Sind der „schmale Weg“ und die „enge Pforte“ noch von Bedeutung?

Vielfach wird der Eindruck erweckt, dass man als Sünder, ohne also den schmalen Weg der Überwindung der Sünde gehen zu müssen, allein durch einen Gnadenakt Gottes in den Himmel kommen könne. Es genüge lediglich, sein allgemeines Sündigsein zu erkennen und zu bereuen. Dann schließe einen Gott freudig in seine Arme. Doch stimmt das?

Wenn ich mich verbrannt habe, weil ich meine Hand auf einen heißen Gegenstand legte, genügt es dann zu bereuen, dass ich das tat? Sind durch diese Reue die Schmerzen weg? Habe ich, wenn ich das beim nächsten Mal wieder tue, keine Schmerzen mehr ? Oder sollte die Reue nicht beeinhalten, dass ich eine solche Tat nicht wiederhole? – Was an diesem Beispiel ganz offensichtlich ist, leugnen wir in Bezug auf die Sünde.

Dadurch, dass ich meine Sünden bekenne und bereue, sind keinesfalls die Folgen der Sünde getilgt. Wenn also meine Sünde eine bestimmte Krankheit hervorrief, z.B. bei übermässigen Alkoholkonsum einen Leberschaden, so ist er damit nicht automatisch beseitigt. Reue ist lediglich ein Moment des Innehaltens im bisherigen Tun, ein Abstandnehmen von ihm, um sich in seinem Handeln neu zu orientieren. Jede Sünde – was ja nichts anderes ist als falsches Tun – hat negative Folgen. Deshalb kann es gar keinen anderen Weg geben als das Richtige zu tun!

Die Ursachen menschlichen Leides liegen eben im Menschen selbst, und deshalb kann eben nur jeder für sich allein seine eigenen Ursachen des Leides aufheben. Kein Mensch kann das für einen anderen tun. Auch Gott kann das nicht für dich tun.

Deshalb sind Himmel und Hölle keine Orte, die unabhängig vom Menschen existieren, sondern Lebensqualitäten. Man trägt so viel Himmel in sich, wie man Gutes, und so viel Hölle in sich, wie man Falsches in in sich trägt. Welche Qualitäten in welchem Maße man in sich birgt, kann im Erdenleben verdeckt sein. Da kann es einem Sünder so gut gehen, dass ein Frommer darauf neidisch werden könnte (Ps 73,2-4). Doch spätestens nach dem Tod werden die Folgen eines jeden Tuns offenbar. Kein Gnadenakt Gottes kann daran etwas ändern!

 

Aus allem Gesagten dürfte – wenn es verstanden wurde – hervorgehen, dass die Fülle des Lebens, die Herrlichkeit des Lebens, die ewige Glückseligkeit nur durch vollkommene Sündlosigkeit erreicht werden kann. Denn wenn man annähme, der Himmel sei ein harmonischer Ort menschlichen Zusammenlebens, dann muss doch ein solcher Himmel sofort unvollkommen werden, wenn nur ein Mensch mit der Veranlagung zur Sünde Eintritt fände. Denn um sich wirklich wohl zu fühlen, würde es den Sünder drängen, seine Sünde auszuleben. Er würde damit die Gemeinschaft stören.

Nun hört man heute immer wieder, man könne, zumindest auf Erden, nicht sündlos werden. Die Frage entsteht, wo will man es dann werden? Auf die Erde wurde doch das Evangelium gebracht, damit wir hier die Errettung annehmen!

Die freudige Botschaft lautet: Es gibt einen Weg aus allem Leid. Wir sind nicht verurteilt, immer leiden zu müssen. Aber den Weg müssen wir natürlich auch bis zu ENDE gehen!

Er beginnt damit, dass ich mich mit meiner göttlichen Natur (1. Jo 3,9) identifiziere und damit die bisherige Identifikation als ein Geschöpf unter vielen Geschöpfen überwinde. Denn mit der Identifikation mit dem sinnlich-wahrnehmbaren Leib ist man automatisch von Gott getrennt und damit der Existenzangst unterworfen. Für ein Geschöpf gibt es immer etwas, das stärker, mächtiger, größer, intelligenter usf. ist. Doch wenn ich göttlicher Natur bin, dann bin ich unüberwindbar.

Deshalb besteht der Weg eines Kindes Gottes, analog eines Menschenkindes, zur vollen Reife, d.h. zur vollen Entfaltung des göttlichen Wesens zu kommen (Eph, 4,13; Rö 8,29). Erst wenn man alle Abhängigkeiten vom Äusseren überwunden hat, kann man durch die „enge Pforte“ (Lk 13,24) ins Himmelreich gelangen. Erst dann hat sich alles Gute voll entfaltet.

Der Weg des Lebens ist durch den physischen Tod nicht beendet. Mit dem Tod ist nicht, wie man häufig denkt, das Ziel erreicht! Denn um physisch zu sterben, muss man keinen Weg gehen. Wenn der Tod die enge Pforte wäre, stellte das für Niemanden eine Schwierigkeit dar. Nein, der physische Tod ist selbst noch ein Fortwirken der Sünde weil der Mensch noch nicht die entsprechende Heiligkeit erlangt hat (1. Kor 15,26).

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Was heißt es, an „Jesus zu glauben“ ?

Kein Wort ist vielleicht so vielen Missverständnissen ausgesetzt, wie der Begriff „Glaube“. Dazu haben die Kirchen und Gemeinden erheblich beigetragen. Heute versteht man darunter in der Hauptsache nur: etwas für wahr halten, eine Sache für zutreffend halten, obwohl sie der – zumindest eigenen – Erfahrung widerspricht. So haben viele Christen keine Schwierigkeit, an die Jungfrauengeburt oder die Wunder Jesu zu glauben. Schwierig wird es erst, wenn man daran glauben soll, dass man z.B. von der eigenen Krankheit durch Glauben gesund werden, oder, dass man durch Glauben wesentliche Veränderungen in der eigenen Psyche hervorrufen kann. Allein Veränderung ist Sinn und Zweck des Glaubens! (Hebr. 11,1)

So zeigt sich letzten Endes, dass Christen nicht viel gläubiger sind als Nichtchristen. Der Bibel zu glauben, ohne dass sich das eigene Leben dadurch tiefgreifend ändert, ist nichts anderes als Leichtgläubigkeit. Er steht auf einer Stufe mit dem, der an Zeitungshoroskope glaubt.

UNGLAUBE, der sich fromm maskiert, ist das größte Problem der heutigen Christenheit.

Was der Leichtgläubige will

Wie in vorchristlichen Zeiten bittet man Gott um nichts anderes, als um sein Wohlwollen in persönlichen Angelegenheiten, und im übrigen meint man, durch oben genannte Leichtgläubigkeit, die man Bekenntnis zu Bibel und Jesus nennt, in den Himmel zu kommen. Andere aber, die möglicherweise gewissenhafter und liebevoller sind als man selbst, bescheinigt man, in der Hölle zu landen, da sie nicht an Jesus glauben. Doch bei Gott gilt kein Ansehen der Person (Rö 2,11), d.h. er ist objektiv. Es wird also niemand bevorzugt, weil er „an Jesus“ glaubt, sondern ein jeder Mensch wird nach seinen Werken gerichtet, nämlich nach dem, was er faktisch ist (Rö 2,6). Denn das Tun macht den Menschen. Durch dieses unterscheidet sich ein jeder vom anderen.

Im christlichen Glauben geht es nicht um ein Leben nach dem Tod. Das hatten die Menschen schon immer, sondern um ein vom Tod, und das heißt ein vom Irrtum, und damit von Zielverfehlungen befreites Leben (Rö 8,6).

Der tiefste Antrieb

An Jesus zu glauben heißt also, zu werden wie er! (Rö 8,29; 2. Ko 3,18, Eph 4,14) Das aber ist allein möglich, wenn man wirklichen Glauben hat, und nicht nur leichtgläubig ist.

Voraussetzung dafür ist aber, dass dieses Ziel überhaupt für mich attraktiv ist und ich es für erreichbar halte. Sonst werde ich mich überhaupt nicht ausreichend damit beschäftigen, sondern mein Interesse anderen Dingen zuwenden. Ich muss also motiviert sein!

Motiviert für etwas, ganz gleich, was es ist, ist der Mensch aber nur dann, wenn das Ziel den eigenen Wünschen entspricht.

Wie aber kann in mir überhaupt ein Wunsch danach, wie Jesus zu werden, entstehen? Das ist nur möglich, wenn ich erkenne, dass das alle Probleme, die ich als Mensch habe, löst.

Um das zu erkennen, ist wiederum Selbsterkenntnis nötig. Ich kann Ihnen schon jetzt sagen, dass alles Handeln eines jeden Menschen kein anderes Ziel hat, als Lust zu erleben und Unlust zu vermeiden, oder anderes ausgedrückt, positive Zustände zu haben, negative zu meiden. Kurz: Ein jeder will glücklich werden und bleiben (1. Petr. 1,9).

Das hatte auch Nietzsche sehr gut erkannt, wie dieses Gedicht zeigt :

Doch alle Lust will Ewigkeit

O Mensch! Gib acht!

Was spricht die tiefe Mitternacht?

„Ich schlief, ich schlief -,

Aus tiefem Traum bin ich erwacht: –

Die Welt ist tief,

Und tiefer als der Tag gedacht.

Tief ist ihr Weh -,

Lust – tiefer noch als Herzeleid:

Weh spricht: Vergeh!

Doch alle Lust will Ewigkeit -,

– will tiefe, tiefe Ewigkeit!“

Gott gibt dem Menschen nicht ein Ziel, das der Mensch überhaupt nicht anstrebt, sondern er zeigt, wie der das tiefste Ziel – und von dem er gar nicht lassen kann – tatsächlich erreicht! Gottes Wille und Menschenwille sind zutiefst eins.

Wenn Sie das begreifen, ist schon die größte Hürde genommen, die Sie bisher hinderte, überhaupt an Jesus zu glauben oder als Erlöster zu leben. Ewiges Wohlbefinden ist eines jeden Menschen Ziel, und das kann eben nur verwirklicht werden, wenn man selbst ewig ist, denn von allem anderen ist man ja getrennt. In der sich stets erneuernden Freude darüber finden Sie die Kraft, sich von allen Wünschen, die sich auf raum-zeitliche Dinge beziehen, zu lösen.

Solange Sie aber nicht durchschauen, dass Ihre Wünsche, Ihre Vorlieben und Abneigungen in Bezug auf die Dinge dieser Welt nichts mit den Dingen selbst zu tun haben, sondern nur Projektionen ihrer Bewertungen sind, bleiben sie im Kreislauf der Vergeblichkeit gefangen, wenn sich auch hin und wieder ein Wunsch erfüllen mag. Was es auch in der Welt geben mag – nichts davon kann Sie glücklich machen. Nicht in den Gegenständen dieser Welt, einschließlich der Menschen, die sie lieben, steckt das Begehrenswerte. Alles ist nichtig und wertlos. Die Welt kann Sie nur enttäuschen – und das ist gut so!

Das Glück, die Erfüllung ist immer schon dagewesen, immer schon da und wird immer bleiben. Sie selbst, als ewiges Wesen, sind das Glück, die ewige Glückseligkeit. Nun müssen Sie nicht mehr suchen, können Sie die Welt und alle Dinge in ihr, einschließlich der Menschen, loslassen – und jetzt, da Sie nicht mehr durch die Wechselfälle des Dasein gestört und beunruhigt oder gar unglücklich gemacht werden, haben Sie ewigen Frieden und ewige Ruhe, von der die Bibel spricht. Jetzt haben Sie allumfassende, göttliche Liebe!

Zu werden wie Er bedeutet also in erster Linie nicht, herumzugehen und Menschen heilen, zu predigen oder Wunder zu tun, sondern erst einmal mit sich selbst , mit Gott und der Welt im Reinen sein, heil und ganz zu werden – zuerst nach der Seele und durch diese auf den Leib.

Gibt es eine Führung im Leben?

Wie entscheiden?

Wir Menschen werden im Laufe unseres Daseins vor unzählige Entscheidungen gestellt, und stets haben wir das Bedürfnis, uns „richtig“ zu entscheiden. Was der Einzelne aber in den jeweiligen Situationen für richtig hält, ist doch recht unterschiedlich. Die meisten Entscheidungen werden wohl in Hinblick auf den unmittelbaren persönlichen Vorteil gefällt. Oder anders gesagt unter dem Gesichtspunkt, wie befriedige und sichere ich am besten meine Bedürfnisse? Für den, der nicht nur die Oberfläche des Daseins schaut, zeigt sich, dass gerade solche Entscheidungen dem Menschen am wenigsten zum Vorteil gereichen. Im Gegenteil, sie sind es, die den Menschen in tieferes Leid treiben. Das muss sich nicht innerhalb dieses Er­denlebens zeigen. Spätestens aber im nachtodlichen Dasein wird es allerdings sichtbar.

Wer die Wahrheit eines Weiterlebens nach dem Tode noch von sich weist, kann aber auch am heutigen Geschehen diese Gesetzmässig­keit erkennen. Es mag ja jetzt scheinbar noch von Vorteil sein, wenn wir nicht bereit sind, auf Annehm­lichkeiten unseres technisierten Lebens zu verzichten. Die Zerstörung der Natur und die wachsende Asozialisierung lassen sich dann aber nicht aufhalten.

Es gibt aber auch viele Menschen, die nach wahrhaft richtigen Entscheidungen leben möchten. Menschen, die fragen, wie sie am besten ihren Mitmenschen oder überhaupt der Gesamtheit des Daseins dienen können. Solche machen es sich oft nicht leicht und immer wieder zweifeln sie daran, ob sie wirklich das Beste taten.

Andere glauben daran, dass es eine „höhere Führung“ gebe und sie versuchen, sich mit ihr in Verbindung zu setzen, um daraus Impulse für ihr Handeln zu empfangen. Sie wenden sich an ihr „Höheres Selbst“, an „Engel“ oder gar an „Gott“ oder Jesus Christus. Das alles ist gut und aufrichtig gemeint. Oft erhält man sogar „Antworten“. Manche meinen, man bekomme sogar immer eine Antwort, verstehe sie aber nicht in jedem Fall. Gott könne durch Begegnungen, Ereignisse usw. antworten. Alles das ist gewiss richtig. Und doch oftmals unbefriedigend.

Gott im Alltag

Ich erinnere mich noch gut an einen Bekannten, der meinte, auch in den kleinen Dingen des Alltags Gottes unmittelbare Führung zu erhalten. Als er bewusst diese Haltung einnahm und seine entsprechenden Wünsche im Gebet äußerte, folgten Geschehnisse, die man als eine „Erhörung“ interpretieren konnte. Zu einer Glaubenskrise kam es allerdings , als immer mehr Erwartungen enttäuscht wurden oder „Gottes Führung“ unsinnige Formen annahm.

So glaubte jener Bekannte zum Beispiel, dass er keinen Wecker mehr benötige, da „Gott“ ihn zur rechten Zeit wecken würde, um morgens auch genügend Zeit zur persönlichen Andacht und Frühstück zu haben. Das klappte zuerst auch erstaunlich gut, aber allmählich kamen die Zeiten durcheinander. Mehrere Male wurde er mitten in der Nacht geweckt oder, wenn ich mich jetzt nicht täusche, auch zu spät. Jedenfalls wurde dieses Vertrauen gründlich erschüttert. Hätten wir damals mehr vom Menschen gewusst, hätte diese Störung leicht behoben werden können. Allerdings hätte man dann auch gewusst, dass ein Gott in solchen Dingen keine Rolle spielt. Die Krise wäre dann sicher nicht zu einer so tiefgreifenden Glaubenskrise ausgeartet, wie es der Fall war.

Dann kommt es immer wieder vor, dass Menschen behaupten, dass dies oder jenes „Gottes Wille“ sei.                   Sie selbst sind davon überzeugt, jene Impulse „von höherer Ebene“ empfangen zu haben. Dann aber stellt sich heraus, dass an diesen Behauptungen nichts Wahres ist. Das Betrübliche an solchen Geschehnissen ist weniger, dass Materialisten meinen, dadurch einen Grund mehr zu haben, über die „einfältigen religiösen Spinner“ zu lächeln, als dass das persönliche Vertrauen in „Höheres“ Schaden erleidet. Denn gewöhnlich sind es ja solche Menschen, denen jenes widerfährt, denen es ein Bedürfnis ist, mit Gott und seinem Willen eins zu werden. Es ist deshalb wichtig, auf diesem Gebiet mehr Klarheit zu erlangen.

Zielhaftigkeit des Kosmos

Der Frage, ob es im persönlichen Leben eine Führung gibt, der der Mensch vertrauen und mit der er eventuell bewusst in Einklang leben kann, kommen wir näher, wenn wir die „Strukturen des Universums“ betrachten. Für den Materialisten, der meint, nur dieses eine irdische Leben zu haben ist unsere Frage völlig gegenstandslos. Die theoretischen Grundlagen der neueren Physik erlauben allerdings eine solch eindeutige Haltung nicht mehr. Nach ihr ist alles mit allem verbunden und damit ein Weiterleben und „Führung“ durchaus denkbar.                  

Tatsachen, die von der Wissenschaft anerkannt, aber mit ihren Mitteln nicht erklärt werden können, wie z.B. die Telepathie, die Psychokinese, beweisen eine Freiheit der Seele vom Materiellen und implizieren damit ihren Fortbestand nach Ablegen des physischen Körpers (Tod).

Wenn also die Struktur des Kosmos so beschaffen ist, dass die Materie nur eine bestimmte Daseinsform darstellt, der andere, nämlich seelische und geistige überlegen sind, dann ist es in unserer Zeit „oberstes Ziel“ des Kosmos, oder sollen wir sagen Gottes, den Menschen zur Anerkennung dieser Tatsache zu bringen. Gegen die Realität zu handeln, muss zwangsläufig Leiden erzeugen. Das können wir in unserem tagtäglichen Leben beobachten, und warum sollte das in größeren Zusammenhängen anders sein?

Das Universum hat zwei Möglichkeiten, dieses Ziel zu erreichen. Die eine besteht darin, uns durch fortgesetztes Leiden zur Änderung; unseres Lebens zu bewegen oder die weit angenehmere durch Belehrung (wie sie bsw. auch hier geschieht), die freilich durch persönliches Bemühen vertieft werden muss. Dieser „Führung“, die nicht einmal das „Eingreifen“ eines persönlichen Gottes bedarf (was natürlich seine mögliche Existenz nicht ausschließt), können wir uns gewiss sein. An ihr, da es die in unserer Zeit die für den Menschen „oberste Führung“ ist, müssen sich deshalb alle anderen „Führungen“ orientieren, d.h. sie können auch nur im Dienste dieses Zieles stehen. Sie ordnen die Modalitäten, wie dieses Ziel unter den entsprechenden zeitlichen, örtlichen, gesellschaftlichen und persönlichen Gegebenheiten erreicht werden kann.

Ich und Unterbewusstes

Hier wird die Sache sehr komplex und setzt die Verwirrung bei uns Menschen ein. Denn wenn wir persönliche Führung wünschen, uns ihrer vergewissern wollen, dann fragen wir ja, was wir unter den gegebenen Umständen tun. wie wir uns da entscheiden sollen.

Selbst wenn es in den gegebenen Fällen unser aufrichtiger Wunsch ist, dass in unseren Entscheidungen der höchste Wille zum Ausdruck kommen möge, ist damit keinesfalls gesagt – falls man überhaupt eindeutige Klarheit erlangt – , dass die tatsächliche Entscheidung ihm entspricht. Denn um wirklich „Gottes Stimme“ hören zu können, müssten wir in der Lage sein, alle unsere eigenen Stimmen zum Schweigen zu bringen. Das kann und sollte man üben. Im Übrigen muss man sich wohl zufrieden geben, dass die Entscheidungen im Sinne unserer eigenen uns unbewussten Kräfte ausfallen. Was ist damit gesagt? Auch wenn wir es uns anders wünschen, so sind wir doch gezwungen, nach unseren Fähigkeiten und Möglichkeiten zu handeln, d.h., Ideen, Menschen, Dinge, denen wir uns verbunden haben,  bestimmen, wie wir uns entscheiden werden. In diesem Sinne werden wir ständig geführt oder auch verführt.

Dass eine Sache gut klappt, heißt deshalb noch lange nicht, dass wir uns richtig entschieden hatten (obwohl wir es meist so bewerten), noch dass wir uns falsch entschieden haben, wenn etwas nicht in unserem Sinne läuft. Als Ideal sehen wir allerdings, dass etwas, was wir uns vornehmen, auch gelingen möge. Ist das nicht der Fall, so sind wir enttäuscht. Dieses Ideal hat man auch im allgemeinen dann noch, wenn man sich entschieden hat, ein Leben zu leben, das ganz Gott gewidmet sein soll. Da ist man erst recht der Auffassung, dass doch einmal der Punkt erreicht werden müsste, an dem man wirklich erfolgreiche Entscheidungen treffen könnte, d.h., dass man zur richtigen Zeit genau weiß, was zu tun ist, damit zur richtigen Zeit das richtige geschieht. Man muss ja nicht den ganzen Ablauf und die „Zwischenglieder“ einer solchen Handlung verstehen, aber man möchte doch die Gewissheit haben, dass das, was man tut, sinnvoll ist. Wie gesagt: Es ist ein Ideal. Begnügen müssen wir uns mit weniger. Und doch gibt es Ereignisse, die uns als offensichtliche Führungen verblüffen.

Führung und Führung

Ich möchte ein positives und ein negatives Beispiel dafür anführen. Zuerst das positive. Loren Cunningham ist der Gründer einer evangelikalen Mission, die u.a. auf eigenen Schiffen junge Christen zu Einsätzen in alle Welt schickt. Es begann mit einer Vision, die Cunningham im Alter von 20 Jahren erhielt. Schon damals war es ihm ein Anliegen, „Menschen zu Jesus zu führen“. Er vertraute, später mit seiner Frau und Mitarbeitern, dass Gott ihnen die Wege und Mittel zur Verwirklichung dieser Vision zeigen bzw. geben werde. Wenn auch nicht immer alles glatt lief, wundervolle „Zufälle“ bestimmten die Geschicke, die zu einer großartigen Erfüllung der in der Vision geäußerten Absichten führten. Die Geschichte dieser Mission scheint ein einziger Beweis für das Wirken Gottes zu sein.

Und doch möchte man ein Fragezeichen setzen. Denn evangelikale Christen sind dogmatisch und unflexibel (was auf das gleiche hinauskommt). Sie vertrauen der Bibel wortwörtlich und lehnen alles andere ab. Dabei begreifen sie nicht, dass ihr „Verständnis“ der Bibel ein zeitbedingtes ist. Um es zu veranschaulichen: Wenn ich behaupte, dass in einem materiell gedachten Garten eine materielle Schlange gesprochen hat, so ist das nicht nur lächerlich, sondern geht am Verständnis der Bibel vorbei. Wenn Jesus in unserer Zeit missionieren würde, würde er das keinesfalls auf evangelikale Weise tun, sondern dem kulturellen und persönlichen Hintergrund seiner Zuhörer angepasst. Das setzt natürlich voraus, dass man die Wahrheit, die man predigt, versteht, und nicht nur glaubt, wie es die Evangelikalen tun.

Bevor wir uns näher mit dem genannten Beispiel auseinandersetzen, wollen wir uns jetzt mit einem Fall befassen, der auch Elemente einer Führung aufweist, die aber heute kaum noch jemand Gott zuschreiben möchte. In den Schlachtfeldern des ersten Weltkrieges reifte in einem jungen Mann die Überzeugung, dass er zu einer großen Aufgabe bestimmt sei. Mit seinen Kameraden hatte er sich in einem Schützengraben niedergesetzt, um sich zu stärken, als er eine innere Stimme hörte, die ihm befahl, sich etwas abseits zu begeben. Kaum hatte er es getan, schlug eine Granate ein, die alle seine Kameraden tötete. Auf ähnliche Weise sollte dieser Mann, nachdem er der Erfüllung seiner Träume recht nahe gekommen war, Anschlägen auf sein Leben entgehen. Um so mehr musste er sich als Auserwählter der „Vorsehung“ fühlen. Es ist ganz offensichtlich, dass Hitler „bewahrt“, „beschützt“ wurde. Aber, war es Gott, der „mit ihm war“? Das dürfte ausgeschlossen sein. War Gott gegen ihn? Auch das ist nicht erkennbar. Was also waren die wirkenden Kräfte, die über das „rein menschliche“ Vermögen hinausgingen? Wo hatten sie ihren Ursprung?

An beiden Beispielen ist offensichtlich, dass das Übermenschliche, das erreicht wurde, zunächst begründet ist in menschlichen Persönlichkeiten, hier also Cunningham und Hit­ler, die sich leidenschaftlich bestimmten Ideen verschrieben haben, die so von einer Idee besessen sind, dass sie mit Einsatz ihres Lebens deren Verwirklichung anstreben. Nun gibt es Menschen, die gleiche oder ähnliche Ziele anstreben, aber selbst nicht diese Leidenschaft aufbringen oder über die entsprechenden Talente verfügen, um diese Ideen zu realisieren. Sie werden gleichsam von jenen stärkeren Persönlichkeiten befeuert.

Dabei ist zu beachten, dass wir Menschen auf den inneren Ebenen ständig miteinander kommunizieren, auch dann wenn wir physisch voneinander getrennt sind und nichts voneinander wissen. So ergeben sich dann geistig-seelische Konstellationen, die zu Ereignissen führen können, die für das gewöhnliche menschliche Denken verblüffend, ja „wunderbar“ sind. Die Kräfte einer Führerpersönlichkeit sind so organisiert, dass sie dem betreffenden Menschen große Instinktsicherheit verleihen. Wenn diese Menschen eine Stimme hören, die ihnen befiehlt, dieses oder jenes gerade jetzt zu tun, so ist das strenggenommen weder Gott, noch ein Engel, noch ein Teufel, sondern ihr „Instinkt“, d.h., die Persönlich­keitsanteile, die im gegenwärtigen Augenblick nicht bewusst, aber alle auf das eine Ziel ausgerichtet sind. Selbstverständlich werden viel weniger wunderbare – für uns irrationale – Dinge geschehen, wenn die gleiche Persönlichkeit in einem Umfeld auftritt, das sich ablehnend gegenüber den entsprechenden Ideen verhält. Die evangelikale Mission Cunninghams hätte nicht entstehen können, wenn es nicht genügend Menschen gäbe, die einen solchen Einsatz für sinnvoll hielten. Hitler hätte keine Chance gehabt, wenn das deutsche Volk nicht entsprechend gestimmt gewesen wäre.

Es wurde aus unseren Betrachtungen, für die noch viele Beispiele herangezogen werden könnten, deutlich, dass der Mensch, solange er nicht Ideen sich zu eigen gemacht hat, die mit der Wahrheit übereinstimmen, immer in einem gewissen Sinne verführt wird. Dadurch stellt sich dann zeitweiliger „Erfolg“ als Misserfolg heraus, und das Leiden an der Realität beginnt. Zugleich aber wird der Mensch durch die Realität – dadurch, dass er scheitert -korrigiert. Es sind das Wendepunkte, an denen er in die Lage versetzt wird, neue Ideen aufnehmen zu können. Wenn der Mensch also nicht verführt, sondern immer mehr zum Positiven und Wahren hingeführt werden möchte – wodurch allein eine Beendigung des Leides und Missbehagens möglich ist – dann gibt es nichts Wichtigeres als Erkenntnis der Wahrheit und ein Leben ihr entsprechend.

Worauf es ankommt

Von entscheidender Wichtigkeit ist dabei die persönliche Klarheit über die Frage: Bin ich ein Wesen, das mit dem physischen Tod vergeht, oder bin ich ein Wesen, dem ein unvernichtbarer, ewiger Kern zugrunde liegt ? Nur wenn ich letzteres positiv beantworten kann, bin ich in Übereinstimmung mit einer, ja der grundlegenden Wahrheit. Nur auf ihr basierend ist Führung möglich. Außer ihr gibt es nur Verführung. In diesem Sinne allein ist der Spruch Jesu zu verstehen : Niemand kommt zum Vater – dem Urgrund aller Dinge – denn durch mich, d.h., als dem Bewusstsein von diesem Urgrund (Jo 14,6).

(Dieser Text stellt eine leichte Anpassung eines bereits früher veröffentlichten Textes dar. )

Jesus, der Christus – traditionslos

Die meisten Menschen, die sich heute als Christen sehen, sind in einer noch nie dagewesenen Weise zerstritten und deshalb verwirrt. Da hilft es, einen traditionslosen Blick auf Jesus Christus, also unabhängig von Bibel, Kirchengeschichte und „Glauben“ zu werfen. Nur durch einen unverstellten Blick können wir wieder neuen Zugang zur herrlichen Wahrheit des Evangeliums finden.

Die Menschheit ist dem Leiden unterworfen. Es gibt keinen einzigen Menschen, der das Leiden nicht kennt. Deshalb sehnen sich alle Menschen nach Befreiung von diesem. Alle Menschen wollen nichts anderes als glücklich sein.

Tiefe Denker sehen übereinstimmend das Urproblem des Menschen im Rätsel des Todes. Schopenhauer schrieb sogar: „Der Tod ist der eigentliche inspirierende Genius, (…)der Philosophie. Schwerlich sogar würde, auch ohne den Tod, philosophiert werden.“ Auch gilt die Todesstrafe von jeher als die schwerste.

Alle Angst des Menschen ist letztendlich Todesangst, d.h. Angst vor der Vernichtung. Nur um dem Tod zu fliehen, ist der Mensch feige, und nimmt er alle Unterordnungen, alle Sklaverei und Quälerei, alle Anpassungen an die Gesellschaft auf sich, winselt er wie ein Hund um Erbarmen.

Im Umkehrschluß hätte alles Leiden ein Ende, wäre das Dasein ewige Freude, wenn es keinen endgültigen Tod gäbe.

Der Tod ist das Problem und ewiges Leben wäre die Lösung des Problems. Nichts anderes!

Nun wird seit 2000 Jahren behauptet, dass ein Mensch den Tod besiegt hätte. Wenn wir davon ausgehen, dass das tatsächlich der Wahrheit entspricht, dann ist das doch die größte Sensation, die es gibt; das wichtigste Ereignis in der Menschheitsgeschichte!

Hätte Jesus vor 2000 Jahren nicht den Tod besiegt, stünde so ein Ereignis noch aus, damit endgültig die menschlichen Probleme – also alle ohne Ausnahme – gelöst werden könnten.

Damit hat die Auferstehung eine existentielle Bedeutung für einen jeden Menschen. Denn was einmal einem Menschen gelang, das kann auch jedem anderen gelingen!

Was ist der Tod?

Der Tod ist in erster Linie eine Bewusstseinsangelegenheit. Ein Mensch im Tiefschlaf weiß nichts vom Leben und nichts vom Tod. Deshalb kennt ihn das Tier nicht. Allmählich erst wurde sich der Mensch des Todes bewusst, je mehr er erwachte.

Das bisher älteste Dokument menschlicher Angst vor dem Rätsel des Todes entstammt dem dritten Jahrtausend vor Christus. Es ist das sumerische Gilgamesch-Epos. An der Leiche seines Freundes Engidu stellt sich der Held die verzweifelte Frage: „Was ist das nun für ein Schlaf, der dich gepackt hat?“ und gesteht: „Todesfurcht überkam mich.“

Wenn wir also der Überlieferung vertrauen, dass es einem Menschen gelang, den Tod zu überwinden, dann kann es den Tod – als ein zu Nichts werden – nicht wirklich geben. Dann ist er nicht ein Faktum, sondern eine Täuschung, der der Mensch bisher unterlag.

Den Tod als Irrtum zu durchschauen, ist geistige und seelische Befreiung des Menschen. Denn wenn es den Tod nicht wirklich gibt, dann muss ich mich nicht länger ängstigen. Dann kann mich nichts mehr bedrohen. Dann bin ich absolut frei. Dann muss ich mich keiner Macht des Universums mehr unterordnen, denn ich bin ewig! Dann bin ich eins mit Gott!

In diesem herrlichen Bewusstsein, in dieser herrlichen Freiheit zu leben, verändert mich grundlegend, denn es löst alles das auf, was aus dem Irrtum, dem Tod unterworfen zu sein, entstand. Es befreit von allem Leid und aller Krankheit und gibt mir Herrschaft über die Materie.

Grenzenlose Perspektiven in jeder Hinsicht haben sich eröffnet!

Wenn es also wahr ist, dass ein Mensch den Tod besiegt hat, dann konnte der Sieg nur auf der Grundlage geschehen, dass das Leben an sich ewig ist, und dieser Mensch von dieser Tatsache wusste. Nur so konnte er in dem Bewusstsein leben, das wir erst angesichts seines Sieges über den Tod durch die gläubige Reflexion der Auferstehungstatsache gewinnen können.

Nun schlagen wir den Bogen zur jüdisch-christlichen Tradition. Das Pfingstereignis der Apostel war nichts anderes, als dass den Betenden aufging, was die Auferstehung für den Menschen und das jüdische Geistesleben bedeutete. Für den Menschen bedeutete es völliges Heil und damit das Ende aller Versuche, aus einem Bewusstsein der Vergänglichkeit Gutes zu erlangen.

Es gibt kein Heil, solange der Mensch im Bewusstsein lebt, er sei in irgendeiner Weise begrenzt und es gäbe etwas, das grundsätzlich Macht über ihn hätte.

Wer weiter im Gegensatz Gott-Mensch lebt, wird weiterhin die Früchte des Todes ernten. Wer aber weiß, dass nichts über ihn Macht hat, wird die unendliche Kraft des Lebens sich auswirken lassen.

Das hat nichts damit zu tun, dass man vor Gott aus eigener Kraft gerecht werden will, sondern man ist dadurch dem Leben gerecht.

Himmel und Hölle

Die subjektiven Wertungen

 

Nehmen wir an, Sie befinden sich in einem Dschungel Lateinamerikas und hören plötzlich ein lautes Brüllen. Wenn Sie dieses nicht sofort identifizieren können, befinden Sie sich in Alarmbereitschaft. Ihre ganze Aufmerksamkeit wird davon gefesselt. Ist es ein Jaguar? Was ist es? – Bis Ihnen einfällt, es ist ja nur ein Brüllaffe. Nun können Sie wieder unbesorgt Ihres Weges ziehen. Sie hören zwar immer noch das Brüllen, aber es hat keine Bedeutung mehr für Sie.

Ein anderes Beispiel: Neben Ihrem Bett tickt ständig der Wecker. Das stört Sie aber nur, wenn Sie direkt darauf achten und eigentlich schlafen wollen. Sonst hören Sie ihn nicht einmal. Auch hier wird Ihre Aufmerksamkeit nur gefesselt, wenn Sie dem Ticken eine persönliche Bedeutung beimessen, nämlich, dass es in der Lage sei, Sie wach zu halten.

Dadurch, dass wir die Signale unserer Umwelt deuten, bekommen sie für uns erst eine Bedeutung. Mit dieser ganz persönlichen Deutung des Geschehens um uns herum, oder auch des in unserem eigenen Inneren vorgehenden, also der Körperempfindungen, schaffen wir unser eigenes Gut und Böse, Positiv und Negativ. Das alles entsprechend dem, ob es unserem eigenem Wollen dient, oder ihm entgegensteht.

Das Negative an sich gibt es nicht. Uns begegnet im Leben nichts Negatives, sondern immer nur etwas, das unserem ganz persönlichen Wollen, wenn nicht immer, so doch im gegebenen Augenblick unerwünscht ist. Das ist dann das, was wir ganz persönlich negativ werten.

Das ist ganz wichtig zu wissen. Denn niemand kann uns von unseren Wertungen und damit von der Art des Erlebens befreien, als nur wir selbst. Auch Gott kann das nicht für uns tun. Jeder kann nur für sich, indem er ganz aufmerksam wird, wie er jede Situation im Augenblick bewertet, seine Bewertungen ändern.

Wir halten zunächst fest: Unser Erleben wird von der Bedeutung bestimmt, die wir den Eindrücken der Umwelt geben. Die Bedeutung wiederum fußt auf unseren Wertungen. Die größte Aufmerksamkeit schenken wir dem, was uns in allgemeiner Weise oder im gegebenen Augenblick als wichtig erscheint. Auf einen vermeintlichen Jaguar zu achten, wird nur vorübergehend, die Liebe zu einem unserer Hobbies dagegen, wird anhaltender sein.

Doch wie man es dreht und wendet, das Leben wird uns immer wieder Situationen bescheren, die uns nicht passen. Solange wir unser Glück in einer selektiven Entscheidung für diese oder jene Inhalte der Welt treffen – was jeder Mensch zunächst tut -, werden andere Inhalte der Welt gegen uns sein. Ein dauerhaftes Glück ist auf diese Weise unmöglich zu erlangen.

Im Gegenteil, die Enttäuschungen, die wir erleben, können uns in eine negative Abwärtsspirale führen, sodass man ganz im Negativen gefangen wird. Das ist dann die sogenannte Hölle.

Würde der Mensch lediglich ein Wesen sein, das mit der Geburt seinen Anfang nimmt und mit dem Tod endet, könnten wir diesen Gegebenheiten niemals entrinnen. Wir würden abhängig von unserer Umwelt bleiben. Das wäre der ganz natürliche Zustand.

Der Sinn des Lebens

Aber der Mensch ist nicht Fleisch und Blut, er ist nicht der Körper, sondern er hat einen Körper. Das, was den eigentlichen Menschen ausmacht, ist ewig. Deshalb hat das Leben einen Sinn! Dieser besteht darin, zu lernen, sich mit dem Ewigen zu identifizieren, um so die Abhängigkeiten vom Äußeren, also kurz gesagt, die Welt, zu überwinden, um dauerhafte Freude, dauerhaftes Glück, ewiges Heil zu erlangen.

Wer das ewige Heil erlangen will, dem bleibt nichts anderes übrig, als alle persönlichen Wertungen von Gut und Böse loszulassen und dem Objektiven zu folgen. Das Ewige allein ist Positiv. Sich darüber zu freuen, dass man ewig ist, indem man sich klar macht, was das alles für unser Leben im Hier & Jetzt und überhaupt bedeutet, gibt uns befreiende und weltüberwindende Kraft.

Die Abhängigkeit von der Welt, vom Äusseren, ist das objektiv Negative. Das bedeutet nicht, dass die Schöpfung (also das Äußere) schlecht wäre, sondern nur die Abhängigkeit des Menschen von ihr.

Will man also in den Himmel kommen, so muss man die Wünsche und Vorstellungen immer mehr aufgeben, die sich auf die Inhalte der Welt, also das Veränderliche, beziehen. Das betrifft auch jene Wünsche, die sich darauf beziehen, dieses oder jenes in der Welt gern noch zu erleben oder tun zu wollen. Die Einstellung „Habt nicht lieb die Welt noch was in der Welt ist.“( 1. Joh 2,15) ist praktische Notwendigkeit für den Eingang ins Himmelreich.

Wir bleiben vom Äusseren, von den Umständen beherrscht, wenn wir die Welt und ihre Inhalte weiterhin lieben. Wir haben damit unser Glück und Wehe aus unseren Händen gegeben.

Wir erlangen aber wahre Herrschaft und Selbstbestimmung, wenn wir uns an unserer Unvernichtbarkeit – das höchste Gut, das es gibt – erfreuen. Denn durch diese ständig gegenwärtige Erfüllung dessen, was unsere zersplitterte Wunschnatur eigentlich wünscht, gewinnen wir Abstand zu unserer „fleischlichen Natur“ (die sich eben auf die Inhalte der Welt bezieht) und Distanz zur Welt. Es kann uns dann immer mehr egal sein, wie die Welt mit uns umspringt. Wir werden immer ein glücklicher Fels in der Brandung sein. Wir werden zunehmen an innerem und äusserem Heil.

In die gleiche Richtung zielen die Anweisungen „Freuet euch allezeit, abermals sage ich freuet euch!“ (Ph. 4,4) und „Seid dankbar in allen Dingen und für alles!“ (1. Thess. 5,18; Eph. 5,20).

Diese Haltungen übend, werden sie uns immer mehr zur Gewohnheit, sodass unsere Aufmerksamkeit immer mehr vom Positiven gefesselt wird, und damit Wohlfühlen, Freude, Glück, Frieden, Liebe, Gesundheit Beständigkeit erlangen. So bringen wir die Früchte des Geistes (Gal. 5,22) hervor.

***

In dir ist was du willst
Der Himmel ist in dir / und auch der Höllen Qual:
Was du erkiest und willst / das hast du überall. 

Der Himmel ist in dir
Halt an wo läufst du hin/ der Himmel ist in dir:
Suchst du Gott anderswo/ du fehlst ihn für und für.

Nichts verlangen ist Seligkeit
Die Heilgen sind darum mit Gottes Ruh umfangen/
Und haben Seligkeit/ weil sie nach nichts verlangen.

Wie wird man Gottes gleich?
Wer Gott will gleiche sein/ muß allem ungleich werden.
Muß ledig seiner selbst/ und los sein von Beschwerden.

Gott verdammt niemand
Was klagst du über Gott? Du selbst verdammest dich:
Er möcht’ es ja nicht tun/ das glaube sicherlich. 
(aus „Der cherubinsche Wandersmann“, Angelus Silesius)