Widerstand gegen Gottes Wirken

Als ich zum Glauben kam, und deshalb mein Leben an Jesus Christus übergab, trat neben der persönlichen Hoffnung ein Leiden am Zustand der eigenen Gemeinde. Genauer, da ich noch ein Jugendlicher war, an den Jugendstunden. Denn unser Pastor war durch die historisch – kritische Methode, durch Bultmann, geprägt. Eine wirkliche Glaubensvermittlung fand deshalb nicht statt.

Das hatte mich bisher überhaupt nicht gestört. Aber nun sollte ich ein Buch über den kolumbianischen Priester Camillo Torres besprechen, der zum Guerillero, zum (bewaffneten) Freiheitskämpfer wurde. Mit diesem Weg konnte ich nicht konform gehen. Das führte dazu, dass ich wenig später eine eigene Jugendstunde hielt, in der ich zeigte, was wahrhaft revolutionär war: der echte Glaube, der zur Veränderung der eigenen Person führte. (Übrigens machte ich damals – 1974 – bereits auf die Aktualität von Offb. 13, 16-17 aufmerksam, indem ich von der bevorstehenden Abschaffung des Bargeldes sprach. Wahrscheinlich als Erster überhaupt.)

Die Jugendstunde polarisierte. Die einen waren angetan bis begeistert, einige aber meinten sogleich, dass ich ein falscher Prophet sei.

Nach dem Wehrdienst ohne Waffe („Bausoldat“) in der NVA, wurde ich von Jugendlichen in einen noch nicht lange bestehenden Gebetskreis eingeladen. Dieser war als Folge des charismatischen Aufbruchs entstanden. Das Flämmchen, das da brannte, wollte man aber sogleich wieder ersticken. Eine heftige Polemik seitens des Pastors begann. Dieser hatte den bisherigen abgelöst, war aber ebenso von der modernen Theologie geprägt. Nachdem so, völlig entstellt, in der Gemeinde bekannt wurde, dass wir mit dem aktuellen Wirken Gottes rechneten – was eigentlich für jeden Gläubigen selbstverständlich sein sollte – war bei vielen Angst zu spüren. Es könnten ja die eigenen Sünden aufgedeckt werden. Man könnte die Kontrolle über das eigene Leben verlieren. Gott könnte einen drängen, Dinge zu tun, die man nicht tun wollte, und was der Befürchtungen mehr gewesen sein mögen.

An eine Erneuerung unserer Gemeinde aus der Kraft des Heiligen Geistes war bald nicht mehr zu denken. Aber so erging es ja nicht nur der unseren. Zu sehr war man gewohnt, dass Gott nichts tat, und man wollte auch nicht, dass es anders sei. Das ist bis heute ein Hauptgrund für die Ablehnung jeglichen geistlichen Aufbruchs. Von dieser Warte aus hat man es natürlich leicht, die Auswüchse charismatischer oder pfingstlicher Frömmigkeit zu kritisieren, und alles Lebendige zu verdammen. „Nein, wir wollen nicht werden, wie diese.“

Gewiss, vieles ist abstoßend, aber dieses Abstoßende existiert eben nicht, weil man sich auf einen falschen Weg begeben hat, sondern weil man zu wenig Unterscheidungsvermögen hat, was wiederum auf einen Mangel an übersinnlicher Erkenntnis beruht.

Echter Glaube ist enthusiastisch und überwindet alle Hindernisse. Er ist auch nicht einseitig. Also nicht nur auf Sofortheilung und Wunder aus, sondern auch auf Wachstum und Durchblick.

Möge uns allen solcher Glaube geschenkt werden!

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