Der Geist weht, wo er will

Vor einigen Tagen bekam ich überraschend von Amazon ein Buch zugeschickt. Es handelt sich um die neuesten „Gespräche mit Gott“ von N. D. Walsch mit dem Untertitel „Das Erwachen der Menschheit“. Der Absender meinte, es habe ihn an meine Hauptthese erinnert. Diese besteht ja, wie jeder meiner Blog-Leser wissen kann, darin, dass wir uns selbst als ewige, göttliche Wesen bewusst werden müssten, damit alle Probleme gelöst würden. Genau das verkündet auch Walsch!

Das freut mich deshalb besonders, weil es sehr frustrierend ist, immer wieder zu erleben, wie das eigene Wirken im Willen Gottes so wenig äusseren Erfolg zeigt. Da wird von uns Christen immer wieder gejammert über den schlechten Zustand der Welt und den Abfall der Kirchen vom „Wort Gottes“. Aber anstatt selbst zu erwachen, redet man immer nur gedankenlos in christlichen Stereotypen. So kann man aber weder sich selbst, noch der Welt helfen.

Da ist es eben ermutigend zu sehen, dass Gott mehr Möglichkeiten hat, als über Organisationen, die Bibel und derer, die sich allein für befugt halten, das Evangelium zu verkündigen, zu wirken. Sonst müsste man langsam tatsächlich verzweifeln. Nicht über die Welt, aber über die Mitbrüder und -schwestern.

In die gleiche Richtung geht, dass mir dieses Jahr durch einen Fund auf der Straße zwei neuwertige, dicke philosophische Bücher in die Hände gerieten. Ich fasste das so auf, dass es nun „dran“ wäre, mich etwas eingehender mit Philosophie zu befassen. Was für eine Überraschung erlebte ich auch da! Viele Erkenntnisse, die ich auf meinem Glaubens- und Heiligungsweg erlangen konnte, fand ich bereits bei Kant, Schelling, Hegel, Fichte oder Schopenhauer ausgesprochen. Da kann man sich nur wundern, wie platt es trotz dieser Geistesgrößen in Theologie und Verkündigung zugeht.

Für mich steht es schon lange fest, dass Gott sich nicht in zwei Buchdeckel einklemmen lässt und seitdem schweigt. Das Wesentliche ist, dass wir selbst die Wahrheit erkennen können und sollen (Jo 8,32; Eph 4,13; Phil 1,9; Kol 2,2-3; 2. Petr 1,5 u.a.). Denn nur wenn es keine Erkenntnisgrenzen gibt, kann es Fortschritt geben. Einen Beweis dafür stelle ich auch selbst dar. Wenn Menschen von unterschiedlichen Ausgangspunkten zu übereinstimmenden Ergebnissen kommen, dann muss an der jeweiligen Sache, wie man volkstümlich sagt, etwas dran sein.

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Zielstrebigkeit

Wir werden ein Ziel niemals erreichen, wenn wir nicht zielstrebig auf dieses zugehen, und dabei alle Widerstände überwinden. Sich von diesem und jenem ablenken lassen, verzögert das Erreichen des Angestrebten.

Das Ziel eines Christen ist vorgegeben: Jesus Christus gleichgestaltet zu werden (Rö 8,29). Das Ziel muss von vornherein klar sein. Es dient als Ausgangspunkt der Unternehmung und nach diesem Ziel wird alles ausgerichtet. Nun habe ich bisher wenig bis überhaupt nichts dahingehend vernommen, dass ein Christ dieses Ziel überhaupt auch nur anvisierte. Eher ist es so, dass man zu hören bekommt, dass niemand IHM gleichwerden könne! Solche Leute unterlassen es also von vornherein, dieses Ziel anzustreben. Sie wollen offenbar auf Händen ins Himmelreich getragen werden…Wir erfüllen aber unsere göttliche Bestimmung nur mit dieser Vollendung. Solange diese nicht geschehen ist, bleiben wir dem Leiden unterworfen.

Das Reich Gottes, das Reich der Freiheit und Glückseligkeit besteht im gottgegebenen Vermögen des Menschen, an jedem Platz innerhalb des gesamten Weltalls glücklich und heil sein zu können, weil ein solcher Mensch einzig an das Ewige gebunden ist, und damit das Unzerstörbare (Gott) innerhalb der Schöpfung zur Offenbarung bringt (Rö 8,19; Kol 3,4; 2. Petr 1,4).

In den spirituellen Dingen, ist es nicht anders als in den weltlichen. Jeder Mensch, der in irgendeiner Weise erfolgreich war, hatte ein festes Ziel vor Augen und den Glauben, dass er fähig sei, dieses zu erreichen. Er sammelte alle Kräfte auf dieses Ziel hin.

Wer als Christ keine Zielstrebigkeit kennt, verzettelt sich weiterhin und wird immer zerstreut und seinen Schwächen unterlegen bleiben.

Die Ziellosigkeit von uns Christen ist auch in erheblichen Maße für die Verwirrung unter uns verantwortlich, die sich eben in x-beliebigen Meinungen zu einem Thema ausdrückt. Wer ziellos ist, ist schwach, da er von jedem Wind bewegt wird. Es wird keine Stärke erlangt ohne Zielstrebigkeit.

Wer aber ein Ziel vor Augen hat, und den Weg zum Ziel beschreitet, merkt, dass er immer mehr vorwärts kommt und das Alte hinter sich lässt.

Benjamin Disraeli sagte: „Nichts kann dem Willen eines Menschen trotzen, der sogar seine Existenz aufs Spiel setzt, um sein erklärtes Ziel zu erreichen.“ Werfen wir also unser altes Leben, das uns ohnehin nur Leid bringt, in die Waagschale, um die Kraft und die Herrlichkeit eines Gottessohns zu erreichen!

Sind der „schmale Weg“ und die „enge Pforte“ noch von Bedeutung?

Vielfach wird der Eindruck erweckt, dass man als Sünder, ohne also den schmalen Weg der Überwindung der Sünde gehen zu müssen, allein durch einen Gnadenakt Gottes in den Himmel kommen könne. Es genüge lediglich, sein allgemeines Sündigsein zu erkennen und zu bereuen. Dann schließe einen Gott freudig in seine Arme. Doch stimmt das?

Wenn ich mich verbrannt habe, weil ich meine Hand auf einen heißen Gegenstand legte, genügt es dann zu bereuen, dass ich das tat? Sind durch diese Reue die Schmerzen weg? Habe ich, wenn ich das beim nächsten Mal wieder tue, keine Schmerzen mehr ? Oder sollte die Reue nicht beeinhalten, dass ich eine solche Tat nicht wiederhole? – Was an diesem Beispiel ganz offensichtlich ist, leugnen wir in Bezug auf die Sünde.

Dadurch, dass ich meine Sünden bekenne und bereue, sind keinesfalls die Folgen der Sünde getilgt. Wenn also meine Sünde eine bestimmte Krankheit hervorrief, z.B. bei übermässigen Alkoholkonsum einen Leberschaden, so ist er damit nicht automatisch beseitigt. Reue ist lediglich ein Moment des Innehaltens im bisherigen Tun, ein Abstandnehmen von ihm, um sich in seinem Handeln neu zu orientieren. Jede Sünde – was ja nichts anderes ist als falsches Tun – hat negative Folgen. Deshalb kann es gar keinen anderen Weg geben als das Richtige zu tun!

Die Ursachen menschlichen Leides liegen eben im Menschen selbst, und deshalb kann eben nur jeder für sich allein seine eigenen Ursachen des Leides aufheben. Kein Mensch kann das für einen anderen tun. Auch Gott kann das nicht für dich tun.

Deshalb sind Himmel und Hölle keine Orte, die unabhängig vom Menschen existieren, sondern Lebensqualitäten. Man trägt so viel Himmel in sich, wie man Gutes, und so viel Hölle in sich, wie man Falsches in in sich trägt. Welche Qualitäten in welchem Maße man in sich birgt, kann im Erdenleben verdeckt sein. Da kann es einem Sünder so gut gehen, dass ein Frommer darauf neidisch werden könnte (Ps 73,2-4). Doch spätestens nach dem Tod werden die Folgen eines jeden Tuns offenbar. Kein Gnadenakt Gottes kann daran etwas ändern!

 

Aus allem Gesagten dürfte – wenn es verstanden wurde – hervorgehen, dass die Fülle des Lebens, die Herrlichkeit des Lebens, die ewige Glückseligkeit nur durch vollkommene Sündlosigkeit erreicht werden kann. Denn wenn man annähme, der Himmel sei ein harmonischer Ort menschlichen Zusammenlebens, dann muss doch ein solcher Himmel sofort unvollkommen werden, wenn nur ein Mensch mit der Veranlagung zur Sünde Eintritt fände. Denn um sich wirklich wohl zu fühlen, würde es den Sünder drängen, seine Sünde auszuleben. Er würde damit die Gemeinschaft stören.

Nun hört man heute immer wieder, man könne, zumindest auf Erden, nicht sündlos werden. Die Frage entsteht, wo will man es dann werden? Auf die Erde wurde doch das Evangelium gebracht, damit wir hier die Errettung annehmen!

Die freudige Botschaft lautet: Es gibt einen Weg aus allem Leid. Wir sind nicht verurteilt, immer leiden zu müssen. Aber den Weg müssen wir natürlich auch bis zu ENDE gehen!

Er beginnt damit, dass ich mich mit meiner göttlichen Natur (1. Jo 3,9) identifiziere und damit die bisherige Identifikation als ein Geschöpf unter vielen Geschöpfen überwinde. Denn mit der Identifikation mit dem sinnlich-wahrnehmbaren Leib ist man automatisch von Gott getrennt und damit der Existenzangst unterworfen. Für ein Geschöpf gibt es immer etwas, das stärker, mächtiger, größer, intelligenter usf. ist. Doch wenn ich göttlicher Natur bin, dann bin ich unüberwindbar.

Deshalb besteht der Weg eines Kindes Gottes, analog eines Menschenkindes, zur vollen Reife, d.h. zur vollen Entfaltung des göttlichen Wesens zu kommen (Eph, 4,13; Rö 8,29). Erst wenn man alle Abhängigkeiten vom Äusseren überwunden hat, kann man durch die „enge Pforte“ (Lk 13,24) ins Himmelreich gelangen. Erst dann hat sich alles Gute voll entfaltet.

Der Weg des Lebens ist durch den physischen Tod nicht beendet. Mit dem Tod ist nicht, wie man häufig denkt, das Ziel erreicht! Denn um physisch zu sterben, muss man keinen Weg gehen. Wenn der Tod die enge Pforte wäre, stellte das für Niemanden eine Schwierigkeit dar. Nein, der physische Tod ist selbst noch ein Fortwirken der Sünde weil der Mensch noch nicht die entsprechende Heiligkeit erlangt hat (1. Kor 15,26).

SOS ? – Nein: SYS !

Wir befinden uns auf einem sinkenden Schiff. Aber jeder SOS-Ruf ist vergeblich. Deshalb lautet der einzig hilfreiche Ruf SYS – „Save your soul“, denn niemand kann Dir von Außen helfen. Du selbst kannst nur noch Deine eigene Seele retten. Wovon rede ich überhaupt? – Selbstverständlich von der Entscheidung, die auf uns zukommt (Offb 13,17 ), und von der abhängig ist, ob wir unsere Seele retten, oder ob wir sie durch ein menschenfeindliches System zerstören lassen (Offb 14,11). Es geht darum, dass wir die Kraft haben, „Nein !“ sagen zu können. Unser Glaube wird da auf die Probe gestellt und er wird diese Prüfung nur bestehen können, wenn er stark ist. Deshalb sollten wir die verbleibende Zeit nicht weiter mit Nichtigkeiten vertändeln, sonder uns im Glauben so stark wie möglich machen.

 

Verdrängung

Bedenklich steht es um uns, wenn wir dieses Zeichen der Zeit – nämlich die Tendenz zur Abschaffung des Bargeldes und der Totalkontrolle – bagatellisieren, indem wir sagen, jetzt ist es ja noch nicht so weit, oder, so schlimm wird es schon nicht werden, oder, nein, die Bibel meint mit dem Malzeichen des Tieres etwas ganz anderes. Wir verdrängen gern, was uns unangenehm ist und wollen uns nicht mit diesem beschäftigen. Jenem Trieb müssen wir widerstehen, denn er hindert, dass wir die richtigen Schritte unternehmen.

Schon lange haben sich die heutigen Katastrophen (z.B. Klimawandel) angekündigt. Aber die richtigen Schritte, um sie zu verhindern, wurden unterlassen, weil man andere Interessen hatte.

So ist zu befürchten, dass unsere faktische Ausrichtung auf unser irdisches Wohl uns die irdische Existenzsicherung wichtiger erscheinen lässt als die Rettung unserer Seele. Damit werden wir schnurstracks dem totalitären System in die Arme getrieben, das ja mit den Verheißungen digitaler Bequemlichkeit und Sicherheit durch Totalüberwachung daherkommt. Natürlich werden heute auch schon die Gefahren dieser Gesellschaft gesehen, aber diejenigen, die das Malzeichen mit Skepsis annehmen, werden sich sagen: Was bleibt uns denn anderes übrig, wenn wir leben wollen? – Das ist nun mal unsere Zeit…

Doch als Christen wissen wir, dass nicht der Leib oder unsere irdische Existenz höchstes Gut sind, sondern unsere Seele. Unsere Seele, die selbst unvernichtbar, die aber solange verdorben ist, als sie ihre Befriedigung im Irdischen sucht (Mt 10,28).

 

Ursache unserer Gelüste

Wer in der Heiligung lebt, weiß, wie die irdischen Gelüste entstehen. Den Dingen selbst ist die Eigenschaft der Befriedigung nicht inhärent. Würde diese nämlich den einzelnen Dingen innewohnen, würde jeder Mensch unterschiedslos die gleichen Dinge lieben und die gleichen Dinge verabscheuen. Aber wir sehen, dass das nicht der Fall ist, wie schon das Sprichwort sagt: „Was dem einen sein Uhl, ist dem anderen sein Nachtigall.“ Die Seele projiziert willkürlich die Eigenschaften gut – böse, schön – hässlich, angenehm – unangenehm, sympathisch – unsympathisch auf Dinge, Personen und Verhältnisse.

Das zu wissen, erleichtert uns, uns von unseren Projektionen zu lösen und unsere Befriedigung dort zu suchen, wo sie dauerhaft gesichert ist und an Intensität zunimmt: Unsere eigene Ewigkeit.

Allerdings sind unsere subjektiven Projektionen bereits zu Gewohnheiten geworden. Diese treiben uns immer wieder zu den gleichen Handlungen, indem sie uns „sagen“: Das hat Dir doch damals Befriedigung, eine so schöne Freude gebracht. Jetzt kannst Du das wieder haben, indem Du das gleiche tust.

Deshalb muss man sich immer wieder vor Augen führen, dass jede Abhängigkeit vom Äusseren grundsätzlich schädlich ist. Denn jede Abhängigkeit lässt uns nicht vollständig bei uns selbst sein und verursacht deshalb Leid. Selbst Essen und Trinken sind nur dann angenehm, wenn man etwas zu essen und zu trinken hat. Hunger und Durst zeigen, wie leidvoll eine solche Abhängigkeit ist.

An diesem Beispiel zeigt sich, dass es auch Gewohnheiten gibt, die wir nicht so leicht aufgeben können. Obzwar auch das Projektionen unsere Seele sind, so sind sie doch nicht subjektiv, individuell, sondern haben sich kollektiv ergeben, als der Mensch nach dem Sündenfall sein Glück auf der Erde suchte. Die Bibel drückt das so aus: „Auf deinem Bauche sollst du kriechen und Staub fressen dein Leben lang.“ (1. Mo 3,14) [Für den, der sich nicht auskennt: Die Schlange ist der Lebenstrieb des Menschen, der sich nun ganz aufs Irdische richten musste und aus ihm seine Nahrung bezieht.] Prinzipiell ist aber die Seele nicht auf irdische Nahrung angewiesen. Die Seele stirbt nicht, wenn der Leib stirbt. Sie ist da lebendig wie zuvor, ja anscheinend noch lebendiger, da sie sich selbst nun ohne äußere Störungen erleben kann. In vielen Nahtodberichten wird uns z.B. davon Kunde gegeben.

Uns geht es deshalb in erster Linie nicht um die Überwindung allgemeiner körperlicher Bedürfnisse, sondern die Sammlung unserer Seele auf das Wesentliche, damit sie ihre Zeit nicht mit Zerstreuungen verplempert, sondern konzentriert auf das Ewige ausgerichtet wird. Die Heiligen und Mystiker geben uns ein gutes Beispiel, was es heißt gotterfüllt zu sein.

 

Tipp:

Schau Dir dabei zu, was Du tust und frage Dich, weshalb Du das tust. Und frage Dich das immer tiefer, bis Du die letzte Ursache gefunden hast.

Schau Dir Deine Vorlieben und Abneigungen an und frage Dich, weshalb Du sie hast. Auch hier gehe im Fragen immer tiefer.

So wirst Du geistig-seelische Gesetzmässigkeiten aus eigener Anschauung erkennen, und damit ein Werkzeug gewinnen, mit dem Du Dich verändern kannst.

 

 

Zurück zu Bibel und Bekenntnis?

Die Gegenwart ist die Folge der Vergangenheit. Wem die Gegenwart nicht gefällt, der muss jetzt die Ursachen für eine bessere Zukunft setzen. Doch ist man dazu bereit? Will man nicht lieber eine Vergangenheit beschwören, wo die heutige Problematik noch nicht offenbar war?

Die konservative Christenheit wurde aufgeschreckt durch die Befürwortung der Homo-Ehe seitens kirchlicher Würdenträger, und schon kommt der Ruf: Zurück zu Bibel und Bekenntnis!

Ja, gerade das tote Bibel- und Bekenntnischristentum wacht ja dann erst auf, wenn ihm etwas gegen den Strich läuft. Es entfaltet gerade kein reiches Geistesleben, das unvernünftige Entwicklungen schon im Vorfeld als solche entlarvt.

Einer der bedeutendsten reformierten Apologeten vor dem Ersten Weltkrieg fragte: „Was hat uns aber der Gegensatz des Mystizismus, der platte, nüchterne, aufgeklärte Protestantismus, mit seiner Orthodoxie ohne Feuer noch Geist gebracht? “ und er antwortet darauf „„Ein totes Formel- und Dogmenwesen, ein bloßes Ja-, Ja-sagen, ohne auch nur eine Ahnung von den Kräften der zukünftigen Welt, von der Freiheit und Macht, von dem Brausen und Rauschen des Heiligen Geistes, von einem inneren mit Christo in Gott verborgenen Leben. Mit Lehrsätzen allein kommt man aber nicht in den Himmel.“ (Fr. Bettex)

Wenn „erwachsene Menschen Glaubenstraditionen und – praktiken wie Kinder akzeptieren sollen, denen man sagt, sie sollen die Augen zu- und den Mund aufmachen und alles schlucken, was man ihnen gibt “ führt das „niemals zur Reife“, sondern „im besten Fall zu Borniertheit, im schlimmsten Fall zur Kultbegeisterung.“ (J.I. Packer). Hempelmann, von der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen schrieb: „Sie ersetzen Gewissheit durch Sicherheit. Sie lassen sich von einer Vollkaskomentalität beherrschen, die die Wahrheit des Glaubens an den dreieinigen Gott der Anfechtung zu entziehen versucht.“ (EZW-Texte 206)

Weil das so ist, versagt „der Fundamentalismus (…) vor dem Kontakt mit der Gegenwart, und zwar nicht deshalb, weil er der zeitlosen Wahrheit, sondern weil er der gestrigen Wahrheit verhaftet ist. Er macht etwas Zeitbedingtes und Vorübergehendes zu etwas Zeitlosem und ewig Gültigem. Er hat in dieser Hinsicht dämonische Züge. Denn er verletzt die Ehrlichkeit des Suchens nach der Wahrheit, ruft bei seinen denkenden Bekennern eine Bewußtseins- und Gewissensspaltung hervor und macht sie zu Fanatikern, weil sie dauernd Elemente der Wahrheit unterdrücken müssen, deren sie sich dunkel bewußt sind.“ (Paul Tillich)

„Der Fundamentalist ist überzeugt, Zeuge des Absoluten zu sein. Er hat keine Fragen, nur Antworten.“ (Prälatin Gabriele Wulz, Ulm) – und ist damit geistlich tot. Denn nur aus lebendigem Fragen werden Antworten zur Nahrung der Seele.

Papageiern…

Der geachtete Evangelikale A.W. Tozer spürte das Verlangen der Menschen nach wirklichem spirituellem Leben: „ die Gemeinde Christi (lechtze) heutzutage nach Menschen, die zur Lösung geistlicher Probleme ihren durchläuterten, engagierten Verstand gebrauchen.“ Doch musste er sich eingestehen:

„ Unglücklicherweise hat der Fundamentalismus niemals (!) einen großen Denker hervorgebracht. Wenn man das Werk der religiösen Presse seit der Jahrhundertwende überprüft, wird man nicht ein einziges Buch von einem Fundamentalisten finden, das den Beweis unabhängigen Denkens erbringt.

Wir, in den Evangeliumsgemeinden, haben … uns damit zufrieden gegeben, die Worte anderer Männer nachzuplappern und religiöse Klischees ad nauseam [bis zum Erbrechen] zu repetieren. Obwohl meine geistlichen Sympathien ganz auf der Seite des orthodoxen christlichen Glaubens stehen, muss ich dennoch bemerken, dass der Evangelikalismus, wie er im letzten halben Jahrhundert verfochten und gelehrt worden ist, die Tendenz hat, kritischgeistige Fähigkeiten zu paralysieren und konkretes Denken zu verhindern. Moderne Evangeliumschristen sind Papageien, keine Adler, und anstatt auf und ab zu segeln, um die grenzenlose Weite des Himmelreichs Gottes zu erforschen, sind sie damit zufrieden, auf ihren vertrauten Ästen zu sitzen und mit Fistelstimmen religiöse Worte und Phrasen nachzuplappem, deren Bedeutung sie kaum verstehen. In ein oder zwei Generationen wird das, was jetzt noch Evangelikalismus ist, zu Liberalismus geworden sein. Kein lebendiges Wesen kann lange von seiner Erinnerung existieren.

Die Christen dieser Generation müssen selbst hören und sehen, wenn sie der religiösen Stumpfsinnigkeit entfliehen wollen. Abgenutzte Schlagworte können sie nicht retten. Wichtige Gedanken werden in Worten ausgedrückt, doch ist es eine der Tragödien im Leben, dass Worte selbst dann noch widerhallen, wenn ihre Bedeutung schon lange verblasst ist. Das führt zu dem Ergebnis, dass gedankenlose Männer und Frauen glauben, die Realität gepachtet zu haben, nur weil sie sich der Worte noch bedienen. Genau an diesem Punkt befinden wir uns heute.“

Er kommt deshalb zu dem Resümee: „Tatsächlich ist die gesamte evangelikale Welt im Großen und Ganzen einem gesunden Christentum eher hinderlich. Ich denke dabei nicht an den Modernismus. Ich meine damit eher die bibelgläubigen Massen, die Rechtgläubigkeit für sich beanspruchen.

Wir müssen der Wahrheit ins Angesicht blicken: Der geistliche Zustand unter uns in seiner Gesamtheit ist niedrig.”

 

Die Lösung

Alle Abweichungen vom Weg des Lebens beruhen nach Madame de Guyon (1648-1717) auf dem Verlust der Innigkeit. „Wäre diese wieder hergestellt, wären jene gewiss bald ausgerottet. Wo Glauben und Gebet einer Seele abgeht, bemächtigt sich ihrer der Irrtum. “

Wahrer Glaube ist nach den Worten des Missionars E. Stanley Jones „ein Abenteuer des Geistes, ein Eingehen unseres ganzen Innenlebens auf etwas, das uns im höchsten Sinne als der Mühe wert erscheint. “ Das spüren immer mehr Zeitgenossen. Der freikirchliche Prediger Cristof Lenzen wurde sich dessen bewusst, als er diesen Satz im Autoradio hörte: „Wir brauchen im Leben zwei Dinge. Etwas, das uns satt macht, und etwas, das uns hungrig macht.“ Dieser hat ihn am Fahrbahnrand anhalten lassen. „ denn er bringt ganz viele Seiten in mir zum Schwingen – aber er hat mich gleichzeitig traurig gemacht. Denn sofort bin ich bei der Standardantwort eines guten Christen: Jesus. Er macht satt – aber er macht auch hungrig nach mehr, nach Leben, nach Fülle, nach Hineinwachsen in seine Wesensart.

Und ja, diese Antwort ist absolut richtig. Doch ich spüre auch, wie lange Zeit kein Hunger mehr da war. Gerade weil Jesus zu sehr Antwort auf alle Fragen war und zu wenig auch Abenteuer und Geheimnis. Da hat nichts mehr meine Sehnsucht angefacht!

Gleichzeitig hatte ich mich um die Beziehung zu Jesus abgekämpft und war müde und, ja, auch bitter geworden. “

„Gläubig ist nicht jemand, der an eine Heilige Schrift glaubt, sondern jemand, der Notfalls selber eine schreiben könnte.“ (Schleiermacher)

Was ganz gewiss auf uns zukommt,

ist die Abschaffung des Bargeldes. Damit erfüllt sich eine zweitausendjährige Prophezeiung, die da lautet, dass das „Tier“ unterschiedslos alle Menschen dazu bringen wird, ein Kennzeichen anzunehmen, ohne das man weder etwas kaufen noch verkaufen kann (Offb 13, 16-17). Dass sich das in unserer Zeit erfüllen würde, ging mir bereits 1972 oder 73 auf, als ich im Bayerischen Rundfunk eine Sendung mit dem bezeichnenden Titel „Die Sklaven des Computers“ hörte.

Das Zeitalter der elektronischen Datenverarbeitung (EDV) hatte doch gerade erst begonnen, und schon konnte man von einer neuen Versklavung sprechen, einer Sklaverei, von der kein Mensch ausgenommen sein würde ? Wer machte sich da zum Herrn, zum Gott der Menschheit?

Hellsichtig hieß es da „ Dabei wird immer deutlicher, dass die EDV die viel einschneidendere Technologie [gegenüber der Atomkraft] ist, weil sie sich auf alle Bereiche unseres Lebens auswirkt. Während die Kernenergie nur als Ersatz von Kohle und Oel eingesetzt werden kann, bestehende Strukturen, bekannte politische und wirtschaftliche Systeme jedoch nicht verändert, muss man beim Einsatz der Computertechnologie gerade mit dieser Wirkung rechnen.“

Heute sind wir mittendrin in diesen rasanten Veränderungen, ohne dass uns wirklich zu Bewusstsein kommt, dass der eingeschlagene Weg tatsächlich in die größte Unfreiheit führt. Wie schläfrig sind wir doch gegenüber den Zeitereignissen! Kann uns überhaupt noch etwas aus dem Schlaf reißen? – Man muss sich nur einmal ansehen, wie die Menschen ständig auf ihr Smartphone schauen! Man könnte denken, sie werden von ihm an der Leine gehalten und Gassi geführt.

Aber es ist diese Bequemlichkeit und unser Sicherheitsdenken, dass uns willig die „Segnungen“ unseres selbstgemachten Gottes annehmen lässt. Dabei müsste man doch denken, dass wenigstens Christen wach sein würden? – Aber weit gefehlt! Ein gutes Beispiel für christlichen Tiefschlaf liefert Schweden. 64,8% der Bevölkerung bezeichnen sich als Christen, von denen ein großer Teil zu den Pfingstkirchen zählt. Keinem dieser Christen ist offenbar aufgefallen, dass die Vorreiterrolle, die Schweden im bargeldlosen Zahlungsverkehr einnimmt, die Verwirklichung von Offenbarung 13 ist. Selbst die Kirchenkollekte wird elektronisch eingesammelt und Obdachlose haben ebenfalls ein Gerät erhalten, mit dem sie ihre Almosen von den Passanten empfangen können. Verstärkt lässt man sich inzwischen sogar Mikrochips unter die Haut injizieren, wie dieses Video zeigt:

https://www.facebook.com/N24/videos/10154530424887554/

Werden Schwedens Christen noch die Kraft finden, aus diesem System auszusteigen? Werden wir die Kraft haben, „Nein“ zu sagen, wenn das Bargeld abgeschafft wird? – Denn was das bedeutet, ist klar: Wer „Nein“ sagt, beraubt sich völlig seiner irdischen Existenzgrundlage.

Zwar suchen Christen nicht das Irdische – wird behauptet – aber in der Praxis sieht es ja so aus, dass wir an vielem in dieser Welt hängen und uns nicht bemüht haben, davon loszukommen. Und wenn wir nicht an Dingen oder sonstwas hängen, dann doch vielleicht an Menschen, an den Eltern, den Partnern, den Kindern. Ein „Nein“ kann also auch ein „Nein“ an sie bedeuten, wenn diese das System bejahen.

Das Gebot der Stunde lautet deshalb für alle, die gerettet werden wollen: innere Erkraftung!

Jesus sprach zu mir

Vorgestern, am 30. 04., gegen 05.00 Uhr sprach Jesus im Traum zu mir: „Viele machen sich selbst zum Christus und folgen mir nicht nach.“

Dem kann ich aus eigener Sicht voll zustimmen, trotzdem fragte ich mich auch, ob ich unter diesen sein könnte. Das will ich auf keinen Fall! Ich hoffe, dass auch die Leser meines Blogs diese Worte auf sich wirken lassen.

Wenn es nach Gott ginge, …

dann wären bereits alle Menschen erlöst, dann würde kein Mensch und kein Tier mehr leiden. Es gäbe kein Übel mehr auf der Welt, nichts Böses. Keine Krankheiten und Gebrechen würden den Menschen plagen. Streit und Kriege würde man nur noch vom Hörensagen kennen. Es gäbe keinen Tod mehr. Nur unaufhörliche Glückseligkeit. Aber es geht nicht nach Gott. Wenn der Mensch nicht will, kann Gott kann nichts gegen des Menschen Willen für ihn tun.

Andererseits, Gott hat bereits alles getan, was dem Menschen die Befreiung von allem Übel ermöglicht. Der Mensch muss es nur ergreifen. Zumindest Christen könnten frei von allem Negativen sein, da sie behaupten, die Gnade angenommen zu haben und Gott zu glauben. Aber da sieht es oft nicht viel anders aus als bei den sogenannten „Kindern der Welt“. Auch sie erwarten, dass Gott ihnen einfach alles Leiden wegnimmt. Doch gerade das ist Gott unmöglich.

Denn würde er uns einfach für immer vom Leiden befreien, dann wären wir mitsamt dem Leiden verschwunden! Unser falschen Denken, Fühlen und Wollen ist nämlich Ursache aller unserer Leiden, und unsere persönliche Existenz gründet auf unserem Denken, Fühlen und Wollen.

Es gibt also nur einen Weg, wie wir frei werden können: Durch Erkenntnis der Wahrheit (Jo 8,32) und dem damit verbundenen Umdenken (Rö 12,2) : „…werdet verwandelt [griech. metamorphoō. Metamorphose!] durch die Erneuerung eures Sinnes [griech. Nous = Verständnis]“ . Durch anderes Denken verändern sich unsere Gefühle und durch die Gefühle schließlich auch unser Wollen. Wenn wir also das Heilsame suchen und verwirklichen, werden wir heil werden. Anders bleiben wir, ob Christ oder Nichtchrist, weiterhin allem Übel unterworfen.

Wir können deshalb nicht einfach in den Tag hineinleben, sondern „müssen“ erforschen, was die Ursachen unserer ganz persönlichen Krankheiten sind (die ja nach der Bibel primär nicht in Viren oder Bakterien oder genetischen Defekten liegen), „müssen“ uns fragen, weshalb wir immer wieder das tun, was wir nicht möchten, oder weshalb wir sogar das zum Leiden führende Tun lieben und deshalb nicht aufgeben möchten. Wir brauchen also eine ganz andere Bewusstheit für das Wesentliche im Leben. Nur so können wir allmählich frei werden, gemäß Goethes Spruch:

„Wer immer strebend sich bemüht, den können wir erlösen“.

 

 

 

Jeder Christ ein Psychologe?

Eine sonderbare Fragestellung? – Nein, ganz und gar nicht! Ganz eindeutig heißt es doch in der Bibel, daß niemand ohne Heiligung den Herrn sehen wird (Hebr 12,14). Heiligung aber ist ein Prozess der Transformation des natürlichen Menschen in einen übernatürlichen, eines „fleischlichen“ Menschen in einen „geistlichen“ Menschen, eines Sünders in einen Heiligen (1. Kor. 2, 14-15; Kol 3,9-10). Das setzt voraus, dass wir nicht nur die Bibel gut kennen, sondern auch in ganz engem Kontakt mit uns selbst sind. Denn wir sollen ja, durch das „Wort Gottes“, das uns informiert (nebenbei: im Wort „informieren“ steckt das Wort „eine Gestalt geben“, lat. „informare), verwandelt werden. Es findet also in uns etwas statt. Wie sollten wir da von dem, was wir sind und von dem was wir sein könnten und den „Techniken“ der Wandlung „keine Ahnung“ haben? – Dadurch, dass wir eine solche Wandlung anstreben, müssten wir doch zu psychologischen Experten werden!

Wer sich aber in der Christenheit umsieht, bemerkt, dass das nicht der Fall ist. Nicht nur der einfache Christ hat wenig Einsicht in psychologische Tatsachen, sondern auch die führenden Köpfe kommen kaum über das hinaus, was die profane Psychologie lehrt. Das alles deutet darauf hin, dass der Glaube bei uns lediglich ein Oberflächenphänomen ist, dass er nicht tief genug geht. Er verändert uns nicht wirklich, da wir es uns an der allgemeinen Wurstelei genügen lassen.

Da Selbsterkenntnis und Gotterkenntnis untrennbar zusammengehören, muss uns das Chaos der Auffassungen über Wesen und Inhalte des christlichen Glaubens nicht wundern, denn wir sind alle mehr von einer „christlichen“ Ideologie geprägt denn von wirklichem Glauben.

In der psychologischen Praxis wird deshalb häufig erlebt, „wie ein scheinbar fester Glaube [sich] auflöst – aber nicht, weil die Psychotherapie ein Feind des Glaubens wäre, sondern weil Ideologie ihr nicht standhält.“ Solche Christen haben, wie der Psychotherapeut H. Bartz erläutert, „ eine intellektuelle Überzeugung religiöser Art für Glauben gehalten. Sie haben den Glauben, der ein Akt des ganzen Menschen ist, mit einer Meinung verwechselt. Sie haben gewähnt, Gotteserkenntnis zu besitzen, besaßen aber nur eine tote Wahrheit, weil sie den Weg dahin, nämlich den Weg der Selbst-Erfahrung, nicht gegangen waren.“ [Hervorhebungen innerhalb des Zitats von mir.]

Wenn wir nicht mehr als nur ein Vertreter einer Ideologie sind, dann sind wir nicht besser als die Pharisäer, die auch den „Schlüssel der Erkenntnis“ besaßen, ihn aber nicht nutzten (Lk 11,52). Dann können wir weiterhin nur Meinungen haben und uns ewig über das Schriftverständnis streiten. Wir haben dann nur den Buchstaben, der tötet, und nicht den Geist, der lebendig macht (2. Kor 3,6).

Wir haben dann nur ein Buch, das uns zum Götzen wird, anstatt Christus!

Lasst uns umkehren zu einem lebendigen Glauben!

 

Wahrer Friede

Das Himmelreich ist die Frucht des Geistes und wird u.a. durch Herzensfrieden konstituiert. Wir kommen also dem Himmelreich immer näher, je tiefer die innere Ruhe und der innere Frieden werden. Nun hat man, besonders als junger Mensch, überhaupt noch kein Bedürfnis nach Ruhe und Frieden. Es strebt alles nach Aktivität, man will etwas erleben, man will „Action“. Wenn dann doch einmal sich eine solche Sehnsucht meldet, meint man vielleicht, Gott könne einen damit beschenken. So, wie jemand, der um Hilfe bat: „Ich bin seit klein auf überzeugter Christ. Ich habe Gott schon in äußeren Umständen erlebt, aber noch nie innerlich.
Ich wünsch´ mir so sehnlichst eine “ innere Begegnung “ mit ihm.
Wenn ich z.B. vor Sorgen umkomme, oder traurig bin, oder auch mal Depressionen hatte, hab ich zu Gott gebetet und geschrien, dass er mir doch seinen inneren Frieden zukommen lässt ,d.h. dass ich diesen göttlichen Frieden von dem die Bibel schreibt, etwas erlebe. (…) Ich erwarte nicht, dass Gott meine Umstände ändert, sondern mir einfach seinen inneren Frieden und Ruhe schenkt.“

Ein solcher Wunsch kann natürlich nur in Erfüllung gehen, wenn eine innere Wandlung stattfindet, die jeder nur selbst vollziehen kann. Da dergleichen kaum gelehrt wird, musste naturgemäß jener Mann, wie viele andere, eine herbe Enttäuschung erleben. Er fährt fort: „Aber nach meinen Gebeten bin ich genauso aufgewühlt wie vorher. Es tobt ein Sturm in mir.“

Immerhin ist ihm bewusst geworden, dass sein Glaube – wieder wie bei vielen Christen – nur ein wirkungsloses Fürwahrhalten ist. „Mein Glaube findet leider nur im Kopf und nicht im Herzen statt, dabei wünsch ich mir nichts mehr als dass er ins Herz übergeht.“ Ruhe und Frieden sind nichts, das mit einem „Hauruck“ erlangt werden könnte! Jesus selbst zeigte den Weg auf, der darin besteht von ihm zu lernen: „lernt von mir!“ Eine solche Aufforderung würde aber völlig unsinnig sein, wenn wir nicht von der gleichen Voraussetzung ausgehen könnten, von der Jesus ausgegangen ist. Mit anderen Worten: Wenn Jesus grundsätzlich eine andere Natur hatte als jeder von uns, also nicht bloß Mensch war, dann können wir von ihm überhaupt nichts lernen. Wir können von ihm nur lernen, wenn wir im Wesen völlig mit ihm übereinstimmen, wir also in gleicher Weise göttlicher Natur sind. Und das ist der Fall (s. „Erwachsen werden“, „Die größte Befreiungsaktion aller Zeiten“).

Nur so können wir auf ein sich Durchsetzen in der äusseren Welt, auf einen Platz in ihr zu erobern, verzichten, wir können „sanftmütig und von Herzen demütig“ werden, weil wir wissen, dass uns nichts und niemand etwas rauben oder uns einen Schaden zufügen kann. So finden wir immer mehr Ruhe für unsere Seele (Mt. 11,28)

Ruhe und Frieden sind Passiva. Sie sind Ausdruck dafür, dass es nichts zu tun gibt, alles in Ordnung ist, wie es läuft. Sie sind das große Einverstandensein.

In der Tat gibt es seit der Erlösung vor 2000 Jahren für die Menschen nichts mehr zu tun. Das einzige Tun sollte darin bestehen, mit dieser Tatsache in Einklang zu kommen. Das allerdings ist, weil es der natürliche Mensch nicht sehen kann, ein Kampf. Aber die höchste Ebene des Kampfes ist es, nicht zu kämpfen. Kurz: Lass alles Äussere und alles, was sich darauf bezieht los. Entspanne Dich!

Zum Schluss noch einige Worte derer, die etwas von der Ruhe und dem Frieden geschmeckt haben:

„Die meisten Menschen wissen nichts vom inneren Menschen und setzen ihre ganze Frömmigkeit in äussere Werke. Sie schwatzen lieber, als dass sie stillschweigen. Sie reden lieber, als dass sie hören; daher bleiben ihnen auch die drei Haupttugenden der Gelassenheit, der Ledigkeit (da sie von allem los und ledig sind) und die Unanmasslichkeit (da sie sich von allen Gaben Gottes nichts zuschreiben, sondern sie als unverdiente Gnade ansehen) ganz fremd, und sie gelangen nicht zu dem Frieden Gottes, der über alle Vernunft erhaben ist.“ (Johannes Tauler)

„Die Ungestorbenheit unseres eigenen Willens ist eine Hauptursache unserer inneren Unruhe; und die gründliche Willenlosigkeit in allen Dingen der kürzeste Weg zum beständigen Frieden der Seele.“(Gerhard Tersteegen)

„Manchmal haben wir die Kraft, “Ja” zum Leben zu sagen. Dann kehrt Frieden in uns ein und macht uns ganz.“ (Ralph Waldo Emerson)

„Du kannst Dir inneren Frieden und Glückseligkeit nicht herstellen. Sie sind deine wahre Natur. Sie bleiben übrig, wenn Du all das aufgibst, was Dich leiden lässt.“ (Buddha)

Lassen wir uns aber auch der Worte Nietzsches eingedenk sein:

„Aus Mangel an Ruhe läuft unsere Zivilisation in eine neue Barbarei aus. Zu keiner Zeit haben die Tätigen, das heißt die Ruhelosen, mehr gegolten. Es gehört deshalb zu den notwendigen Korrekturen, welche man am Charakter der Menschheit vornehmen muss, das beschauliche Element in großem Maße zu verstärken. Doch hat schon jeder Einzelne, welcher in Herz und Kopf ruhig und stetig ist, das Recht zu glauben, dass er nicht nur ein gutes Temperament, sondern eine allgemein nützliche Tugend besitze und durch die Bewahrung dieser Tugend sogar eine höhere Aufgabe erfülle.“