zu thematisieren, zumal ja eine wirkliche Einsicht in die Notwendigkeit allgemein abgeht.

Für den, der allerdings daraus Kraft schöpft, weil er darin die große Liebe des Vaters sieht oder erkennt, dass dem Ewigen auch die größte Sünde nicht schaden kann, sei es unbenommen.

Im christlichen Glauben geht es ja tatsächlich nicht um ein Für-wahr-halten, sondern um Kraft (1. Kor 1,18; 2. Tim 3,5; Offb 3,8), die auf den Sieg über alle Abhängigkeiten zielt (1. Joh 5,4).

Wachsen wir also in der Erkenntnis Jesu Christi als dem wahren Menschen (1. Kor 15,22), damit es im Glauben vorwärts geht.

Verständnis und Orientierung durch Vertiefung

In unserer schnelllebigen Zeit huschen wir von einem zum anderen, ohne etwas zu vertiefen. In einer viel extremeren Form als zur Zeit Jesu sind wir Menschen, die Augen haben, aber nichts sehen und Ohren haben, die nichts hören (Mt. 13,13). Alles haftet nur flüchtig an uns und so bleiben wir bei allem Angebot innerlich leer und können nicht entscheiden, was wesentlich und was unwesentlich ist.

Für unser christliches Leben ist das verhängnisvoll, denn es geht nichts mehr vom Kopf in das Herz! Wir bleiben deshalb unerneuert (Eph. 4,23). Alles ist nur noch ein leerer Wort- und Bilderschwall. In den sozialen Netzwerken knallen wir uns gegenseitig Bibelverse an den Kopf und sprechen dem anderen das Christsein ab.

Dieser Verwahrlosung können wir nur durch die Pflege der Stille und durch Meditation/Kontemplation abhelfen, ähnlich wie es Maria mit den ihr vom Engel zugesprochenen Worten tat: “Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen.“ ( Lk 2,19).

Nur so kommen wir zu einer Verinnerlichung, zu einer Vertiefung des Glaubens und zu einem wirklichen Verständnis. Denn alles, was uns die Bibel lehrt, ist nicht etwas Irrationales, das sich dem Verstehen entzieht, sondern durchgehend rational. Jesus und den Aposteln war nicht an einem Nachplappern von Bibelversen gelegen, das viele mit „Glauben“ verwechseln, sondern an einem wirklichen Verständnis dessen, was gesagt und geschrieben wurde.

Im Gleichnis vom Sämann spricht Jesus: „Wenn jemand das Wort von dem Reich hört und nicht versteht, so kommt der Böse und reißt hinweg, was in sein Herz gesät war “ (Mt 13,19).

Auch die bringen keine Frucht, die von den Sorgen des Alltags oder von den Verlockungen der Welt (also allem, was man in seiner Freizeit alles so Tolles machen kann) in Anspruch genommen werden (Mt 13,22). Nachfolge Jesu ist kein Spaziergang, sondern etwas, das uns ganz angeht. Aber uns damit auch wirklich befreit und heilt.

Zum Glückso kann ich allerdings nur heute sprechen – hatte ich in meiner Jugend mehrere traumatische Erfahrungen. Da suchte ich natürlich, weil christlich erzogen und regelmässiger Kirchgänger, Hilfe bei den Gläubigen. Aber da war nichts zu finden. Die hatten ja selber nichts! Es war alles nur unverstandene Tradition. So musste ich mich selbst auf die Suche machen.

Es war am Anfang ganz wenig, was ich begriff. Aber es wurde immer mehr, und heute bin ich überreich belohnt. An mir bewahrheitete sich der Spruch „wer da hat, dem wird gegeben, dass er die Fülle habe“ (Mt 13,12). Übrigens ein schöner Hinweis darauf, dass Gott ein lebendiger Gott ist, und alle die Unrecht haben, dass er über das fixierte Bibelwort hinaus nichts gebe!

Das wird auch in den Gleichnissen von den anvertrauten Pfunden/Talenten deutlich. Nur die, die damit wucherten, wurden belohnt. Der aber zurückgab, was er bekam, weil er es nicht entdecken wollte, wurde in die äusserste Finsternis geworfen (Mt. 25,24-29).

Der lebendige Nachfolger Christi steht immer zwischen zwei Extremen, wie auch schon die Gottergebenen zur Zeit Jesu: dem verhärteten Pharisäer, dem der innere Sinn fehlt, aber für seine Sache eifert und dem vom Zeitgeist beherrschten Sadduzäer, der gemäss diesem alles relativiert.

Wirkliche Hilfe auf dem Glaubensweg kann man deshalb nur von denen erlangen, die nicht Lehr- sondern „Lebemeister“ (Meister Eckhart) sein wollen, denn die sind allein in der Lage, aus einem wirklichen Verständnis heraus zu lehren. Das sind leider wenige. In der Vergangenheit, um einige zu nennen, waren es der schon erwähnte Meister Eckhart, Johannes Tauler, Angelus Silesius, Madame de Guyon, Gerhard Tersteegen, Johannes Gommel, Sadhu Sundar Singh und ganz aktuell, Rut Björkman .

 

Hat der Mensch einen freien Willen?

Noch nicht lange her, da berichtete DER SPIEGEL (5/2018) wieder einmal von einem Experiment, mit dem man dieser Frage auf die Spur kommen wollte. Dabei ist es aber überhaupt nicht nötig, irgendwelche Experimente zu bemühen. Denn durch diese allein lässt sich die Frage ohnehin nicht lösen, weil alle Probleme, die Lebewesen betreffend lebendige Abläufe und deshalb komplex sind. Klarheit über Lebenszusammenhänge kann man deshalb nur durch die wache Beobachtung dieser durch das Leben selbst erlangen.

Fangen wir ganz einfach an: in irgendeinem Geschäft vor den Angeboten stehend, muss ich wählen, was ich einkaufen will. Die Dinge bewegen sich nicht von allein in meinen Einkaufswagen. Also bin ich frei, aber gleichzeitig gezwungen, etwas aus der Fülle zu wählen.

Was ich auswähle, hängt von meinen Bedürfnissen ab (in dieser Hinsicht bin ich unfrei, also determiniert) und gleichzeitig von der Information (die nicht aus mir selbst kommt, sondern die mir durch die Wahrnehmung der Objekte selbst – z.B.: sieht gut aus, scheint gute Qualität zu sein – oder durch eine Beschreibung bzw. einen Werbeinhalt gegeben wird).

Wir stellen also fest: Der Mensch ist determiniert durch seine Bedürfnisse, und frei aus dem Angebot zu wählen, von dem er meint, dass es am besten seinen Wünschen entspricht.

Nun kann aber der Mensch auch schlechte Bedürfnisse haben. Von denen kann er jedoch nur wissen, wenn er durch das Leben selbst (z.B. Erkrankung infolge dieser) oder durch äussere Information entsprechende Kunde erhält, dass dies oder jenes Bedürfnis, das er hat, schädlich für ihn oder andere ist. Sobald der Mensch meint, fähig zu sein, auf eine solche Bedürfnisbefriedigung verzichten zu können, ist der bisherige Drang nach Befriedigung aufgehoben. Er hat also eine Freiheit gewonnen!

Mit anderen Worten heißt das: Was zuvor determiniert und damit unfrei war, ist es nicht für immer. Damit gibt es kein „unabänderliches Schicksal“, also keine endgültige Vorherbestimmung!

 

Prädestination?

Und nun begeben wir uns auf die religiöse Ebene. Diese können wir auch nur verstehen, wenn wir zuvor die natürliche verstanden haben. Denn auf dieser geht es nicht anders zu.

Da gibt es eine Lehre, die behauptet, Gott habe die einen zum ewigen Leben, die anderen zur ewigen Verdammnis vorherbestimmt (lateinisch ausgedrückt: prädestiniert). Zum anderen sagt das Christentum, dass man nur durch Jesus Christus zum ewigen Leben kommen und demzufolge aus der „ewigen Verdammnis“ gerettet werden könne.

Würde erstgenannte Lehre der Wahrheit entsprechen, hätte der Mensch nicht die geringste Entscheidungsfreiheit, also keinen freien Willen! Aber wir haben ja schon am Anfang dieses Beitrags gesehen, dass der Menschen einen freien Willen hat.

Weil der Mensch einen freien Willen hat, wird er auch immer wieder aufgerufen und ermahnt, aus dem Ewigen zu leben. Er bekommt also von Außen die entsprechenden Informationen durch die Verkündigung des Evangeliums und die Lehre. Aber, wie bei der Auswahl der Produkte in einem Supermarkt, scheint nicht alles meinen Bedürfnissen zu entsprechen. Mit anderen Worten: nicht jede christliche Verkündigung oder Lehre überzeugt mich. Das kann an den Verkündigern/Lehrern selbst liegen (in der heutigen Zeit oft der Fall) oder meiner Zufriedenheit mit meinen gegenwärtigen Lebensverhältnissen (persönliche Gründe). Eine Entscheidung für Christus kann also nur dann getroffen werden, wenn im Menschen wirklich ein tiefer gehendes Bedürfnis nach Lebensänderung vorhanden ist, und das Angebot stimmig zu sein scheint.

Solange also kein Bedürfnis nach einem Leben aus dem Ewigen besteht, bleibt man im normalen Leben, das unter dem Zeichen der „Verdammnis“. d. h. unter dem Gesetz der Sünde steht (Rö 8,1). – Es darf hier angemerkt werden, dass die Bibel den Begriff „ewige Verdammnis“ nicht kennt! – Aber solange man sich mit dem physischen Körper (und damit mit der Vergänglichkeit und dem Mangel) identifiziert, bleibt man in der Sünde und damit auch im Leiden. Erst wenn man die Nase davon voll hat oder bereits eine idealistische Gesinnung mitbringt, wird man offen für das Evangelium – insofern es einleuchtend rübergebracht wird.

Gott kann demzufolge den Menschen nur dadurch zu sich rufen, indem im Menschen durch die irdischen Umstände und Erfahrungen ein entsprechendes Bedürfnis nach umfassender Erlösung vom Leid entsteht. Der Mensch, der begriffen hat, dass er selbst ewig ist, ist damit auserwählt, aus ihm zu leben. Sein Leben hat nun eine neue Grundlage, durch die er alles Leid überwindet.

Das „Wort Gottes“ selbst besitzt keine magische Kraft. Es täuschen sich also die, die meinen, man müsse nur immer „das Wort“ – so wie es immer verkündet wurde – predigen. Nein, das Evangelium bringt nur dann gute Frucht, wenn ich gute Gründe anführen kann, weshalb das natürliche Leben zugunsten eines übernatürlichen aufzugeben sei.

 

P.S. Gestern abend ging mir noch einmal auf, was für eine ungeheuerliche Lehre doch die Lehre von der Prädestination ist. Gott  macht man mit ihr  zu einem schizophrenen Monster, das einerseits sich freut, dass Menschen das Heil erlangen, andererseits ein sadistisches Wohlgefallen daran haben muss, wenn Menschen ewig  in der Hölle schmoren!

Wenn heute noch einer solchen Lehre geglaubt oder über die Möglichkeit ihrer Wahrheit diskutiert wird, dann offenbart das eine kolossale  Gedankenlosigkeit vieler Christen und die Seichtigkeit der Theologie in den vergangenen Jahrtausenden!

Ich selbst hatte in den Anfangsjahren meines Christseins unter ihr gelitten. Da war ich noch depressiv und  da focht mich zeitweilig der Gedanke an, ich sei zur Verdammnis vorherbestimmt! Solche Gedanken kommen in einem solchen Zustand sehr schnell. Es sind auch nicht die oberflächlichen Menschen, die unter solchen Vorstellungen leiden, sondern gerade die, die sensibler als andere sind.

Es wäre gut, wenn dieser Beitrag – mit Namensnennung – vielfach verbreitet würde, damit eine so verderbliche Lehre weniger Unheil anrichtet.

 

 

Waren Jesu Ansprüche zu hoch?

Versetzen wir uns einmal in das jüdische Leben zur Zeit Jesu. Die geistige Elite waren Pharisäer und Sadduzäer. Sie bestimmten das religiöse Leben und belehrten das einfache Volk. Sie allein waren im Besitz der heiligen Bücher (ein „Altes Testament“ gab es damals noch nicht. Erst 100 n. Chr. wurde endgültig festgelegt, was zum hebräischen Tanach gehören sollte).

Diese Welt wurde nun mit einem Menschen konfrontiert, der so ganz anders lehrte als sie (Mt. 7,29). Während sie über etwas sprachen, schien dieser aus etwas zu sprechen. Das kannte man natürlich von den Propheten. Aber zu Lebzeiten dieser wurden sie als Störenfriede der konservativen oder liberalen Buchgelehrten empfunden, weshalb man sich ihrer zu entledigen suchte (Mt. 23, 29-32). Heute jedoch hatte man Gräber für die Gerechten errichtet (Mt. 23,29) und war der Überzeugung, dass man damals anders gehandelt hätte, was aber nur eine Selbsttäuschung war (Mt. 23, 30-32).

Guten Glaubens, Botschafter des Wortes Gottes zu sein, war man eifrig bemüht, Proselyten zu machen, also Anhänger des eigenen Glaubens zu gewinnen (Mt. 23,15). Eine lohnenswerte Aufgabe, wie man sicher meinte.

Und nun kam dieser Jesus, der sich über sie und ihre Lehren erhob, und etwas lehrte, das überhaupt nicht in den heiligen Schriften (dem „Alten Testament“) stand! Wo bitte stand in diesen etwas von einem „Himmelreich“ oder einem „Reich Gottes“ ? Wo war zu lesen, dass man „von neuem geboren“ sein sollte (Jo 3,3)? Woher sollte Nikodemus das wissen? – Und doch machte ihm Jesus diese Unwissenheit zum Vorwurf (Jo 3,10)!

Nein, dieser Jesus musste ein Verführer sein (Jo 7,47). Er machte sich sogar selbst zum Gott (Jo 10,33), und als Begründung für seine Gotteslästerung, weiß er nur eine einzige (!) „Bibelstelle“ anzuführen: Ps. 82,6 „Ich habe gesagt; Ihr seid Götter“ (Jo 10,34). Auch behauptet er, wir hätten einen Schlüssel, den wir selbst nicht benutzten und sogar verhindern würden, dass andere sich das Himmelreich aufschließen (Mt. 23,13). Wir als legitime Vertreter des mosaischen Glaubens (Mt. 23,2) können das nicht länger dulden!…

Auch heute wird kaum jemand, der nur das Alte Testament kennt, erkennen können, dass dieses zu den Inhalten der Lehren Jesu führen könnte. Wenn man nur die Schale hat, und nicht den Sinn, das Wesentliche der Schrift erkennt, hätten die Schriftausleger unserer Zeit die gleichen Probleme wie damals die Pharisäer und Sadduzäer.

Beim einfachen, unverbildeten Volk, das noch die wahren Probleme des Lebens empfand, musste dagegen Jesus fruchtbaren Boden finden (Mt. 11,25). Denn es geht nicht um irgendwelche Äusserlichkeiten, sondern die reale Beendigung der menschlichen Not.

Diese aber ist nur durch den Weg ins Innere, Nicht-Sinnliche (und deshalb den Sinnen „Verborgene“) zu haben, denn alles – außer den materiellen Zusammenhängen – hat seine Ursache im Geist, und kommt über die Seele(n) zur physischen Manifestation. Deshalb fordert uns Jesus auf, das im Inneren Vernommene zu verkünden (Mt. 10,27). Er erwartet von uns, dass wir das Sinnliche durchschauen (Mt. 16,3) und Paulus sagt,wir sollten vom Buchstaben zum Geist vordringen (2. Kor. 3,6), unsere Liebe immmer mehr in Erkenntnis übergehen (Phil. 1,9).

Dort, wo unsere Erkenntnis nicht hinreicht, sind wir blind. Und wo wir über unsere Erkenntnis hinauslehren, sind wir nichts als blinde Blindenführer, wie die Schriftgelehrten und Pharisäer.

Wo sind die, die heute das Leben lehren?

Fall und Aufstieg des Menschen

Wenn wir den Sündenfall betrachten, sehen wir, dass das Praktizieren von Wertungen die Vertreibung aus dem Paradies und unsere gesamte „gefallene Welt“ mit ihrer Bosheit, ihrem Leid und dem Tod verursacht hat.

Wertungen sind ein geistiger Akt, ein Akt des Urteils. Es ist deshalb nicht gleichgültig, wer die Urteile fällt. Kinder urteilen anders als die Erwachsenen. Was Kinder als gut ansehen, zum Beispiel lieber zu spielen anstatt Schularbeiten machen, sehen Erwachsene nicht so. In gleicher Weise ist es ein großer Unterschied, ob Gott etwas beurteilt oder der Mensch aus seiner Perspektive.

Als der Mensch begann, aus seiner Sicht als Geschöpf über gut und böse zu urteilen, musste die Harmonie, in die der Mensch in die gesamte Schöpfung eingebettet war (= Paradies) verlorengehen (1. Mo 2,17). Denn das Urteil entscheidet, wie man handelt. Ein Geschöpf, das aber selbstständig urteilt, vollzieht es nicht unter dem Gesichtspunkt der Gesamtheit – nämlich, was allen gut tut – sondern unter einem egoistischen Blickwinkel. Damit kam natürlich nicht nur Chaos in die Welt, sondern als Rückwirkungen der Disharmonien auch Chaos in die eigene Seele, die sich in psychischen und somatischen Erkrankungen manifestieren, und schließlich im Tod als endgültige Unfähigkeit der Seele, die Harmonie mit dem physischen Körper aufrechtzuerhalten.

Gott straft nicht. Unser falsches Denken ist „Strafe“ – da es zerstörerisch ist.

Ich hoffe, jeder kann das, was ich hier schrieb, nachvollziehen. Der Ablauf ist vollkommen logisch. Auf gleicher Logik muss unsere Erlösung, d.h. die Lösung der menschlichen Probleme, aufgebaut sein.

Kein Mensch ist von Gott im ontologischen Sinn getrennt, denn alles Sündigen erfolgt auf der Grundlage, dass wir lebende Wesen sind. Getrennt von Gott sind wir nur durch unseren Geist, durch den Geist, der im Menschen seinen Ursprung hat. Man könnte auch sagen, wir sind lediglich durch unsere falschen Bewusstseinsinhalte, durch unser falsches Denken von Gott getrennt. Wenn wir also erlöst werden wollen von allem Übel, dann müssen wir umdenken (griech. Μετάνοια metanoia, von νοεῖν noein, „denken“ und μετά meta, „um“ ) , denken lernen in Übereinstimmung mit unserem wahren Wesen, d.h. unserem göttlichen Wesen (Rö 12,2). Nur durch neue Bewusstseinsinhalte, die aus der Erkenntnis dessen kommen, wer wir wirklich sind, ändert sich unser Leben. Nur wenn wir uns selbst als göttlich sehen können, werden wir anders urteilen. Denn dann wissen wir, dass wir vollkommen sind und nichts außerhalb von uns bedürfen. Dann haben wir den „Schatz im Acker“ (Mt. 13,44) , die kostbare Perle (Mt. 13,45-46) gefunden, für die wir alles aufgeben können. „Gut“ ist uns nun nicht mehr was unserem leiblichen Wohl dient, sondern gut ist uns das höchste, was es gibt: Uns selbst als göttliches Wesen. In ihm schwelgen wir in Gedanken und Gefühlen. Je mehr wir das tun, um so klarer wird uns alles, um so sicherer werden wir. Wir können uns jeden Tag von früh bis abends freuen, da es nichts mehr gibt, was uns schaden könnte (Phil 4,4; Rö 8,28). Ein solches Leben wird sich auch immer mehr physisch auswirken (Mt. 16,18).

Lasst uns also darum bemüht sein, die Wahrheit zu erkennen, damit wir frei werden! (Jo 8,32)

Lichte Botschaft verhüllt durch dunkle Wolken des Unverstandes

Am 21. August 2017 wird in den USA eine totale Sonnenfinsternis zu beobachten sein. Die Tochter des bekannten Evangelisten Billy Graham, Anne Graham Lotz, hielt es deshalb für angebracht zu warnen, dass dieses Ereignis der Beginn von Gottes Gericht über Amerika sein könnte. Doch an wen wendet sie sich mit dieser Botschaft? Sie weiß um die regelmäßigen kosmischen Zyklen, die ganz unabhängig von menschlichen Verhaltensweisen sind, und doch bringt sie diese in Beziehung zum Menschen. Weshalb tut sie das entgegen aller Vernunft?

Aus einem solchen Verhalten können wir sehr viel lernen. Für einen religiösen Menschen ist schon lange diese Welt gerichtsreif. Diese Empfindung bringt sie, ohne dass ihr das bewusst ist, mit den Empfindungen, die den archaischen Menschen bei einer Sonnenfinsternis befielen, in Zusammenhang. Dieser stand den Naturphänomenen unwissend gegenüber. Sie lösten deshalb nur Empfindungsreaktionen hervor. So wie das auch bei den Tieren der Fall ist. Bei einer Sonnenfinsternis verstummen die Vögel, Tiere kriechen in ihre Höhlen.

Selbst uns aufgeklärten Menschen befällt noch eine leise Ahnung von dem, was die frühen Menschen erlebt haben mussten. Der Schriftsteller Adalbert Stifter schilderte seine Eindrücke wie folgt. „ Nie und nie in meinem ganzen Leben war ich so erschüttert, wie in diesen zwei Minuten, es war nicht anders, als hätte Gott auf einmal ein deutliches Wort gesprochen und ich hätte es verstanden. Ich stieg von der Warte herab, wie vor tausend und tausend Jahren etwa Moses von dem brennenden Berge herabgestiegen sein mochte, verwirrten und betäubten Herzens […]. Der schöne sanfte Glanz des Himmels [wurde zum] bleischweren Licht […] – erschütternd war dieses allmähliche Sterben mitten in der noch vor wenigen Minuten herrschenden Frische des Morgens. […] Es war ein überaus trauriger Augenblick. Das hatte keiner geahnet – ein einstimmiges ‚Ah‘ aus aller Munde, und dann Totenstille, es war der Moment, da Gott redete und die Menschen horchten.“

Für die frühe Menschheit war die gesamte Natur ein „Reden Gottes“ bzw. der Götter    (denn der Ein-Gott-Glaube, der Monotheismus, entstand erst später). Aus diesen Empfindungsgründen speist sich noch die gesamte alttestamentliche Theologie. Aus dem Erleben der Natur kommen die Vorstellungen von „finsteren Mächten“, vom „Zorn“ und der „Barmherzigkeit“ der Götter (Gottes), von „Segen“ und „Fluch“. Das Neue Testament muss natürlich an die einmal gewachsenen Vorstellungen anknüpfen, bildet aber zugleich den Übergang zur Neuzeit.

Ein Gott der Liebe musste, solange man die Natur als Reden Gottes verstand, verborgen bleiben. Da war nur ein ständiger Wechsel von „Zorn“ und „Barmherzigkeit“ an den Naturereignissen ablesbar. Erst der sich immer mehr bahnbrechende Verstand konnte die einzelnen Naturobjekte zum Begriff der Natur zusammenfassen und so zum Ein-Gott-Glauben gelangen. Von da, etwa beginnend von Moses, war es wieder eine lange Zeit bis zu Jesus, wo dieser eine Gott als Liebe verkündet wurde. Ein Gott, der im Menschen seine Wohnung hat!

Nun haben nicht länger Naturempfindungen Offenbarungscharakter, sondern das verstehende Erkennen des eigenen Inneren führt, den Menschen verwandelnd, zurück zu Gott. Deshalb sagte Jesus: „Ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch freimachen.“ (Jo 8,32)

Auf unserer gegenwärtigen Stufe ist es deshalb nicht mehr fruchtbar, Vorstellungen, über die die Menschheit hinausgewachsen ist, zu reaktivieren. Das geschieht leider immer noch viel zu häufig. Anstatt an der Spitze der Geistesentwicklung zu laufen, hemmen Christen sich selbst mit unzeitgemäßen Begriffen, die aus einem ganz anderen Erleben der Welt stammen. Da wird in naturalistischer Weise von einer Schlange schwadroniert, die den Menschen verführt habe, von einem Baum, der das geistige Vermögen der Unterscheidung gegeben habe, von einem Drachen, von Teufeln und Dämonen, von einem zornigen Gott, der gleichzeitig ein Gott der Liebe sei, dessen Liebe es aber erträgt, dass die Mehrzahl der Menschen ewig in der Hölle schmore – auch wenn sie womöglich moralisch und ethisch besser sind als mancher Christ – nur weil sie nicht „glauben“…

Das alles passt nicht zusammen. Jesu Auferstehung war und ist das fortschrittlichste Ereignis in der Menschheitsgeschichte. Deshalb können Christen nicht länger von dieser und von Gott in einer Sprache reden, die vor mehr als 4000 Jahren einmal modern war. Wir müssen begreifen, was die biblischen Begriffe wirklich meinten. Nur dann können wir in heutiger Sprache von göttlichen Dingen reden. Dann werden wir auch Gehör finden, weil unsere Sache überzeugend ist.

Was ganz gewiss auf uns zukommt,

ist die Abschaffung des Bargeldes. Damit erfüllt sich eine zweitausendjährige Prophezeiung, die da lautet, dass das „Tier“ unterschiedslos alle Menschen dazu bringen wird, ein Kennzeichen anzunehmen, ohne das man weder etwas kaufen noch verkaufen kann (Offb 13, 16-17). Dass sich das in unserer Zeit erfüllen würde, ging mir bereits 1972 oder 73 auf, als ich im Bayerischen Rundfunk eine Sendung mit dem bezeichnenden Titel „Die Sklaven des Computers“ hörte.

Das Zeitalter der elektronischen Datenverarbeitung (EDV) hatte doch gerade erst begonnen, und schon konnte man von einer neuen Versklavung sprechen, einer Sklaverei, von der kein Mensch ausgenommen sein würde! Wer machte sich da zum Herrn, zum Gott der Menschheit?

Hellsichtig hieß es da „ Dabei wird immer deutlicher, dass die EDV die viel einschneidendere Technologie [gegenüber der Atomkraft] ist, weil sie sich auf alle Bereiche unseres Lebens auswirkt. Während die Kernenergie nur als Ersatz von Kohle und Oel eingesetzt werden kann, bestehende Strukturen, bekannte politische und wirtschaftliche Systeme jedoch nicht verändert, muss man beim Einsatz der Computertechnologie gerade mit dieser Wirkung rechnen.“

Heute sind wir mittendrin in diesen rasanten Veränderungen, ohne dass uns wirklich zu Bewusstsein kommt, dass der eingeschlagene Weg tatsächlich in die größte Unfreiheit führt. Wie schläfrig sind wir doch gegenüber den Zeitereignissen! Kann uns überhaupt noch etwas aus dem Schlaf reißen? – Man muss sich nur einmal ansehen, wie die Menschen ständig auf ihr Smartphone schauen! Man könnte denken, sie werden von ihm an der Leine gehalten und Gassi geführt.

Aber es ist diese Bequemlichkeit und unser Sicherheitsdenken, dass uns willig die „Segnungen“ unseres selbstgemachten Gottes annehmen lässt. Dabei müsste man doch denken, dass wenigstens Christen wach sein würden? – Aber weit gefehlt! Ein gutes Beispiel für christlichen Tiefschlaf liefert Schweden. 64,8% der Bevölkerung bezeichnen sich als Christen, von denen ein großer Teil zu den Pfingstkirchen zählt. Keinem dieser Christen ist offenbar aufgefallen, dass die Vorreiterrolle, die Schweden im bargeldlosen Zahlungsverkehr einnimmt, die Verwirklichung von Offenbarung 13 ist. Selbst die Kirchenkollekte wird elektronisch eingesammelt und Obdachlose haben ebenfalls ein Gerät erhalten, mit dem sie ihre Almosen von den Passanten empfangen können. Verstärkt lässt man sich inzwischen sogar Mikrochips unter die Haut injizieren, wie dieses Video zeigt:

https://www.facebook.com/N24/videos/10154530424887554/

Werden Schwedens Christen noch die Kraft finden, aus diesem System auszusteigen? Werden wir die Kraft haben, „Nein“ zu sagen, wenn das Bargeld abgeschafft wird? – Denn was das bedeutet, ist klar: Wer „Nein“ sagt, beraubt sich völlig seiner irdischen Existenzgrundlage.

Zwar suchen Christen nicht das Irdische – wird behauptet – aber in der Praxis sieht es ja so aus, dass wir an vielem in dieser Welt hängen und uns nicht bemüht haben, davon loszukommen. Und wenn wir nicht an Dingen oder sonstwas hängen, dann doch vielleicht an Menschen, an den Eltern, den Partnern, den Kindern. Ein „Nein“ kann also auch ein „Nein“ an sie bedeuten, wenn diese das System bejahen.

Das Gebot der Stunde lautet deshalb für alle, die gerettet werden wollen: innere Erkraftung!