Ideale müssen verwirklicht werden –

denn sonst erfährt man nicht ihren Segen. Das Christentum stellte das Ideal des Reiches Gottes auf, in dem alle Lebewesen miteinander in Harmonie und der gesamten Schöpfung leben (Mt. 6,10).

Damit dieses Ideal Wirklichkeit werden kann, müssen sich zuerst die Menschen ändern. Das kann nicht durch Zwang, also durch äussere Mittel geschehen, sondern nur indem der Mensch freiwillig dieses Ideal in sein Herz aufnimmt und dessen Verwirklichung anstrebt. Er muss also dieses Ideal lieben, um es zu erreichen (Jak. 2,17). Es ist klar, dass sich ein so großes Ideal nicht von heute auf morgen verwirklicht, sondern dass es ein langer Weg ist.

Das Wesen des christlichen Glaubens besteht nicht darin, daß der Mensch ohne sein Zutun – einfach aus Gnade – in eine bessere Welt versetzt wird (die er ja sofort wieder durch sein sündiges Wesen verderben würde) – sondern daß jeder Mensch, unabhängig von seiner Vergangenheit, dieses Ideal ergreifen und verwirklichen kann.

Dazu gehört natürlich der Glaube, dass das ein lohnenswertes Lebensziel und daß seine Realisation schrittweise möglich ist.

Denn Jesus sagte nicht, dass wir schlechtere Menschen sein dürften als die Pharisäer, die die Gebote nur äußerlich erfüllten, sondern er sagte in der Bergpredigt, dass wir weit besser sein müssten (Mt. 5)

Christlicher Glaube ist deshalb kein Hoffen auf ein „besseres Jenseits“, in das wir nach dem Tod kommen, sondern berechtigtes Hoffen auf eine zukünftige Welt (Hebr. 6,5), die durch die kontinuierliche Heiligung erreicht wird.

Dabei wird das menschliche Sein und Verhalten nicht mehr von der Vorstellung geprägt, wir seien vergängliche, dem Tod unterworfene Geschöpfe, sondern davon, dass wir im Kern unsterbliche Wesen sind. Infolgedessen müssen alle gegenwärtig noch vorhandenen Bedrohungen unseres leiblichen Daseins nicht mehr die Reaktionen hervorrufen, die wir zur Genüge gewohnt sind. Nein, weil sie uns im Kern nicht  treffen (Mt. 10,28), ist uns ein ganz anderer Umgang mit den Lebensverhältnissen möglich. Wir können schließlich jegliche Angst verlieren und durch den Frieden unseres Wesens nicht nur eine bisher unbekannte Stärke unseres Immunsystems erreichen, sondern sogar eine Geistesstärke, die es dem Gegner unmöglich macht, uns überhaupt anzugreifen (Lk 4,29-30, Joh. 10,18).

Wie weit entfernt wir aber noch von einem wahren Herzensfrieden sind, kann uns bereits das morgendliche Aufwachen lehren: Wir wachen oft nicht in friedlicher, angenehmer Stimmung auf, sondern so, dass wir lieber noch etwas schlafen würden.

Christliches Leben führt deshalb immer mehr zu einem von äusseren Anforderung freien, selbstbestimmten Leben, in dem wir durch zunächst recht grobe, dann aber immer feinere Abstimmung unserere jeweils gegenwärtige Realität mit dem Ideal in Übereinstimmung bringen.

 

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Das Himmelreich ist in Dir

Jesu Reden handelten vom Himmelreich, das „nahe herbei gekommen“ sei (Mt. 4,17) und dessen Wesen er in zahlreichen Gleichnissen erläuterte. Das Himmelreich ist kein äußeres Reich, das von Raum und Zeit abhängt, sondern ein inneres Reich, das auf der Gegenwart Gottes beruht. Das machte Jesus gegenüber den Pharisäern deutlich, die darunter eine äußere Herrschaft verstanden: „Gottes Reich kann man nicht sehen wie ein irdisches Reich. Niemand wird sagen können: ›Hier ist es!‹ oder ›Dort ist es!‹ Denn Gottes Reich ist schon jetzt da – mitten unter euch.“ (Lk. 17,20; HfA)

Und so ist es kein Wunder, dass es auch einige Menschen gab und gibt, die dieses Reich „geschmeckt“ haben. Es sind das die wahren Christen , die sogenannten Mystiker! Gerhard Tersteegen (1697-1769) hielt es gegenüber dem veräußerlichten Christentum für nötig, zu betonen, dass mystisches Leben nichts Neues sei, sondern „das christliche Leben in seiner Schönheit und eigentlichen Gestalt“.

Des Mystikers Sinn ist treffend in Ps. 73, 25 mit den Worten „Wenn ich nur dich habe, so frage ich nicht nach Himmel und Erde“ ausgedrückt. So äußerte Katharina von Genua (1447-1510), „ Ich empfinde eine solche Liebe zu Gott, dass alle Liebe zum Nächsten mir im Vergleich zu jener zu Gott als eine Heuchelei erscheint“. Oder Mme. Guyon (1648-1717) : „Ich liebte Gott mehr als der leidenschaftlichste Liebhaber seine Geliebte… Diese Liebe war so beständig und beschäftigte mich so unablässig und so mächtig, dass ich an nichts anderes zu denken vermochte.“

Auch in unserer heutigen Zeit machen Menschen solche Erfahrungen. Während bei den Genannten die leidenschaftliche Hinwendung zu Gott alles andere verzehrt hatte, ist es bei den folgenden, heutigen Beispielen, die zeitweilige Loslösung von allem Irdischen in der Meditation.

Während der Meditation durchzogen mich so ungeheuer starke elektrische Ströme, dass mein ganzer Körper in Wonne eingetaucht zu sein schien. In Tränen aufgelöst schien ich nicht mehr derselbe zu sein mit dem allzubekannten, begrenzten Ich-Verständnis.” Eine andere Person empfindet im Zustand der Losgelöstheit „eine Liebe, die man, da sie ohne Objekt ist, am besten ‚Liebevollheit‘ nennen kann. Ja, sie ist umso vollkommener sie selbst, wenn sie ohne Objekt ist.“ Das bestätigen zwei nicht voneinander beeinflusste Lehrer aus ihrer persönlichen Erfahrung. „Wahre Loslösung ist eine Liebe selber ohne Objekt und Subjekt.“ Der andere: „Liebe ist keine Beziehung zwischen zwei Personen. Sie ist ein Gemütszustand. Bist du liebevoll, bist du es zu jedermann.“

Der Zustand der Losgelöstheit ist der Zustand der Einheit mit Gott. Deshalb auch diese Seligkeit und bedingungslose Liebe. So konnte auch Tersteegen sprechen, „Ich hab’s erlangt, was ich begehr‘, Mein Beten ist Genießen.“ Doch nur mittels persönlich geübter Disziplin erlangt man die Herrlichkeit des göttlichen Lebens. Angelus Silesius (1624-1677) ruft deshalb die trägen Christen auf,

Ach Fauler, reg dich doch, wie bleibst du immer liegen!

Fürwahr der Himmel wird dir nicht ins Maul reinfliegen!“

Mit Recht heißt es schließlich: „Doch wer im Himmel seines Innern wohnt, zufrieden mit sich selbst, begierdenlos, der ist erhaben über alles Wirken. Er wirkt nicht selbst; für ihn ist nichts zu tun.“ (Bhagavadgita III,17) Oder wie es die Offb. 14,13 sagt: „Glückselig die Toten [d.h. die Sünder, s. Eph. 2,1], die von jetzt an im Herrn sterben! [d.h. in das Ewige hinein] Ja, spricht der Geist, damit sie ruhen von ihren Mühen, denn ihre Werke folgen ihnen nach. [d.h. sie gehen aus der Einheit Gottes mit dem Menschen mühelos hervor].“

Tiefen- entspannung

Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben,
wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt.“

Friedrich Schiller

 

Seit einigen Jahren wohne ich in einem hellhörigen Plattenbau, der einiges an Konzentration abverlangt, will man sich nicht gestört fühlen. Das alles würde noch gehen, wenn es nicht Nachbarn gäbe, die gelegentlich oder auch ziemlich regelmässig anscheinend der Auffassung sind, sie seien die einzigen Bewohner des Hauses und müssten keine Rücksicht nehmen. Die Versuche, ihnen schonend beizubringen, dass das ein Mehrfamilienhaus sei, führten bisher zu keinem Erfolg.

Wie will man also mit solchen Menschen in Frieden leben? – Nein, liebe Leser, ich erwarte jetzt keine Vorschläge, was ich alles tun könnte. Mir geht es wirklich um die Grundsatzfrage, wie lebt man im Frieden, wenn doch der Friede immer wieder durch lärmende Zeitgenossen beeinträchtigt wird? Zum Beispiel, wenn jemand Party feiert und Disco macht zur Schlafenszeit, oder dann, wenn man meinte, ungestört einer eigenen Beschäftigung nachgehen zu können?

Die erste Reaktion, die bei solchen Störungen auftritt, ist ja Empörung über ein solches Verhalten. Aber die tut einem zusätzlich nicht gut, wenn es keine Möglichkeit gibt, ein solches abzustellen. Sie macht einen unruhig, voll von Gedanken, die nichts taugen, schließlich wütend, dass man dem Störenfried gehörig eins überziehen möchte und zum Schluss bleibt man verzweifelt zurück. Natürlich ist das auf die Dauer krank machend.

Dass in einem solchen Fall Gebete geholfen hätten, habe ich noch nicht erlebt. Es sei denn, man bezeichnet die Ausrichtung auf das, was man ist und will, als solches.1 Da öffnet sich nämlich wirklich ein Weg. Der Weg des Heils ist ja ein Weg in die Tiefenentspannung. Nur so wird dauerhafter Frieden möglich. Gestört fühlen kann man sich tatsächlich nur, wenn man selbst auf etwas ganz Bestimmtes fixiert ist. Ist man losgelöst, kann auch nichts stören. Das Ewige, da es von allen Erscheinungen losgelöst ist, ruht im beständigen Frieden.

Da ich ewig bin, muss ich also nichts festhalten, sondern will im Gegenteil mit ihm in Übereinstimmung kommen, also losgelöst sein. Es gibt also nichts zu wollen, nichts zu tun, keine Vorsätze zu haben, sondern einfach nur zu sein. Alles, was ich wahrnehme, ist Außenwelt und geht mich nichts an.

Das, als tägliches Lebensprogramm, hilft auch in anscheinend aussichtslosen Situationen. Man regt sich nicht mehr auf, fragt nicht mehr, was man tun könnte, um die äußeren Beeinträchtigungen abzustellen, sondern bleibt bei sich, bzw. kommt sich näher. Man atmet dann nur noch, die Gedanken und Gefühle kommen zur Ruhe, der innere Aufruhr ist vorbei und schließlich schläft man trotz des Lärms ein.

„Ich werd‘ affektenlos in mir,

Die Sinne und Gedanken hier

Sind lieblich, süß und stille,

Der Leib tut ruhig, was er macht,

Der Atem gehet immer sacht,

Wie schmeidig wird der Wille!

Er schmilzt wie weiches Wachs dahin,

Weg ist der harte Eigensinn,

Hier gilt nur sanftes Wesen,

Die Adern sind von Friede voll;

O wie so ruhig, o wie wohl!“

(G. Tersteegen)

Ich bin überzeugt, die Tiefen des Friedens, den man erlangen kann, kennen keine Grenzen, ebenso die Stärken der Geisteskraft. Da ist längst noch nicht alles entdeckt und erlebt.

1 Eine Form des „Gebets ohne Unterlass“ (1. Thess. 2,13)

Phänomen Nahtod

Meili
Walter Meili, Phänomen Nahtod – Faszinierende Entdeckungen eines Psychiaters – S. 272, Paperback 15,95 €, e-book 11,99 €, SCM Hänsler, Holzgerlingen 2016

Das Buch ist bereits 2016 erschienen. Leider bin ich erst jetzt auf dieses aufmerksam geworden, was in Bezug auf mich selbst nicht so schlimm ist, da ich bereits einige Bücher über das Thema kenne, aber bedauerlich, da ich es deshalb nicht früher rezensieren konnte. Denn dieses Buch ist ein „Muss“ für Jedermann! Besonders aber für Christen und jeden Theologen! Also unbedingt kaufen!

Ich bin erstaunt und erfreut, dass ein solches Buch in einem renommierten evangelikalen Verlag erscheinen konnte. Denn eine große Offenheit für Nahtodphänomene schien mir bisher unter sogenannten Bibelgläubigen nicht vorhanden zu sein. Doch spricht Gott nicht gerade durch die Realität besonders eindrücklich zu uns? Viel deutlicher als es in Worten geschehen kann?

Die biblischen Texte sind wesentlich Geschehnisse, Berichte davon, wie Menschen in vergangener Zeit Gott erlebt haben. Heute erleben ihn viele Menschen durch Nahtoderlebnisse. Selbst hartgesottene Atheisten wurden durch sie gewandelt. Auch der Autor selbst fand durch solche Berichte zum Glauben. Das zeigt die evangelistische Kraft solcher Erfahrungen. Deshalb meine ich auch, eignet sich dieses Buch sehr gut zum Weitergeben an andere.

Um gleich einem vielfach geäussertem Einwand gegenüber zu treten: Nahtoderlebnisse sind wirkliche Todeserlebnisse. Sie beweisen die Unsterblichkeit der menschlichen Seele und geben einen wirklichen Einblick in das jenseitige Leben, wenn auch nur für einen Zeitabschnitt.

Ein Mensch ohne Hirnaktivität (also das EEG zeigt eine Nulllinie) könnte unmöglich Erlebnisse haben, Erfahrungen machen und diese auch noch deuten. Und doch geschieht in der Abwesenheit vom menschlichen Hirn genau das!

Meilis Buch geht auf alle relevanten Aspekte der Nahtoderlebnisse ein. Er zitiert nicht nur ausführlich direkte Erfahrungsberichte, sondern kontextualisiert sie durch Schauungen, wie sie zum Beispielt Sadhu Sundar Singh hatte, oder die Erlebnisse Angehöriger, die hellsichtig das Austreten der Seele bei Sterbenden schauten oder das Erscheinen Verstorbener erlebten. Dieser Blick von mehreren Seiten offenbart, dass sich tatsächlich die Seele vom Körper löst und als solche weiterexistiert, es sich hier wirklich um ein reales übersinnliches Geschehen handelt und nicht etwa um irgendwelche Täuschungen.

Das gibt den Erfahrungen ein besonderes Gewicht. Wer deshalb mehr Klarheit über Fragen des christlichen Glaubens haben möchte – und nur so ist verantwortlicher Glaube möglich – kann als Christ und Theologe unmöglich an Nahtoderfahrungen und verwandten Phänomenen vorübergehen. Um so unverständlicher ist das bisherige Desinteresse von Theologie und Kirche an diesen, das aber, nach dem im Buch zitierten Theologen W. Schweer, „ nicht einem sachkundigen fundierten Urteil, sondern einer eigenartigen Vorentscheidung… bestand, sich einerseits dem wissenschaftlichen Mainstream unserer Zeit folgsam anzuschließen, andererseits zugleich die unvergleichliche Wahrheit der biblischen Offenbarung zu behaupten.“

Dabei verschloss man „die Augen vor den unausbleiblichen Reibungspunkten zwischen diesen beiden Positionen. Es ist eine Einstellung, die allen sonstigen transzendenten Erfahrungen mit ablehnender Skepsis begegnet, aber die entsprechenden biblischen Erfahrungen davon ausnimmt.“ (S. 342)

Was wir deshalb brauchen, ist eine ›visionäre‹ Theologie, deren Aufgabe nach Worten des evangelisch-reformierte Pfarrers Felix Gietenbruch darin besteht, „Theologie aus einer Phänomenologie religiöser Erfahrung zu betreiben – und zwar nicht nur darum, weil dies der ursprüngliche Weg der Theologie selbst ist (anders kann sie nämlich gar nicht von Gott reden), sondern v. a. auch im Hinblick auf die fragenden Menschen, die nach einer Wahrheit suchen, die mehr als vom Zeitgeist bedingt ist.“ (S. 241)

Wenn wir eine solche Theologie haben werden, wird es auch möglich sein, den Menschen unserer Zeit fundierte Antworten auf brennende Fragen zu geben.

Meili betont: „Unser Glaube sollte begründet sein“ und erläutert, „der Glaube muss sich »gründen« – auf inneres Erleben, aber auch auf verstandesmäßige Auseinandersetzung mit der Transzendenz. Für beides können Berichte über Nahtodphänomene Unterstützung bieten.“ (S. 237)

„Ähnlich sieht es Robert L. Wise, der als evangelikaler Theologe selbstverständlich größten Wert darauf legt, mit seinem Buch »von Anfang bis Ende mit der Bibel in Einklang zu bleiben«. Er kommt zum Schluss: ‚Nach langem Forschen und Studieren bin ich zu der Überzeugung gekommen, dass diese Geschichten [also die Sterbebettvisionen, Nachtodkontakte, Nahtoderfahrungen und andere Transzendenzerfahrungen, die er in seinem Buch bezeugt, Anm. d. V.*], die Menschen von jenseits des Lebens mitgebracht haben, die Bibel bestätigen und unser Verständnis für Gottes Wort vertiefen können.’“ (S. 237)

Das Buch ist leicht zu lesen und stellt deshalb außer einem offenen Geist keine weiteren Anforderungen an den Leser. Zugleich eine Lektion in lebendiger Theologie.

Lassen Sie sich packen von den faszinierenden Schilderungen einer Realität, die jeden Menschen angeht!

* Meili

Der Leib – Tempel des Heiligen Geistes

Paulus ermahnt die Korinther, sich darauf zu besinnen, dass ihr Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist (1. Kor. 6,19). Wenn das der Fall ist, dann fragt man sich natürlich, weshalb man dann noch krank ist. – Die Antwort darauf kann eigentlich nur lauten: Wir hindern den Heiligen Geist am Wirken! Permanent könnte in unserem Leben Heilsames geschehen, wenn uns nicht anderes viel wichtiger sein würde.

Christen sollte bekannt sein, dass allein die Erbsünde und unsere ganz persönlichen Sünden für alles Leid, das wir erleben, verantwortlich sind. Wenn es uns also gut gehen soll, dann bleibt uns nichts anderes übrig, als unsere Sünden zu erkennen und sie durch Liebe zur Wahrheit aufzulösen (1. Kor. 11,31)! Das geschieht nicht von Heute auf Morgen. Denn es ist ein energetischer Prozess. Der Erfolg tritt dann ein, wenn die Liebe zum Richtigen stärker geworden ist als der energetische Fixpunkt, Kristallisationspunkt, der für das besondere Leid verantwortlich ist.

Hinter allen chronischen oder gar „unheilbaren“ Krankheiten liegt eine tief verwurzelte, also lange vorhandene – und deshalb starke – Fehlhaltung. Es dauert deshalb entsprechend lange, ehe man da frei werden kann. Aber selbst, wenn einem nichts weiter übrig bleibt, als sie zu akzeptieren, sollte man nach ihren geistig-seelischen Ursachen forschen. Denn es sind immer die Vorstellungen und Gedanken, die wir für unser persönliches Leben als wichtig (- und da wieder unterschieden nach dem Grad der jeweiligen Gewichtigkeit – ) ansehen, die unsere Lebensenergie in die entsprechende Richtung lenken.

Nun könnten viele sagen: Nein das ist falsch! Jesus heilt, und ich brauche ihn nur darum zu bitten. Gut, dann sollen es diejenigen tun. Das eine widerspricht ja dem anderen nicht. Nur weshalb wird man heute nicht mit einem Schlag heil, wie damals, als Jesus unter den Menschen weilte? Auch heute noch fährt man zu diesem oder jenem Heiler oder erwartet in einer charismatischen/pfingstlerischen Veranstaltung Sofortheilung. Man beachtet da überhaupt nicht, dass die Heilungen zur Zeit Jesu Zeichen waren. Zeichen einer Vollmacht! Diese Zeichen befreiten den Menschen nicht von den Veranlagungen zu dieser oder jener Krankheit, sondern nur von den Symptomen. Genauso ist es bei allen Heilungen, die von Außen, also durch andere Menschen bewirkt werden, seien es geistige oder ärztliche „Heilungen“. Die Veranlagungen kann nur jeder ganz persönlich ändern. Denn wenn eben die Liebe zu bestimmten Sünden bzw. Fehlhaltungen durch Sorge oder Furcht weiter bestehen, dann treten eben früher oder später die gleichen oder ähnliche Symptome auf. Deshalb sagte auch Jesus: „Sündige nicht mehr“ (Joh. 5,14; 8,11).

Wir sehen also, dass unsere Vorstellungen von einem christlichen Leben oft ganz verkehrt sind und wir deshalb so wenig Gutes erleben!

Alles steht in unserer Hand, da uns alles gegeben ist (2. Petr. 1,3).

Die Leute sagen oft zu mir: ‚Bittet für mich!‘ Dann denke ich: ‚Warum geht ihr aus? Warum bleibt ihr nicht in euch selbst und greift in euer eigenes Gut? Ihr tragt doch alle Wahrheit wesenhaft in euch.‘“ (Meister Eckhart, 1260–1328)

Von der Freude, sich heiligen zu können

Wie froh und dankbar bin ich doch, dass ich mich in all den Jahrzehnten meines Christseins in der Wahrheit heiligen (Joh. 17,17) konnte. Was für eine Befreiung! Was für ein Glück! Was für eine Freude!

Heiligung ist keine Last, sondern eine Entlastung des Daseins (Mt. 11,30). Das Dasein stellt uns vor „eiserne“ Notwendigkeiten und ist damit für einen jeden Menschen fordernd. Das fängt damit an, dass wir als Kind den Eltern gehorsam sein sollen. Es setzt sich fort mit den Anforderungen der Schule und mündet in den sogenannten „Ernst des Lebens“. Nun ist unser Leben hauptsächlich von Mühe und Arbeit gekennzeichnet. Hinzu kommen nicht selten diese oder jene Sorgen. Das alles macht uns mehr oder weniger krank.

Und dahinein schallt der Ruf von der Erlösung, von der Möglichkeit eines immer sorgloseren Lebens (Mt. 6,25)! Von der Möglichkeit, die Kindheit (Mt. 18,7), die Gesundheit zurück zu erlangen. Was für eine Chance!

Ein solches Leben ist aller Mühe wert! Was sind dagegen die „Schätze“ dieser Welt? Was Karriere, Eigenheim, Status, Wohlstand, für die sich die unwissenden Menschen plagen? – Aber in der Heiligung wirke ich nicht für vergängliche Werte, sondern schaffe nicht nur für die Gegenwart und nahe Zukunft, sondern für alle Zeiten Bleibendes (Mt. 6,20)!

Weshalb sollten wir denn immer nur zu Nichtigem, zu Unsinn fähig sein? Weshalb sollte es uns nicht vergönnt sein, Gutes, Heilsames zu tun? Dazu sind wir doch geschaffen (Eph. 2,10)!

Nur sinnvolles Tun befriedigt. Alles andere zerstört die menschliche Seele und den Leib! Ich habe es selbst in meiner Jugend erfahren, wie zerstörend Sinnlosigkeit und Hoffnungslosigkeit sind! Wie sie geradewegs in die Hölle führen…

Mit vierzehn Jahren erlebte ich den Schock meines Lebens! Plötzlich war alles zu Ende! Noch sieben Jahre etwa hätte ich zu leben unter der Last einer unheilbaren und ansteckenden Krankheit!

Was für eine Qual! Keine Liebe…, – zu der das Sehnen in diesem Alter aufbricht! Wie ertragen, unter Menschen zu sein mit diesem „Wissen“? Mein Schreien zu Gott – vergeblich! Ich konnte nur verdrängen…Diese „Wahrheit“ vergessen. Aber das funktioniert natürlich nicht. Verdrängtes kommt auf andere Weise wieder ans Licht. Und so hatte ich bald einen „Engel“, der mich immer dann mit „Fäusten“ schlug, wenn es mir am wenigsten passte! Dann die Nötigung in einen Beruf, den ich mir beileibe nicht ausgesucht hätte! Was soll dieses sinnlose, verfluchte Leben?!!! Die Depressionen wuchsen. Aber immer noch hatte ich Kraft, mich zu verlieben. Damit kam neuer Kummer. Ich war am Ende! Genau nach sieben Jahren! – Doch statt des physischen Todes kam der Neuanfang! Aber ich war ein seelisches Wrack!

Schnelle Lösungen gab es auch jetzt nicht. Ich baute mich auf durch Bibelstudium, durch wachsende Erkenntnis der Wahrheit. Nur so konnte ich die Schatten der Vergangenheit allmählich überwinden. Hätte ich diese Möglichkeit nicht gehabt, so hätte der Neuanfang schnell geendet.

Dass ich heute noch lebe, und zwar glücklich, habe ich der Heiligung zu verdanken. „Was, dieser fröhliche Mensch soll Depressionen gehabt haben?“ staunte eine Dame als ich auf einer Freizeit meine Geschichte erzählte. Der, der sich nicht mehr aus dem Haus traute, bereiste mit dem Rucksack die Welt! Der stumpfsinnig Gewordene, wurde zum begeistert Interessierten!

Mein Fazit:

Heiligung bringt das Himmelreich ins persönliche Dasein.

Heiligung lässt uns teilhaben an der Leichtigkeit des Seins.

Der lernende Gott

Es muss uns ja recht sonderbar erscheinen, dass Jesus Gehorsam lernen musste (Hebr. 5,8). Ist in ihm nicht Gott Mensch geworden, und zwar von Geburt an?

Ein Gott, der allwissend und allmächtig ist, hat es nötig zu lernen? – Dieser Vers aus dem Hebräer – Brief ist ein schönes Beispiel dafür, dass man doch etwas mehr differenzieren muss, als wir gewöhnt sind.

Wenn wir nämlich tatsächlich Jesus (zurecht) eine Göttlichkeit zuschreiben, dann kann sich das nur darauf beziehen, dass er ewig ist, wie übrigens jeder Mensch auch. Aber das muss einem natürlich erst einmal bewusst werden, denn sonst kann man über die Möglichkeiten des Ewigen nicht verfügen!

Viele Menschen meinen immer noch, dass ihr Leben mit dem physischen Tod ende. Sie sind sich also ihres wahren Wesens überhaupt noch nicht bewusst geworden und erfahren deshalb ein ganz anderes Schicksal als derjenige, der überzeugt ist, dass er unsterblich sei. (Letzteres sollte ja bei jedem, der sich als Christ bezeichnet, der Fall sein.)

Als Zwölfjähriger kannte Jesus bereits seine Identität (Luk. 2,49). Da schon war er sich sicher, dass nicht die leibliche Abstammung den Menschen ausmacht, sondern die göttliche. Obwohl er bis dahin stets an Weisheit zugenommen hatte (Luk. 2,52), war doch erst um das dreißigste Jahr sein Bewusstsein so weit entwickelt, dass er voll über die göttlichen Kräfte verfügen konnte. Was mit ihnen anfangen? – Da boten sich gleich ein paar Möglichkeiten, die aber überhaupt nicht dem Wesen Gottes entsprachen. Sie wurden deshalb verworfen (Mt. 4,1-7).

Nun erst war im eigentlichen Sinn Gott Mensch geworden, d.h. in einem physischen Leib verkörpert. Deshalb tönte zur Jordantaufe die göttliche Stimme : “Du bist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe! “ (Luk. 3,21).

Bis dahin litt Jesus unter den Grenzen, die uns die äussere Welt setzt, wie wir alle. Freilich hatte er bedeutend mehr innere Freiheit als wir, aber um Großes zur Entfaltung zu bringen, bedarf es großer Selbstzucht. Diese war wiederum nötig, als es galt, die Machtfülle aufzugeben, um schwach wie ein Mensch zu werden, der sich völlig von Gott verlassen fühlt. Denn nur so konnte Gott an sich selbst erleben, was es heißt, völlig hilflos zu sein, um so allen Menschen beistehen zu können (Hebr. 2,17-18).

Dieser Prozess begann im Wesentlichen in Gethsemane und war vollendet, als Jesus am Kreuz ausrief: “Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ (Mt. 27,46).

Nun erst waren objektiv alle Hindernisse beseitigt, die einen Menschen von Gott trennen. Als Symbol darfür zerriss der Vorhang im Tempel (Mt. 27,51).

Übung macht den Meister

Im Januar 1982 hatte ich eine Traumvision: In einer Wüste wanderten schwarzgewandete Menschen aufwärts mit einem Stab, wie ihn Hirten haben, und auf dem Kopf trugen sie einen schwarzen Melonenhut. Rechts im Traumbild standen in numerischer Abfolge die einzelnen Etappen untereinander aufgeführt, deren Inhalte ich aber wegen der Schnelle des Geschehens nicht lesen konnte. Dann sah ich links unten ganz deutlich die Ziffer 9 und daneben den Satz „Erlösung durch Sport.“ Dazu tanzte im Rhythmus ein Stockschirm, und ihm entsprechend ein Mann.

Ich begriff, dass es zum Fruchtbringen (9 ist die Zahl des Fruchtbringens) nötig sei, wie die Sportler immer wieder freiwillig, also aus eigenem Wollen (und nicht weil man muss), im rhythmischen Wechsel bestimmte Glaubensinhalte zu üben.

Zum Üben, das wissen die wenigsten Christen, fordert uns auch die Bibel explizit auf. In 1. Tim. 4,7 heißt es: „ übe dich aber zur Gottseligkeit“. Da steht das griechische Wort γυμνάζω (gymnázo), von dem das Wort Gymnastik abgeleitet ist.

Im evangelischen Glauben kommt man, wenn man etwas übt, sofort in den Verdacht, durch Werke gerecht werden zu wollen. Falls man da überhaupt etwas tut, außer Predigen, dann aus Dankbarkeit oder Liebe zu Gott. Die Werke, die man da tut, sind Werke der Nächstenliebe, also nichts Innerseelisches! Doch gerade das innerseelische Tun ist eminent notwendig, um das Ziel des Glaubens zu erreichen. Paulus schreibt 1. Kor 9,24: „Wisst ihr nicht: Die im Stadion laufen, die laufen alle, aber nur einer empfängt den Siegespreis? Lauft so, dass ihr ihn erlangt.“

Stattdessen hört man immer wieder, aus eigener Kraft können wir nichts tun. Und so überlässt man sich den fleischlichen Mächten.

Aber wer sagt denn, dass wir etwas aus eigener Kraft tun sollen? Nein, aus der Kraft Gottes, um die wir nicht bitten müssen, sondern die uns unablässig zur Verfügung steht, können wir aktiv an unserer Wandlung arbeiten.

Die Kraft Gottes ist aber keine besondere, keine magische Kraft, sondern die Kraft der Wahrheit!

Das Leben ist unablässig tätig. Ohne Pause schlägt das Herz, atmen wir ein und aus. Unablässig sind auch unsere Seeleninhalte in Bewegung. Das sehen wir an unseren Träumen, die aber auch im Tiefschlaf vorhanden sind (nur nehmen wir sie da nicht wahr). Was wir gewohnheitsmässig denken, beinflusst unser Gefühlsleben. Dieses wirkt wiederum zurück auf das Denken, und beides bewirkt unser Handeln. Statt also weiter das Falsche, können wir doch lieber das Richtige tun. Denn unsere Gedanken steuern die Lebenskraft.

Deshalb ist es so wichtig, dass wir die Wahrheit erkennen (Joh. 8,32) und ihr gemäss zu denken üben.

Wer bin ich, wenn ich wiedergeboren bin? – Bin ich dann noch der Mensch, der ich vorher war?

Wenn ich wiedergeboren bin, dann habe ich doch eine neue Identität und dann ist es falsch (also nicht der Wahrheit gemäss), sich weiterhin mit dem zu identifizieren, der ich durch die natürliche Geburt geworden bin.

Ich darf mich jetzt – wenn ich in der Wahrheit bleiben will – nicht mehr als ein vergängliches Wesen ansehen, das unauflöslich von der geschaffenen Welt und ihren Inhalten abhängig ist, sondern ich muss von mir als einem ewigen Wesen denken, das grundsätzlich absolut frei ist und Herrschaft über alles Geschaffene hat.

Nur so ergibt der Begriff „Kind Gottes“ einen Sinn. Ein Kind, das natürlich sich seiner selbst noch nicht so recht bewusst ist, deshalb sein wahres Wesen noch nicht erlebt und seine Kräfte ausleben kann, soll aber erwachsen werden. In Eph. 4,13 ist von der „vollen Mannesreife“ , der vollen Reife Christi“ die Rede, die wir erlangen sollen.

Nur, weil unser neues Leben die gleichen Voraussetzungen, wie das Leben Jesu Christi hat, ist es gerechtfertigt, dass Jesus seinen Nachfolgern verheißt: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer an mich glaubt, der wird auch die Werke tun, die ich tue, und wird größere als diese tun, weil ich zum Vater gehe.“ (Joh. 14,12)

Davon sind wir aber noch weit entfernt! Nicht, weil Gott das nicht wollte, sondern infolge unseres Unglaubens. Wir glauben nicht an das, was wir wirklich sind und aufgrund dieser Wirklichkeit könnten. Das ist wiederum die Folge mangelnden Interesses an der Wahrheit.

In Kirchen und Gemeinden wurden wir in den Schlaf gelullt, indem nicht die Wahrheiten gelehrt, die zum inneren Wachstum nötig sind, sondern in denen wir immer nur in allgemeinen Floskeln ermahnt wurden, zu „glauben“ und Gutes zu tun. Reifer als ein Baby in der Krabbelbox kann man auf diese Weise kaum werden.

Werde, der Du bist.“

Der Zorn Gottes

Andere Zeiten – andere Deutung

Kann man heute noch wirklich von einem „Zorn Gottes“ sprechen?  – Unbestritten ist, dass die Bibel vom „Zorn Gottes“ redet. Aber das ist ja auch ein Buch, dessen jüngste Teile bereits 2000 Jahre alt sind. Und was hat sich seitdem nicht alles verändert? – Für uns ist es heute nicht mehr selbstverständlich, bei einem Donner daran zu denken, dass Thor (Gott in der germanischen Mythologie) den Hammer schlägt, oder Zeus (Gott der griechischen Mythologie) aus Zorn seine Blitze auf die Erde schleudert. Wir wissen heute, dass Naturgesetze die Welt beherrschen, und einzufordern, wir sollten wieder daran glauben, dass Thor auf einen Amboss schlägt, würde nur einen Lachanfall erzeugen. Andererseits hätten wir zu der Zeit, wo eine solche Deutung des Naturgeschehens normal war, mit unseren Welterklärungen nur Kopfschütteln erzeugt.

In einer Zeit, in der die Menschheit noch von anthropomorphen (vermenschlichenden) Vorstellungen beherrscht war, konnten bestimmte Wahrheiten der Weltentwicklung eben nur in solchen vermittelt werden. Daher auch das Reden von einem „Zorn Gottes“ in der Bibel. Aber das ist eben nur eine Einkleidung der Wahrheit.

Der geläuterte Gottesbegriff

Gott hat keine menschlichen Emotionen. Gott ist das Leben und das Leben ist ewig und hat damit keine Feinde. Aber auch der Mensch, da er lebendig ist, ist ewig. Da er sich aber mit seiner Geschöpflichkeit identifiziert, also seinem Körper, befindet er sich im Konflikt mit allem anderen Leben. Dieser Konflikt kann nur aufgehoben werden, indem der Mensch sich seiner Ewigkeit bewusst wird und damit erkennt, dass auch er keine Feinde hat, weil ihn nichts vernichten kann.

Auf dieses Ziel hin geht die Weltentwicklung. Wer sich dagegenstellt, indem er seine aus der Identifikation mit der Körper kommenden Begierden kultiviert (und nicht etwa loslässt) zerstört sich selbst, da er ständig äussere und innere Konflikte erzeugt.

Auf diese Tendenz der Selbstzerstörung des Menschen möchte die Bibel mit dem Reden vom „Zorn Gottes“ aufmerksam machen. Es sind also, wie in der Natur, geistige Gesetzmässigkeiten, die entscheiden, wohin unsere persönliche Entwicklung geht. Wollen wir weiter an den Objekten dieser Welt festkleben, dann gehen wir dem Untergang entgegen, wie das ja jetzt schon recht deutlich wird, wenn man die Welt betrachtet. Denn wer nicht in Einklang mit seinem eigenen Wesen und dem des Kosmos lebt, kann keinen Erfolg haben.

Gegenprobe

Spielen wir aber nun als Gegenprobe einmal durch, Gott hätte tatsächlich soetwas wie Zorn. Das würde bedeuten, er würde beständig innerlich kochen und endlich könnte er seinem Drang nach Zerstörung freien Lauf lassen. Denn „Zorn“, so wissen wir, ist auf die Zerstörung des Gegners aus, und nicht darauf, ihm zu helfen. Er würde nicht konstruktiv, sondern destruktiv sein. Und das hat weder etwas mit Gott noch der Liebe zu tun.

Jesus sagte selbst: „Und wenn ein Haus mit sich selbst uneins wird, kann es nicht bestehen.“ (Mk 3,25) Auch Gott nicht.

Wohl sehen wir ein Vergehen von Welten und Leben, und doch hat das nichts mit unterschiedlichen Kräften (Emotionen) zu tun, sondern mit einer fortlaufenden Entwicklung, vergleichbar mit dem, wie wir unsere Kindheit und Jugend verlassen. Wir zerstören sie nicht, und können das auch nicht.

Fazit: Es macht heute also keinen Sinn mehr, von einem „Zorn Gottes“ zu sprechen, sondern nur davon, dass wir solange leiden werden, bis wir uns entschließen, als Erlöste zu leben, weil wir durch das Ewige alle Abhängigkeiten überwinden können.

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Wovon handelt diese Rede? Doch davon, daß eine Offenbarung nicht möglich ist als Tradition eines höheren Inhaltes ohne Rücksicht auf die Beschaffenheit der Individuen, welche den Inhalt aufnehmen sollen. Offenbarung ist nur möglich als Erziehung, d. h. als stufenweise Anpassung des Inhaltes an die Fähigkeiten der Individuen, denen die Offenbarung zu Theil wird.“ W. Dilthey

Kann man Christ sein ohne das Alte Testament?

Unter der Berufung, dass Jesus auf die Gebote und die Propheten Bezug nahm (z.B. Mt. 5,18-20), ist die Mehrzahl der Gläubigen der Ansicht, dass ein Christ das Alte Testament zu akzeptieren habe. Dessen ungeachtet mehren sich die Stimmen derer, die viele Aussagen desselben für unvereinbar mit der von Jesus gelehrten Liebe halten. Manche sind sogar der Auffassung, dass Jahwe und der Vatergott Jesu nicht identisch seien. Zudem wird die Opfertodtheologie abgelehnt.

Kann man tatsächlich unter diesen Voraussetzungen Christ sein? – Ja, warum denn nicht? Entscheidend ist doch allein, dass man wiedergeboren ist, und damit aus dem wahren Wesen des Menschen, aus dem Ewigen, lebt (Joh 3,3). Alles andere sind Erkenntnisfragen.

Der Blick eines Christen ist zudem nicht rückwärtsgewandt auf die Vergangenheit, sondern auf das Werdende gerichtet (Luk 9,62). In diesem Sinne müssen ihn geschichtliche Zusammenhänge nicht interessieren.

In unserer Zeit, da real die Tieropfer in der zivilisierten Welt längst abgeschafft sind – durch den Sieg christlichen Denkens! – ist es auch nicht notwendig, den Opfertod Jesu als endgültigem Opfer (Heb 10,10) ständig zu thematisieren, zumal ja eine wirkliche Einsicht in die Notwendigkeit allgemein abgeht.

Für den, der allerdings daraus Kraft schöpft, weil er darin die große Liebe des Vaters sieht oder erkennt, dass dem Ewigen auch die größte Sünde nicht schaden kann, sei es unbenommen.

Im christlichen Glauben geht es ja tatsächlich nicht um ein Für-wahr-halten, sondern um Kraft (1. Kor 1,18; 2. Tim 3,5; Offb 3,8), die auf den Sieg über alle Abhängigkeiten zielt (1. Joh 5,4).

Wachsen wir also in der Erkenntnis Jesu Christi als dem wahren Menschen (1. Kor 15,22), damit es im Glauben vorwärts geht.