Der Sündenfall

Die menschliche Organisation

Der Mensch wird allgemein unterteilt in Geist, Seele und Leib(1.Thess. 5,23). Das ist eine recht grobe Einteilung, die wir uns etwas genauer ansehen wollen.

Der physische Leib

Der Leib ist zunächst das Physisch – Sichtbare des Menschen, also das, was auch noch eine Zeit nachdem er gestorben, als Leiche, sichtbar ist.
Dieser Leib ist aus materiellen Stoffen aufgebaut, die nach dem Tod „ihre eigenen Wege gehen.“
Solange der Mensch noch lebt sind diese physischen Stoffe anderen als den ihr innewohnenden physikalischen Gesetzmäßigkeiten unterworfen. Das macht der Vergleich zwischen einer Leiche und einem lebenden Menschen deutlich.

Der Lebensleib

Man könnte deshalb diese lebendige Kräfteorganisation „Lebensleib“ nennen.
Einen solchen Lebensleib haben auch die Pflanzen und die Tiere. Kennzeichen dieses Lebensleibes sind Stoffwechsel, Wachstum und Fortpflanzung.
Aber der Mensch ist mit diesen Tätigkeiten ja noch nicht erschöpfend beschrieben.
Ein Mensch hat auch, wie das Tier, Gefühle.

Der Gefühsleib (Seele)

Was drücken Gefühle aus? – Beziehungen, also das Verhältnis, das dieses Lebewesen zu anderen Lebewesen oder leblosen Dingen hat. Grob eingeteilt: Das, was geliebt wird, wird aufgesucht; das, was gehasst wird, gemieden.
Beim Tier geschieht das instinktiv, beim Menschen bewusster. Deshalb sagt man auch, das Tier sei eine Seele, aber der Mensch habe eine Seele. Was wiederum zeigt, dass der Mensch mit Leib und Seele noch nicht ausreichend beschrieben ist.

Das (ewige) ICH

Der Mensch kann nämlich über sich selbst reflektieren, d.h. er kann sich quasi selbst gegenüberstehen und betrachten. Das ist durch den Geist möglich. Synonym für Geist könnte man auch das Wort „Ich“setzen . Wenn wir das tun, dürfen wir aber nicht unter „Ich“ dieses oder jenes verstehen, wie „Ich bin geizig“, „ich bin klug“ sondern nur jene allgemeine Energie, die es mir überhaupt erst ermöglicht, solche Aussagen zu machen. Was ist das für eine Energie? Es kann keine andere sein, als die die mir auch alle bisher genannten Funktionen ermöglichte, also Lebenstätigkeiten wie bei Pflanze und Tier.

Geist aber ist das pure Leben, das Leben an sich. Zur Verdeutlichung ein Vergleich mit den Radiowellen: Damit wir einen Sender hören können, muss ein Programm auf die Trägerwelle moduliert werden. Die Programme entsprechen den verschiedenen Funktionen, die genannt wurde. Sie sind das Spezifische. Nun kann man aber eine Trägerwelle auch ohne Programme aussenden. Dann würden wir zwar nichts hören. Aber die Trägerwelle an sich, würde trotzdem da sein.

Was ist nun das Wesen des Geistes? Es ist ewig und es ist schöpferisch. Es ist Gott (der Vater). Damit will ich aber nicht sagen, dass Du oder ich Gott sind. Wir sind es deshalb nicht, weil unsere Liebe sich noch auf vergängliche Dinge, also die Schöpfungen des Geistes bezieht. Aber der Mensch könnte unmöglich Gottes Kind, oder ein Sohn Gottes werden – wie es uns verheißen ist – wenn nicht Gott in uns schon immer „anwesend“ gewesen wäre. Es gibt nichts, was völlig außer ihm wäre. Nur durch ein falsches Bewusstsein, und was daraus resultiert ist der Mensch von Gott getrennt.

 

Wie es zum Sündenfall kommen musste

 

Zur Wiederholung:Der Mensch besteht aus physischen Leib (Materie), Lebensleib (das, was den physischen Leib durchorganisiert und die materiellen Gesetzmäßigkeiten in einen ganzheitlichen Zusammenhang stellt), Seele (das was Beziehungen schafft), Geist (Das Ewige).
Wie können wir uns nun den Menschen im Paradies vorstellen, also unmittelbar nachdem er geschaffen wurde?

Seine Seele war noch völlig beziehungslos, sein Geist noch nicht tätig. Damit war der Mensch ein völlig reiner Spiegel der ihn umgebenden Realität.
Der Geist wurde aber sofort mittels des physischen Leibes tätig. Der eigene Leib wurde von des Menschen Geist durchdrungen.

Wie es zu Vorstellungen und Erkenntnissen kommt

Dadurch entstand eine geistige Vorstellung vom Leib.
Dieses innere Bild ( = Vorstellung ), das der Mensch so gewonnen hatte, wurde mit den anderen Vorstellungen verglichen, die ihm durch den Anblick der Tiere gegeben wurden.
Dadurch, dass man das eine mit dem anderen vergleicht und so das Gemeinsame aber auch das Trennende feststellt, entsteht ja jede Erkenntnis. So erkannte also zunächst der Mensch die Tiere und konnte sie deshalb mit Namen benennen (1Mo 2,19) .

Nachdem er die Tiere mit Namen benannt hatte war dieser Erkenntnisvorgang beendet. Folgerichtig fällt der Mensch nun in einen Schlaf, da nichts mehr seine Aufmerksamkeit erregt. In diesem Schlaf (1Mo 2,21) aber begegnet sein Geist der Vorstellung des eigenen Leibes (s. oben).
Der Mensch steht damit erstmals sich selbst gegenüber, und da des Menschen Geist noch nicht von Gottes Geist getrennt ist, ist dieser Geist in einem noch unbeschränkten Sinne schöpferisch.
Die Vorstellung, die der Mensch zuvor von sich selbst hatte, ihm aber nicht bewusst war, wird nun substantiell herausgesetzt.
Nun ist aus dem bisher ungeschlechtlichem Menschen Mann und Frau geworden.

Da nun der Mensch als Mensch sich selbst gegenüber steht, kann er auch sich selbst erkennen (1Mo 2,23).

Wie das Erkennen ein Ende findet
Damit war aber der Erkenntnisprozess noch nicht beendet. Das Erkennen dringt nun noch mehr dem Ursprung zu – denn wie bereits gesagt wurde, begann der Erkenntnisprozess mittels des menschlichen Leibes, und nun ist er wieder bei ihm angelangt. Der Mensch erkennt nun, dass er erkannte. Er erkennt sich in seiner Funktion als ein Erkennender.

Dieser bisher stattgefundene Erkenntnisprozess zeigt sich ihm im Bild der Schlange (1Mo 3,1). (Es ist ganz klar, dass es sich hier um einen inneren Vorgang handelt und die Schlange hier nicht eine physisch greifbare Schlange ist. Aber alle Schlangen sind physischer Abbilder lebendiger Kraftrichtungen, Bilder kanalisierter Energie, psychisch ausgedrückt: der Triebe.)
Da nun das Erkennen auf tieferes ausgerichtet ist, kommt es – durch die „Schlange“ – wieder an eine Grenze, und zwar der zwischen Erkennbaren und (vorläufig) Nichterkennbarem, nämlich der zwischen dem Geschaffenen an sich und dem Schaffenden, oder anderes ausgedrückt zwischen Form und Energie (die formlos ist).

Da der Mensch nichts anderes tat und „wollte“ als erkennen steht er nun dem Unerkennbaren gegenüber (1. Mo 3,6). Sein Erkenntnistrieb stößt also an eine Grenze. Der Erkenntnistrieb wird ohnmächtig (1. Mo 3,7).

Natürlich weiß der Mensch nicht, dass diese Grenze nur deshalb vorhanden ist, weil es nichts Geschaffenes mehr zu erkennen gibt. Er empfindet nur eine allgemeine Unfähigkeit und deshalb ist diese für ihn existentiell. Er fühlt sich als ganzer Mensch in Frage gestellt!

Im Bild, dass er sich Feigenblätter machte (1Mo 3,7), wird diese Ohnmacht ausgedrückt, die es zu verbergen gilt. Mit dieser Ohnmacht waren die Urangst (1. Mo 3,8) und damit der Tod „geboren“. Das beendete den Zustand der Harmonie mit Gott (Paradies), denn Ohnmacht, Angst und Tod sind Illusionen („Lüge“), die das Leben nicht kennt.

Von nun an wurde der Mensch von Illusionen beherrscht. Das geschieht solange, bis er sie als solche durchschaut. Das ist uns durch Jesu Sterben und Auferstehen möglich. Deshalb gibt es für uns nichts mehr zu fürchten, können wir – wie Jesus – die Welt überwinden! (Jo 16,33)

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Fall und Aufstieg des Menschen

Wenn wir den Sündenfall betrachten, sehen wir, dass das Praktizieren von Wertungen die Vertreibung aus dem Paradies und unsere gesamte „gefallene Welt“ mit ihrer Bosheit, ihrem Leid und dem Tod verursacht hat.

Wertungen sind ein geistiger Akt, ein Akt des Urteils. Es ist deshalb nicht gleichgültig, wer die Urteile fällt. Kinder urteilen anders als die Erwachsenen. Was Kinder als gut ansehen, zum Beispiel lieber zu spielen anstatt Schularbeiten machen, sehen Erwachsene nicht so. In gleicher Weise ist es ein großer Unterschied, ob Gott etwas beurteilt oder der Mensch aus seiner Perspektive.

Als der Mensch begann, aus seiner Sicht als Geschöpf über gut und böse zu urteilen, musste die Harmonie, in die der Mensch in die gesamte Schöpfung eingebettet war (= Paradies) verlorengehen (1. Mo 2,17). Denn das Urteil entscheidet, wie man handelt. Ein Geschöpf, das aber selbstständig urteilt, vollzieht es nicht unter dem Gesichtspunkt der Gesamtheit – nämlich, was allen gut tut – sondern unter einem egoistischen Blickwinkel. Damit kam natürlich nicht nur Chaos in die Welt, sondern als Rückwirkungen der Disharmonien auch Chaos in die eigene Seele, die sich in psychischen und somatischen Erkrankungen manifestieren, und schließlich im Tod als endgültige Unfähigkeit der Seele, die Harmonie mit dem physischen Körper aufrechtzuerhalten.

Gott straft nicht. Unser falsches Denken ist „Strafe“ – da es zerstörerisch ist.

Ich hoffe, jeder kann das, was ich hier schrieb, nachvollziehen. Der Ablauf ist vollkommen logisch. Auf gleicher Logik muss unsere Erlösung, d.h. die Lösung der menschlichen Probleme, aufgebaut sein.

Kein Mensch ist von Gott im ontologischen Sinn getrennt, denn alles Sündigen erfolgt auf der Grundlage, dass wir lebende Wesen sind. Getrennt von Gott sind wir nur durch unseren Geist, durch den Geist, der im Menschen seinen Ursprung hat. Man könnte auch sagen, wir sind lediglich durch unsere falschen Bewusstseinsinhalte, durch unser falsches Denken von Gott getrennt. Wenn wir also erlöst werden wollen von allem Übel, dann müssen wir umdenken (griech. Μετάνοια metanoia, von νοεῖν noein, „denken“ und μετά meta, „um“ ) , denken lernen in Übereinstimmung mit unserem wahren Wesen, d.h. unserem göttlichen Wesen (Rö 12,2). Nur durch neue Bewusstseinsinhalte, die aus der Erkenntnis dessen kommen, wer wir wirklich sind, ändert sich unser Leben. Nur wenn wir uns selbst als göttlich sehen können, werden wir anders urteilen. Denn dann wissen wir, dass wir vollkommen sind und nichts außerhalb von uns bedürfen. Dann haben wir den „Schatz im Acker“ (Mt. 13,44) , die kostbare Perle (Mt. 13,45-46) gefunden, für die wir alles aufgeben können. „Gut“ ist uns nun nicht mehr was unserem leiblichen Wohl dient, sondern gut ist uns das höchste, was es gibt: Uns selbst als göttliches Wesen. In ihm schwelgen wir in Gedanken und Gefühlen. Je mehr wir das tun, um so klarer wird uns alles, um so sicherer werden wir. Wir können uns jeden Tag von früh bis abends freuen, da es nichts mehr gibt, was uns schaden könnte (Phil 4,4; Rö 8,28). Ein solches Leben wird sich auch immer mehr physisch auswirken (Mt. 16,18).

Lasst uns also darum bemüht sein, die Wahrheit zu erkennen, damit wir frei werden! (Jo 8,32)