„Der Heilige Geist“ – was ist das?

Christen, besonders die, die ab und zu die Bibel lesen oder Pfingstler und Charismatiker reden ständig vom „Heiligen Geist“. Obwohl sie ihn alle zu besitzen wähnen, reden sie aber auch immer aneinander vorbei.

Was ist also der „Hl. Geist“ und wer hat ihn tatsächlich? – Um das herauszufinden, müssen wir uns erst einmal klar machen, was „heilig“ bedeutet. Das deutsche Wort ist abgeleitet von „heil“, das „ganz“ bedeutet, im Englischen ebenso: „holy“ – „whole“. Der „Heilige Geist“ ist deshalb der „ganze Geist“, der „allumfassende Geist“, der Geist, der heil, also die Seele des Menschen heilig, den Leib gesund macht. Es ist der Geist der Ganzheit.

Dieser Geist war nach christlicher Auffassung in vorchristlicher Zeit allein Gott zu eigen. Seit Pfingsten können auch Menschen an ihm partizipieren.

 

Wie der heilige Geist zum Menschen kam

Weshalb dieser Unterschied? Nun, in vorchristlicher Zeit war der Mensch durch die Sünde von Gott getrennt und konnte damit noch nicht vollkommen werden. Vollkommenheit ist ein anderes Wort für Ganzheit. Erst indem sich Jesus Christus zum Sünder machte und so den „Geist der Sünde und des Todes“ durchdrang, ist der Mensch prinzipiell wieder in die Sphäre Gottes eingegliedert. Was den Menschen von Gott trennte war also der Unterschied zwischen dem „Geist Gottes“ und dem „Geist des Menschen, der Welt“.

Der heilige Geist wird aber auch der „Geist der Wahrheit“ genannt. Ein Geist muss ja schließlich auch Inhalte haben, sonst wäre er ja „geistlos“, also ein Widerspruch in sich selbst.

Da sich also der Geist Gottes mit dem menschlichen Geist vereinte, kann nun der Mensch auch die göttliche Wahrheit, d.h. das Sichtbare und das Unsichtbare/Übersinnliche erkennen.

Prinzipiell entstehen Erkenntnisse dadurch, daß Wahrnehmungen miteinander verglichen werden. Das, was wahr zu nehmen ist, ist die Realität. Die Bibel ist aber nicht die Realität selbst, sondern sie kündet in zeitgemäßer Einkleidung von der Realität. Wovon sie spricht, erfahre ich deshalb nur, wenn ich selbst die Realität aufsuche, von der sie spricht. Sie benennt also gewisse heilsgeschichtliche Fakten, die nur in Bezug zum konkreten Leben einsichtig und verständlich werden. Ich muss also „ganzheitlich“ an sie herangehen.

 

Das Grundübel des Menschen

Die wichtigste Wahrheit, von der die Bibel spricht, ist unsere „Erlösung“. Das ist ein Wort, mit dem wir nur deshalb meinen etwas anfangen zu können, weil wir ihm als christlich sozialisierte Menschen ständig begegnen. Jemand, der fern vom christlichen Glauben aufgewachsen ist, kann kaum etwas damit verbinden.

Konkretheit gewinnt dieses Wort, wenn sich der Mensch, unabhängig von allen religiösen Bezügen, klar macht, was das Urübel des menschlichen Lebens ist. Wenn man tief und klar genug denkt, kommt man darauf, dass es in der Sterblichkeit des Menschen, also dem Tod besteht. Um das zu begreifen, braucht man keine Bibel oder eine andere Offenbarung. Und so haben das nicht nur gewichtige Philosophen oder Psychologen erkannt, sondern auch ganz gewöhnliche Menschen.

Schwierig wird es erst, wenn man nach der Lösung für dieses Problem sucht. Denn solange dieses Problem nicht gelöst ist, können auch alle anderen Probleme des Menschen nicht gelöst werden. Denn um dieses Problem lösen zu können muss ich wissen, was der Mensch ist.

Ist er lediglich ein Wesen, das mit der Geburt seinen Anfang nimmt und mit dem Tod endet, wie der Materialismus lehrt, oder ist seine Seele prinzipiell unsterblich?

Sollte Ersteres den Tatsachen entsprechen, dann gibt es für ihn keinerlei Hoffnung. Dann haben alle Religionen unrecht. Der Mensch ist dann auch kein Sünder, so wenig wie eine Kuh gegen ihr Kuhsein sündigt. Der Mensch ist dann Mensch und kann nichts anderes sein, wie die Kuh eben Kuh ist und nichts anderes sein kann.

Nur wenn der Mensch prinzipiell unsterblich ist, aber zu einem Sterblichen wurde, ist er gefallen, lebt er wider seine Natur, das man ihm dann zu Recht vorwerfen kann.

 

Ist der Mensch unsterblich?

Wir sehen bereits aus diesem Gedankengang, dass alle diejenigen, die meinen aus der Bibel herauslesen zu dürfen, dass der Mensch keine Unsterblichkeit habe, grundlegend falsch liegen. Ihre Lehren sind deshalb wertlos, ja irreführend.

Nun haben wir aber vorgegriffen. Es ist ja überhaupt noch nicht ausgemacht, dass des Menschen Seele tatsächlich unsterblich ist. Doch genau das wollte uns Jesus Christus durch sein Sterben und Auferstehen vermitteln. Doch muss sich die Unsterblichkeit auch auf weniger spektakulärem Weg erweisen. Ja, man muss sich ihr unmittelbar bewusst werden können, ohne dass man selbst bereits auferstanden ist. Das ist möglich, wenn man sich fragt, wer bin ich? Bin ich das, was ich liebe oder hasse? Warum liebe ich gerade das und verabscheue jenes? – Wenn man in dieser Richtung immer weiter fragt, kommt man dahin, dass man im Grunde nichts von alledem ist, was man bisher dachte, sondern nur allgemeines, allseits offenes, schöpferisches Leben ist, das sich seiner selbst als unsterblich bewusst werden möchte.

Die Unsterblichkeit ist bereits vielen Menschen zur Gewissheit geworden. Sogar schon in vorchristlicher Zeit, man denke an Plato, der sie lehrte oder an die Upanishaden, die die Göttlichkeit der Seele (Atma) betonen. Wer seine Augen aufmacht und ganzheitlich denkt, wird viele Indizien dafür wahrnehmen.

Der christliche Glaube ist also nichts, dass mit dem natürlichen Leben keinen Zusammenhang hätte, sondern stellt die Rückführung des Natürlichen ins Übernatürliche dar.

Die menschlichen Probleme können nicht ohne den individuellen Menschen, über seinen Kopf hinweg, gelöst werden, sondern nur dadurch, dass sich jeder persönlich bewusst wird, dass er unsterblich ist, und er deshalb in Bezug auf sein persönliches Leben nichts mehr negativ werten muss.

 

Was „Neugeburt“, „Wiedergeburt“ wirklich ist

In der Identifikation mit dem Ewigen wird der Mensch neu „geboren“. Viele Christen behaupten zwar, „von neuem geboren“ zu sein, eine „Wiedergeburt“ erlebt zu haben, aber sie verwechseln dabei die Bekehrung mit der Wiedergeburt. Sie haben sich nun ernsthafter als zuvor, oder überhaupt das erste Mal, entschieden, als Christ zu leben, d.h. in die Kirche zu gehen, die Bibel zu lesen, zu beten, oder zusammenfassender ausgedrückt, „Gott/Jesus gehorsam“ zu sein. Aber die Aufforderung, Gott zu gehorchen erging schon in alttestamentlicher Zeit. Das ist also nichts Neues!

Wenn jemand nur gehorsam ist, dann ist er ja noch als Fremder von dem anderen geschieden. Er tut dann nicht seinen Willen – denn er würde ja aus den ursprünglichen Impulsen etwas anderes tun – sondern den Willen eines Fremden. Wie schädlich das ist, fällt einem erst auf, wenn man das in Bezug auf einen Menschen tut. Denn so kann man „Selbstlosigkeit“ auch verstehen. Der Mensch wird dann zum Spielball des anderen und weiß selbst nicht mehr, was er will und was ihm gut tut. Wer sich so selbst übergeht, merkt, dass er ausgebrannt wird, also ein „bourn out“ bekommt, oder sonstwie depressiv. Im „Gehorsam“ kann also nicht die Lösung des Problems liegen. Sondern nur in der Neugeburt, d.h. auf einer neuen Grundlage, einem neuen Fundament, einem neuen Ausgangspunkt meines Denkens, Fühlens und Wollens. Und das kann eben nur das Ewige selbst sein. Wer wirklich neugeboren werden will, sagt sich: Ich bin ewig. Göttlich ist mein wahres Wesen. Aber jetzt bin ich nur ein Kind, ein Kind Gottes, aber ich soll vollmächtig wie Jesus Christus werden. Er ist der erwachsene, der reife Gott!

Niemals könnten wir die gleichen Taten tun wie er und noch größere, wenn wir nicht die gleiche Grundlage wie er hätten. Niemals könnte er der Erstgeborene unter Brüdern sein, wenn wir nicht von der gleichen Grundlage ausgehen. Niemals könnten wir ihm gleich werden, genauso wenig, wie aus einem Apfelbaum ein Pflaumenbaum werden könnte (Mt. 7, 16-17).

Wir halten also fest: Erst mit den Identifikation mit dem Ewigen gewinnt das Leben des Menschen die Kraft, die Bibel im rechten Licht zu sehen und das Leben richtig zu verstehen. Nur wer sich mit dem Ewigen identifiziert, kann den Heiligen Geist besitzen. Denn „der natürliche Mensch vernimmt nichts vom Geist Gottes“ (1. Kor. 2,14) weil durch die Identifikation mit dem physischen Leib seine Sinne ganz auf die äußere Sinneswelt gerichtet sind und nicht auf das Unsichtbare, dessen Ergebnis erst der physische Leib ist.

Nur wer die verborgenen und komplexen Zusammenhänge immer mehr erkennen lernt, kann die Bibel richtig auslegen. Was heute unter „Bibelauslegung“ fungiert, ist eine, die wirklichkeitsfremd ist, weil sie eben nicht die Verbindung des Wortes zur Realität aufsucht.

Phänomen Nahtod

Meili
Walter Meili, Phänomen Nahtod – Faszinierende Entdeckungen eines Psychiaters – S. 272, Paperback 15,95 €, e-book 11,99 €, SCM Hänsler, Holzgerlingen 2016

Das Buch ist bereits 2016 erschienen. Leider bin ich erst jetzt auf dieses aufmerksam geworden, was in Bezug auf mich selbst nicht so schlimm ist, da ich bereits einige Bücher über das Thema kenne, aber bedauerlich, da ich es deshalb nicht früher rezensieren konnte. Denn dieses Buch ist ein „Muss“ für Jedermann! Besonders aber für Christen und jeden Theologen! Also unbedingt kaufen!

Ich bin erstaunt und erfreut, dass ein solches Buch in einem renommierten evangelikalen Verlag erscheinen konnte. Denn eine große Offenheit für Nahtodphänomene schien mir bisher unter sogenannten Bibelgläubigen nicht vorhanden zu sein. Doch spricht Gott nicht gerade durch die Realität besonders eindrücklich zu uns? Viel deutlicher als es in Worten geschehen kann?

Die biblischen Texte sind wesentlich Geschehnisse, Berichte davon, wie Menschen in vergangener Zeit Gott erlebt haben. Heute erleben ihn viele Menschen durch Nahtoderlebnisse. Selbst hartgesottene Atheisten wurden durch sie gewandelt. Auch der Autor selbst fand durch solche Berichte zum Glauben. Das zeigt die evangelistische Kraft solcher Erfahrungen. Deshalb meine ich auch, eignet sich dieses Buch sehr gut zum Weitergeben an andere.

Um gleich einem vielfach geäussertem Einwand gegenüber zu treten: Nahtoderlebnisse sind wirkliche Todeserlebnisse. Sie beweisen die Unsterblichkeit der menschlichen Seele und geben einen wirklichen Einblick in das jenseitige Leben, wenn auch nur für einen Zeitabschnitt.

Ein Mensch ohne Hirnaktivität (also das EEG zeigt eine Nulllinie) könnte unmöglich Erlebnisse haben, Erfahrungen machen und diese auch noch deuten. Und doch geschieht in der Abwesenheit vom menschlichen Hirn genau das!

Meilis Buch geht auf alle relevanten Aspekte der Nahtoderlebnisse ein. Er zitiert nicht nur ausführlich direkte Erfahrungsberichte, sondern kontextualisiert sie durch Schauungen, wie sie zum Beispielt Sadhu Sundar Singh hatte, oder die Erlebnisse Angehöriger, die hellsichtig das Austreten der Seele bei Sterbenden schauten oder das Erscheinen Verstorbener erlebten. Dieser Blick von mehreren Seiten offenbart, dass sich tatsächlich die Seele vom Körper löst und als solche weiterexistiert, es sich hier wirklich um ein reales übersinnliches Geschehen handelt und nicht etwa um irgendwelche Täuschungen.

Das gibt den Erfahrungen ein besonderes Gewicht. Wer deshalb mehr Klarheit über Fragen des christlichen Glaubens haben möchte – und nur so ist verantwortlicher Glaube möglich – kann als Christ und Theologe unmöglich an Nahtoderfahrungen und verwandten Phänomenen vorübergehen. Um so unverständlicher ist das bisherige Desinteresse von Theologie und Kirche an diesen, das aber, nach dem im Buch zitierten Theologen W. Schweer, „ nicht einem sachkundigen fundierten Urteil, sondern einer eigenartigen Vorentscheidung… bestand, sich einerseits dem wissenschaftlichen Mainstream unserer Zeit folgsam anzuschließen, andererseits zugleich die unvergleichliche Wahrheit der biblischen Offenbarung zu behaupten.“

Dabei verschloss man „die Augen vor den unausbleiblichen Reibungspunkten zwischen diesen beiden Positionen. Es ist eine Einstellung, die allen sonstigen transzendenten Erfahrungen mit ablehnender Skepsis begegnet, aber die entsprechenden biblischen Erfahrungen davon ausnimmt.“ (S. 342)

Was wir deshalb brauchen, ist eine ›visionäre‹ Theologie, deren Aufgabe nach Worten des evangelisch-reformierte Pfarrers Felix Gietenbruch darin besteht, „Theologie aus einer Phänomenologie religiöser Erfahrung zu betreiben – und zwar nicht nur darum, weil dies der ursprüngliche Weg der Theologie selbst ist (anders kann sie nämlich gar nicht von Gott reden), sondern v. a. auch im Hinblick auf die fragenden Menschen, die nach einer Wahrheit suchen, die mehr als vom Zeitgeist bedingt ist.“ (S. 241)

Wenn wir eine solche Theologie haben werden, wird es auch möglich sein, den Menschen unserer Zeit fundierte Antworten auf brennende Fragen zu geben.

Meili betont: „Unser Glaube sollte begründet sein“ und erläutert, „der Glaube muss sich »gründen« – auf inneres Erleben, aber auch auf verstandesmäßige Auseinandersetzung mit der Transzendenz. Für beides können Berichte über Nahtodphänomene Unterstützung bieten.“ (S. 237)

„Ähnlich sieht es Robert L. Wise, der als evangelikaler Theologe selbstverständlich größten Wert darauf legt, mit seinem Buch »von Anfang bis Ende mit der Bibel in Einklang zu bleiben«. Er kommt zum Schluss: ‚Nach langem Forschen und Studieren bin ich zu der Überzeugung gekommen, dass diese Geschichten [also die Sterbebettvisionen, Nachtodkontakte, Nahtoderfahrungen und andere Transzendenzerfahrungen, die er in seinem Buch bezeugt, Anm. d. V.*], die Menschen von jenseits des Lebens mitgebracht haben, die Bibel bestätigen und unser Verständnis für Gottes Wort vertiefen können.’“ (S. 237)

Das Buch ist leicht zu lesen und stellt deshalb außer einem offenen Geist keine weiteren Anforderungen an den Leser. Zugleich eine Lektion in lebendiger Theologie.

Lassen Sie sich packen von den faszinierenden Schilderungen einer Realität, die jeden Menschen angeht!

* Meili

Der Sündenfall

Die menschliche Organisation

Der Mensch wird allgemein unterteilt in Geist, Seele und Leib(1.Thess. 5,23). Das ist eine recht grobe Einteilung, die wir uns etwas genauer ansehen wollen.

Der physische Leib

Der Leib ist zunächst das Physisch – Sichtbare des Menschen, also das, was auch noch eine Zeit nachdem er gestorben, als Leiche, sichtbar ist.
Dieser Leib ist aus materiellen Stoffen aufgebaut, die nach dem Tod „ihre eigenen Wege gehen.“
Solange der Mensch noch lebt sind diese physischen Stoffe anderen als den ihr innewohnenden physikalischen Gesetzmäßigkeiten unterworfen. Das macht der Vergleich zwischen einer Leiche und einem lebenden Menschen deutlich.

Der Lebensleib

Man könnte deshalb diese lebendige Kräfteorganisation „Lebensleib“ nennen.
Einen solchen Lebensleib haben auch die Pflanzen und die Tiere. Kennzeichen dieses Lebensleibes sind Stoffwechsel, Wachstum und Fortpflanzung.
Aber der Mensch ist mit diesen Tätigkeiten ja noch nicht erschöpfend beschrieben.
Ein Mensch hat auch, wie das Tier, Gefühle.

Der Gefühsleib (Seele)

Was drücken Gefühle aus? – Beziehungen, also das Verhältnis, das dieses Lebewesen zu anderen Lebewesen oder leblosen Dingen hat. Grob eingeteilt: Das, was geliebt wird, wird aufgesucht; das, was gehasst wird, gemieden.
Beim Tier geschieht das instinktiv, beim Menschen bewusster. Deshalb sagt man auch, das Tier sei eine Seele, aber der Mensch habe eine Seele. Was wiederum zeigt, dass der Mensch mit Leib und Seele noch nicht ausreichend beschrieben ist.

Das (ewige) ICH

Der Mensch kann nämlich über sich selbst reflektieren, d.h. er kann sich quasi selbst gegenüberstehen und betrachten. Das ist durch den Geist möglich. Synonym für Geist könnte man auch das Wort „Ich“setzen . Wenn wir das tun, dürfen wir aber nicht unter „Ich“ dieses oder jenes verstehen, wie „Ich bin geizig“, „ich bin klug“ sondern nur jene allgemeine Energie, die es mir überhaupt erst ermöglicht, solche Aussagen zu machen. Was ist das für eine Energie? Es kann keine andere sein, als die die mir auch alle bisher genannten Funktionen ermöglichte, also Lebenstätigkeiten wie bei Pflanze und Tier.

Geist aber ist das pure Leben, das Leben an sich. Zur Verdeutlichung ein Vergleich mit den Radiowellen: Damit wir einen Sender hören können, muss ein Programm auf die Trägerwelle moduliert werden. Die Programme entsprechen den verschiedenen Funktionen, die genannt wurde. Sie sind das Spezifische. Nun kann man aber eine Trägerwelle auch ohne Programme aussenden. Dann würden wir zwar nichts hören. Aber die Trägerwelle an sich, würde trotzdem da sein.

Was ist nun das Wesen des Geistes? Es ist ewig und es ist schöpferisch. Es ist Gott (der Vater). Damit will ich aber nicht sagen, dass Du oder ich Gott sind. Wir sind es deshalb nicht, weil unsere Liebe sich noch auf vergängliche Dinge, also die Schöpfungen des Geistes bezieht. Aber der Mensch könnte unmöglich Gottes Kind, oder ein Sohn Gottes werden – wie es uns verheißen ist – wenn nicht Gott in uns schon immer „anwesend“ gewesen wäre. Es gibt nichts, was völlig außer ihm wäre. Nur durch ein falsches Bewusstsein, und was daraus resultiert ist der Mensch von Gott getrennt.

 

Wie es zum Sündenfall kommen musste

 

Zur Wiederholung:Der Mensch besteht aus physischen Leib (Materie), Lebensleib (das, was den physischen Leib durchorganisiert und die materiellen Gesetzmäßigkeiten in einen ganzheitlichen Zusammenhang stellt), Seele (das was Beziehungen schafft), Geist (Das Ewige).
Wie können wir uns nun den Menschen im Paradies vorstellen, also unmittelbar nachdem er geschaffen wurde?

Seine Seele war noch völlig beziehungslos, sein Geist noch nicht tätig. Damit war der Mensch ein völlig reiner Spiegel der ihn umgebenden Realität.
Der Geist wurde aber sofort mittels des physischen Leibes tätig. Der eigene Leib wurde von des Menschen Geist durchdrungen.

Wie es zu Vorstellungen und Erkenntnissen kommt

Dadurch entstand eine geistige Vorstellung vom Leib.
Dieses innere Bild ( = Vorstellung ), das der Mensch so gewonnen hatte, wurde mit den anderen Vorstellungen verglichen, die ihm durch den Anblick der Tiere gegeben wurden.
Dadurch, dass man das eine mit dem anderen vergleicht und so das Gemeinsame aber auch das Trennende feststellt, entsteht ja jede Erkenntnis. So erkannte also zunächst der Mensch die Tiere und konnte sie deshalb mit Namen benennen (1Mo 2,19) .

Nachdem er die Tiere mit Namen benannt hatte war dieser Erkenntnisvorgang beendet. Folgerichtig fällt der Mensch nun in einen Schlaf, da nichts mehr seine Aufmerksamkeit erregt. In diesem Schlaf (1Mo 2,21) aber begegnet sein Geist der Vorstellung des eigenen Leibes (s. oben).
Der Mensch steht damit erstmals sich selbst gegenüber, und da des Menschen Geist noch nicht von Gottes Geist getrennt ist, ist dieser Geist in einem noch unbeschränkten Sinne schöpferisch.
Die Vorstellung, die der Mensch zuvor von sich selbst hatte, ihm aber nicht bewusst war, wird nun substantiell herausgesetzt.
Nun ist aus dem bisher ungeschlechtlichem Menschen Mann und Frau geworden.

Da nun der Mensch als Mensch sich selbst gegenüber steht, kann er auch sich selbst erkennen (1Mo 2,23).

Wie das Erkennen ein Ende findet
Damit war aber der Erkenntnisprozess noch nicht beendet. Das Erkennen dringt nun noch mehr dem Ursprung zu – denn wie bereits gesagt wurde, begann der Erkenntnisprozess mittels des menschlichen Leibes, und nun ist er wieder bei ihm angelangt. Der Mensch erkennt nun, dass er erkannte. Er erkennt sich in seiner Funktion als ein Erkennender.

Dieser bisher stattgefundene Erkenntnisprozess zeigt sich ihm im Bild der Schlange (1Mo 3,1). (Es ist ganz klar, dass es sich hier um einen inneren Vorgang handelt und die Schlange hier nicht eine physisch greifbare Schlange ist. Aber alle Schlangen sind physischer Abbilder lebendiger Kraftrichtungen, Bilder kanalisierter Energie, psychisch ausgedrückt: der Triebe.)
Da nun das Erkennen auf tieferes ausgerichtet ist, kommt es – durch die „Schlange“ – wieder an eine Grenze, und zwar der zwischen Erkennbaren und (vorläufig) Nichterkennbarem, nämlich der zwischen dem Geschaffenen an sich und dem Schaffenden, oder anderes ausgedrückt zwischen Form und Energie (die formlos ist).

Da der Mensch nichts anderes tat und „wollte“ als erkennen steht er nun dem Unerkennbaren gegenüber (1. Mo 3,6). Sein Erkenntnistrieb stößt also an eine Grenze. Der Erkenntnistrieb wird ohnmächtig (1. Mo 3,7).

Natürlich weiß der Mensch nicht, dass diese Grenze nur deshalb vorhanden ist, weil es nichts Geschaffenes mehr zu erkennen gibt. Er empfindet nur eine allgemeine Unfähigkeit und deshalb ist diese für ihn existentiell. Er fühlt sich als ganzer Mensch in Frage gestellt!

Im Bild, dass er sich Feigenblätter machte (1Mo 3,7), wird diese Ohnmacht ausgedrückt, die es zu verbergen gilt. Mit dieser Ohnmacht waren die Urangst (1. Mo 3,8) und damit der Tod „geboren“. Das beendete den Zustand der Harmonie mit Gott (Paradies), denn Ohnmacht, Angst und Tod sind Illusionen („Lüge“), die das Leben nicht kennt.

Von nun an wurde der Mensch von Illusionen beherrscht. Das geschieht solange, bis er sie als solche durchschaut. Das ist uns durch Jesu Sterben und Auferstehen möglich. Deshalb gibt es für uns nichts mehr zu fürchten, können wir – wie Jesus – die Welt überwinden! (Jo 16,33)

Jesus, der Christus – traditionslos

Die meisten Menschen, die sich heute als Christen sehen, sind in einer noch nie dagewesenen Weise zerstritten und deshalb verwirrt. Da hilft es, einen traditionslosen Blick auf Jesus Christus, also unabhängig von Bibel, Kirchengeschichte und „Glauben“ zu werfen. Nur durch einen unverstellten Blick können wir wieder neuen Zugang zur herrlichen Wahrheit des Evangeliums finden.

Die Menschheit ist dem Leiden unterworfen. Es gibt keinen einzigen Menschen, der das Leiden nicht kennt. Deshalb sehnen sich alle Menschen nach Befreiung von diesem. Alle Menschen wollen nichts anderes als glücklich sein.

Tiefe Denker sehen übereinstimmend das Urproblem des Menschen im Rätsel des Todes. Schopenhauer schrieb sogar: „Der Tod ist der eigentliche inspirierende Genius, (…)der Philosophie. Schwerlich sogar würde, auch ohne den Tod, philosophiert werden.“ Auch gilt die Todesstrafe von jeher als die schwerste.

Alle Angst des Menschen ist letztendlich Todesangst, d.h. Angst vor der Vernichtung. Nur um dem Tod zu fliehen, ist der Mensch feige, und nimmt er alle Unterordnungen, alle Sklaverei und Quälerei, alle Anpassungen an die Gesellschaft auf sich, winselt er wie ein Hund um Erbarmen.

Im Umkehrschluß hätte alles Leiden ein Ende, wäre das Dasein ewige Freude, wenn es keinen endgültigen Tod gäbe.

Der Tod ist das Problem und ewiges Leben wäre die Lösung des Problems. Nichts anderes!

Nun wird seit 2000 Jahren behauptet, dass ein Mensch den Tod besiegt hätte. Wenn wir davon ausgehen, dass das tatsächlich der Wahrheit entspricht, dann ist das doch die größte Sensation, die es gibt; das wichtigste Ereignis in der Menschheitsgeschichte!

Hätte Jesus vor 2000 Jahren nicht den Tod besiegt, stünde so ein Ereignis noch aus, damit endgültig die menschlichen Probleme – also alle ohne Ausnahme – gelöst werden könnten.

Damit hat die Auferstehung eine existentielle Bedeutung für einen jeden Menschen. Denn was einmal einem Menschen gelang, das kann auch jedem anderen gelingen!

Was ist der Tod?

Der Tod ist in erster Linie eine Bewusstseinsangelegenheit. Ein Mensch im Tiefschlaf weiß nichts vom Leben und nichts vom Tod. Deshalb kennt ihn das Tier nicht. Allmählich erst wurde sich der Mensch des Todes bewusst, je mehr er erwachte.

Das bisher älteste Dokument menschlicher Angst vor dem Rätsel des Todes entstammt dem dritten Jahrtausend vor Christus. Es ist das sumerische Gilgamesch-Epos. An der Leiche seines Freundes Engidu stellt sich der Held die verzweifelte Frage: „Was ist das nun für ein Schlaf, der dich gepackt hat?“ und gesteht: „Todesfurcht überkam mich.“

Wenn wir also der Überlieferung vertrauen, dass es einem Menschen gelang, den Tod zu überwinden, dann kann es den Tod – als ein zu Nichts werden – nicht wirklich geben. Dann ist er nicht ein Faktum, sondern eine Täuschung, der der Mensch bisher unterlag.

Den Tod als Irrtum zu durchschauen, ist geistige und seelische Befreiung des Menschen. Denn wenn es den Tod nicht wirklich gibt, dann muss ich mich nicht länger ängstigen. Dann kann mich nichts mehr bedrohen. Dann bin ich absolut frei. Dann muss ich mich keiner Macht des Universums mehr unterordnen, denn ich bin ewig! Dann bin ich eins mit Gott!

In diesem herrlichen Bewusstsein, in dieser herrlichen Freiheit zu leben, verändert mich grundlegend, denn es löst alles das auf, was aus dem Irrtum, dem Tod unterworfen zu sein, entstand. Es befreit von allem Leid und aller Krankheit und gibt mir Herrschaft über die Materie.

Grenzenlose Perspektiven in jeder Hinsicht haben sich eröffnet!

Wenn es also wahr ist, dass ein Mensch den Tod besiegt hat, dann konnte der Sieg nur auf der Grundlage geschehen, dass das Leben an sich ewig ist, und dieser Mensch von dieser Tatsache wusste. Nur so konnte er in dem Bewusstsein leben, das wir erst angesichts seines Sieges über den Tod durch die gläubige Reflexion der Auferstehungstatsache gewinnen können.

Nun schlagen wir den Bogen zur jüdisch-christlichen Tradition. Das Pfingstereignis der Apostel war nichts anderes, als dass den Betenden aufging, was die Auferstehung für den Menschen und das jüdische Geistesleben bedeutete. Für den Menschen bedeutete es völliges Heil und damit das Ende aller Versuche, aus einem Bewusstsein der Vergänglichkeit Gutes zu erlangen.

Es gibt kein Heil, solange der Mensch im Bewusstsein lebt, er sei in irgendeiner Weise begrenzt und es gäbe etwas, das grundsätzlich Macht über ihn hätte.

Wer weiter im Gegensatz Gott-Mensch lebt, wird weiterhin die Früchte des Todes ernten. Wer aber weiß, dass nichts über ihn Macht hat, wird die unendliche Kraft des Lebens sich auswirken lassen.

Das hat nichts damit zu tun, dass man vor Gott aus eigener Kraft gerecht werden will, sondern man ist dadurch dem Leben gerecht.

Die Erbsünde

Nur wenige Christen können sich unter dem Begriff „Erbsünde“ etwas vorstellen. Paulus schreibt, dass durch einen Menschen die Sünde in die Welt gekommen sei. Mit ihr der Tod (Rö 5,12). Darin, dass alle Menschen, die geboren werden, sterblich sind, besteht die Erbsünde.

Wenn wir nun das Wesen dieser Erbsünde genauer betrachten wollen, müssen wir uns den Sündenfall selbst ansehen. Da ist der Mensch durch den Leib zwar Geschöpf, aber ein Geschöpf, das noch ganz gottzentriert lebt. Durch einen Erkenntnisprozess, den die Bibel mit der Namensgebung der Tiere anzeigt, erkennt sich schließlich der Mensch in seiner Leiblichkeit. Adam erkennt sich in seinem Gegenüber, der Eva, und spricht: „Das endlich ist Bein von meinem Bein und Fleisch von meinem Fleisch.“ (1. Mo 2, 23). Jetzt also hat der Mensch sich selbst, freilich nur als Leiblichkeit, gefunden. Er steht nun als ein Persönlichkeitszentrum Gott gegenüber! Doch immer noch nicht ist sein Erkenntnistrieb, der sich ihm nun im Bild der Schlange zeigt, gestillt. Er geht, da weitere Objekte der Erkenntnis fehlen, ins Leere… Und da macht der Mensch die Erfahrung des Todes (1. Mo 2, 20-1. Mo 3, 9).

Denn was ist der Tod? Es ist die Vorstellung, dass etwas ins Leere, ins Nichtige, in eine Vernichtung heineinlaufen könnte. Die Reaktion darauf ist Furcht (1. Mo 3, 9).

Eine Leere, ein Nichtsein gibt es aber nicht in Gott (dem Sein, dem Lebendigen). Einen Tod gibt es also nicht wirklich, sondern nur als Illusion! Doch einer Illusion kann und muss man solange erliegen, solange man sie nicht durchschaut. Eine am Leben gehaltene Illusion ist aber auch wirksam. Sie führt vom Geist des Menschen, wo sie ihren Sitz hat, dazu, dass der menschliche Geist als Herrscher über Seele und Leib, in diesen untergeordneten Gliedern Unordnung, Zerstörung anrichtet. Diese zeigt sich in unseren Ängsten, in unserer Aggressivität, den zahlreichen seelischen und leiblichen Erkrankungen und schließlich im physischen Tod.

Menschen, die geboren werden, unterliegen dadurch, dass sie sich mit dem physischen Körper identifizieren, durch diese Identifizierung automatisch  der Illusion von Sterblichkeit. Das ist die Erbsünde.