Das Glück ist jetzt

Die revolutionärste Tat, die ein Mensch auf dieser Welt begehen kann, ist Glücklichsein.“  Hunter „Patch“ Adams

 

Ich bekenne: ich bin glücklich! Es ist auch nichts leichter als das, denn das Glück kennt keine Bedingungen. Man kann es also sofort haben. Deshalb ist es aber auch nicht so leicht, glücklich zu sein. Ein scheinbares Paradox, das sich eben aus unserer gewohnten Vorstellung ergibt, alles sei an etwas geknüpft. Wir denken, erst müssten wir einen richtigen Beruf haben. Dann, die richtige Frau, den richtigen Mann. Dann wieder dies und jenes. So bleibt das Glück immer in unerreichbarer Ferne.

Wir denken, um glücklich sein zu können, müssten wir erst etwas tun, das keinen Spaß macht, und dann winke, gleichsam als Belohnung, das Glück.

Unser Glück wächst, wenn wir das Glück bereits haben. Glück erzeugt Glück. Unlust erzeugt Unlust. So funktionierts. Das sind die Gesetzmässigkeiten*. Und wenn Du denkst, in der Zukunft könne etwas passieren, das dich unglücklich machen könnte, dann holst Du mit dieser Befürchtung bereits das Unglück in die Gegenwart hinein. Nein, nie kann Dir etwas zustoßen, das Dich unglücklich machen könnte. Bleibe einfach im Glück, Du musst nichts anderes unternehmen als im Glück zu bleiben, es zu genießen.

Das Glück ist unser natürlicher Zustand. In uns selbst sprudelt die Quelle der Freude. Diese Erfahrung machen wir als kleine Kinder, doch dann werden wir konditioniert, um in dieser Gesellschaft zu funktionieren, und schon ist`s vorbei mit unbefangenem Glücklichsein. Fortan wird unser Glück, ohne das wir es merken, an Bedingungen geküpft. Deshalb gibt es nur eines: den gordischen Knoten durchzuhauen.

Das geschieht, indem wir uns bewusst werden, dass wir ewige Wesen und damit frei und unabhängig von allen Bedingungen sind. Nun können wir alle Schatten der Vergangenheit besiegen, da wir eins mit der Quelle alles Guten sind und es außerhalb dieser Quelle nichts Erstrebenswertes gibt. Wir werden wieder frei von allen Konditionierungen.

Also setze das Glück an die erste Stelle. Denn alles Streben des Menschen hat nur dieses eine Ziel. Der Glücksforscher Barry Kaufman sagte: „Wir verschwenden Energie, wenn wir glauben, wir kämen durch äußere Veränderungen oder Verbesserungen dem Glück näher. Wir können dem Glück nicht näher kommen. Denn es ist schon da. Und dass wir das sehen, ist die einzig notwendige Veränderung. Wir können erkennen, dass wir in jedem Moment glücklich sein können, egal wie die Umstände sind.“

In tiefster Depression

Als ich in tiefsten Depressionen steckte, sagte ich mir, dass ich glücklich sei. Das schien der reinste Hohn. Jede Minute wurde mir das Gegenteil bewiesen. Was flehte ich doch zu Gott, mich aus meinem Elend zu reißen. Aber nichts geschah. Keinerlei Hilfe außer der, dass ich einfach an der Wahrheit bleiben musste, dass ich glücklich bin.

Dass diese Wahrheit zum Erfolg führt, dafür bin ich das beste Beispiel. Die Depressionen sind längst hinter mir und ich weiß, mich wird auch nie wieder eine treffen. Heute bin ich glücklich. Das kann ich wirklich bezeugen.

Aber der Weg war schwer. Die tagtäglichen Anfechtungen, die aus meiner Gemütslage kamen, konnten nur überwunden werden, indem die Wahrheit, dass ich schon glücklich sei, durch viele andere Wahrheiten, die ich in meinem Lebenskampf erkennen durfte, gestärkt wurde. Noch einmal Barry Kaufman: „Solange wir unser Glück in der Veränderung der äußeren Umstände suchen, werden wir nicht zufrieden sein. Nach jeder Wunscherfüllung werden wir bald wieder den Eindruck haben, dass etwas fehlt. Aber es fehlt nichts. Und nichts hindert uns am Glück außer unseren Denkgewohnheiten.“

Kevin Smith, Professor am New England Research Institute kam nach der Untersuchung des Glücksgefühls bei Menschen, die durch Krankheiten, Unfälle oder Schicksalsschläge aus ihrem gewohnten Dasein gerissen wurden, zum Ergebnis: „Sie suchen das Glück nicht mehr außen, sie finden es innen. Wie von selbst meldet es sich, wenn die äußeren Ziele unwichtig werden.“ Deshalb sind Mystiker, deren Aufmerksamkeit allein Gott gilt, die glücklichsten Menschen.

*„Denn wer da hat, dem wird gegeben, dass er die Fülle habe; wer aber nicht hat, dem wird auch das genommen, was er hat.“ (Mt. 25,29) In der Soziologie wird diese Gesetzmässigkeit der „Matthäus-Effekt“ genannt.

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Wahrer Friede

Das Himmelreich ist die Frucht des Geistes und wird u.a. durch Herzensfrieden konstituiert. Wir kommen also dem Himmelreich immer näher, je tiefer die innere Ruhe und der innere Frieden werden. Nun hat man, besonders als junger Mensch, überhaupt noch kein Bedürfnis nach Ruhe und Frieden. Es strebt alles nach Aktivität, man will etwas erleben, man will „Action“. Wenn dann doch einmal sich eine solche Sehnsucht meldet, meint man vielleicht, Gott könne einen damit beschenken. So, wie jemand, der um Hilfe bat: „Ich bin seit klein auf überzeugter Christ. Ich habe Gott schon in äußeren Umständen erlebt, aber noch nie innerlich.
Ich wünsch´ mir so sehnlichst eine “ innere Begegnung “ mit ihm.
Wenn ich z.B. vor Sorgen umkomme, oder traurig bin, oder auch mal Depressionen hatte, hab ich zu Gott gebetet und geschrien, dass er mir doch seinen inneren Frieden zukommen lässt ,d.h. dass ich diesen göttlichen Frieden von dem die Bibel schreibt, etwas erlebe. (…) Ich erwarte nicht, dass Gott meine Umstände ändert, sondern mir einfach seinen inneren Frieden und Ruhe schenkt.“

Ein solcher Wunsch kann natürlich nur in Erfüllung gehen, wenn eine innere Wandlung stattfindet, die jeder nur selbst vollziehen kann. Da dergleichen kaum gelehrt wird, musste naturgemäß jener Mann, wie viele andere, eine herbe Enttäuschung erleben. Er fährt fort: „Aber nach meinen Gebeten bin ich genauso aufgewühlt wie vorher. Es tobt ein Sturm in mir.“

Immerhin ist ihm bewusst geworden, dass sein Glaube – wieder wie bei vielen Christen – nur ein wirkungsloses Fürwahrhalten ist. „Mein Glaube findet leider nur im Kopf und nicht im Herzen statt, dabei wünsch ich mir nichts mehr als dass er ins Herz übergeht.“ Ruhe und Frieden sind nichts, das mit einem „Hauruck“ erlangt werden könnte! Jesus selbst zeigte den Weg auf, der darin besteht von ihm zu lernen: „lernt von mir!“ Eine solche Aufforderung würde aber völlig unsinnig sein, wenn wir nicht von der gleichen Voraussetzung ausgehen könnten, von der Jesus ausgegangen ist. Mit anderen Worten: Wenn Jesus grundsätzlich eine andere Natur hatte als jeder von uns, also nicht bloß Mensch war, dann können wir von ihm überhaupt nichts lernen. Wir können von ihm nur lernen, wenn wir im Wesen völlig mit ihm übereinstimmen, wir also in gleicher Weise göttlicher Natur sind. Und das ist der Fall (s. „Erwachsen werden“, „Die größte Befreiungsaktion aller Zeiten“).

Nur so können wir auf ein sich Durchsetzen in der äusseren Welt, auf einen Platz in ihr zu erobern, verzichten, wir können „sanftmütig und von Herzen demütig“ werden, weil wir wissen, dass uns nichts und niemand etwas rauben oder uns einen Schaden zufügen kann. So finden wir immer mehr Ruhe für unsere Seele (Mt. 11,28)

Ruhe und Frieden sind Passiva. Sie sind Ausdruck dafür, dass es nichts zu tun gibt, alles in Ordnung ist, wie es läuft. Sie sind das große Einverstandensein.

In der Tat gibt es seit der Erlösung vor 2000 Jahren für die Menschen nichts mehr zu tun. Das einzige Tun sollte darin bestehen, mit dieser Tatsache in Einklang zu kommen. Das allerdings ist, weil es der natürliche Mensch nicht sehen kann, ein Kampf. Aber die höchste Ebene des Kampfes ist es, nicht zu kämpfen. Kurz: Lass alles Äussere und alles, was sich darauf bezieht los. Entspanne Dich!

Zum Schluss noch einige Worte derer, die etwas von der Ruhe und dem Frieden geschmeckt haben:

„Die meisten Menschen wissen nichts vom inneren Menschen und setzen ihre ganze Frömmigkeit in äussere Werke. Sie schwatzen lieber, als dass sie stillschweigen. Sie reden lieber, als dass sie hören; daher bleiben ihnen auch die drei Haupttugenden der Gelassenheit, der Ledigkeit (da sie von allem los und ledig sind) und die Unanmasslichkeit (da sie sich von allen Gaben Gottes nichts zuschreiben, sondern sie als unverdiente Gnade ansehen) ganz fremd, und sie gelangen nicht zu dem Frieden Gottes, der über alle Vernunft erhaben ist.“ (Johannes Tauler)

„Die Ungestorbenheit unseres eigenen Willens ist eine Hauptursache unserer inneren Unruhe; und die gründliche Willenlosigkeit in allen Dingen der kürzeste Weg zum beständigen Frieden der Seele.“(Gerhard Tersteegen)

„Manchmal haben wir die Kraft, “Ja” zum Leben zu sagen. Dann kehrt Frieden in uns ein und macht uns ganz.“ (Ralph Waldo Emerson)

„Du kannst Dir inneren Frieden und Glückseligkeit nicht herstellen. Sie sind deine wahre Natur. Sie bleiben übrig, wenn Du all das aufgibst, was Dich leiden lässt.“ (Buddha)

Lassen wir uns aber auch der Worte Nietzsches eingedenk sein:

„Aus Mangel an Ruhe läuft unsere Zivilisation in eine neue Barbarei aus. Zu keiner Zeit haben die Tätigen, das heißt die Ruhelosen, mehr gegolten. Es gehört deshalb zu den notwendigen Korrekturen, welche man am Charakter der Menschheit vornehmen muss, das beschauliche Element in großem Maße zu verstärken. Doch hat schon jeder Einzelne, welcher in Herz und Kopf ruhig und stetig ist, das Recht zu glauben, dass er nicht nur ein gutes Temperament, sondern eine allgemein nützliche Tugend besitze und durch die Bewahrung dieser Tugend sogar eine höhere Aufgabe erfülle.“

 

 

 

Kennen wir den „schmalen Weg“?

Christen wollen in der Ewigkeit bei Gott sein. Die Hölle bezeichnen sie als Gottferne. Doch weshalb will man erst nach dem Tod, mit dem, ihrer Meinung nach, die Ewigkeit beginne, bei Gott sein? Ist Gott nicht allgegenwärtig, also auch im Hier und Jetzt?

Paulus schreibt: „In ihm leben, weben und sind wir.“ (Apg 17,28). Was hindert uns also jetzt bei ihm zu sein? – Der Schlüssel liegt darin: „Wo euer Schatz ist, da ist auch euer Herz.“ (Mt 6,21). Wir lieben nur das, was uns wichtig ist. Dort sind wir mit unseren Gefühlen und Gedanken. Jeder kennt das aus den Zeiten des Verliebtseins. Liebende sind sich immer nahe, auch wenn sie geografisch getrennt sind. Sie sind sich immer Erfüllung. Nichts anderes kann diesen Platz einnehmen. Es gibt für sie kein größeres Glück. Keine Alternative. Alles dreht sich nur um dieses eine Zentrum.

Der Prüfstein unserer Liebe

Nehmen wir dagegen Judas. Er war Jesus ganz nahe – und doch so fern! Äusserlich können auch wir Gott nahe sein. Wir beschäftigen uns vielleicht täglich mit seinem Wort. Aber da ist kein Glück, keine Erfüllung. Es lässt uns kalt und unbefriedigt zurück. Wollen wir behaupten, wir seien Gott nahe? Wir müssen nur auf unsere Gefühle achten, dann wissen wir auch, was uns ganz persönlich wichtig ist. Woran denke ich gern? Woran am liebsten? Da also ist unser Herz, unser Schatz.

Worin das Leid besteht

Menschen wundern sich immer über das vielfältige Leid, das ihnen begegnet. Ja, wie sollten wir denn nicht leiden, wenn wir das Vergängliche, das Veränderliche, das Räumlich – Getrennte lieben? Entweder haben wir dann, was wir nicht haben wollen oder besitzen nicht, was wir besitzen wollen. Wir haben erlangt, was wir wollten – aber es wird uns wieder genommen. Durch solche Wechselbäder der Gefühle kann der Mensch nicht nur seelisch erkranken, sondern auch physisch. Und doch hängen wir immer weiter an Menschen und Dingen. So können wir jedenfalls keineswegs dauerhaft glücklich und heil werden. Im Gegenteil, durch die Häufung negativer Erfahrungen kommen wir der Hölle immer näher. Die Hölle ist ja, wie der Himmel, kein Ort, sondern ein seelischer Zustand. Deshalb sagt Johannes: „Habt nicht lieb die Welt, noch was in ihr ist.“ (1. Jo 2,15) Denn die Liebe zum Innerweltlichen trennt uns vom ewigen Glück, von Gott.

Der Weg zum Glück

Wir Menschen wollen nichts anderes, als dass es uns wohlgeht, dass wir glücklich sind. Das ist der einzige Grund, weshalb wir so viel Mühe auf uns nehmen. Aber es ist alles vergebliche Mühe, wenn wir das Glück nicht dort suchen, wo es zu finden ist: im Ewigen!

Nur das, was ewig ist, kann uns, da dieses allein Kontinuität besitzt, ewig glücklich machen. Und da wir außer dem Ewigen letzten Endes nichts mehr bedürfen, auch dauerhaft heil nach Geist, Seele und Leib.

Wer das begriffen hat, zieht immer mehr seine Aufmerksamkeit von den Dingen dieser Welt zurück. Er kommt aus der Zerstreuung in die Sammlung (Mt 12,30; 23,37). Aus der Betriebsamkeit in die Kontemplation und Meditation. Er verweilt gern und lange in der Stille, denn in ihr erlebt er Gott. Er hat es nicht mehr nötig, hierhin und dahin zu hetzen. Er erlebt das Heil.

Abraham Maslow, ein bedeutender Psychologe, fragte sich, was psychisch besonders gesunde Menschen auszeichne. Dabei stieß er auf eine ganz überraschende und für einen Agnostiker, wie er einer war, kaum akzeptable Tatsache. Psychisch ganz besonders gesunde Menschen tendieren zu „mystischen Erfahrungen“! Er schreibt: „Der Himmel ist überall um uns herum, steht im Prinzip immer zur Verfügung.“

Der „schmale Weg“ ist also der Weg der liebenden Vereinigung mit dem Urgrund alles Seins, den wir Gott nennen. Und wie ein Weg die Vorstellung von einem Beginn und einem Ziel beinhaltet, so beginnen tausend Schritte mit dem ersten. Dem Ziel kommen wir durch immer intensivere Liebe zum Ewigen näher.

Zweierlei Christen

Offb. 11,1-2 „Und es wurde mir ein Rohr gegeben, einem Messstab gleich, und mir wurde gesagt: Steh auf und miss den Tempel Gottes und den Altar und die dort anbeten.

Aber den äußeren Vorhof des Tempels lass weg und miss ihn nicht, denn er ist den Heiden gegeben; und die heilige Stadt werden sie zertreten zweiundvierzig Monate lang.“

Der Tempel von dem die Offenbarung spricht, ist, wie alle jüdischen Tempel, eingeteilt in Vorhof, Heiligtum und Allerheiligstes. Das Heiligtum ist ein geschlossener Raum, in dem der siebenarmige Leuchter und die Schaubrote sich befinden. Der Leuchter ist ein Symbol für die sieben Geister Gottes. Mit anderen Worten: Das Heiligtum ist ein Abbild der unsichtbaren Welten, in denen man nur mit den Augen des Geistes schauen und erkennen kann.

Hier befindet sich die geistige Nahrung, die den Menschen geistlich wachsen lässt.

Das Allerheiligste ist völlig dunkel, und damit ein Abbild des ewigen Seins, das keine Gestaltung aufweist und aus dem alles, was ist, entstanden ist und entstehen wird.

Der Vorhof entspricht der sinnlichen Welt, also der äußeren Welt.

Als Christen ist es unsere Aufgabe, von der äusseren Welt in die inneren Welten einzugehen, denn der Vorhof wird zertreten werden.

Man wird erinnert an Matth. 5,13, wo es heißt: Ihr seid das Salz der Erde; wenn aber das Salz fade geworden ist, womit soll es gesalzen werden? Es taugt zu nichts mehr, als hinausgeworfen und von den Menschen zertreten zu werden.“

Da unser Blick ganz natürlich auf das Sinnlich-Sichtbare, Sinnlich-Hörbare gerichtet ist, muss uns das Geistige auch in dieser Welt begegnen. Das geschieht zum Beispiel durch die Bibel, das geschriebene Wort. In ihr wird uns berichtet, wie Gott, mittels seiner Engel (Apg. 7,38)  und zuletzt durch Jesus Christus Heilsgeschichte schrieb.

Es geht also nicht nur um eine äussere Information über das Heilsgeschehen, über Gott, die Beschäftigung mit der Bibel, sondern das Ziel ist, dass diese äussere Beschäftigung mit dem „Wort Gottes“ zur Öffnung unseres inneren Erkenntnisvermögens und zu einem Erleben der vielfältigen Hilfe Gottes führt.

Aber die meisten Christen sind wohl Vorhofschristen. Sie sind ständig mit ihren eigenen irdischen Belangen beschäftigt. Beten zwar kurz um diese oder jene Hilfe im alltäglichen Leben. Lesen natürlich regelmässig die Bibel, besuchen Gottesdienste und Bibelstunden, ja sind vielleicht sogar als Prediger und Evangelisten hauptberuflich tätig – und doch wissen sie nichts von Gott. Sie haben keine Erkenntnis der Wahrheit, wissen nicht, wer sie sind. Alles was sie „wissen“, wissen sie nur, weil sie es gelesen haben…

Aus diesem Grund, stößt alles, was sie sagen, auf taube Ohren. Es ist nicht echt. Nicht kraftvoll.

Das Salz ist fade geworden.

Wahrer Glaube

Der christliche Glaube war noch ganz jung, und doch hatte der Schreiber des Hebräerbriefes Entscheidendes zu bemängeln. Da waren Christen, die eigentlich hätten Lehrer sein sollen, denen man aber selbst erst wieder die Anfangsgründe beibringen musste, die immer noch der Milch bedurften (Hebr. 5, 12). Gar nicht auszudenken, was er über uns heutige Christen zu sagen hätte! Denn wie definierte er Glauben? – Als eine Bekenntnisbewegung? Als sozialer Dienst? Ach, wo! Für ihn war Glaube „eine Verwirklichung (hupostasis) dessen, was man hofft, eine Überzeugung, von Dingen, die man nicht sieht.“ (Hebr. 11,1) und er fügt auch hinzu, dass Gläubige sich an Glaubenshelden – also Menschen, die der Glaube zu etwas befähigte – orientieren sollten. Er zählt da auf: Henoch, Noah, Abraham, Jakob, Mose usw. (Hebr. 11). Wahrer Glaube bringt eben das Noch-Nicht-Sichtbare in unsere sinnliche Welt. Ganz im Sinne Christi: „Dein Reich komme, Dein Wille geschehe…“ und „Wer an mich glaubt, der wird auch die Werke tun, die ich tue und wird größere als diese tun, weil ich zum Vater gehe.“ (Joh. 14,12) Wahrer Glaube hat handfeste Auswirkungen. Wenn er die nicht hat, dann ist er tot, d.h. dann bildet man sich möglicherweise ein, zu glauben, aber man glaubt nicht wirklich (Jak. 2,26).

Der Bedrohung durch die reale Welt, die auch durch Christus nicht anders geworden ist, und in der wir alle Angst haben (Joh. 16,33), muss eine wirkliche Kraft entgegengesetzt werden, damit wir von dieser Angst nicht nur nicht zermalmt werden, sondern auf der Erde auch innerlich frei und glücklich leben können, und auch in uns die „Werke des Teufels“ (1. Joh. 3,8), als da sind „jede Krankheit“ , ob psychisch oder somatisch, zerstört werden (Apg. 10,37-38). Wichtiger als alles Reden von der Erlösung ist, dass wir auch immer mehr als Erlöste, als Losgelöste von den Anhaftungen an die Dinge dieser Welt leben (1. Joh. 2,15). Gerhard Tersteegen drückte das so aus:

Wer Vergnügen in Gott haben will, darf es in den Kreaturen nicht mehr suchen; und wer Vergnügen in den Kreaturen haben will, wird es in Gott nicht finden.“

Die Notwendigkeit der Stille

Wir werden aber niemals einer wirklichen Nachfolge gerecht, wenn wir immer nur auf ein sola gratia, sola scriptura – allein die Gnade, allein die Schrift(Bibel) pochen. Die Gnade ist allein zur Veränderung unseres ganzen Wesens gegeben, nicht zur Begnadigung ohne Veränderung. Und was die Schrift anbelangt: Selbst Jesus hat sich nicht mit dem geschriebenen Wort zufrieden gegeben, sondern in der Stille unmittelbare Erleuchtung durch den Vater gesucht. Paulus, der ein guter Schriftkenner war, zog sich in die Wüste zurück, um belehrt und gestärkt zu werden, die Apostel überließen den äußeren Dienst den Diakonen, um genügend Zeit für den Umgang mit Gott zu haben. Die frühen Christen zogen sich in die Wüste zurück und führten ein monastisches Leben.

Das alles wurde als notwendig angesehen. Aber wir wollen das Höchste quasi nebenbei erledigen. Wir sind durchaus bereit, anzuerkennen, dass man für einen hohen weltlichen Beruf viele Jahre studieren muss, aber für ein wirklich fundiertes geistliches Lernen, wie es aus einer echten Nachfolge erwächst, haben wir keinen Sinn.

Kein Wunder, dass unsere Theologie nichts taugt, denn sie ist ohne Erkenntnis. Ohne Erkenntnis aber hat der Glaube keine Kraft. Augustinus wusste das noch: “Zwar vermag niemand an Gott zu glauben, wenn er ihn nicht irgendwie auch erkennt. Doch wird er durch den Glauben geheilt, damit er w e i t e r e Erkenntnis empfange. Es gibt manches, was wir nicht zu glauben vermögen, wenn wir es nicht erkennen, und wieder anderes, das wir nicht zu erkennen vermögen, wenn wir es nicht glauben.”

Echter Glaube kann deshalb nur von wirklich Glaubenden und wirklich Erkennenden gelehrt werden. Deshalb schickte der christliche Sadhu Sundar Singh niemanden zu denen, die keine Erfahrungen hatten, denn “das Christentum umfasst viele Wahrheiten, die wir nicht verstehen, wenn wir sie bloß aus Büchern kennen lernen. Sie werden nur dadurch verständlich, dass wir sie erleben. Das Christentum ist keine Buchreligion, sondern eine Religion des Lebens.“ Desgleichen der Pietist Johann Arndt „Viele meinen, die Theologie sei nur eine bloße Wissenschaft und Wortkunst; da sie doch eine lebendige Erfahrung und Übung ist.“

Wer Gott wirklich liebt, der will ihn nicht auf Distanz halten, sondern ein immer intimeres Verhältnis zu ihm. Genauso, wenn sich im Irdischen zwei Menschen lieben. Deshalb ist allein die Mystik Ausdruck höchster Frömmigkeit. Zum Glück wird das heute wieder mehr und mehr erkannt.

Zutreffend sagte Karl Rahner, dass der Christ der Zukunft ein Mystiker sein wird, oder aber er wird nicht mehr sein.