Zielstrebigkeit

Wir werden ein Ziel niemals erreichen, wenn wir nicht zielstrebig auf dieses zugehen, und dabei alle Widerstände überwinden. Sich von diesem und jenem ablenken lassen, verzögert das Erreichen des Angestrebten.

Das Ziel eines Christen ist vorgegeben: Jesus Christus gleichgestaltet zu werden (Rö 8,29). Das Ziel muss von vornherein klar sein. Es dient als Ausgangspunkt der Unternehmung und nach diesem Ziel wird alles ausgerichtet. Nun habe ich bisher wenig bis überhaupt nichts dahingehend vernommen, dass ein Christ dieses Ziel überhaupt auch nur anvisierte. Eher ist es so, dass man zu hören bekommt, dass niemand IHM gleichwerden könne! Solche Leute unterlassen es also von vornherein, dieses Ziel anzustreben. Sie wollen offenbar auf Händen ins Himmelreich getragen werden…Wir erfüllen aber unsere göttliche Bestimmung nur mit dieser Vollendung. Solange diese nicht geschehen ist, bleiben wir dem Leiden unterworfen.

Das Reich Gottes, das Reich der Freiheit und Glückseligkeit besteht im gottgegebenen Vermögen des Menschen, an jedem Platz innerhalb des gesamten Weltalls glücklich und heil sein zu können, weil ein solcher Mensch einzig an das Ewige gebunden ist, und damit das Unzerstörbare (Gott) innerhalb der Schöpfung zur Offenbarung bringt (Rö 8,19; Kol 3,4; 2. Petr 1,4).

In den spirituellen Dingen, ist es nicht anders als in den weltlichen. Jeder Mensch, der in irgendeiner Weise erfolgreich war, hatte ein festes Ziel vor Augen und den Glauben, dass er fähig sei, dieses zu erreichen. Er sammelte alle Kräfte auf dieses Ziel hin.

Wer als Christ keine Zielstrebigkeit kennt, verzettelt sich weiterhin und wird immer zerstreut und seinen Schwächen unterlegen bleiben.

Die Ziellosigkeit von uns Christen ist auch in erheblichen Maße für die Verwirrung unter uns verantwortlich, die sich eben in x-beliebigen Meinungen zu einem Thema ausdrückt. Wer ziellos ist, ist schwach, da er von jedem Wind bewegt wird. Es wird keine Stärke erlangt ohne Zielstrebigkeit.

Wer aber ein Ziel vor Augen hat, und den Weg zum Ziel beschreitet, merkt, dass er immer mehr vorwärts kommt und das Alte hinter sich lässt.

Benjamin Disraeli sagte: „Nichts kann dem Willen eines Menschen trotzen, der sogar seine Existenz aufs Spiel setzt, um sein erklärtes Ziel zu erreichen.“ Werfen wir also unser altes Leben, das uns ohnehin nur Leid bringt, in die Waagschale, um die Kraft und die Herrlichkeit eines Gottessohns zu erreichen!

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Fall und Aufstieg des Menschen

Wenn wir den Sündenfall betrachten, sehen wir, dass das Praktizieren von Wertungen die Vertreibung aus dem Paradies und unsere gesamte „gefallene Welt“ mit ihrer Bosheit, ihrem Leid und dem Tod verursacht hat.

Wertungen sind ein geistiger Akt, ein Akt des Urteils. Es ist deshalb nicht gleichgültig, wer die Urteile fällt. Kinder urteilen anders als die Erwachsenen. Was Kinder als gut ansehen, zum Beispiel lieber zu spielen anstatt Schularbeiten machen, sehen Erwachsene nicht so. In gleicher Weise ist es ein großer Unterschied, ob Gott etwas beurteilt oder der Mensch aus seiner Perspektive.

Als der Mensch begann, aus seiner Sicht als Geschöpf über gut und böse zu urteilen, musste die Harmonie, in die der Mensch in die gesamte Schöpfung eingebettet war (= Paradies) verlorengehen (1. Mo 2,17). Denn das Urteil entscheidet, wie man handelt. Ein Geschöpf, das aber selbstständig urteilt, vollzieht es nicht unter dem Gesichtspunkt der Gesamtheit – nämlich, was allen gut tut – sondern unter einem egoistischen Blickwinkel. Damit kam natürlich nicht nur Chaos in die Welt, sondern als Rückwirkungen der Disharmonien auch Chaos in die eigene Seele, die sich in psychischen und somatischen Erkrankungen manifestieren, und schließlich im Tod als endgültige Unfähigkeit der Seele, die Harmonie mit dem physischen Körper aufrechtzuerhalten.

Gott straft nicht. Unser falsches Denken ist „Strafe“ – da es zerstörerisch ist.

Ich hoffe, jeder kann das, was ich hier schrieb, nachvollziehen. Der Ablauf ist vollkommen logisch. Auf gleicher Logik muss unsere Erlösung, d.h. die Lösung der menschlichen Probleme, aufgebaut sein.

Kein Mensch ist von Gott im ontologischen Sinn getrennt, denn alles Sündigen erfolgt auf der Grundlage, dass wir lebende Wesen sind. Getrennt von Gott sind wir nur durch unseren Geist, durch den Geist, der im Menschen seinen Ursprung hat. Man könnte auch sagen, wir sind lediglich durch unsere falschen Bewusstseinsinhalte, durch unser falsches Denken von Gott getrennt. Wenn wir also erlöst werden wollen von allem Übel, dann müssen wir umdenken (griech. Μετάνοια metanoia, von νοεῖν noein, „denken“ und μετά meta, „um“ ) , denken lernen in Übereinstimmung mit unserem wahren Wesen, d.h. unserem göttlichen Wesen (Rö 12,2). Nur durch neue Bewusstseinsinhalte, die aus der Erkenntnis dessen kommen, wer wir wirklich sind, ändert sich unser Leben. Nur wenn wir uns selbst als göttlich sehen können, werden wir anders urteilen. Denn dann wissen wir, dass wir vollkommen sind und nichts außerhalb von uns bedürfen. Dann haben wir den „Schatz im Acker“ (Mt. 13,44) , die kostbare Perle (Mt. 13,45-46) gefunden, für die wir alles aufgeben können. „Gut“ ist uns nun nicht mehr was unserem leiblichen Wohl dient, sondern gut ist uns das höchste, was es gibt: Uns selbst als göttliches Wesen. In ihm schwelgen wir in Gedanken und Gefühlen. Je mehr wir das tun, um so klarer wird uns alles, um so sicherer werden wir. Wir können uns jeden Tag von früh bis abends freuen, da es nichts mehr gibt, was uns schaden könnte (Phil 4,4; Rö 8,28). Ein solches Leben wird sich auch immer mehr physisch auswirken (Mt. 16,18).

Lasst uns also darum bemüht sein, die Wahrheit zu erkennen, damit wir frei werden! (Jo 8,32)

Sind der „schmale Weg“ und die „enge Pforte“ noch von Bedeutung?

Vielfach wird der Eindruck erweckt, dass man als Sünder, ohne also den schmalen Weg der Überwindung der Sünde gehen zu müssen, allein durch einen Gnadenakt Gottes in den Himmel kommen könne. Es genüge lediglich, sein allgemeines Sündigsein zu erkennen und zu bereuen. Dann schließe einen Gott freudig in seine Arme. Doch stimmt das?

Wenn ich mich verbrannt habe, weil ich meine Hand auf einen heißen Gegenstand legte, genügt es dann zu bereuen, dass ich das tat? Sind durch diese Reue die Schmerzen weg? Habe ich, wenn ich das beim nächsten Mal wieder tue, keine Schmerzen mehr ? Oder sollte die Reue nicht beeinhalten, dass ich eine solche Tat nicht wiederhole? – Was an diesem Beispiel ganz offensichtlich ist, leugnen wir in Bezug auf die Sünde.

Dadurch, dass ich meine Sünden bekenne und bereue, sind keinesfalls die Folgen der Sünde getilgt. Wenn also meine Sünde eine bestimmte Krankheit hervorrief, z.B. bei übermässigen Alkoholkonsum einen Leberschaden, so ist er damit nicht automatisch beseitigt. Reue ist lediglich ein Moment des Innehaltens im bisherigen Tun, ein Abstandnehmen von ihm, um sich in seinem Handeln neu zu orientieren. Jede Sünde – was ja nichts anderes ist als falsches Tun – hat negative Folgen. Deshalb kann es gar keinen anderen Weg geben als das Richtige zu tun!

Die Ursachen menschlichen Leides liegen eben im Menschen selbst, und deshalb kann eben nur jeder für sich allein seine eigenen Ursachen des Leides aufheben. Kein Mensch kann das für einen anderen tun. Auch Gott kann das nicht für dich tun.

Deshalb sind Himmel und Hölle keine Orte, die unabhängig vom Menschen existieren, sondern Lebensqualitäten. Man trägt so viel Himmel in sich, wie man Gutes, und so viel Hölle in sich, wie man Falsches in in sich trägt. Welche Qualitäten in welchem Maße man in sich birgt, kann im Erdenleben verdeckt sein. Da kann es einem Sünder so gut gehen, dass ein Frommer darauf neidisch werden könnte (Ps 73,2-4). Doch spätestens nach dem Tod werden die Folgen eines jeden Tuns offenbar. Kein Gnadenakt Gottes kann daran etwas ändern!

 

Aus allem Gesagten dürfte – wenn es verstanden wurde – hervorgehen, dass die Fülle des Lebens, die Herrlichkeit des Lebens, die ewige Glückseligkeit nur durch vollkommene Sündlosigkeit erreicht werden kann. Denn wenn man annähme, der Himmel sei ein harmonischer Ort menschlichen Zusammenlebens, dann muss doch ein solcher Himmel sofort unvollkommen werden, wenn nur ein Mensch mit der Veranlagung zur Sünde Eintritt fände. Denn um sich wirklich wohl zu fühlen, würde es den Sünder drängen, seine Sünde auszuleben. Er würde damit die Gemeinschaft stören.

Nun hört man heute immer wieder, man könne, zumindest auf Erden, nicht sündlos werden. Die Frage entsteht, wo will man es dann werden? Auf die Erde wurde doch das Evangelium gebracht, damit wir hier die Errettung annehmen!

Die freudige Botschaft lautet: Es gibt einen Weg aus allem Leid. Wir sind nicht verurteilt, immer leiden zu müssen. Aber den Weg müssen wir natürlich auch bis zu ENDE gehen!

Er beginnt damit, dass ich mich mit meiner göttlichen Natur (1. Jo 3,9) identifiziere und damit die bisherige Identifikation als ein Geschöpf unter vielen Geschöpfen überwinde. Denn mit der Identifikation mit dem sinnlich-wahrnehmbaren Leib ist man automatisch von Gott getrennt und damit der Existenzangst unterworfen. Für ein Geschöpf gibt es immer etwas, das stärker, mächtiger, größer, intelligenter usf. ist. Doch wenn ich göttlicher Natur bin, dann bin ich unüberwindbar.

Deshalb besteht der Weg eines Kindes Gottes, analog eines Menschenkindes, zur vollen Reife, d.h. zur vollen Entfaltung des göttlichen Wesens zu kommen (Eph, 4,13; Rö 8,29). Erst wenn man alle Abhängigkeiten vom Äusseren überwunden hat, kann man durch die „enge Pforte“ (Lk 13,24) ins Himmelreich gelangen. Erst dann hat sich alles Gute voll entfaltet.

Der Weg des Lebens ist durch den physischen Tod nicht beendet. Mit dem Tod ist nicht, wie man häufig denkt, das Ziel erreicht! Denn um physisch zu sterben, muss man keinen Weg gehen. Wenn der Tod die enge Pforte wäre, stellte das für Niemanden eine Schwierigkeit dar. Nein, der physische Tod ist selbst noch ein Fortwirken der Sünde weil der Mensch noch nicht die entsprechende Heiligkeit erlangt hat (1. Kor 15,26).

SOS ? – Nein: SYS !

Wir befinden uns auf einem sinkenden Schiff. Aber jeder SOS-Ruf ist vergeblich. Deshalb lautet der einzig hilfreiche Ruf SYS – „Save your soul“, denn niemand kann Dir von Außen helfen. Du selbst kannst nur noch Deine eigene Seele retten. Wovon rede ich überhaupt? – Selbstverständlich von der Entscheidung, die auf uns zukommt (Offb 13,17 ), und von der abhängig ist, ob wir unsere Seele retten, oder ob wir sie durch ein menschenfeindliches System zerstören lassen (Offb 14,11). Es geht darum, dass wir die Kraft haben, „Nein !“ sagen zu können. Unser Glaube wird da auf die Probe gestellt und er wird diese Prüfung nur bestehen können, wenn er stark ist. Deshalb sollten wir die verbleibende Zeit nicht weiter mit Nichtigkeiten vertändeln, sonder uns im Glauben so stark wie möglich machen.

 

Verdrängung

Bedenklich steht es um uns, wenn wir dieses Zeichen der Zeit – nämlich die Tendenz zur Abschaffung des Bargeldes und der Totalkontrolle – bagatellisieren, indem wir sagen, jetzt ist es ja noch nicht so weit, oder, so schlimm wird es schon nicht werden, oder, nein, die Bibel meint mit dem Malzeichen des Tieres etwas ganz anderes. Wir verdrängen gern, was uns unangenehm ist und wollen uns nicht mit diesem beschäftigen. Jenem Trieb müssen wir widerstehen, denn er hindert, dass wir die richtigen Schritte unternehmen.

Schon lange haben sich die heutigen Katastrophen (z.B. Klimawandel) angekündigt. Aber die richtigen Schritte, um sie zu verhindern, wurden unterlassen, weil man andere Interessen hatte.

So ist zu befürchten, dass unsere faktische Ausrichtung auf unser irdisches Wohl uns die irdische Existenzsicherung wichtiger erscheinen lässt als die Rettung unserer Seele. Damit werden wir schnurstracks dem totalitären System in die Arme getrieben, das ja mit den Verheißungen digitaler Bequemlichkeit und Sicherheit durch Totalüberwachung daherkommt. Natürlich werden heute auch schon die Gefahren dieser Gesellschaft gesehen, aber diejenigen, die das Malzeichen mit Skepsis annehmen, werden sich sagen: Was bleibt uns denn anderes übrig, wenn wir leben wollen? – Das ist nun mal unsere Zeit…

Doch als Christen wissen wir, dass nicht der Leib oder unsere irdische Existenz höchstes Gut sind, sondern unsere Seele. Unsere Seele, die selbst unvernichtbar, die aber solange verdorben ist, als sie ihre Befriedigung im Irdischen sucht (Mt 10,28).

 

Ursache unserer Gelüste

Wer in der Heiligung lebt, weiß, wie die irdischen Gelüste entstehen. Den Dingen selbst ist die Eigenschaft der Befriedigung nicht inhärent. Würde diese nämlich den einzelnen Dingen innewohnen, würde jeder Mensch unterschiedslos die gleichen Dinge lieben und die gleichen Dinge verabscheuen. Aber wir sehen, dass das nicht der Fall ist, wie schon das Sprichwort sagt: „Was dem einen sein Uhl, ist dem anderen sein Nachtigall.“ Die Seele projiziert willkürlich die Eigenschaften gut – böse, schön – hässlich, angenehm – unangenehm, sympathisch – unsympathisch auf Dinge, Personen und Verhältnisse.

Das zu wissen, erleichtert uns, uns von unseren Projektionen zu lösen und unsere Befriedigung dort zu suchen, wo sie dauerhaft gesichert ist und an Intensität zunimmt: Unsere eigene Ewigkeit.

Allerdings sind unsere subjektiven Projektionen bereits zu Gewohnheiten geworden. Diese treiben uns immer wieder zu den gleichen Handlungen, indem sie uns „sagen“: Das hat Dir doch damals Befriedigung, eine so schöne Freude gebracht. Jetzt kannst Du das wieder haben, indem Du das gleiche tust.

Deshalb muss man sich immer wieder vor Augen führen, dass jede Abhängigkeit vom Äusseren grundsätzlich schädlich ist. Denn jede Abhängigkeit lässt uns nicht vollständig bei uns selbst sein und verursacht deshalb Leid. Selbst Essen und Trinken sind nur dann angenehm, wenn man etwas zu essen und zu trinken hat. Hunger und Durst zeigen, wie leidvoll eine solche Abhängigkeit ist.

An diesem Beispiel zeigt sich, dass es auch Gewohnheiten gibt, die wir nicht so leicht aufgeben können. Obzwar auch das Projektionen unsere Seele sind, so sind sie doch nicht subjektiv, individuell, sondern haben sich kollektiv ergeben, als der Mensch nach dem Sündenfall sein Glück auf der Erde suchte. Die Bibel drückt das so aus: „Auf deinem Bauche sollst du kriechen und Staub fressen dein Leben lang.“ (1. Mo 3,14) [Für den, der sich nicht auskennt: Die Schlange ist der Lebenstrieb des Menschen, der sich nun ganz aufs Irdische richten musste und aus ihm seine Nahrung bezieht.] Prinzipiell ist aber die Seele nicht auf irdische Nahrung angewiesen. Die Seele stirbt nicht, wenn der Leib stirbt. Sie ist da lebendig wie zuvor, ja anscheinend noch lebendiger, da sie sich selbst nun ohne äußere Störungen erleben kann. In vielen Nahtodberichten wird uns z.B. davon Kunde gegeben.

Uns geht es deshalb in erster Linie nicht um die Überwindung allgemeiner körperlicher Bedürfnisse, sondern die Sammlung unserer Seele auf das Wesentliche, damit sie ihre Zeit nicht mit Zerstreuungen verplempert, sondern konzentriert auf das Ewige ausgerichtet wird. Die Heiligen und Mystiker geben uns ein gutes Beispiel, was es heißt gotterfüllt zu sein.

 

Tipp:

Schau Dir dabei zu, was Du tust und frage Dich, weshalb Du das tust. Und frage Dich das immer tiefer, bis Du die letzte Ursache gefunden hast.

Schau Dir Deine Vorlieben und Abneigungen an und frage Dich, weshalb Du sie hast. Auch hier gehe im Fragen immer tiefer.

So wirst Du geistig-seelische Gesetzmässigkeiten aus eigener Anschauung erkennen, und damit ein Werkzeug gewinnen, mit dem Du Dich verändern kannst.

 

 

Das Glück ist jetzt

Die revolutionärste Tat, die ein Mensch auf dieser Welt begehen kann, ist Glücklichsein.“  Hunter „Patch“ Adams

 

Ich bekenne: ich bin glücklich! Es ist auch nichts leichter als das, denn das Glück kennt keine Bedingungen. Man kann es also sofort haben. Deshalb ist es aber auch nicht so leicht, glücklich zu sein. Ein scheinbares Paradox, das sich eben aus unserer gewohnten Vorstellung ergibt, alles sei an etwas geknüpft. Wir denken, erst müssten wir einen richtigen Beruf haben. Dann, die richtige Frau, den richtigen Mann. Dann wieder dies und jenes. So bleibt das Glück immer in unerreichbarer Ferne.

Wir denken, um glücklich sein zu können, müssten wir erst etwas tun, das keinen Spaß macht, und dann winke, gleichsam als Belohnung, das Glück.

Unser Glück wächst, wenn wir das Glück bereits haben. Glück erzeugt Glück. Unlust erzeugt Unlust. So funktionierts. Das sind die Gesetzmässigkeiten*. Und wenn Du denkst, in der Zukunft könne etwas passieren, das dich unglücklich machen könnte, dann holst Du mit dieser Befürchtung bereits das Unglück in die Gegenwart hinein. Nein, nie kann Dir etwas zustoßen, das Dich unglücklich machen könnte. Bleibe einfach im Glück, Du musst nichts anderes unternehmen als im Glück zu bleiben, es zu genießen.

Das Glück ist unser natürlicher Zustand. In uns selbst sprudelt die Quelle der Freude. Diese Erfahrung machen wir als kleine Kinder, doch dann werden wir konditioniert, um in dieser Gesellschaft zu funktionieren, und schon ist`s vorbei mit unbefangenem Glücklichsein. Fortan wird unser Glück, ohne das wir es merken, an Bedingungen geküpft. Deshalb gibt es nur eines: den gordischen Knoten durchzuhauen.

Das geschieht, indem wir uns bewusst werden, dass wir ewige Wesen und damit frei und unabhängig von allen Bedingungen sind. Nun können wir alle Schatten der Vergangenheit besiegen, da wir eins mit der Quelle alles Guten sind und es außerhalb dieser Quelle nichts Erstrebenswertes gibt. Wir werden wieder frei von allen Konditionierungen.

Also setze das Glück an die erste Stelle. Denn alles Streben des Menschen hat nur dieses eine Ziel. Der Glücksforscher Barry Kaufman sagte: „Wir verschwenden Energie, wenn wir glauben, wir kämen durch äußere Veränderungen oder Verbesserungen dem Glück näher. Wir können dem Glück nicht näher kommen. Denn es ist schon da. Und dass wir das sehen, ist die einzig notwendige Veränderung. Wir können erkennen, dass wir in jedem Moment glücklich sein können, egal wie die Umstände sind.“

In tiefster Depression

Als ich in tiefsten Depressionen steckte, sagte ich mir, dass ich glücklich sei. Das schien der reinste Hohn. Jede Minute wurde mir das Gegenteil bewiesen. Was flehte ich doch zu Gott, mich aus meinem Elend zu reißen. Aber nichts geschah. Keinerlei Hilfe außer der, dass ich einfach an der Wahrheit bleiben musste, dass ich glücklich bin.

Dass diese Wahrheit zum Erfolg führt, dafür bin ich das beste Beispiel. Die Depressionen sind längst hinter mir und ich weiß, mich wird auch nie wieder eine treffen. Heute bin ich glücklich. Das kann ich wirklich bezeugen.

Aber der Weg war schwer. Die tagtäglichen Anfechtungen, die aus meiner Gemütslage kamen, konnten nur überwunden werden, indem die Wahrheit, dass ich schon glücklich sei, durch viele andere Wahrheiten, die ich in meinem Lebenskampf erkennen durfte, gestärkt wurde. Noch einmal Barry Kaufman: „Solange wir unser Glück in der Veränderung der äußeren Umstände suchen, werden wir nicht zufrieden sein. Nach jeder Wunscherfüllung werden wir bald wieder den Eindruck haben, dass etwas fehlt. Aber es fehlt nichts. Und nichts hindert uns am Glück außer unseren Denkgewohnheiten.“

Kevin Smith, Professor am New England Research Institute kam nach der Untersuchung des Glücksgefühls bei Menschen, die durch Krankheiten, Unfälle oder Schicksalsschläge aus ihrem gewohnten Dasein gerissen wurden, zum Ergebnis: „Sie suchen das Glück nicht mehr außen, sie finden es innen. Wie von selbst meldet es sich, wenn die äußeren Ziele unwichtig werden.“ Deshalb sind Mystiker, deren Aufmerksamkeit allein Gott gilt, die glücklichsten Menschen.

*„Denn wer da hat, dem wird gegeben, dass er die Fülle habe; wer aber nicht hat, dem wird auch das genommen, was er hat.“ (Mt. 25,29) In der Soziologie wird diese Gesetzmässigkeit der „Matthäus-Effekt“ genannt.

Wenn es nach Gott ginge, …

dann wären bereits alle Menschen erlöst, dann würde kein Mensch und kein Tier mehr leiden. Es gäbe kein Übel mehr auf der Welt, nichts Böses. Keine Krankheiten und Gebrechen würden den Menschen plagen. Streit und Kriege würde man nur noch vom Hörensagen kennen. Es gäbe keinen Tod mehr. Nur unaufhörliche Glückseligkeit. Aber es geht nicht nach Gott. Wenn der Mensch nicht will, kann Gott kann nichts gegen des Menschen Willen für ihn tun.

Andererseits, Gott hat bereits alles getan, was dem Menschen die Befreiung von allem Übel ermöglicht. Der Mensch muss es nur ergreifen. Zumindest Christen könnten frei von allem Negativen sein, da sie behaupten, die Gnade angenommen zu haben und Gott zu glauben. Aber da sieht es oft nicht viel anders aus als bei den sogenannten „Kindern der Welt“. Auch sie erwarten, dass Gott ihnen einfach alles Leiden wegnimmt. Doch gerade das ist Gott unmöglich.

Denn würde er uns einfach für immer vom Leiden befreien, dann wären wir mitsamt dem Leiden verschwunden! Unser falschen Denken, Fühlen und Wollen ist nämlich Ursache aller unserer Leiden, und unsere persönliche Existenz gründet auf unserem Denken, Fühlen und Wollen.

Es gibt also nur einen Weg, wie wir frei werden können: Durch Erkenntnis der Wahrheit (Jo 8,32) und dem damit verbundenen Umdenken (Rö 12,2) : „…werdet verwandelt [griech. metamorphoō. Metamorphose!] durch die Erneuerung eures Sinnes [griech. Nous = Verständnis]“ . Durch anderes Denken verändern sich unsere Gefühle und durch die Gefühle schließlich auch unser Wollen. Wenn wir also das Heilsame suchen und verwirklichen, werden wir heil werden. Anders bleiben wir, ob Christ oder Nichtchrist, weiterhin allem Übel unterworfen.

Wir können deshalb nicht einfach in den Tag hineinleben, sondern „müssen“ erforschen, was die Ursachen unserer ganz persönlichen Krankheiten sind (die ja nach der Bibel primär nicht in Viren oder Bakterien oder genetischen Defekten liegen), „müssen“ uns fragen, weshalb wir immer wieder das tun, was wir nicht möchten, oder weshalb wir sogar das zum Leiden führende Tun lieben und deshalb nicht aufgeben möchten. Wir brauchen also eine ganz andere Bewusstheit für das Wesentliche im Leben. Nur so können wir allmählich frei werden, gemäß Goethes Spruch:

„Wer immer strebend sich bemüht, den können wir erlösen“.

 

 

 

Jeder Christ ein Psychologe?

Eine sonderbare Fragestellung? – Nein, ganz und gar nicht! Ganz eindeutig heißt es doch in der Bibel, daß niemand ohne Heiligung den Herrn sehen wird (Hebr 12,14). Heiligung aber ist ein Prozess der Transformation des natürlichen Menschen in einen übernatürlichen, eines „fleischlichen“ Menschen in einen „geistlichen“ Menschen, eines Sünders in einen Heiligen (1. Kor. 2, 14-15; Kol 3,9-10). Das setzt voraus, dass wir nicht nur die Bibel gut kennen, sondern auch in ganz engem Kontakt mit uns selbst sind. Denn wir sollen ja, durch das „Wort Gottes“, das uns informiert (nebenbei: im Wort „informieren“ steckt das Wort „eine Gestalt geben“, lat. „informare), verwandelt werden. Es findet also in uns etwas statt. Wie sollten wir da von dem, was wir sind und von dem was wir sein könnten und den „Techniken“ der Wandlung „keine Ahnung“ haben? – Dadurch, dass wir eine solche Wandlung anstreben, müssten wir doch zu psychologischen Experten werden!

Wer sich aber in der Christenheit umsieht, bemerkt, dass das nicht der Fall ist. Nicht nur der einfache Christ hat wenig Einsicht in psychologische Tatsachen, sondern auch die führenden Köpfe kommen kaum über das hinaus, was die profane Psychologie lehrt. Das alles deutet darauf hin, dass der Glaube bei uns lediglich ein Oberflächenphänomen ist, dass er nicht tief genug geht. Er verändert uns nicht wirklich, da wir es uns an der allgemeinen Wurstelei genügen lassen.

Da Selbsterkenntnis und Gotterkenntnis untrennbar zusammengehören, muss uns das Chaos der Auffassungen über Wesen und Inhalte des christlichen Glaubens nicht wundern, denn wir sind alle mehr von einer „christlichen“ Ideologie geprägt denn von wirklichem Glauben.

In der psychologischen Praxis wird deshalb häufig erlebt, „wie ein scheinbar fester Glaube [sich] auflöst – aber nicht, weil die Psychotherapie ein Feind des Glaubens wäre, sondern weil Ideologie ihr nicht standhält.“ Solche Christen haben, wie der Psychotherapeut H. Bartz erläutert, „ eine intellektuelle Überzeugung religiöser Art für Glauben gehalten. Sie haben den Glauben, der ein Akt des ganzen Menschen ist, mit einer Meinung verwechselt. Sie haben gewähnt, Gotteserkenntnis zu besitzen, besaßen aber nur eine tote Wahrheit, weil sie den Weg dahin, nämlich den Weg der Selbst-Erfahrung, nicht gegangen waren.“ [Hervorhebungen innerhalb des Zitats von mir.]

Wenn wir nicht mehr als nur ein Vertreter einer Ideologie sind, dann sind wir nicht besser als die Pharisäer, die auch den „Schlüssel der Erkenntnis“ besaßen, ihn aber nicht nutzten (Lk 11,52). Dann können wir weiterhin nur Meinungen haben und uns ewig über das Schriftverständnis streiten. Wir haben dann nur den Buchstaben, der tötet, und nicht den Geist, der lebendig macht (2. Kor 3,6).

Wir haben dann nur ein Buch, das uns zum Götzen wird, anstatt Christus!

Lasst uns umkehren zu einem lebendigen Glauben!

 

Was heißt es, an „Jesus zu glauben“ ?

Kein Wort ist vielleicht so vielen Missverständnissen ausgesetzt, wie der Begriff „Glaube“. Dazu haben die Kirchen und Gemeinden erheblich beigetragen. Heute versteht man darunter in der Hauptsache nur: etwas für wahr halten, eine Sache für zutreffend halten, obwohl sie der – zumindest eigenen – Erfahrung widerspricht. So haben viele Christen keine Schwierigkeit, an die Jungfrauengeburt oder die Wunder Jesu zu glauben. Schwierig wird es erst, wenn man daran glauben soll, dass man z.B. von der eigenen Krankheit durch Glauben gesund werden, oder, dass man durch Glauben wesentliche Veränderungen in der eigenen Psyche hervorrufen kann. Allein Veränderung ist Sinn und Zweck des Glaubens! (Hebr. 11,1)

So zeigt sich letzten Endes, dass Christen nicht viel gläubiger sind als Nichtchristen. Der Bibel zu glauben, ohne dass sich das eigene Leben dadurch tiefgreifend ändert, ist nichts anderes als Leichtgläubigkeit. Er steht auf einer Stufe mit dem, der an Zeitungshoroskope glaubt.

UNGLAUBE, der sich fromm maskiert, ist das größte Problem der heutigen Christenheit.

Was der Leichtgläubige will

Wie in vorchristlichen Zeiten bittet man Gott um nichts anderes, als um sein Wohlwollen in persönlichen Angelegenheiten, und im übrigen meint man, durch oben genannte Leichtgläubigkeit, die man Bekenntnis zu Bibel und Jesus nennt, in den Himmel zu kommen. Andere aber, die möglicherweise gewissenhafter und liebevoller sind als man selbst, bescheinigt man, in der Hölle zu landen, da sie nicht an Jesus glauben. Doch bei Gott gilt kein Ansehen der Person (Rö 2,11), d.h. er ist objektiv. Es wird also niemand bevorzugt, weil er „an Jesus“ glaubt, sondern ein jeder Mensch wird nach seinen Werken gerichtet, nämlich nach dem, was er faktisch ist (Rö 2,6). Denn das Tun macht den Menschen. Durch dieses unterscheidet sich ein jeder vom anderen.

Im christlichen Glauben geht es nicht um ein Leben nach dem Tod. Das hatten die Menschen schon immer, sondern um ein vom Tod, und das heißt ein vom Irrtum, und damit von Zielverfehlungen befreites Leben (Rö 8,6).

Der tiefste Antrieb

An Jesus zu glauben heißt also, zu werden wie er! (Rö 8,29; 2. Ko 3,18, Eph 4,14) Das aber ist allein möglich, wenn man wirklichen Glauben hat, und nicht nur leichtgläubig ist.

Voraussetzung dafür ist aber, dass dieses Ziel überhaupt für mich attraktiv ist und ich es für erreichbar halte. Sonst werde ich mich überhaupt nicht ausreichend damit beschäftigen, sondern mein Interesse anderen Dingen zuwenden. Ich muss also motiviert sein!

Motiviert für etwas, ganz gleich, was es ist, ist der Mensch aber nur dann, wenn das Ziel den eigenen Wünschen entspricht.

Wie aber kann in mir überhaupt ein Wunsch danach, wie Jesus zu werden, entstehen? Das ist nur möglich, wenn ich erkenne, dass das alle Probleme, die ich als Mensch habe, löst.

Um das zu erkennen, ist wiederum Selbsterkenntnis nötig. Ich kann Ihnen schon jetzt sagen, dass alles Handeln eines jeden Menschen kein anderes Ziel hat, als Lust zu erleben und Unlust zu vermeiden, oder anderes ausgedrückt, positive Zustände zu haben, negative zu meiden. Kurz: Ein jeder will glücklich werden und bleiben (1. Petr. 1,9).

Das hatte auch Nietzsche sehr gut erkannt, wie dieses Gedicht zeigt :

Doch alle Lust will Ewigkeit

O Mensch! Gib acht!

Was spricht die tiefe Mitternacht?

„Ich schlief, ich schlief -,

Aus tiefem Traum bin ich erwacht: –

Die Welt ist tief,

Und tiefer als der Tag gedacht.

Tief ist ihr Weh -,

Lust – tiefer noch als Herzeleid:

Weh spricht: Vergeh!

Doch alle Lust will Ewigkeit -,

– will tiefe, tiefe Ewigkeit!“

Gott gibt dem Menschen nicht ein Ziel, das der Mensch überhaupt nicht anstrebt, sondern er zeigt, wie der das tiefste Ziel – und von dem er gar nicht lassen kann – tatsächlich erreicht! Gottes Wille und Menschenwille sind zutiefst eins.

Wenn Sie das begreifen, ist schon die größte Hürde genommen, die Sie bisher hinderte, überhaupt an Jesus zu glauben oder als Erlöster zu leben. Ewiges Wohlbefinden ist eines jeden Menschen Ziel, und das kann eben nur verwirklicht werden, wenn man selbst ewig ist, denn von allem anderen ist man ja getrennt. In der sich stets erneuernden Freude darüber finden Sie die Kraft, sich von allen Wünschen, die sich auf raum-zeitliche Dinge beziehen, zu lösen.

Solange Sie aber nicht durchschauen, dass Ihre Wünsche, Ihre Vorlieben und Abneigungen in Bezug auf die Dinge dieser Welt nichts mit den Dingen selbst zu tun haben, sondern nur Projektionen ihrer Bewertungen sind, bleiben sie im Kreislauf der Vergeblichkeit gefangen, wenn sich auch hin und wieder ein Wunsch erfüllen mag. Was es auch in der Welt geben mag – nichts davon kann Sie glücklich machen. Nicht in den Gegenständen dieser Welt, einschließlich der Menschen, die sie lieben, steckt das Begehrenswerte. Alles ist nichtig und wertlos. Die Welt kann Sie nur enttäuschen – und das ist gut so!

Das Glück, die Erfüllung ist immer schon dagewesen, immer schon da und wird immer bleiben. Sie selbst, als ewiges Wesen, sind das Glück, die ewige Glückseligkeit. Nun müssen Sie nicht mehr suchen, können Sie die Welt und alle Dinge in ihr, einschließlich der Menschen, loslassen – und jetzt, da Sie nicht mehr durch die Wechselfälle des Dasein gestört und beunruhigt oder gar unglücklich gemacht werden, haben Sie ewigen Frieden und ewige Ruhe, von der die Bibel spricht. Jetzt haben Sie allumfassende, göttliche Liebe!

Zu werden wie Er bedeutet also in erster Linie nicht, herumzugehen und Menschen heilen, zu predigen oder Wunder zu tun, sondern erst einmal mit sich selbst , mit Gott und der Welt im Reinen sein, heil und ganz zu werden – zuerst nach der Seele und durch diese auf den Leib.

Wahrer Friede

Das Himmelreich ist die Frucht des Geistes und wird u.a. durch Herzensfrieden konstituiert. Wir kommen also dem Himmelreich immer näher, je tiefer die innere Ruhe und der innere Frieden werden. Nun hat man, besonders als junger Mensch, überhaupt noch kein Bedürfnis nach Ruhe und Frieden. Es strebt alles nach Aktivität, man will etwas erleben, man will „Action“. Wenn dann doch einmal sich eine solche Sehnsucht meldet, meint man vielleicht, Gott könne einen damit beschenken. So, wie jemand, der um Hilfe bat: „Ich bin seit klein auf überzeugter Christ. Ich habe Gott schon in äußeren Umständen erlebt, aber noch nie innerlich.
Ich wünsch´ mir so sehnlichst eine “ innere Begegnung “ mit ihm.
Wenn ich z.B. vor Sorgen umkomme, oder traurig bin, oder auch mal Depressionen hatte, hab ich zu Gott gebetet und geschrien, dass er mir doch seinen inneren Frieden zukommen lässt ,d.h. dass ich diesen göttlichen Frieden von dem die Bibel schreibt, etwas erlebe. (…) Ich erwarte nicht, dass Gott meine Umstände ändert, sondern mir einfach seinen inneren Frieden und Ruhe schenkt.“

Ein solcher Wunsch kann natürlich nur in Erfüllung gehen, wenn eine innere Wandlung stattfindet, die jeder nur selbst vollziehen kann. Da dergleichen kaum gelehrt wird, musste naturgemäß jener Mann, wie viele andere, eine herbe Enttäuschung erleben. Er fährt fort: „Aber nach meinen Gebeten bin ich genauso aufgewühlt wie vorher. Es tobt ein Sturm in mir.“

Immerhin ist ihm bewusst geworden, dass sein Glaube – wieder wie bei vielen Christen – nur ein wirkungsloses Fürwahrhalten ist. „Mein Glaube findet leider nur im Kopf und nicht im Herzen statt, dabei wünsch ich mir nichts mehr als dass er ins Herz übergeht.“ Ruhe und Frieden sind nichts, das mit einem „Hauruck“ erlangt werden könnte! Jesus selbst zeigte den Weg auf, der darin besteht von ihm zu lernen: „lernt von mir!“ Eine solche Aufforderung würde aber völlig unsinnig sein, wenn wir nicht von der gleichen Voraussetzung ausgehen könnten, von der Jesus ausgegangen ist. Mit anderen Worten: Wenn Jesus grundsätzlich eine andere Natur hatte als jeder von uns, also nicht bloß Mensch war, dann können wir von ihm überhaupt nichts lernen. Wir können von ihm nur lernen, wenn wir im Wesen völlig mit ihm übereinstimmen, wir also in gleicher Weise göttlicher Natur sind. Und das ist der Fall (s. „Erwachsen werden“, „Die größte Befreiungsaktion aller Zeiten“).

Nur so können wir auf ein sich Durchsetzen in der äusseren Welt, auf einen Platz in ihr zu erobern, verzichten, wir können „sanftmütig und von Herzen demütig“ werden, weil wir wissen, dass uns nichts und niemand etwas rauben oder uns einen Schaden zufügen kann. So finden wir immer mehr Ruhe für unsere Seele (Mt. 11,28)

Ruhe und Frieden sind Passiva. Sie sind Ausdruck dafür, dass es nichts zu tun gibt, alles in Ordnung ist, wie es läuft. Sie sind das große Einverstandensein.

In der Tat gibt es seit der Erlösung vor 2000 Jahren für die Menschen nichts mehr zu tun. Das einzige Tun sollte darin bestehen, mit dieser Tatsache in Einklang zu kommen. Das allerdings ist, weil es der natürliche Mensch nicht sehen kann, ein Kampf. Aber die höchste Ebene des Kampfes ist es, nicht zu kämpfen. Kurz: Lass alles Äussere und alles, was sich darauf bezieht los. Entspanne Dich!

Zum Schluss noch einige Worte derer, die etwas von der Ruhe und dem Frieden geschmeckt haben:

„Die meisten Menschen wissen nichts vom inneren Menschen und setzen ihre ganze Frömmigkeit in äussere Werke. Sie schwatzen lieber, als dass sie stillschweigen. Sie reden lieber, als dass sie hören; daher bleiben ihnen auch die drei Haupttugenden der Gelassenheit, der Ledigkeit (da sie von allem los und ledig sind) und die Unanmasslichkeit (da sie sich von allen Gaben Gottes nichts zuschreiben, sondern sie als unverdiente Gnade ansehen) ganz fremd, und sie gelangen nicht zu dem Frieden Gottes, der über alle Vernunft erhaben ist.“ (Johannes Tauler)

„Die Ungestorbenheit unseres eigenen Willens ist eine Hauptursache unserer inneren Unruhe; und die gründliche Willenlosigkeit in allen Dingen der kürzeste Weg zum beständigen Frieden der Seele.“(Gerhard Tersteegen)

„Manchmal haben wir die Kraft, “Ja” zum Leben zu sagen. Dann kehrt Frieden in uns ein und macht uns ganz.“ (Ralph Waldo Emerson)

„Du kannst Dir inneren Frieden und Glückseligkeit nicht herstellen. Sie sind deine wahre Natur. Sie bleiben übrig, wenn Du all das aufgibst, was Dich leiden lässt.“ (Buddha)

Lassen wir uns aber auch der Worte Nietzsches eingedenk sein:

„Aus Mangel an Ruhe läuft unsere Zivilisation in eine neue Barbarei aus. Zu keiner Zeit haben die Tätigen, das heißt die Ruhelosen, mehr gegolten. Es gehört deshalb zu den notwendigen Korrekturen, welche man am Charakter der Menschheit vornehmen muss, das beschauliche Element in großem Maße zu verstärken. Doch hat schon jeder Einzelne, welcher in Herz und Kopf ruhig und stetig ist, das Recht zu glauben, dass er nicht nur ein gutes Temperament, sondern eine allgemein nützliche Tugend besitze und durch die Bewahrung dieser Tugend sogar eine höhere Aufgabe erfülle.“

 

 

 

Seid vollkommen!

Ein großer Stein des Anstoßes unter denen, die Christen sein wollen, ist die Aufforderung Jesu „Seid vollkommen, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist.“ Mt. 5,48 . Mit diesem Satz konfrontiert, heißt es sogleich, dass kein Mensch vollkommen sein kann. Also wird dieses dezidierte Wort Gottes vollkommen ignoriert. Dagegen mag man vielen Wert darauf legen, dass die Mitbrüder und -schwestern ja an die Personalität eines Teufels oder ein wortwörtliches Sechstagewerk glauben… Größer kann die (unbewusste) Heuchelei nicht sein. Man macht sich und anderen etwas vor.

Wenn Jesus uns auffordert vollkommen zu sein, dann hat uns Gott auch die Befähigung dazu geben. Sonst würde eine solche Aufforderung keinen Sinn machen. Der erste Schritt muss deshalb sein, zu glauben, dass ich vollkommen sein kann. Denn kein Mensch wird etwas in Angriff nehmen, was ihm aussichtslos erscheint.

Wer in der Heiligung etwas fortgeschritten ist, erkennt möglicherweise sogleich, dass jeder Mensch ontologisch gesehen, bereits vollkommen ist. Jedes Lebewesen ist ein spezifischer Ausdruck des Lebens an sich. Das Leben ist vollkommen. Das Leben ist ewig. Es ist Gott (Vater).

Nur auf dieser Grundlage kann Gott uns das geben, was in der Bibel als „ewiges Leben“ bezeichnet wird. Denn das, was wir bisher erfuhren als lebendige Wesen, bezeichnet die Bibel als Tod (Eph. 2,21). Wer leidet oder anders mit seinem Dasein unzufrieden ist, drückt genau das aus. Er sagt vielleicht: „Das ist kein Leben mehr, was ich jetzt lebe. Es ist ein Sch…leben!“

Alle Menschen leben ewig. „Ewiges Leben“ haben aber nur die, die sich von der Vollkommenheit bestimmen lassen. Nur die werden auch vollkommen werden, d.h. ins Leben eingehen (Mt. 19,17).

Es ist damit also jene Qualität des Lebens gemeint, die im Einklang mit dem Leben an sich ist.

Der neue Mensch

Es wurde gesagt, das Leben an sich sei vollkommen. Was heißt „vollkommen“? Es heißt, es bedarf nichts außerhalb seiner selbst. Im Vollkommenen ist keinerlei Mangel.

Genau ein solches Leben der Fülle, das keinerlei Mangel mehr kennt, ist uns gegeben und wird immer mehr zur Erfahrung, wenn wir uns am Ewigen genügen lassen und damit allen Mangel aufgeben, den der natürliche Mensch am Leben hält, indem er ständig denkt: „Ich habe dies nicht, ich habe das nicht. Mir fehlt dies, mir fehlt das. Das kann mir schaden. Das kann mir nutzen.“

In Wahrheit benötigen wir nichts aus dieser Welt oder der Schöpfung überhaupt. Dadurch, dass wir ewig sind, sind wir vollkommen und haben keinerlei Mangel.

Wir bleiben andererseits ewige Mängelwesen, wenn wir diese unsere Wahrheit nicht erkennen und leben; wenn wir nicht unsere Bestimmung erfüllen. Durch Glauben an unsere Vollkommenheit wird unsere menschliche Natur in die göttliche Natur transformiert, wie sie Jesus in seiner Auferstehung zum Ausdruck brachte.

Jesus Christus ist der wahre Mensch. Nur deshalb konnte er sagen: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.“ (Joh. 14,6). Er ist das, was ich bin. Auch ich bin das Leben, denn das sich seiner selbst unbewusste Leben will sich in mir seiner Herrlichkeit bewusst werden, wie es das dem Leben bereits in Jesus gelang, in dem er sich mit dem Vater, und nicht mit dem Leib (wie es der natürliche Mensch tut) identifizierte (Jo. 10,30).

Nur im Menschen kann sich das Leben seiner selbst bewusst werden.