Seid vollkommen!

Ein großer Stein des Anstoßes unter denen, die Christen sein wollen, ist die Aufforderung Jesu „Seid vollkommen, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist.“ Mt. 5,48 . Mit diesem Satz konfrontiert, heißt es sogleich, dass kein Mensch vollkommen sein kann. Also wird dieses dezidierte Wort Gottes vollkommen ignoriert. Dagegen mag man vielen Wert darauf legen, dass die Mitbrüder und -schwestern ja an die Personalität eines Teufels oder ein wortwörtliches Sechstagewerk glauben… Größer kann die (unbewusste) Heuchelei nicht sein. Man macht sich und anderen etwas vor.

Wenn Jesus uns auffordert vollkommen zu sein, dann hat uns Gott auch die Befähigung dazu geben. Sonst würde eine solche Aufforderung keinen Sinn machen. Der erste Schritt muss deshalb sein, zu glauben, dass ich vollkommen sein kann. Denn kein Mensch wird etwas in Angriff nehmen, was ihm aussichtslos erscheint.

Wer in der Heiligung etwas fortgeschritten ist, erkennt möglicherweise sogleich, dass jeder Mensch ontologisch gesehen, bereits vollkommen ist. Jedes Lebewesen ist ein spezifischer Ausdruck des Lebens an sich. Das Leben ist vollkommen. Das Leben ist ewig. Es ist Gott (Vater).

Nur auf dieser Grundlage kann Gott uns das geben, was in der Bibel als „ewiges Leben“ bezeichnet wird. Denn das, was wir bisher erfuhren als lebendige Wesen, bezeichnet die Bibel als Tod (Eph. 2,21). Wer leidet oder anders mit seinem Dasein unzufrieden ist, drückt genau das aus. Er sagt vielleicht: „Das ist kein Leben mehr, was ich jetzt lebe. Es ist ein Sch…leben!“

Alle Menschen leben ewig. „Ewiges Leben“ haben aber nur die, die sich von der Vollkommenheit bestimmen lassen. Nur die werden auch vollkommen werden, d.h. ins Leben eingehen (Mt. 19,17).

Es ist damit also jene Qualität des Lebens gemeint, die im Einklang mit dem Leben an sich ist.

Der neue Mensch

Es wurde gesagt, das Leben an sich sei vollkommen. Was heißt „vollkommen“? Es heißt, es bedarf nichts außerhalb seiner selbst. Im Vollkommenen ist keinerlei Mangel.

Genau ein solches Leben der Fülle, das keinerlei Mangel mehr kennt, ist uns gegeben und wird immer mehr zur Erfahrung, wenn wir uns am Ewigen genügen lassen und damit allen Mangel aufgeben, den der natürliche Mensch am Leben hält, indem er ständig denkt: „Ich habe dies nicht, ich habe das nicht. Mir fehlt dies, mir fehlt das. Das kann mir schaden. Das kann mir nutzen.“

In Wahrheit benötigen wir nichts aus dieser Welt oder der Schöpfung überhaupt. Dadurch, dass wir ewig sind, sind wir vollkommen und haben keinerlei Mangel.

Wir bleiben andererseits ewige Mängelwesen, wenn wir diese unsere Wahrheit nicht erkennen und leben; wenn wir nicht unsere Bestimmung erfüllen. Durch Glauben an unsere Vollkommenheit wird unsere menschliche Natur in die göttliche Natur transformiert, wie sie Jesus in seiner Auferstehung zum Ausdruck brachte.

Jesus Christus ist der wahre Mensch. Nur deshalb konnte er sagen: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.“ (Joh. 14,6). Er ist das, was ich bin. Auch ich bin das Leben, denn das sich seiner selbst unbewusste Leben will sich in mir seiner Herrlichkeit bewusst werden, wie es das dem Leben bereits in Jesus gelang, in dem er sich mit dem Vater, und nicht mit dem Leib (wie es der natürliche Mensch tut) identifizierte (Jo. 10,30).

Nur im Menschen kann sich das Leben seiner selbst bewusst werden.

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Erwachsen werden

 

Und er hat die einen als Apostel gegeben und andere als Propheten, andere als Evangelisten, andere als Hirten und Lehrer, zur Ausrüstung der Heiligen für das Werk des Dienstes, für die Erbauung des Leibes Christi, bis wir alle hingelangen zur Einheit des Glaubens und der Erkenntnis des Sohnes Gottes, zur vollen Mannesreife, zum Maß der vollen Reife Christi.

Denn wir sollen nicht mehr Unmündige sein, hin- und hergeworfen und umhergetrieben von jedem Wind der Lehre durch die Betrügerei der Menschen, durch ihre Verschlagenheit zu listig ersonnenem Irrtum. (Eph. 4, 11-13)

Kommt das überhaupt noch in unseren Blick, das, was der Apostel da schreibt, die Mannesreife, das Maß der vollen Reife Christi? Brüsten sich im Gegenteil nicht viele ihrer Unvollkommenheit und ihres Versagens und dass sie doch nur durch Christi Gnade in den Himmel kämen? – Ja, wozu sind wir dann überhaupt von neuem geboren, von „oben“ geboren worden  ?

Kinder Gottes zu sein, bedeutet aus dem gleichen Geschlecht zu stammen wie Jesus Christus (Joh 1,13). Als neue Schöpfung (2. Kor 5,17) sind wir nicht mehr dem „Menschlich-Allzumenschlichen“ unterworfen. „Fleisch und Blut“, d.h. die Identifizierung mit unserem physischen Körper und seinen Bedürfnissen, soll nicht mehr bestimmend für uns sein. Wir sollen in der Kraft Gottes leben, durch die wir alles vermögen (Phil 4,13)!

Mit unserem geistlichem Wachstum sollte es sich nicht anders als bei einem gesunden natürlichen Wachstum verhalten. Das Menschenkind ist dazu bestimmt, laufen und sprechen zu lernen. Es soll lernen, sich in der natürlichen Welt zurechtzufinden, ohne fremde Hilfe leben und selbstständig Aufgaben erledigen zu können. Erst wenn es das alles kann, ist das Ziel der Geburt erreicht.

Auch wenn das Kind immer wieder im wörtlichen und später im übertragenen Sinne, hinfällt, kommt ihm gar nicht in den Sinn, dieses Versagen als seine eigentliche Natur zu betrachten. Im Gegenteil, es freut sich über jeden Fortschritt, den es macht. Wie freut sich besonders ein Kleinkind! „Schau Mutti, schau Vati, was ich alles kann!“ Natürlich gibt es auch im natürlichen Leben Menschen, die sich als Versager fühlen. Doch je mehr sie sich mit dem Versagen identifizieren, umso unfähiger werden sie.

Kein gesunder Mensch kommt auf die Idee, besonders schlecht zu sein, damit anderen Menschen die Ehre zukommt, gut dazustehen und auf ihn herabzusehen!

Aber in Glaubensdingen meint man Gott dadurch die Ehre zu geben, dass man als Versager, als ständig armer Sünder dasteht!

Nein, und abermals Nein! Man gibt Gott die Ehre, wenn man seine Taten tut, sein Wesen verkörpert. Und das kann man eben nur, wenn man sich bewusst ist, wer man ist: Ein Kind Gottes, nicht mehr der Mensch aus Fleisch und Blut!

Ein Kind kann noch nicht begreifen, wer es wirklich ist. Es weiß noch nicht, was das Menschsein ausmacht. Ohne die Hilfe Erwachsener kann es nicht wirklich Mensch werden. Ebenso wenig kann der Babychrist ohne die Hilfe fortgeschrittener Christen reifen, ja zur vollen Mannesreife in Christo kommen.

Aber, was ist es, was wir heute erleben? – Eine zerrissene Christenheit mit einer Unzahl von Lehren und Meinungen. Überall nur Unmündigkeit! Babychristentum!

Wo sind die Christen, die Gewisses  über Glaubensdinge, über die spirituellen Zusammenhänge, sagen können? Wo sind die Christen, die ein übernatürliches Leben leben und Wunder tun?

Hört auf, Euch selbst zu betrügen! Ihr, die ihr meint rechtgläubig zu sein, ihr seid nicht reich, sondern arm. Kauft Augensalbe, dass ihr sehen könnt!

Ich rate dir, dass du Gold von mir kaufst, das im Feuer geläutert ist, damit du reich werdest, und weiße Kleider, damit du sie anziehst und die Schande deiner Blöße nicht offenbar werde, und Augensalbe, deine Augen zu salben, damit du sehen mögest.“ (Offb 3,18)