Was heißt es, an „Jesus zu glauben“ ?

Kein Wort ist vielleicht so vielen Missverständnissen ausgesetzt, wie der Begriff „Glaube“. Dazu haben die Kirchen und Gemeinden erheblich beigetragen. Heute versteht man darunter in der Hauptsache nur: etwas für wahr halten, eine Sache für zutreffend halten, obwohl sie der – zumindest eigenen – Erfahrung widerspricht. So haben viele Christen keine Schwierigkeit, an die Jungfrauengeburt oder die Wunder Jesu zu glauben. Schwierig wird es erst, wenn man daran glauben soll, dass man z.B. von der eigenen Krankheit durch Glauben gesund werden, oder, dass man durch Glauben wesentliche Veränderungen in der eigenen Psyche hervorrufen kann. Allein Veränderung ist Sinn und Zweck des Glaubens! (Hebr. 11,1)

So zeigt sich letzten Endes, dass Christen nicht viel gläubiger sind als Nichtchristen. Der Bibel zu glauben, ohne dass sich das eigene Leben dadurch tiefgreifend ändert, ist nichts anderes als Leichtgläubigkeit. Er steht auf einer Stufe mit dem, der an Zeitungshoroskope glaubt.

UNGLAUBE, der sich fromm maskiert, ist das größte Problem der heutigen Christenheit.

Was der Leichtgläubige will

Wie in vorchristlichen Zeiten bittet man Gott um nichts anderes, als um sein Wohlwollen in persönlichen Angelegenheiten, und im übrigen meint man, durch oben genannte Leichtgläubigkeit, die man Bekenntnis zu Bibel und Jesus nennt, in den Himmel zu kommen. Andere aber, die möglicherweise gewissenhafter und liebevoller sind als man selbst, bescheinigt man, in der Hölle zu landen, da sie nicht an Jesus glauben. Doch bei Gott gilt kein Ansehen der Person (Rö 2,11), d.h. er ist objektiv. Es wird also niemand bevorzugt, weil er „an Jesus“ glaubt, sondern ein jeder Mensch wird nach seinen Werken gerichtet, nämlich nach dem, was er faktisch ist (Rö 2,6). Denn das Tun macht den Menschen. Durch dieses unterscheidet sich ein jeder vom anderen.

Im christlichen Glauben geht es nicht um ein Leben nach dem Tod. Das hatten die Menschen schon immer, sondern um ein vom Tod, und das heißt ein vom Irrtum, und damit von Zielverfehlungen befreites Leben (Rö 8,6).

Der tiefste Antrieb

An Jesus zu glauben heißt also, zu werden wie er! (Rö 8,29; 2. Ko 3,18, Eph 4,14) Das aber ist allein möglich, wenn man wirklichen Glauben hat, und nicht nur leichtgläubig ist.

Voraussetzung dafür ist aber, dass dieses Ziel überhaupt für mich attraktiv ist und ich es für erreichbar halte. Sonst werde ich mich überhaupt nicht ausreichend damit beschäftigen, sondern mein Interesse anderen Dingen zuwenden. Ich muss also motiviert sein!

Motiviert für etwas, ganz gleich, was es ist, ist der Mensch aber nur dann, wenn das Ziel den eigenen Wünschen entspricht.

Wie aber kann in mir überhaupt ein Wunsch danach, wie Jesus zu werden, entstehen? Das ist nur möglich, wenn ich erkenne, dass das alle Probleme, die ich als Mensch habe, löst.

Um das zu erkennen, ist wiederum Selbsterkenntnis nötig. Ich kann Ihnen schon jetzt sagen, dass alles Handeln eines jeden Menschen kein anderes Ziel hat, als Lust zu erleben und Unlust zu vermeiden, oder anderes ausgedrückt, positive Zustände zu haben, negative zu meiden. Kurz: Ein jeder will glücklich werden und bleiben (1. Petr. 1,9).

Das hatte auch Nietzsche sehr gut erkannt, wie dieses Gedicht zeigt :

Doch alle Lust will Ewigkeit

O Mensch! Gib acht!

Was spricht die tiefe Mitternacht?

„Ich schlief, ich schlief -,

Aus tiefem Traum bin ich erwacht: –

Die Welt ist tief,

Und tiefer als der Tag gedacht.

Tief ist ihr Weh -,

Lust – tiefer noch als Herzeleid:

Weh spricht: Vergeh!

Doch alle Lust will Ewigkeit -,

– will tiefe, tiefe Ewigkeit!“

Gott gibt dem Menschen nicht ein Ziel, das der Mensch überhaupt nicht anstrebt, sondern er zeigt, wie der das tiefste Ziel – und von dem er gar nicht lassen kann – tatsächlich erreicht! Gottes Wille und Menschenwille sind zutiefst eins.

Wenn Sie das begreifen, ist schon die größte Hürde genommen, die Sie bisher hinderte, überhaupt an Jesus zu glauben oder als Erlöster zu leben. Ewiges Wohlbefinden ist eines jeden Menschen Ziel, und das kann eben nur verwirklicht werden, wenn man selbst ewig ist, denn von allem anderen ist man ja getrennt. In der sich stets erneuernden Freude darüber finden Sie die Kraft, sich von allen Wünschen, die sich auf raum-zeitliche Dinge beziehen, zu lösen.

Solange Sie aber nicht durchschauen, dass Ihre Wünsche, Ihre Vorlieben und Abneigungen in Bezug auf die Dinge dieser Welt nichts mit den Dingen selbst zu tun haben, sondern nur Projektionen ihrer Bewertungen sind, bleiben sie im Kreislauf der Vergeblichkeit gefangen, wenn sich auch hin und wieder ein Wunsch erfüllen mag. Was es auch in der Welt geben mag – nichts davon kann Sie glücklich machen. Nicht in den Gegenständen dieser Welt, einschließlich der Menschen, die sie lieben, steckt das Begehrenswerte. Alles ist nichtig und wertlos. Die Welt kann Sie nur enttäuschen – und das ist gut so!

Das Glück, die Erfüllung ist immer schon dagewesen, immer schon da und wird immer bleiben. Sie selbst, als ewiges Wesen, sind das Glück, die ewige Glückseligkeit. Nun müssen Sie nicht mehr suchen, können Sie die Welt und alle Dinge in ihr, einschließlich der Menschen, loslassen – und jetzt, da Sie nicht mehr durch die Wechselfälle des Dasein gestört und beunruhigt oder gar unglücklich gemacht werden, haben Sie ewigen Frieden und ewige Ruhe, von der die Bibel spricht. Jetzt haben Sie allumfassende, göttliche Liebe!

Zu werden wie Er bedeutet also in erster Linie nicht, herumzugehen und Menschen heilen, zu predigen oder Wunder zu tun, sondern erst einmal mit sich selbst , mit Gott und der Welt im Reinen sein, heil und ganz zu werden – zuerst nach der Seele und durch diese auf den Leib.

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