Du kannst Dich ändern…

Falsche Ansätze

Dass die Menschheit im Argen liegt, war schon immer offensichtlich. In der Neuzeit kam man auf die Idee, dass der wissenschaftliche Fortschritt im Verein mit den technischen Mitteln die Erde in ein Paradies verwandeln könnte. Diesem Wahn hängt man heute immer noch an, aber eher mehr aus Gewohnheit und ökonomischen Sachzwängen.

Der Marxismus erkannte wenigstens, dass der Mensch geändert werden müsse, und man glaubte ein neuer Typus würde dadurch entstehen, dass die Wirtschaft in die Hände der Produzierenden gelange. Aber der Ostblock brachte keinen neuen Menschen hervor. Doch immer noch meint man, eine gerechtere Verteilung des Reichtums würde die menschlichen Probleme lösen.

Allen diesen Vorstellungen ist gemein, dass der Mensch die Lösung seiner Probleme im Außermenschlichen sucht. Im Grunde heißt das ja, ich bin gar nicht das Problem, sondern die Natur, die wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse sind es. Und wenn man merkt, es ist doch der Mensch, dann ist es natürlich der Andere, der sich ändern muss (sehr gut im Ehestreit anschaulich!).

Selbstbetrug vieler Christen

Von dieser Projizierung des Übels und der Lösung desselbigen auf Außermenschliches ist natürlich der christliche Glaube nicht ausgenommen. Dieser Selbstbetrug, den jeder von uns Menschen fast triebhaft in jedem Augenblick vollzieht, muss durchschaut werden!

Zwar gibt jeder Christ zu, dass er ein Sünder ist und der Erlösung bedarf – aber damit hat es sich auch schon…

Wem ist wirklich gegenwärtig, dass Erlösung nichts anderes heißen kann als Erlösung vom Sündersein ? D.h. ich, Du musst grundlegend geändert werden, ich und Du, wir müssen uns ändern. Das ist die vordringlichste und unausweichliche Aufgabe eines jeden Menschen!

Da es eben eine grundlegende Sache ist, kann ich mich natürlich auch nicht ändern, indem ich die Gebote halte und „gute Werke“ tue. Gebote und Gesetze müssen ja nur denjenigen gegeben werden, deren innere Natur gegen diese rebelliert. Menschliche Ordnungen können deshalb nur durch Gebote und Gesetze (s. Staat) aufrechterhalten werden. Eine Lösung der menschlichen Probleme sind sie nicht. Da muss man tiefer ansetzen.

Der Mensch kann nur dadurch ein neuer Mensch werden, wenn alles aus einer neuen Grundlage hervorgeht. Nur aus einem Apfelkern geht ein Apfelbaum hervor, aus einem Pinienkern eine Pinie.

Auf den Menschen übertragen heißt das: nur aus Deiner Identifikation mit dem physischen Körper gehen Sünde und Tod hervor. Das beinhaltet natürlich auch die ganz natürliche Identifikation mit dem, was Du bisher im Leben erlebt und erfahren hast, die Identifikation mit Deinen Gefühlen, Vorlieben und Abneigungen. Das alles ist Deine Vergangenheit. Wer aber zurückschaut, ist nicht geschickt zum Reich Gottes (Lk. 9,62).

Wenn Du Dich aber identifizierst mit Deiner Unsterblichkeit, dann gehen aus ihr nur Klärung, Reinigung, Gesundung, Heiligung und Heiligkeit hervor.

Das alles geht natürlich nur allmählich, wachstümlich, wie bei einem Baum, der ja auch nicht schon beim ersten Sproß Frucht bringt.

Aber Du musst nicht denken, dass Du deshalb die Hände in den Schoß legen kannst. Christen, die ein falsches Gnadenverständnis haben, meinen, sie müssten sich nicht wirklich grundlegend ändern, sondern es genüge, sich nach dem Tod auf das „Sühneopfer Christi“ zu berufen, und das würde ihnen ewige Glückseligkeit sichern.

Merken wir, wie sich hier wieder der große Selbstbetrug, von dem wir am Anfang sprachen, meldet?

Wieder bin ich es nicht, der sich ändern muss, sondern ich erwarte das Heil von einer neuen Umgebung, in die ich quasi durch eine Zauberformel oder durch ein Losungswort (so, wie man durch das richtige Losungswort Zugang zu verschlossenen Gesellschaften erhält) versetzt werde. Der Tod, obwohl in der ganzen Bibel negativ bewertet, wird zur wahren Erlösung umfunktioniert.

Christus spielt eigentlich eine ganz untergeordnete Rolle, eben die eines Lösungswortes. Nichts weiter!

Dabei könnte doch hinreichend bekannt sein, dass eine neue Umgebung wirklich nichts am Charakter eines Menschen ändert. Aus allen Mitteilungen, die wir von im Glauben fortgeschritterneren Menschen über das Leben nach dem Tod, erhalten haben, geht genau das hervor.

Du bist und bleibst eben das, was Du wirklich bist, was also wirksam in Dir lebt, und nicht was Du glaubst. Glaube ist nur ein Mittel, das Dir auf Erden zur Verfügung steht, damit Du Dich ändern kannst, also wodurch langfristige, neue Wirkungen möglich werden.

Entsprechend Deinen wirklichen Qualifikationen wird sich Dein Leben nach dem Tod gestalten.

Der eine bringt 30-, 60- oder gar 100-fältig Frucht, hat wenig oder viel mit seinen Talenten gewuchert. Entsprechend ist sein Lohn, d.h. das rechte Leben ist der Lohn selbst, wie das sündige Leben auch der Lohn selbst ist. Bei beiden ist das nicht sofort offensichtlich. Sünde kann lange Zeit Spaß machen, später wird erst die Kehrseite sichtbar. Richtig zu glauben und zu denken, kann länger anscheinend vergeblich sein, bis man merkt, dass sich etwas Neues gebildet hat, ein neuer Tragegrund, eine wirkliche Gelassenheit, wo man vorher ungelassen blieb.

Worauf es ankommt

Glauben ist ARBEIT AN SICH SELBST. Die Gnade besteht einzig darin, dass uns alle Mittel zur Verfügung stehen, um diese Arbeit zum Erfolg führen zu können.

„Arbeit“ klingt nach Anstrengung und hat hier eigentlich keinen Platz. Wenn ich trotzdem diesen Begriff in Ermangelung eines besseren verwende, dann deshalb, weil wir genötigt sind, zu arbeiten.

Genauso wenig können wir uns der Nötigung entziehen, uns zu ändern, wenn wir einmal ewig glücklich sein wollen.

Worin aber besteht das Wesen dieser Arbeit an sich selbst? – Sie besteht gerade darin, dass wir lernen total gelassen, völlig sorglos zu werden, völlig entspannt durchs Leben zu gehen! Das fällt nämlich dem natürlichen Menschen am schwersten. Denn das Äussere bedrängt uns, und deshalb sind wir permanent unruhig. Ständig denken wir, dass wir etwas machen müssen.

Als Christen sind wir erlöst. Deshalb gibt es für uns überhaupt nichts mehr zu tun. Im Bewusstsein dessen, dass es nichts mehr zu tun gibt, können wir in die heilsame Ruhe eingehen (Hebr. 4,3), und wenn uns das gelungen ist, haben wir ewig Ruhe! Vorher nicht…

Da es in diesem Sinne sehr viel zu tun gibt, ist Zeit das kostbarste Gut, das wir haben. Deshalb ist es unverständlich, dass viele Christen ihre Zeit mit allerlei Unnötigem vertändeln (Eph. 5,16). So wird man am Ende des Lebens nicht viel weiter gekommen sein, als am Anfang.

„Betet ohne Unterlass.“ (1. Thess. 5,17) – damit ist natürlich nicht gemeint, ständig in Worten irgendwelche Bitten vorzubringen, sondern im ständigen Bewusstsein unserer wahren Natur zu leben oder über diese zu meditieren.

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Die Abweichung vom Ursprung

 Pornographie als Beispiel

Wenn man keine Erfüllung im Ewigen findet, sucht man es anderswo. Das ist für jeden Ungläubigen normal. Aber für einen Christen? Da stimmt doch etwas mit dem Begreifen und der Vermittlung des Evangeliums nicht. Wie anders ist es zu erklären, dass viele Christen Pornographie schauen, ja selbst Prediger und Pastoren?
Bei einer freiwilligen Umfrage im Internet gaben 50 % aller christlichen Männer und 20 % aller christlichen Frauen an, von Pornographie abhängig zu sein. 60 % Prozent der Frauen, die bei der Befragung antworteten, gaben zu, bedeutende Kämpfe mit Lust zu haben, 20 % der zur Kirche gehenden weiblichen Befragten kämpfen mit dem beständigen Anschauen von Pornographie.
(Ergebnisse einer ChristiaNet Untersuchung, berichtet von Marketwire.com, 07.08.06, Clay Jones)
Bei einer Befragung von über 550 christlichen Männern auf einem Männerseminar gaben über 90 % an, dass sie sich von Gott getrennt fühlten wegen Lust, Pornographie oder Phantasien, die sich in ihrem Leben festgesetzt hatten. (http://newmanmag.com Juli/August 2003). Diese erschütternden Statistiken könnten sicher noch beliebig vermehrt werden, aber sie genügen, um einen Einblick in die Seelenlage vieler Gläubigen zu erhalten. Da klingt jedes Gerede von der Erlösung durch Jesus Christus wie blanker Hohn.
Hier fehlt es ganz eindeutig an christlicher Substanz. Dass immer weniger Menschen vom christlichen Glauben etwas wissen wollen und die Kirchen verlassen, ist notwendige Konsequenz davon. Die Substanzlosigkeit aber offenbart sich nicht allein auf dem Gebiet des Sexuellen, sondern überall im christlichen Glauben. Wo es am Wesentlichen fehlt, nämlich in der Freude, im Glück am Herrn, fehlt es an allem.

Christen leiden an Unterernährung

Der christliche Glaube ist schwach, weil Christen an Unterernährung leiden – aber auch noch diesen Zustand für normal halten, weil er schon so lange andauert. Man hat keinen Bedarf, etwas daran zu ändern. Diese Lage entspricht genau der der Gemeinde von Laodizea in der Offenbarung des Johannes (Offb 3,14-22). Dieser Gemeinde wird empfohlen „Augensalbe“ zu kaufen, damit sie sehend werde (V. 18). Was bedeutet das? Die Gemeinde und ihre Leiter sind blind ! Sie sind blinde Blindenführer! Ist das nicht erschütternd? Da wird in den Kirchen und Gemeinden überall vor Verführung gewarnt. Und wo sieht man nicht überall den Feind? In der Esoterik, im Okkultismus, in der Mystik, in der Wissenschaft, in der Philosophie – kurz in allem, das anders ist, als dem, was wir für richtig befinden! Aber die Verführung ist mitten unter uns. Sie ist in uns selbst. In jedem einzelnen! An uns ist es, sich das einzuzugestehen und nach Veränderung zu streben (V. 19).

Die Kontinuität der Fehlentwicklungen

Die Fehlentwicklungen des Christentums begannen schon sehr früh. Sie begannen bereits zur Zeit der Apostel. Aber sie konnten diesen noch einen gewissen Einhalt gebieten. Das musste sich naturgemäß ändern, wenn Männer von geringerem Format als diese, und demzufolge von geringerem Verständnis, die Geschicke der Gläubigen leiteten.

Der Bischof Polykarp, der Paulus noch persönlich kennenlernte, gesteht bereits, dass er vieles nicht begreife. „Brüder, nicht ich selbst habe es mir herausgenommen, euch dies über die Gerechtigkeit zu schreiben, sondern (ich tat’s,) weil ihr mich dazu aufgefordert habt. Denn weder ich noch sonst einer meinesgleichen kann der Weisheit des seligen und berühmten Paulus gleichkommen, der persönlich unter euch weilte und die damaligen Leute genau und untrüglich unterrichtete im Worte der Wahrheit, der auch aus der Ferne euch Briefe schrieb, durch die ihr, wenn ihr euch genau darin umsehet, erbaut werden könnt in dem euch geschenkten Glauben;“ (Brief des Polykarp von Smyrna an die Gemeinde von Philippi 3,1-2.)

Ein anderer Bischof durchreist Kleinasien, nur um sich wegen ein paar Feiertage abzusprechen. Gab es denn nichts Wesentlicheres zu tun ? Eben hatte man noch vom bedeutendsten Ereignis der Menschheitsgeschichte gehört und dann ist einem schon etwas anderes wichtig…
Der Abstieg von der Anfangshöhe christlichen Glaubens setzte sich bis in unsere Zeit kontinuierlich fort. Wohl gab es hin und wieder auch Aufschwünge, aber nie mehr wurde der Glanz der frühen Zeiten erreicht. Die Entfaltung des Reichtums, der uns in Christus gegeben ist (Kol 2,3), unterblieb weitgehend.

Die Verkehrung des Evangeliums

Das Ziel der Gläubigen wurde immer weniger, dass sein Reich, das „nicht von dieser Welt“ und deshalb unsichtbarer Natur ist, komme (Jo. 18,36, Mt. 6,10), sondern sich eines Platzes im Leben nach dem Tod, das man als „ewiges Leben“ missverstand, zu versichern. Wollte man dies zunächst noch durch einen bestimmten Lebenswandel erreichen, so sollte ab Luther allein die Gnade genügen, um nach dem Tod ins „Himmelreich“ eingehen zu können.
Aus der „engen Pforte“ wurde enges Denken, aus dem Jagen nach der Heiligung – ohne die niemand den Herrn schauen wird (Hebr. 12,14), wurde gemütlich – bürgerliches Leben, aus einem erfüllten, sinnvollen Leben im Hier & Jetzt, wurde Erlösung durch den Tod. Christen verbannten Christus immer mehr von der Erde!
Nicht länger war er das, wozu er gekommen war: Neues, erlöstes Leben, das sich mittels des Glaubens und der Erkenntnis, Erfüllung bringend und Krankheit und Tod überwindend, in uns entfalten wollte (Mt, 13,33). Eine größere Abweichung vom ursprünglichen Glauben konnte es nicht geben!
Verwundert uns also noch, dass immer weniger Menschen von Christus wissen wollen?