Fall und Aufstieg des Menschen

Wenn wir den Sündenfall betrachten, sehen wir, dass das Praktizieren von Wertungen die Vertreibung aus dem Paradies und unsere gesamte „gefallene Welt“ mit ihrer Bosheit, ihrem Leid und dem Tod verursacht hat.

Wertungen sind ein geistiger Akt, ein Akt des Urteils. Es ist deshalb nicht gleichgültig, wer die Urteile fällt. Kinder urteilen anders als die Erwachsenen. Was Kinder als gut ansehen, zum Beispiel lieber zu spielen anstatt Schularbeiten machen, sehen Erwachsene nicht so. In gleicher Weise ist es ein großer Unterschied, ob Gott etwas beurteilt oder der Mensch aus seiner Perspektive.

Als der Mensch begann, aus seiner Sicht als Geschöpf über gut und böse zu urteilen, musste die Harmonie, in die der Mensch in die gesamte Schöpfung eingebettet war (= Paradies) verlorengehen (1. Mo 2,17). Denn das Urteil entscheidet, wie man handelt. Ein Geschöpf, das aber selbstständig urteilt, vollzieht es nicht unter dem Gesichtspunkt der Gesamtheit – nämlich, was allen gut tut – sondern unter einem egoistischen Blickwinkel. Damit kam natürlich nicht nur Chaos in die Welt, sondern als Rückwirkungen der Disharmonien auch Chaos in die eigene Seele, die sich in psychischen und somatischen Erkrankungen manifestieren, und schließlich im Tod als endgültige Unfähigkeit der Seele, die Harmonie mit dem physischen Körper aufrechtzuerhalten.

Gott straft nicht. Unser falsches Denken ist „Strafe“ – da es zerstörerisch ist.

Ich hoffe, jeder kann das, was ich hier schrieb, nachvollziehen. Der Ablauf ist vollkommen logisch. Auf gleicher Logik muss unsere Erlösung, d.h. die Lösung der menschlichen Probleme, aufgebaut sein.

Kein Mensch ist von Gott im ontologischen Sinn getrennt, denn alles Sündigen erfolgt auf der Grundlage, dass wir lebende Wesen sind. Getrennt von Gott sind wir nur durch unseren Geist, durch den Geist, der im Menschen seinen Ursprung hat. Man könnte auch sagen, wir sind lediglich durch unsere falschen Bewusstseinsinhalte, durch unser falsches Denken von Gott getrennt. Wenn wir also erlöst werden wollen von allem Übel, dann müssen wir umdenken (griech. Μετάνοια metanoia, von νοεῖν noein, „denken“ und μετά meta, „um“ ) , denken lernen in Übereinstimmung mit unserem wahren Wesen, d.h. unserem göttlichen Wesen (Rö 12,2). Nur durch neue Bewusstseinsinhalte, die aus der Erkenntnis dessen kommen, wer wir wirklich sind, ändert sich unser Leben. Nur wenn wir uns selbst als göttlich sehen können, werden wir anders urteilen. Denn dann wissen wir, dass wir vollkommen sind und nichts außerhalb von uns bedürfen. Dann haben wir den „Schatz im Acker“ (Mt. 13,44) , die kostbare Perle (Mt. 13,45-46) gefunden, für die wir alles aufgeben können. „Gut“ ist uns nun nicht mehr was unserem leiblichen Wohl dient, sondern gut ist uns das höchste, was es gibt: Uns selbst als göttliches Wesen. In ihm schwelgen wir in Gedanken und Gefühlen. Je mehr wir das tun, um so klarer wird uns alles, um so sicherer werden wir. Wir können uns jeden Tag von früh bis abends freuen, da es nichts mehr gibt, was uns schaden könnte (Phil 4,4; Rö 8,28). Ein solches Leben wird sich auch immer mehr physisch auswirken (Mt. 16,18).

Lasst uns also darum bemüht sein, die Wahrheit zu erkennen, damit wir frei werden! (Jo 8,32)

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Lichte Botschaft verhüllt durch dunkle Wolken des Unverstandes

Am 21. August 2017 wird in den USA eine totale Sonnenfinsternis zu beobachten sein. Die Tochter des bekannten Evangelisten Billy Graham, Anne Graham Lotz, hielt es deshalb für angebracht zu warnen, dass dieses Ereignis der Beginn von Gottes Gericht über Amerika sein könnte. Doch an wen wendet sie sich mit dieser Botschaft? Sie weiß um die regelmäßigen kosmischen Zyklen, die ganz unabhängig von menschlichen Verhaltensweisen sind, und doch bringt sie diese in Beziehung zum Menschen. Weshalb tut sie das entgegen aller Vernunft?

Aus einem solchen Verhalten können wir sehr viel lernen. Für einen religiösen Menschen ist schon lange diese Welt gerichtsreif. Diese Empfindung bringt sie, ohne dass ihr das bewusst ist, mit den Empfindungen, die den archaischen Menschen bei einer Sonnenfinsternis befielen, in Zusammenhang. Dieser stand den Naturphänomenen unwissend gegenüber. Sie lösten deshalb nur Empfindungsreaktionen hervor. So wie das auch bei den Tieren der Fall ist. Bei einer Sonnenfinsternis verstummen die Vögel, Tiere kriechen in ihre Höhlen.

Selbst uns aufgeklärten Menschen befällt noch eine leise Ahnung von dem, was die frühen Menschen erlebt haben mussten. Der Schriftsteller Adalbert Stifter schilderte seine Eindrücke wie folgt. „ Nie und nie in meinem ganzen Leben war ich so erschüttert, wie in diesen zwei Minuten, es war nicht anders, als hätte Gott auf einmal ein deutliches Wort gesprochen und ich hätte es verstanden. Ich stieg von der Warte herab, wie vor tausend und tausend Jahren etwa Moses von dem brennenden Berge herabgestiegen sein mochte, verwirrten und betäubten Herzens […]. Der schöne sanfte Glanz des Himmels [wurde zum] bleischweren Licht […] – erschütternd war dieses allmähliche Sterben mitten in der noch vor wenigen Minuten herrschenden Frische des Morgens. […] Es war ein überaus trauriger Augenblick. Das hatte keiner geahnet – ein einstimmiges ‚Ah‘ aus aller Munde, und dann Totenstille, es war der Moment, da Gott redete und die Menschen horchten.“

Für die frühe Menschheit war die gesamte Natur ein „Reden Gottes“ bzw. der Götter    (denn der Ein-Gott-Glaube, der Monotheismus, entstand erst später). Aus diesen Empfindungsgründen speist sich noch die gesamte alttestamentliche Theologie. Aus dem Erleben der Natur kommen die Vorstellungen von „finsteren Mächten“, vom „Zorn“ und der „Barmherzigkeit“ der Götter (Gottes), von „Segen“ und „Fluch“. Das Neue Testament muss natürlich an die einmal gewachsenen Vorstellungen anknüpfen, bildet aber zugleich den Übergang zur Neuzeit.

Ein Gott der Liebe musste, solange man die Natur als Reden Gottes verstand, verborgen bleiben. Da war nur ein ständiger Wechsel von „Zorn“ und „Barmherzigkeit“ an den Naturereignissen ablesbar. Erst der sich immer mehr bahnbrechende Verstand konnte die einzelnen Naturobjekte zum Begriff der Natur zusammenfassen und so zum Ein-Gott-Glauben gelangen. Von da, etwa beginnend von Moses, war es wieder eine lange Zeit bis zu Jesus, wo dieser eine Gott als Liebe verkündet wurde. Ein Gott, der im Menschen seine Wohnung hat!

Nun haben nicht länger Naturempfindungen Offenbarungscharakter, sondern das verstehende Erkennen des eigenen Inneren führt, den Menschen verwandelnd, zurück zu Gott. Deshalb sagte Jesus: „Ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch freimachen.“ (Jo 8,32)

Auf unserer gegenwärtigen Stufe ist es deshalb nicht mehr fruchtbar, Vorstellungen, über die die Menschheit hinausgewachsen ist, zu reaktivieren. Das geschieht leider immer noch viel zu häufig. Anstatt an der Spitze der Geistesentwicklung zu laufen, hemmen Christen sich selbst mit unzeitgemäßen Begriffen, die aus einem ganz anderen Erleben der Welt stammen. Da wird in naturalistischer Weise von einer Schlange schwadroniert, die den Menschen verführt habe, von einem Baum, der das geistige Vermögen der Unterscheidung gegeben habe, von einem Drachen, von Teufeln und Dämonen, von einem zornigen Gott, der gleichzeitig ein Gott der Liebe sei, dessen Liebe es aber erträgt, dass die Mehrzahl der Menschen ewig in der Hölle schmore – auch wenn sie womöglich moralisch und ethisch besser sind als mancher Christ – nur weil sie nicht „glauben“…

Das alles passt nicht zusammen. Jesu Auferstehung war und ist das fortschrittlichste Ereignis in der Menschheitsgeschichte. Deshalb können Christen nicht länger von dieser und von Gott in einer Sprache reden, die vor mehr als 4000 Jahren einmal modern war. Wir müssen begreifen, was die biblischen Begriffe wirklich meinten. Nur dann können wir in heutiger Sprache von göttlichen Dingen reden. Dann werden wir auch Gehör finden, weil unsere Sache überzeugend ist.

Was ganz gewiss auf uns zukommt,

ist die Abschaffung des Bargeldes. Damit erfüllt sich eine zweitausendjährige Prophezeiung, die da lautet, dass das „Tier“ unterschiedslos alle Menschen dazu bringen wird, ein Kennzeichen anzunehmen, ohne das man weder etwas kaufen noch verkaufen kann (Offb 13, 16-17). Dass sich das in unserer Zeit erfüllen würde, ging mir bereits 1972 oder 73 auf, als ich im Bayerischen Rundfunk eine Sendung mit dem bezeichnenden Titel „Die Sklaven des Computers“ hörte.

Das Zeitalter der elektronischen Datenverarbeitung (EDV) hatte doch gerade erst begonnen, und schon konnte man von einer neuen Versklavung sprechen, einer Sklaverei, von der kein Mensch ausgenommen sein würde ? Wer machte sich da zum Herrn, zum Gott der Menschheit?

Hellsichtig hieß es da „ Dabei wird immer deutlicher, dass die EDV die viel einschneidendere Technologie [gegenüber der Atomkraft] ist, weil sie sich auf alle Bereiche unseres Lebens auswirkt. Während die Kernenergie nur als Ersatz von Kohle und Oel eingesetzt werden kann, bestehende Strukturen, bekannte politische und wirtschaftliche Systeme jedoch nicht verändert, muss man beim Einsatz der Computertechnologie gerade mit dieser Wirkung rechnen.“

Heute sind wir mittendrin in diesen rasanten Veränderungen, ohne dass uns wirklich zu Bewusstsein kommt, dass der eingeschlagene Weg tatsächlich in die größte Unfreiheit führt. Wie schläfrig sind wir doch gegenüber den Zeitereignissen! Kann uns überhaupt noch etwas aus dem Schlaf reißen? – Man muss sich nur einmal ansehen, wie die Menschen ständig auf ihr Smartphone schauen! Man könnte denken, sie werden von ihm an der Leine gehalten und Gassi geführt.

Aber es ist diese Bequemlichkeit und unser Sicherheitsdenken, dass uns willig die „Segnungen“ unseres selbstgemachten Gottes annehmen lässt. Dabei müsste man doch denken, dass wenigstens Christen wach sein würden? – Aber weit gefehlt! Ein gutes Beispiel für christlichen Tiefschlaf liefert Schweden. 64,8% der Bevölkerung bezeichnen sich als Christen, von denen ein großer Teil zu den Pfingstkirchen zählt. Keinem dieser Christen ist offenbar aufgefallen, dass die Vorreiterrolle, die Schweden im bargeldlosen Zahlungsverkehr einnimmt, die Verwirklichung von Offenbarung 13 ist. Selbst die Kirchenkollekte wird elektronisch eingesammelt und Obdachlose haben ebenfalls ein Gerät erhalten, mit dem sie ihre Almosen von den Passanten empfangen können. Verstärkt lässt man sich inzwischen sogar Mikrochips unter die Haut injizieren, wie dieses Video zeigt:

https://www.facebook.com/N24/videos/10154530424887554/

Werden Schwedens Christen noch die Kraft finden, aus diesem System auszusteigen? Werden wir die Kraft haben, „Nein“ zu sagen, wenn das Bargeld abgeschafft wird? – Denn was das bedeutet, ist klar: Wer „Nein“ sagt, beraubt sich völlig seiner irdischen Existenzgrundlage.

Zwar suchen Christen nicht das Irdische – wird behauptet – aber in der Praxis sieht es ja so aus, dass wir an vielem in dieser Welt hängen und uns nicht bemüht haben, davon loszukommen. Und wenn wir nicht an Dingen oder sonstwas hängen, dann doch vielleicht an Menschen, an den Eltern, den Partnern, den Kindern. Ein „Nein“ kann also auch ein „Nein“ an sie bedeuten, wenn diese das System bejahen.

Das Gebot der Stunde lautet deshalb für alle, die gerettet werden wollen: innere Erkraftung!

Der Hl. Geist und die Wahrheit

Alle Christen behaupten ja den Hl. Geist empfangen zu haben, auch wenn dieser „Empfang“ sich nicht als übersinnliches Geschehen manifestierte. Trotzdem herrscht unter ihnen eine Streitlust, die kaum eine Bibelstelle unangetastet lässt und oft genug dem anderen das Christsein abspricht. Das ist bei denen, die eine „besondere Salbung“ empfangen haben wollen (Pfingstler, Charismatiker usw.), nicht anders. Wenn es wahr sein sollte, dass wir den „Geist der Wahrheit“ haben, der uns in „alle Wahrheit leiten“ will (Jo 16,13), dann stellt dergleichen eigentlich eine Unmöglichkeit dar.
Wir müssen gar nicht darüber diskutieren, ob wir den Hl. Geist empfangen haben oder nicht. Der Hl. Geist kann nichts bewirken, wenn wir an der Wahrheit kein wirkliches Interesse haben. Das ist in der Regel bei den meisten Menschen der Fall.* Das ändert sich auch nicht sogleich, wenn man sich für den Glauben entschieden hat. Da kann man sogar, um vermeintliche Glaubenswahrheiten zu retten, blind gegenüber anderen Wahrheiten werden.

Wer an bestimmten Wahrheiten ein Interesse hat, wird auch immer mehr Wahrheiten erkennen, die damit in Zusammenhang stehen. Erkenntnis der Wahrheit ist kein geheimnisvolles Geschehen, sondern das einfache Zusammenschauen zweier oder mehrerer Tatbestände. Durch ein solches Vergleichen erkennt man, was sie gemeinsam haben und was sie trennt. Ein profanes Beispiel dafür: Wenn ich einen Apfel und eine Birne vor mir habe und in sie hineinbeiße, kann ich feststellen, dass sie eßbar sind, und in dieser Hinsicht etwas gemeinsam haben. Der Geschmack und das Äußere unterscheiden sie. Damit habe ich schon einige Wahrheiten erkannt. Sehe ich nun beide in der Natur, dann stelle ich fest, dass es Baumfrüchte sind. Vergleiche ich Bäume untereinander, erkenne ich, dass es davon die verschiedensten Arten gibt, usw.

Erkenntnis der Wahrheit ist etwas, das im profanen Bereich ganz natürlich geschieht. Trotzdem kann man sagen, dass die Menschen die Wahrheit nicht an sich lieben, sondern nur insoweit, wie sie zur Verfolgung persönlicher Ziele nützlich ist. Ein Börsenmakler wird deshalb viel über Finanzen wissen, von denen ein Kleingärtner gar nichts versteht, und umgekehrt.
Im christlichen Glauben aber geht es, wie in der Philosophie oder auch der Wissenschaft, um die ganz großen Fragen, nämlich das, was „die Welt im Innersten zusammenhält“ (Faust). Darüber, mit Verlaub, möchte man mit keiner Hausfrau diskutieren.

Ist nun Wahrheit demzufolge nur etwas für „große Geister“? – Ja und Nein, denn jeder große Geist hat einmal klein angefangen.

Das Grundproblem des Menschen empfindet jeder: Es ist der Tod und das Leiden. Die Bibel, als Dokument eines historischen Geschehens verweist auf eine Antwort darauf: Jesu Auferstehung. Nimmt man sie als Faktum, dann würde das mit logischer Konsequenz implizieren, dass es außer dem Materiellen Geistiges gibt, und dieses grundsätzlich übergeordnet ist.

Von diesem Geistigen, wenn es denn tatsächlich existiert, kann ich aber nicht nur aus der Bibel wissen, sondern muss ich als Mensch unmittelbare Gewißheit erlangen können. Denn ich muss im Wesentlichen gleicher Beschaffenheit wie Jesus sein, wenn für mich oder irgendeinen anderen Menschen Jesu Auferstehung eine Bedeutung haben sollte.

Da die Bibel keine Darstellung komplexer Zusammenhänge bietet, aber jede Wahrheit mit anderen Wahrheiten zusammenhängt, ist offensichtlich, dass „biblische Wahrheiten“ ihre mögliche Evidenz nur durch außerbiblische Wahrheiten erlangen können. Auch die Inhalte der Bibel sind nur „Stückwerk“. Ein „sola sciptura“ kann deshalb nur geistliche Unfruchtbarkeit bedeuten.

Nun haben wir ja heute nicht nur viele naturwissenschaftliche Wahrheiten erkannt, sonder auch eine Fülle an empirischen Daten, deren Auswertung ein recht deutliches Bild über den Zusammenhang von Geistigem und Materiellem und dem Leben nach dem Tod ergeben könnte. Alles das darf nicht, wenn man wahrhaftig sein will, zugunsten liebgewordener traditioneller Vorstellungen ignoriert oder zurechtgebogen werden.

Als Letztes: Alle Wahrheiten ergänzen und beleuchten sich gegenseitig. Unwahr ist alles was unlogisch ist.

Nicht der Glaube macht uns frei, sondern allein die Wahrheit (Jo 8,32). Deshalb ist ihr Fehlen im Leben von uns so verhängnisvoll und der christliche Glaube für viele ein Spott!

***

* „Nie haben die Massen nach Wahrheit gedürstet. Von den Tatsachen, die ihnen missfallen, wenden sie sich ab und ziehen es vor, den Irrtum zu vergöttern, wenn er sie zu verführen vermag. Wer sie zu täuschen versteht, wird leicht ihr Herr, wer sie aufzuklären sucht, stets ihr Opfer.“ Gustave Le Bon (1841 – 1931), franz. Arzt und Soziologe, Begründer der Massenpsychologie

Laien und Experten

Der Unterschied dürfte klar sein. Die Experten sind diejenigen, die wirklich etwas von einer Sache verstehen, die kompetent sind. Von den Laien erwartet man das nicht.

Jeder, der wirklich etwas wissen will oder in irgendeiner Sache Hilfe benötigt, wendet sich deshalb lieber an einen Fachmann, denn an einen Dilettanten. Niemand wird sich gern von einem Bäckermeister operieren lassen, nur weil der sich ein paar Filme über Operationen angeschaut hat und einige anatomische Kenntnisse besitzt.

In religiösen Dingen ist es aber in den weitaus meisten Fällen umgekehrt: Da hat der Nichtwisser das Sagen! Weshalb das so ist, ist einfach zu verstehen.

In religiösen Dingen muss man, um von ihnen kompetent reden zu können, in Dimensionen vorgestoßen sein, die dem normalen Menschen verschlossen sind. Das drückt Paulus so aus: „Der natürliche Mensch aber vernimmt nichts vom Geist Gottes; es ist ihm eine Torheit, und er kann es nicht erkennen“ (1. Kor. 2,14). Der natürliche Mensch ist also für alles Spirituelle blind!

Man kann zwar Theologie studieren und damit etwas wissen über die Zeit der Entstehung biblischer Texte, über das, was dieser oder jener innerhalb der Kirchengeschichte gesagt hat, man kann die Bibel studieren und die verschiedensten Zusammenhänge zwischen einzelnen Textstellen herstellen – aber damit bleibt man, so nötig das alles auch sein kann, trotzdem noch im Äusseren. Man hat damit noch keine geistliche Kompetenz. Denn die innere Anschauung dessen, was geglaubt werden soll, fehlt.

Aus diesem Mangel erklärt sich die Zerstrittenheit der Christen. Jeder hat seine Meinung, aber nicht die Wahrheit! So sind die einen geneigt zu sagen, es komme nicht auf irgendwelche Ansichten an, sondern allein auf die Liebe. Doch das ist dann oft nur ein Wort für spirituelle Gleichgültigkeit. Es führt deshalb zu einer Nivellierung, zu einer Absage an jedes Wahrheitsstreben. Damit stirbt auch die Liebe, denn sie schwebt nicht im luftleeren Raum, sondern wächst und gedeiht nur unter bestimmten Bedingungen.

Das andere Extrem ist der Fanatiker. Er wird so sehr von Unsicherheit beherrscht, dass er keine Abstriche von seiner einmal gefassten Meinung machen kann und diese jedem anderen aufzudrängen versucht. Solche Menschen sind besonders unter den Fundamentalisten zu finden. Sie streben nach der reinen „biblischen Lehre“ und wollen nichts wissen als das, was explizit in der Bibel steht. Sie übersehen dabei völlig, dass es eine „biblische Lehre“ nur geben kann, wenn man Erkenntnisse hat, die über das in der Bibel Gesagte hinausgehen. Denn die Bibel ist kein systematisches Lehrbuch.

Ihr Weg führt deshalb in die Erstarrung. Man kann das sehr deutlich an kleinen Gemeinschaften sehen, die in dieser Hinsicht besonders fromm sein wollen. Vor wenigen Jahren konnte man eine Dokumentation über die Mennoniten in Mexico sehen. Zum Gottesdienst war das Filmteam nicht zugelassen. Danach aber interviewten sie zwei Besucherinnen nach dem Inhalt der Predigt. Die Antwort: „Es wurde gesagt, dass wir uns bekehren sollten“.

Das also war der Inhalt der Predigt in einer Gemeinschaft, die seit Jahrhunderten von der Welt isoliert lebt! Da erwartet man, dass tiefe Geheimnisse enthüllt würden, da ja die Anfangsbedingungen jedem Glied der Gemeinschaft von Kind auf intus sein müssten – stattdessen dieser Appell an Erwachsene! Wo ist da Glaubenswachstum? Wo ein Hineinwachsen in eine unbekannte Dimension (s.o.) ?

Als Fazit können wir sagen, wir gewinnen nichts wenn wir auf die christlichen Sadduzäer oder Pharisäer hören, die heute wie damals das religiöse Leben dominierten. Sie können uns nichts über die wahren Hintergründe der Welt, nichts über die spirituellen Dimensionen oder gar Gottes Wesen sagen, da sie es nicht kennen. Das ist allein, natürlich graduell verschieden, Erkennenden und Heiligen beschieden. Von diesen gibt es nicht viele…

Jeder Christ ein Psychologe?

Eine sonderbare Fragestellung? – Nein, ganz und gar nicht! Ganz eindeutig heißt es doch in der Bibel, daß niemand ohne Heiligung den Herrn sehen wird (Hebr 12,14). Heiligung aber ist ein Prozess der Transformation des natürlichen Menschen in einen übernatürlichen, eines „fleischlichen“ Menschen in einen „geistlichen“ Menschen, eines Sünders in einen Heiligen (1. Kor. 2, 14-15; Kol 3,9-10). Das setzt voraus, dass wir nicht nur die Bibel gut kennen, sondern auch in ganz engem Kontakt mit uns selbst sind. Denn wir sollen ja, durch das „Wort Gottes“, das uns informiert (nebenbei: im Wort „informieren“ steckt das Wort „eine Gestalt geben“, lat. „informare), verwandelt werden. Es findet also in uns etwas statt. Wie sollten wir da von dem, was wir sind und von dem was wir sein könnten und den „Techniken“ der Wandlung „keine Ahnung“ haben? – Dadurch, dass wir eine solche Wandlung anstreben, müssten wir doch zu psychologischen Experten werden!

Wer sich aber in der Christenheit umsieht, bemerkt, dass das nicht der Fall ist. Nicht nur der einfache Christ hat wenig Einsicht in psychologische Tatsachen, sondern auch die führenden Köpfe kommen kaum über das hinaus, was die profane Psychologie lehrt. Das alles deutet darauf hin, dass der Glaube bei uns lediglich ein Oberflächenphänomen ist, dass er nicht tief genug geht. Er verändert uns nicht wirklich, da wir es uns an der allgemeinen Wurstelei genügen lassen.

Da Selbsterkenntnis und Gotterkenntnis untrennbar zusammengehören, muss uns das Chaos der Auffassungen über Wesen und Inhalte des christlichen Glaubens nicht wundern, denn wir sind alle mehr von einer „christlichen“ Ideologie geprägt denn von wirklichem Glauben.

In der psychologischen Praxis wird deshalb häufig erlebt, „wie ein scheinbar fester Glaube [sich] auflöst – aber nicht, weil die Psychotherapie ein Feind des Glaubens wäre, sondern weil Ideologie ihr nicht standhält.“ Solche Christen haben, wie der Psychotherapeut H. Bartz erläutert, „ eine intellektuelle Überzeugung religiöser Art für Glauben gehalten. Sie haben den Glauben, der ein Akt des ganzen Menschen ist, mit einer Meinung verwechselt. Sie haben gewähnt, Gotteserkenntnis zu besitzen, besaßen aber nur eine tote Wahrheit, weil sie den Weg dahin, nämlich den Weg der Selbst-Erfahrung, nicht gegangen waren.“ [Hervorhebungen innerhalb des Zitats von mir.]

Wenn wir nicht mehr als nur ein Vertreter einer Ideologie sind, dann sind wir nicht besser als die Pharisäer, die auch den „Schlüssel der Erkenntnis“ besaßen, ihn aber nicht nutzten (Lk 11,52). Dann können wir weiterhin nur Meinungen haben und uns ewig über das Schriftverständnis streiten. Wir haben dann nur den Buchstaben, der tötet, und nicht den Geist, der lebendig macht (2. Kor 3,6).

Wir haben dann nur ein Buch, das uns zum Götzen wird, anstatt Christus!

Lasst uns umkehren zu einem lebendigen Glauben!

 

Das wahre Leben Jesu

Durch den Umgang mit Christen lernte ich das wahre Leben Jesu kennen, von dem ich hier berichten will.

Jesus war ein netter junger Mann, der sich schon früh bekehrte. Allerdings hatte das keine großen Auswirkungen, obwohl man schon damals so tat, als sei es etwas Besonderes sein Leben „dem Vater“ zu übergeben. Er hatte seine kleinen Fehler wie jeder andere auch. Aber der Vater war ja ein Vater der Liebe, und da genügte es, diese Schwächen immer wieder dem Vater zu beichten. Der sah dann großzügig darüber hinweg. Das war alles, was man tun mußte, um nach dem Tod in den Himmel zu kommen. Freilich bemühte man sich schon aus Liebe zum Vater, sozusagen als kleinen Dank etwas Gutes zu tun, z.B. immer freundlich zu seinen Mitmenschen zu sein. Das gelang nicht immer. Aber, siehe bereits Gesagtes zum Thema Schwächen.

Jesus lernte einen ordentlichen Beruf und machte sich dann selbständig. Denn er wußte, daß es der Fleißige auch zu etwas bringe. So wurde er von Jedermann geachtet. Auch heiratete er früh, damit seine Geschlechtsliebe in geregelte Bahnen kam und sich nicht wild austobte, wie in der Welt. Freilich war er klug genug, zu wissen, daß man die Triebe, und überhaupt, was alles so im Menschen lebte und nicht jeder wissen mußte, nur beschränkt unter Kontrolle bekam. So brauchte man gar nicht an wirkliche Enthaltsamkeit denken oder gar versuchen, von dem Unschönen, das man manchmal in sich bemerkte frei zu kommen. Freilich bat er immer wieder einmal den Vater darum, aber es tat sich nichts. So wurde er auch nie richtig froh, und manchmal beneidete er sogar die Weltkinder, die so fröhlich draufzu lebten. Hatten sie nicht wirklich Spaß? Aber, das war ein Gedanke, den er sich schnell wieder verbot.

Als dann das erste Kindchen in die Welt kam, kehrte erstmals so etwas wie wirkliches Glück in das Leben des jungen Paares ein. Das änderte sich aber schnell wieder als das Kind wuchs, und nicht immer nach den Wünschen der Eltern wollte. Aber die gute Erziehung machte sich doch bemerkbar, so dass es nicht dem Alkohol oder sonstigen schlimmen Lastern verfiel. Uns als es mit guten Noten die Lehre abschloß und auch gleich einen Arbeitsplatz fand, war man´s zufrieden.

Da Jesus sich bemühte gute Qualität zu liefern, das war er schließlich seinem Vater im Himmel schuldig, wuchs sein Einkommen immer mehr, so dass er sich bald ein nettes Häuschen bauen konnte. Freilich erlaubte ihm das nicht mehr so oft wie bisher in den Tempel zu gehen, wo er als idealistischer und frischbekehrter Jugendlicher so manche Hoffnungen geweckt hatte. Aber ein ordentliches Handwerk und überhaupt Arbeit waren ja etwas, was Gott ganz besonders schätzte. Für viel Gerede, wie es im Tempel geschah, oder überhaupt dem Denken, hatte er nicht viel übrig. Insgeheim sah er solche Leute, die sich viel Gedanken machten, als Müßiggänger an. Er packte lieber an. Wenn man ihn etwas zu Glaubensdingen fragte, wusste er nicht viel zu sagen. Das war ja auch nicht nötig. Man musste ja nur an den Vater glauben. Das meiste, was in der Bibel stand hielt er für überflüssig, da man es nicht verstehen konnte.

Freilich war die Bibel wichtig, denn sie war ja Gottes Wort. Sie musste auch regelmäßig gelesen werden. Beten musste man auch. Man konnte ja mit jedem Anliegen zum Vater kommen. Was der Vater wolle, fragte man natürlich auch. Da aber auf solche Fragen meist keine Antwort kam, blieben hauptsächlich die eigenen kleinen Wehwehchen und selbstverständlich die Bitte um Schutz. In der Welt konnte ja so vieles schiefgehen, was man so gern noch unternehmen wollte. Auf die Idee, daß man sich vielleicht um das Verständnis der Bibel und des Lebens bemühen sollte, um des Vaters Willen zu erfahren, kam selbst Jesus nicht.

Seine Predigten waren, aber das sagte niemand – man war ja gut erzogen – recht langweilig. Sie regten auch niemanden auf. Erstens hatte man schon tausendmal gehört, daß man liebevoll sein und die Sünden bekennen solle, und zweitens ist ja Liebe so zartfühlend, daß sie niemandem weh tut.

Besonders die alten Damen in der Bibelstunde wußten das zu schätzen. Da war er besonders einfühlsam. Schenkte anschließend mit so einem netten Lächeln Kaffee aus, sang schöne Lieder zur Unterhaltung, und bei einem Stück Kuchen ließ sich mit ihm angenehm plaudern.

Das wußten selbst die Weltkinder zu schätzen. Jesus hatte auch für sie immer ein freundliches Wort. Im Übrigen machte er sich um sie nicht viel Gedanken. Ich sagte ja bereits, daß er von dem, was er Grübelei nannte, nicht viel hielt. Gelegentlich kam ihm in den Sinn, dass die Weltmenschen ohne den Vater verloren seien. Dann zimmerte er ein Brett, was ihm nicht schwer fiel, schrieb darauf „Der Vater liebt Dich“, und zog damit durch die Straßen. Aber nicht allein. Das traute er sich doch nicht. Sondern er rief ein paar Getreue aus dem Tempel zusammen, die einen ähnlichen Spruch hochhielten. Manchmal nahmen sie auch ein paar Luftballons mit. So sah jeder, daß die Leute Gottes doch recht harmlos waren und auch Spaß verstanden. Wie gesagt, es war alles immer ganz nett.

Auf die Idee bei Jesus Heilung zu suchen ist natürlich keiner gekommen. Dafür hatte ja Gott die Ärzte und Psychiater gegeben. Die hatten schließlich studiert, und verstanden etwas von der Sache. Leute Gottes waren auch keine besseren Leute, oder welche, die irgendetwas zu bieten hätten, was Weltleute nicht haben. Sie konnten lediglich die Frohe Botschaft weiter sagen (siehe oben). Aber das hatte schon damals nicht viel Erfolg. Es wurde den Leuten nicht so richtig klar, weshalb sie einen Vater im Himmel brauchten. Ein Leben, daß keinen Beschränkungen unterworfen war, erschien sowieso schöner, als so vieles sich nicht zu getrauen und als sündig anzusehen, und wenn Gott ein Vater der Liebe war, kam man ja sowieso in den Himmel. Man mußte nur schnell vor der Löffelabgabe beichten. Aber weshalb war auch nicht richtig zu begreifen.

Das Verständnis der ganzen Sache förderte auch nicht, als man im Tempel kostspielige Stücke inszenierte und weltbekannte Musikgruppen aufspielten. Nur dass es hier meist kostenlos war. Und die Leute nett. Es gab keine Besäufnisse und Prügeleien.

Als Jesus älter wurde legte er sich einen Garten zu und setzte seine ganze Liebe darein. Es war wirklich ein Schmuckstück, das da entstand.

So starb Jesus schließlich im hohen Alter, umgeben von seinen Lieben und von Jedermann geachtet. Es war wirklich ein Verlust. Aber, das auf Grund seines Wirkens die Kirche entstanden sein soll, ist übertrieben. Er war doch wie jeder andere auch, und hat nichts Besonderes getan. Außer, daß er eben etwas netter war, als wir alle. Daß er am Kreuz für uns gestorben sei, ist nun schließlich vollends ein Märchen. Warum hätte ein netter Mensch, der niemandem etwas zu leide tat und höchstens in seiner Frömmigkeit gelegentlich übertrieb, am Kreuz sterben sollen? Nur Verbrecher wurden so bestraft. Keine guten Menschen. Wer Gott folgt, der hat von keinem Menschen etwas zu befürchten. Erst recht nicht vom Staat. Außerdem, ein Gott der Liebe opfert doch nicht seinen Sohn! Was wäre das für eine Liebe?

P.S. Ich hoffe, jeder hat verstanden, dass hier nicht vom echten Jesus die Rede war, sondern vom „Brief Christi“ (2. Kor. 3,3), wie er an vielen Christen abgelesen würde, wenn man die Bibel nicht hätte.

Die Bibel ist kein naturwissen-schaftliches Buch

Eine Selbstverständlichkeit, sollte man meinen. Aber dem ist nicht so. Viele, die ernsthaft Christ sein wollen, meinen nämlich, dass gerade die Bibel das sein müsste. Weil sie „Gottes Wort“ sei, müssten die Angaben der Bibel zur Natur wahr, und deshalb naturwissenschaftlich unanfechtbar sein. Als ich Christ wurde, war das auch meine Überzeugung. Ich bemühte mich deshalb, mit naturwissenschaftlichen Mitteln die „Wahrheit der Bibel“ zu beweisen – so wie es heute noch viele tun – und scheiterte kläglich…

Man übersieht bei dieser ganzen Sache eines: Zur Zeit als die biblischen Gestalten lebten und die einzelnen Texte der Bibel niedergeschrieben wurden, gab es gar keine Naturwissenschaft. Diese hat sich im Wesentlichen erst seit Kopernikus, also seit dem 15. Jahrhundert, entwickelt.

Hätte Gott zu den Menschen der damaligen Zeit naturwissenschaftlich geredet, er wäre nicht verstanden worden! Aber darum geht es ja. Gott muss von denen verstanden werden, zu denen er reden will. Das war in den damaligen Zeiten geozentrisch, also von dem aus, wie die Menschen die Erde und das All ohne technische Hilfsmittel wahrnahmen und anthropomorph, d.h. analog wie die Menschen sich selbst und die Umgebung empfanden.

Wenn ein Mensch auf einen anderen Menschen zornig war, dann tat er diesem etwas an, wovon er annehmen konnte, dass das dem anderen nicht gefiel. Folglich musste Gott auf den Menschen zornig sein, wenn des Menschen Erwartungen nicht erfüllt wurden oder sogar etwas geschah, was als Schaden erfahren wurde. Aus den Wechselfällen des Lebens wurde das Verhältnis Gottes zum Menschen abgeleitet. Ging alles gut, war Gott barmherzig. Trat eine größere Umwälzung auf, bei der viele Menschen vernichtet wurden, „reute es den Herrn, auf der Erde den Menschen gemacht zu haben, und es tat seinem Herzen weh.“ (1. Mo 6,6). Gott konnte man damals nicht anders verstehen als einen Menschen mit allen seinen Emotionen und Sinneswandel, nur das er eben viel mächtiger als ein Mensch war.

Und alles war natürlich um des Menschen Willen geschaffen: „Und Gott sprach: Es sollen Lichter an der Wölbung des Himmels werden, um zu scheiden zwischen Tag und Nacht, und sie sollen dienen als Zeichen und zur Bestimmung von Zeiten und Tagen und Jahren;“ (1Mo 1,14).

Sonne und Mond haben also nach dieser Auffassung keinen Zweck in sich oder im ganzen System. Sie sind lediglich „Lichter“ am Himmelsgewölbe, damit der Mensch einen Kalender hat! Davon, dass die Sonne ein Stern, und die Planeten dreidimensionale Gebilde, also Kugeln waren, wusste man noch nichts. Man sah also lediglich Lichter am Himmel, an denen nach langen Beobachtungen auffiel, dass manche Lichter an bestimmten Stellen wiederkehrten. Damit hatte man Anhaltspunkte für eine Zeiteinteilung gewonnen.

Das Weltbild der Bibel ist also ein ganz anderes als das unsrige. Deshalb können wir heute nur sinnvoll von Gott reden, wenn wir die zeitgeschichtliche Einkleidung der biblischen Texte durchdringen und zum eigentlichen Inhalt vorstoßen. Dann wird unsere Verkündigung nicht länger im Widerspruch zu anerkannten wissenschaftlichen Wahrheiten stehen und vom heutigen Menschen guten Willens akzeptiert werden.

Das Problem, das sich von jeher durch die Menschheit zieht, ist das Leid und seine Überwindung. Darum geht es im Wesentlichen in allen „heiligen Texten“. Untrennbar sieht man dieses Problem mit dem Verhältnis des Einzelnen zur Gesamtheit und dem Herrscher über alles verknüpft.

Im Grunde muss uns die vorchristliche Entwicklung des menschlichen Bewusstseins und der Gesellschaft nicht mehr interessieren. Mit der Überwindung des Todes durch Jesus Christus sind auch alle Leiden endgültig aufhebbar. Die ultimative Antwort ist gefunden: Identifiziere Dich mit dem Ewigen und überwinde so alle Anhänglichkeit ans Vergängliche, Materielle! Alles andere hat keinen Heilswert.

Können Ärzte Sünden vergeben?

Sie müssten es können, wenn sie Krankheiten wirklich heilen würden. So ist es jedenfalls nach dem biblischen Weltbild. Nach diesem haben Krankheiten primär keine materielle Ursache, sondern eine geistig-seelische.

In einem Bibellexikon lesen wir: Krankheit ist vielmehr (…) eine von Gott verfügte Strafe (Ex. 9,14, Nm 12, 9-14 u. 21,6, 1.Sm 15, 2.Sm 24,1, 1.Kö. 13,4-6). Jahwe selbst oder der Engel Jahwes (…) schlägt den Menschen mit Krankheit. 

Im N.T. finden sich weiterhin die at.lichen Anschauungen über die Krankheiten und ihre Ursachen wieder (Lk 13,11.16, Joh 9,2 Apg 12.23, 1 Kor 11,30-32, 2 Kor 12,7, Off 16,2; vgl. auch Röm 8,20). Mk 2,5.10f par. Jo 5,14 lassen einen engen Zusammenhang zwischen Krankheit und Sünde, Heilung und Vergebung erkennen; auch Jak 5,16 bringt das Sündenbekenntnis des Kranken mit der Heilung in Verbindung.“ (Hrg. Prof. Dr. H. Haag).

Um so mehr verwundert, dass viele Christen wie selbstverständlich medizinische Hilfe in Anspruch nehmen und sogar behaupten, Gott habe auch die Ärzte geschaffen…

Mir ist bewusst, dass ich mir mit diesem Beitrag viel Ärger einhandle. Aber für den Fortschritt unseres Glaubens ist es sehr wichtig, dass wir klar sehen lernen.

In der Tat werden auch Ärzte immer mehr auf geistig-seelische Ursachen unserer Krankheiten aufmerksam. Man subsumiert sie unter dem Begriff „Psychosomatik“. Damit nähern sie sich der biblischen Lehre. Trotzdem liegt immer noch der Akzent auf der materiellen Beeinflussung und nicht auf der Sinnesänderung des Patienten.

Natürlich geht es nicht darum, die Ärzte zu kritisieren. Ihr Wissen beziehen sie ja schließlich nicht aus dem unmittelbaren Zugang zur Wahrheit, wie ihn Christen haben könnten, sondern aus der Erforschung des Materiellen. Nein, sie richtet sich an die geistige Trägheit derer, die für sich in Anspruch nehmen, Christen zu sein.

Von uns hätten die Impulse für die Erkenntnis geistig-seelischer Ursachen der verschiedensten Krankheiten kommen müssen. Stattdessen kommen sie von der profanen Wissenschaft oder von denen, die nach Alternativen suchten, weil sie auf den bekannten Wegen keine Hilfe erhielten.

Erfreulicherweise gibt es inzwischen einige Bücher, die auch dem einfach denkenden Menschen die seelischen Muster und die Denkmuster erschließen, die mit bestimmten Krankheiten in Zusammenhang stehen. Womit natürlich nicht gesagt ist, dass damit schon das letzte Wort gesprochen sei. Schließlich befinden wir uns hier auf Neuland, das immer mehr erschlossen werden muss. Aber sie können eine Anregung sein, uns selbst auf die richtige Bahn zu bringen.

Erwähnen möchte ich die Bücher von Dr. med. Ruediger Dahlke: „Krankheit als Weg“ (mit Co-Autor Thorwald Dethlefsen), „Krankheit als Sprache der Seele“, „Krankheit als Symbol“, „Lebenskrisen und Entwicklungschancen“, aber auch das Buch von Louise L. Hay „Gesundheit für Körper und Seele“. Es gibt sicher viele mehr, aber das soll erst einmal zur Anregung genügen.

Natürlich will ich mit diesem Aufsatz nicht sagen, dass kein Christ mehr ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen soll. Ich will nur, dass wir umdenken. Uns wieder des Sinns einer Erkrankung bewusst werden, indem wir uns und Gott fragen, weshalb habe gerade ich (und jetzt) diese oder jene Krankheit?

Gott geht es nicht um schnelle Heilung, sondern um richtige Heilung, die immer an der Wurzel ansetzen muss. Wir aber wollen möglichst schnell gesund werden, um uns wieder unseren meist oberflächlichen Betätigungen und Vergnügungen hingeben zu können. So bleiben wir innerlich unverändert durch eine „überstandene“ Krankheit zurück. Sie war kein Segen für uns, sondern etwas Unnötiges, Zufälliges.

Doch in Wahrheit gibt es keinen Zufall.

Zur Weiterführung lesen Sie bitte:

Sind wir überhaupt gläubig?

Wahrer Glaube

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Ergänzung v. 27.10.2017

Die Wahrheit obigen Textes wird u.a. durch ein Nahtoderlebnis bestätigt, das eine Krebspatientin hatte. Sie berichtet: „«(…) wo ich in das Gefühl vollkommener Liebe eintauchte.
Mir war plötzlich glasklar bewusst, warum ich Krebs bekommen hatte. Und vor allem, warum man mich in dieses Leben gestellt hatte. Welche Rolle jeder einzelne Angehörige in meinem Leben spielte, in Bezug auf den grossen Plan, in dem alles
festliegt, und auf das allgemeine Wesen des Daseins.
Ich besaß in diesem Zustand eine Klarheit und Einsicht, die einfach unbeschreiblich ist. Worte scheinen diese Erfahrung nur einzuengen …» (Pim van Lommel „Endloses Bewusstsein)

 

 

 

 

Die innere Logik des Neuen Testaments

Immer wieder gibt es Auseinandersetzungen zwischen den Gläubigen, aus denen im Gespräch, in der Diskussion oder auf sonst einer Weise deutlich wird, dass man Zweifel am rechten Glauben des jeweils anderen habe. Dieses Misstrauen in den anderen muss aber nicht aus einem eigenen starken Glauben kommen, sondern kann geradezu Ausdruck eigener Unsicherheit sein. Man bekämpft deshalb so vehement die Anschauungen des Gegenüber, weil man sich selbst nicht verunsichern lassen möchte.

Aber immer da, wo Differenzen auftreten, ist ein jeder gefragt, tiefer nach dem Wahrheitsgehalt der eignen Überzeugungen zu fragen – sonst macht man sich und dem anderen nur etwas vor, womit keinem gedient ist.

Wir sollen nicht blind etwas glauben, sondern der Wahrheit glauben. Einer einzigen Wahrheit zu glauben, heißt bereits einen Anhaltspunkt zu haben. Das Dasein besteht aber aus vielen Wahrheiten.

Bezogen auf die Bibel heißt das: wir können uns nicht einfach ein paar Bibelverse herauspicken, die uns sympathisch sind und andere ignorieren. Das betrifft besonders das Neue Testament. Dieses muss uns ja besonders wichtig sein, da es von unserer Erlösung handelt.

Doch da scheinen viele nur herauszulesen, dass sie von Gott geliebt und aus Gnaden erlöst seien, deshalb kommen sie, ihrer Meinung nach, sofort nach dem physischen Tod „in den Himmel“. Aber ist das wirklich so? – Diese Frage soll jetzt hier überhaupt nicht beantwortet werden. Ein Christ, der „das Wort“ ernst nimmt, ist man damit jedenfalls noch nicht.

Ernsthafte Christen können wir nur dann sein, wenn wir uns die Mühe machen, die Wahrheit erkennen zu wollen, denn nur die Wahrheit, nicht ein diffuser Glaube, macht frei (Jo 8,32).

Deshalb gilt es das gesamte Neue Testament ernst zu nehmen. Zwischen den einzelnen Aussagen kann es keine wirklichen Widersprüche geben. Alles, was da gesagt wird, muss einen inneren, einen logischen Zusammenhang haben. Dieser kann aber nur erkannt werden, wenn man alle Worte auf sich wirken lässt, gerade auch die, die einem persönlich gar nicht zusagen.

Nur die Zusammenschau öffnet die Geistesaugen und damit das Verständnis.

Auf diese Weise erfährt man etwas über die Anthropologie des Menschen und die Psychologie der Erlösung. In Umkehrung des Goethewortes, erhält man nun aus den Einzelteilen, also den einzelnen Aussagen der Schrift, das geistige Band. Ohne dieses bleibt alles toter Buchstabe.

„Wer will was Lebendigs erkennen und beschreiben,
sucht erst den Geist herauszutreiben,
dann hat er die Teile in seiner Hand,
fehlt, leider, nur das geistige Band.“  (Goethe)