„Der Heilige Geist“ – was ist das?

Christen, besonders die, die ab und zu die Bibel lesen oder Pfingstler und Charismatiker reden ständig vom „Heiligen Geist“. Obwohl sie ihn alle zu besitzen wähnen, reden sie aber auch immer aneinander vorbei.

Was ist also der „Hl. Geist“ und wer hat ihn tatsächlich? – Um das herauszufinden, müssen wir uns erst einmal klar machen, was „heilig“ bedeutet. Das deutsche Wort ist abgeleitet von „heil“, das „ganz“ bedeutet, im Englischen ebenso: „holy“ – „whole“. Der „Heilige Geist“ ist deshalb der „ganze Geist“, der „allumfassende Geist“, der Geist, der heil, also die Seele des Menschen heilig, den Leib gesund macht. Es ist der Geist der Ganzheit.

Dieser Geist war nach christlicher Auffassung in vorchristlicher Zeit allein Gott zu eigen. Seit Pfingsten können auch Menschen an ihm partizipieren.

 

Wie der heilige Geist zum Menschen kam

Weshalb dieser Unterschied? Nun, in vorchristlicher Zeit war der Mensch durch die Sünde von Gott getrennt und konnte damit noch nicht vollkommen werden. Vollkommenheit ist ein anderes Wort für Ganzheit. Erst indem sich Jesus Christus zum Sünder machte und so den „Geist der Sünde und des Todes“ durchdrang, ist der Mensch prinzipiell wieder in die Sphäre Gottes eingegliedert. Was den Menschen von Gott trennte war also der Unterschied zwischen dem „Geist Gottes“ und dem „Geist des Menschen, der Welt“.

Der heilige Geist wird aber auch der „Geist der Wahrheit“ genannt. Ein Geist muss ja schließlich auch Inhalte haben, sonst wäre er ja „geistlos“, also ein Widerspruch in sich selbst.

Da sich also der Geist Gottes mit dem menschlichen Geist vereinte, kann nun der Mensch auch die göttliche Wahrheit, d.h. das Sichtbare und das Unsichtbare/Übersinnliche erkennen.

Prinzipiell entstehen Erkenntnisse dadurch, daß Wahrnehmungen miteinander verglichen werden. Das, was wahr zu nehmen ist, ist die Realität. Die Bibel ist aber nicht die Realität selbst, sondern sie kündet in zeitgemäßer Einkleidung von der Realität. Wovon sie spricht, erfahre ich deshalb nur, wenn ich selbst die Realität aufsuche, von der sie spricht. Sie benennt also gewisse heilsgeschichtliche Fakten, die nur in Bezug zum konkreten Leben einsichtig und verständlich werden. Ich muss also „ganzheitlich“ an sie herangehen.

 

Das Grundübel des Menschen

Die wichtigste Wahrheit, von der die Bibel spricht, ist unsere „Erlösung“. Das ist ein Wort, mit dem wir nur deshalb meinen etwas anfangen zu können, weil wir ihm als christlich sozialisierte Menschen ständig begegnen. Jemand, der fern vom christlichen Glauben aufgewachsen ist, kann kaum etwas damit verbinden.

Konkretheit gewinnt dieses Wort, wenn sich der Mensch, unabhängig von allen religiösen Bezügen, klar macht, was das Urübel des menschlichen Lebens ist. Wenn man tief und klar genug denkt, kommt man darauf, dass es in der Sterblichkeit des Menschen, also dem Tod besteht. Um das zu begreifen, braucht man keine Bibel oder eine andere Offenbarung. Und so haben das nicht nur gewichtige Philosophen oder Psychologen erkannt, sondern auch ganz gewöhnliche Menschen.

Schwierig wird es erst, wenn man nach der Lösung für dieses Problem sucht. Denn solange dieses Problem nicht gelöst ist, können auch alle anderen Probleme des Menschen nicht gelöst werden. Denn um dieses Problem lösen zu können muss ich wissen, was der Mensch ist.

Ist er lediglich ein Wesen, das mit der Geburt seinen Anfang nimmt und mit dem Tod endet, wie der Materialismus lehrt, oder ist seine Seele prinzipiell unsterblich?

Sollte Ersteres den Tatsachen entsprechen, dann gibt es für ihn keinerlei Hoffnung. Dann haben alle Religionen unrecht. Der Mensch ist dann auch kein Sünder, so wenig wie eine Kuh gegen ihr Kuhsein sündigt. Der Mensch ist dann Mensch und kann nichts anderes sein, wie die Kuh eben Kuh ist und nichts anderes sein kann.

Nur wenn der Mensch prinzipiell unsterblich ist, aber zu einem Sterblichen wurde, ist er gefallen, lebt er wider seine Natur, das man ihm dann zu Recht vorwerfen kann.

 

Ist der Mensch unsterblich?

Wir sehen bereits aus diesem Gedankengang, dass alle diejenigen, die meinen aus der Bibel herauslesen zu dürfen, dass der Mensch keine Unsterblichkeit habe, grundlegend falsch liegen. Ihre Lehren sind deshalb wertlos, ja irreführend.

Nun haben wir aber vorgegriffen. Es ist ja überhaupt noch nicht ausgemacht, dass des Menschen Seele tatsächlich unsterblich ist. Doch genau das wollte uns Jesus Christus durch sein Sterben und Auferstehen vermitteln. Doch muss sich die Unsterblichkeit auch auf weniger spektakulärem Weg erweisen. Ja, man muss sich ihr unmittelbar bewusst werden können, ohne dass man selbst bereits auferstanden ist. Das ist möglich, wenn man sich fragt, wer bin ich? Bin ich das, was ich liebe oder hasse? Warum liebe ich gerade das und verabscheue jenes? – Wenn man in dieser Richtung immer weiter fragt, kommt man dahin, dass man im Grunde nichts von alledem ist, was man bisher dachte, sondern nur allgemeines, allseits offenes, schöpferisches Leben ist, das sich seiner selbst als unsterblich bewusst werden möchte.

Die Unsterblichkeit ist bereits vielen Menschen zur Gewissheit geworden. Sogar schon in vorchristlicher Zeit, man denke an Plato, der sie lehrte oder an die Upanishaden, die die Göttlichkeit der Seele (Atma) betonen. Wer seine Augen aufmacht und ganzheitlich denkt, wird viele Indizien dafür wahrnehmen.

Der christliche Glaube ist also nichts, dass mit dem natürlichen Leben keinen Zusammenhang hätte, sondern stellt die Rückführung des Natürlichen ins Übernatürliche dar.

Die menschlichen Probleme können nicht ohne den individuellen Menschen, über seinen Kopf hinweg, gelöst werden, sondern nur dadurch, dass sich jeder persönlich bewusst wird, dass er unsterblich ist, und er deshalb in Bezug auf sein persönliches Leben nichts mehr negativ werten muss.

 

Was „Neugeburt“, „Wiedergeburt“ wirklich ist

In der Identifikation mit dem Ewigen wird der Mensch neu „geboren“. Viele Christen behaupten zwar, „von neuem geboren“ zu sein, eine „Wiedergeburt“ erlebt zu haben, aber sie verwechseln dabei die Bekehrung mit der Wiedergeburt. Sie haben sich nun ernsthafter als zuvor, oder überhaupt das erste Mal, entschieden, als Christ zu leben, d.h. in die Kirche zu gehen, die Bibel zu lesen, zu beten, oder zusammenfassender ausgedrückt, „Gott/Jesus gehorsam“ zu sein. Aber die Aufforderung, Gott zu gehorchen erging schon in alttestamentlicher Zeit. Das ist also nichts Neues!

Wenn jemand nur gehorsam ist, dann ist er ja noch als Fremder von dem anderen geschieden. Er tut dann nicht seinen Willen – denn er würde ja aus den ursprünglichen Impulsen etwas anderes tun – sondern den Willen eines Fremden. Wie schädlich das ist, fällt einem erst auf, wenn man das in Bezug auf einen Menschen tut. Denn so kann man „Selbstlosigkeit“ auch verstehen. Der Mensch wird dann zum Spielball des anderen und weiß selbst nicht mehr, was er will und was ihm gut tut. Wer sich so selbst übergeht, merkt, dass er ausgebrannt wird, also ein „bourn out“ bekommt, oder sonstwie depressiv. Im „Gehorsam“ kann also nicht die Lösung des Problems liegen. Sondern nur in der Neugeburt, d.h. auf einer neuen Grundlage, einem neuen Fundament, einem neuen Ausgangspunkt meines Denkens, Fühlens und Wollens. Und das kann eben nur das Ewige selbst sein. Wer wirklich neugeboren werden will, sagt sich: Ich bin ewig. Göttlich ist mein wahres Wesen. Aber jetzt bin ich nur ein Kind, ein Kind Gottes, aber ich soll vollmächtig wie Jesus Christus werden. Er ist der erwachsene, der reife Gott!

Niemals könnten wir die gleichen Taten tun wie er und noch größere, wenn wir nicht die gleiche Grundlage wie er hätten. Niemals könnte er der Erstgeborene unter Brüdern sein, wenn wir nicht von der gleichen Grundlage ausgehen. Niemals könnten wir ihm gleich werden, genauso wenig, wie aus einem Apfelbaum ein Pflaumenbaum werden könnte (Mt. 7, 16-17).

Wir halten also fest: Erst mit den Identifikation mit dem Ewigen gewinnt das Leben des Menschen die Kraft, die Bibel im rechten Licht zu sehen und das Leben richtig zu verstehen. Nur wer sich mit dem Ewigen identifiziert, kann den Heiligen Geist besitzen. Denn „der natürliche Mensch vernimmt nichts vom Geist Gottes“ (1. Kor. 2,14) weil durch die Identifikation mit dem physischen Leib seine Sinne ganz auf die äußere Sinneswelt gerichtet sind und nicht auf das Unsichtbare, dessen Ergebnis erst der physische Leib ist.

Nur wer die verborgenen und komplexen Zusammenhänge immer mehr erkennen lernt, kann die Bibel richtig auslegen. Was heute unter „Bibelauslegung“ fungiert, ist eine, die wirklichkeitsfremd ist, weil sie eben nicht die Verbindung des Wortes zur Realität aufsucht.

Du kannst Dich ändern…

Falsche Ansätze

Dass die Menschheit im Argen liegt, war schon immer offensichtlich. In der Neuzeit kam man auf die Idee, dass der wissenschaftliche Fortschritt im Verein mit den technischen Mitteln die Erde in ein Paradies verwandeln könnte. Diesem Wahn hängt man heute immer noch an, aber eher mehr aus Gewohnheit und ökonomischen Sachzwängen.

Der Marxismus erkannte wenigstens, dass der Mensch geändert werden müsse, und man glaubte ein neuer Typus würde dadurch entstehen, dass die Wirtschaft in die Hände der Produzierenden gelange. Aber der Ostblock brachte keinen neuen Menschen hervor. Doch immer noch meint man, eine gerechtere Verteilung des Reichtums würde die menschlichen Probleme lösen.

Allen diesen Vorstellungen ist gemein, dass der Mensch die Lösung seiner Probleme im Außermenschlichen sucht. Im Grunde heißt das ja, ich bin gar nicht das Problem, sondern die Natur, die wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse sind es. Und wenn man merkt, es ist doch der Mensch, dann ist es natürlich der Andere, der sich ändern muss (sehr gut im Ehestreit anschaulich!).

Selbstbetrug vieler Christen

Von dieser Projizierung des Übels und der Lösung desselbigen auf Außermenschliches ist natürlich der christliche Glaube nicht ausgenommen. Dieser Selbstbetrug, den jeder von uns Menschen fast triebhaft in jedem Augenblick vollzieht, muss durchschaut werden!

Zwar gibt jeder Christ zu, dass er ein Sünder ist und der Erlösung bedarf – aber damit hat es sich auch schon…

Wem ist wirklich gegenwärtig, dass Erlösung nichts anderes heißen kann als Erlösung vom Sündersein ? D.h. ich, Du musst grundlegend geändert werden, ich und Du, wir müssen uns ändern. Das ist die vordringlichste und unausweichliche Aufgabe eines jeden Menschen!

Da es eben eine grundlegende Sache ist, kann ich mich natürlich auch nicht ändern, indem ich die Gebote halte und „gute Werke“ tue. Gebote und Gesetze müssen ja nur denjenigen gegeben werden, deren innere Natur gegen diese rebelliert. Menschliche Ordnungen können deshalb nur durch Gebote und Gesetze (s. Staat) aufrechterhalten werden. Eine Lösung der menschlichen Probleme sind sie nicht. Da muss man tiefer ansetzen.

Der Mensch kann nur dadurch ein neuer Mensch werden, wenn alles aus einer neuen Grundlage hervorgeht. Nur aus einem Apfelkern geht ein Apfelbaum hervor, aus einem Pinienkern eine Pinie.

Auf den Menschen übertragen heißt das: nur aus Deiner Identifikation mit dem physischen Körper gehen Sünde und Tod hervor. Das beinhaltet natürlich auch die ganz natürliche Identifikation mit dem, was Du bisher im Leben erlebt und erfahren hast, die Identifikation mit Deinen Gefühlen, Vorlieben und Abneigungen. Das alles ist Deine Vergangenheit. Wer aber zurückschaut, ist nicht geschickt zum Reich Gottes (Lk. 9,62).

Wenn Du Dich aber identifizierst mit Deiner Unsterblichkeit, dann gehen aus ihr nur Klärung, Reinigung, Gesundung, Heiligung und Heiligkeit hervor.

Das alles geht natürlich nur allmählich, wachstümlich, wie bei einem Baum, der ja auch nicht schon beim ersten Sproß Frucht bringt.

Aber Du musst nicht denken, dass Du deshalb die Hände in den Schoß legen kannst. Christen, die ein falsches Gnadenverständnis haben, meinen, sie müssten sich nicht wirklich grundlegend ändern, sondern es genüge, sich nach dem Tod auf das „Sühneopfer Christi“ zu berufen, und das würde ihnen ewige Glückseligkeit sichern.

Merken wir, wie sich hier wieder der große Selbstbetrug, von dem wir am Anfang sprachen, meldet?

Wieder bin ich es nicht, der sich ändern muss, sondern ich erwarte das Heil von einer neuen Umgebung, in die ich quasi durch eine Zauberformel oder durch ein Losungswort (so, wie man durch das richtige Losungswort Zugang zu verschlossenen Gesellschaften erhält) versetzt werde. Der Tod, obwohl in der ganzen Bibel negativ bewertet, wird zur wahren Erlösung umfunktioniert.

Christus spielt eigentlich eine ganz untergeordnete Rolle, eben die eines Lösungswortes. Nichts weiter!

Dabei könnte doch hinreichend bekannt sein, dass eine neue Umgebung wirklich nichts am Charakter eines Menschen ändert. Aus allen Mitteilungen, die wir von im Glauben fortgeschritterneren Menschen über das Leben nach dem Tod, erhalten haben, geht genau das hervor.

Du bist und bleibst eben das, was Du wirklich bist, was also wirksam in Dir lebt, und nicht was Du glaubst. Glaube ist nur ein Mittel, das Dir auf Erden zur Verfügung steht, damit Du Dich ändern kannst, also wodurch langfristige, neue Wirkungen möglich werden.

Entsprechend Deinen wirklichen Qualifikationen wird sich Dein Leben nach dem Tod gestalten.

Der eine bringt 30-, 60- oder gar 100-fältig Frucht, hat wenig oder viel mit seinen Talenten gewuchert. Entsprechend ist sein Lohn, d.h. das rechte Leben ist der Lohn selbst, wie das sündige Leben auch der Lohn selbst ist. Bei beiden ist das nicht sofort offensichtlich. Sünde kann lange Zeit Spaß machen, später wird erst die Kehrseite sichtbar. Richtig zu glauben und zu denken, kann länger anscheinend vergeblich sein, bis man merkt, dass sich etwas Neues gebildet hat, ein neuer Tragegrund, eine wirkliche Gelassenheit, wo man vorher ungelassen blieb.

Worauf es ankommt

Glauben ist ARBEIT AN SICH SELBST. Die Gnade besteht einzig darin, dass uns alle Mittel zur Verfügung stehen, um diese Arbeit zum Erfolg führen zu können.

„Arbeit“ klingt nach Anstrengung und hat hier eigentlich keinen Platz. Wenn ich trotzdem diesen Begriff in Ermangelung eines besseren verwende, dann deshalb, weil wir genötigt sind, zu arbeiten.

Genauso wenig können wir uns der Nötigung entziehen, uns zu ändern, wenn wir einmal ewig glücklich sein wollen.

Worin aber besteht das Wesen dieser Arbeit an sich selbst? – Sie besteht gerade darin, dass wir lernen total gelassen, völlig sorglos zu werden, völlig entspannt durchs Leben zu gehen! Das fällt nämlich dem natürlichen Menschen am schwersten. Denn das Äussere bedrängt uns, und deshalb sind wir permanent unruhig. Ständig denken wir, dass wir etwas machen müssen.

Als Christen sind wir erlöst. Deshalb gibt es für uns überhaupt nichts mehr zu tun. Im Bewusstsein dessen, dass es nichts mehr zu tun gibt, können wir in die heilsame Ruhe eingehen (Hebr. 4,3), und wenn uns das gelungen ist, haben wir ewig Ruhe! Vorher nicht…

Da es in diesem Sinne sehr viel zu tun gibt, ist Zeit das kostbarste Gut, das wir haben. Deshalb ist es unverständlich, dass viele Christen ihre Zeit mit allerlei Unnötigem vertändeln (Eph. 5,16). So wird man am Ende des Lebens nicht viel weiter gekommen sein, als am Anfang.

„Betet ohne Unterlass.“ (1. Thess. 5,17) – damit ist natürlich nicht gemeint, ständig in Worten irgendwelche Bitten vorzubringen, sondern im ständigen Bewusstsein unserer wahren Natur zu leben oder über diese zu meditieren.

Himmel und Hölle

Die subjektiven Wertungen

 

Nehmen wir an, Sie befinden sich in einem Dschungel Lateinamerikas und hören plötzlich ein lautes Brüllen. Wenn Sie dieses nicht sofort identifizieren können, befinden Sie sich in Alarmbereitschaft. Ihre ganze Aufmerksamkeit wird davon gefesselt. Ist es ein Jaguar? Was ist es? – Bis Ihnen einfällt, es ist ja nur ein Brüllaffe. Nun können Sie wieder unbesorgt Ihres Weges ziehen. Sie hören zwar immer noch das Brüllen, aber es hat keine Bedeutung mehr für Sie.

Ein anderes Beispiel: Neben Ihrem Bett tickt ständig der Wecker. Das stört Sie aber nur, wenn Sie direkt darauf achten und eigentlich schlafen wollen. Sonst hören Sie ihn nicht einmal. Auch hier wird Ihre Aufmerksamkeit nur gefesselt, wenn Sie dem Ticken eine persönliche Bedeutung beimessen, nämlich, dass es in der Lage sei, Sie wach zu halten.

Dadurch, dass wir die Signale unserer Umwelt deuten, bekommen sie für uns erst eine Bedeutung. Mit dieser ganz persönlichen Deutung des Geschehens um uns herum, oder auch des in unserem eigenen Inneren vorgehenden, also der Körperempfindungen, schaffen wir unser eigenes Gut und Böse, Positiv und Negativ. Das alles entsprechend dem, ob es unserem eigenem Wollen dient, oder ihm entgegensteht.

Das Negative an sich gibt es nicht. Uns begegnet im Leben nichts Negatives, sondern immer nur etwas, das unserem ganz persönlichen Wollen, wenn nicht immer, so doch im gegebenen Augenblick unerwünscht ist. Das ist dann das, was wir ganz persönlich negativ werten.

Das ist ganz wichtig zu wissen. Denn niemand kann uns von unseren Wertungen und damit von der Art des Erlebens befreien, als nur wir selbst. Auch Gott kann das nicht für uns tun. Jeder kann nur für sich, indem er ganz aufmerksam wird, wie er jede Situation im Augenblick bewertet, seine Bewertungen ändern.

Wir halten zunächst fest: Unser Erleben wird von der Bedeutung bestimmt, die wir den Eindrücken der Umwelt geben. Die Bedeutung wiederum fußt auf unseren Wertungen. Die größte Aufmerksamkeit schenken wir dem, was uns in allgemeiner Weise oder im gegebenen Augenblick als wichtig erscheint. Auf einen vermeintlichen Jaguar zu achten, wird nur vorübergehend, die Liebe zu einem unserer Hobbies dagegen, wird anhaltender sein.

Doch wie man es dreht und wendet, das Leben wird uns immer wieder Situationen bescheren, die uns nicht passen. Solange wir unser Glück in einer selektiven Entscheidung für diese oder jene Inhalte der Welt treffen – was jeder Mensch zunächst tut -, werden andere Inhalte der Welt gegen uns sein. Ein dauerhaftes Glück ist auf diese Weise unmöglich zu erlangen.

Im Gegenteil, die Enttäuschungen, die wir erleben, können uns in eine negative Abwärtsspirale führen, sodass man ganz im Negativen gefangen wird. Das ist dann die sogenannte Hölle.

Würde der Mensch lediglich ein Wesen sein, das mit der Geburt seinen Anfang nimmt und mit dem Tod endet, könnten wir diesen Gegebenheiten niemals entrinnen. Wir würden abhängig von unserer Umwelt bleiben. Das wäre der ganz natürliche Zustand.

Der Sinn des Lebens

Aber der Mensch ist nicht Fleisch und Blut, er ist nicht der Körper, sondern er hat einen Körper. Das, was den eigentlichen Menschen ausmacht, ist ewig. Deshalb hat das Leben einen Sinn! Dieser besteht darin, zu lernen, sich mit dem Ewigen zu identifizieren, um so die Abhängigkeiten vom Äußeren, also kurz gesagt, die Welt, zu überwinden, um dauerhafte Freude, dauerhaftes Glück, ewiges Heil zu erlangen.

Wer das ewige Heil erlangen will, dem bleibt nichts anderes übrig, als alle persönlichen Wertungen von Gut und Böse loszulassen und dem Objektiven zu folgen. Das Ewige allein ist Positiv. Sich darüber zu freuen, dass man ewig ist, indem man sich klar macht, was das alles für unser Leben im Hier & Jetzt und überhaupt bedeutet, gibt uns befreiende und weltüberwindende Kraft.

Die Abhängigkeit von der Welt, vom Äusseren, ist das objektiv Negative. Das bedeutet nicht, dass die Schöpfung (also das Äußere) schlecht wäre, sondern nur die Abhängigkeit des Menschen von ihr.

Will man also in den Himmel kommen, so muss man die Wünsche und Vorstellungen immer mehr aufgeben, die sich auf die Inhalte der Welt, also das Veränderliche, beziehen. Das betrifft auch jene Wünsche, die sich darauf beziehen, dieses oder jenes in der Welt gern noch zu erleben oder tun zu wollen. Die Einstellung „Habt nicht lieb die Welt noch was in der Welt ist.“( 1. Joh 2,15) ist praktische Notwendigkeit für den Eingang ins Himmelreich.

Wir bleiben vom Äusseren, von den Umständen beherrscht, wenn wir die Welt und ihre Inhalte weiterhin lieben. Wir haben damit unser Glück und Wehe aus unseren Händen gegeben.

Wir erlangen aber wahre Herrschaft und Selbstbestimmung, wenn wir uns an unserer Unvernichtbarkeit – das höchste Gut, das es gibt – erfreuen. Denn durch diese ständig gegenwärtige Erfüllung dessen, was unsere zersplitterte Wunschnatur eigentlich wünscht, gewinnen wir Abstand zu unserer „fleischlichen Natur“ (die sich eben auf die Inhalte der Welt bezieht) und Distanz zur Welt. Es kann uns dann immer mehr egal sein, wie die Welt mit uns umspringt. Wir werden immer ein glücklicher Fels in der Brandung sein. Wir werden zunehmen an innerem und äusserem Heil.

In die gleiche Richtung zielen die Anweisungen „Freuet euch allezeit, abermals sage ich freuet euch!“ (Ph. 4,4) und „Seid dankbar in allen Dingen und für alles!“ (1. Thess. 5,18; Eph. 5,20).

Diese Haltungen übend, werden sie uns immer mehr zur Gewohnheit, sodass unsere Aufmerksamkeit immer mehr vom Positiven gefesselt wird, und damit Wohlfühlen, Freude, Glück, Frieden, Liebe, Gesundheit Beständigkeit erlangen. So bringen wir die Früchte des Geistes (Gal. 5,22) hervor.

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In dir ist was du willst
Der Himmel ist in dir / und auch der Höllen Qual:
Was du erkiest und willst / das hast du überall. 

Der Himmel ist in dir
Halt an wo läufst du hin/ der Himmel ist in dir:
Suchst du Gott anderswo/ du fehlst ihn für und für.

Nichts verlangen ist Seligkeit
Die Heilgen sind darum mit Gottes Ruh umfangen/
Und haben Seligkeit/ weil sie nach nichts verlangen.

Wie wird man Gottes gleich?
Wer Gott will gleiche sein/ muß allem ungleich werden.
Muß ledig seiner selbst/ und los sein von Beschwerden.

Gott verdammt niemand
Was klagst du über Gott? Du selbst verdammest dich:
Er möcht’ es ja nicht tun/ das glaube sicherlich. 
(aus „Der cherubinsche Wandersmann“, Angelus Silesius)

Der Dreh- und Angelpunkt christlichen Glaubens

Dreh- und Angelpunkt des christlichen Glaubens ist die Auferstehung. Denn die Auferstehung zeigt, dass der Tod von einem Menschen überwunden wurde. Mit der Auferstehung wurde die „Todlosigkeit“ zur Erscheinung gebracht, d.h. sichtbar (2. Tim. 1,10). Der Tod ist die Wurzel allen Übels. Folgerichtig ist mit der Überwindung des Todes das Heil sichtbar geworden, der Mensch von allem Übel erlöst. Deshalb jubelt Paulus „Tod, wo ist dein Stachel, Hades, wo ist dein Sieg?“ (1. Kor. 15,55). Eng verbunden mit dem Tod ist die Todesangst, von der wir – insofern wir wahrhaft an das ewige Leben glauben – befreit sind (Hebr. 2,15). Wenn wir aber von der Todesangst frei sind, dann sind wir von allen Ängsten frei. Denn alle Ängste haben ihren Sitz in der Angst vor der Vernichtung. Die Todesstrafe gilt nicht umsonst als schlimmste Strafe.

Wir sind ebenfalls frei von aller Krankheit, denn Krankheiten sind nur dort möglich, wo die Angst ihre Herrschaft hat. Wer also wirklich an die Auferstehung glaubt, der ist wahrhaft befreit! In ihm werden durch die Pflege dieses Bewusstseins immer mehr Ängste und Abhängigkeiten überwunden, und durch das Heilwerden seiner Seele, auch der Leib immer mehr von Krankheiten geheilt.

Wenn aber Christus nicht auferstanden  ist, dann, schreibt Paulus, ist unser Glaube vergeblich (1. Kor. 15,14).

Begreifen wir, was der Dreh- und Angelpunkt des christlichen Glaubens ist?

Es geht nicht um ein Leben nach dem Tod.

Es geht nicht primär um Sündenvergebung.

Es geht nicht um Glauben an eine 6-Tage-Schöpfung.

Es geht nicht darum, zu glauben, dass alles in der Bibel richtig ist.

Es geht einzig und allein um die Veränderungen, die aus dem Glauben an die Auferstehung mit Notwendigkeit erwachsen müssen. Sie machen uns zu einer neuen Schöpfung (2. Kor. 5,17).

Leben wir aber nicht im oben genannten Bewusstsein (Gal. 5,25), so bleibt alles beim Alten. Wir bleiben unerlöst.

 

Die Irrlehren der STA und der „Zeugen Jehovas“

Irrlehren haben gemein, dass sie logisch widersprüchlich sind. Das zeigt, dass eine solche Lehre unwahr sein muss. Man kann nicht behaupten, weiß sei schwarz. Das geht einfach nicht. Solche Ungereimtheiten sind in den Lehren über den Tod bei den Siebenten Tag Adventisten und den „Zeugen Jehovas“  erkennbar.

Beide behaupten, und belegen das mit ausgesuchten Bibelstellen, dass der Mensch, wenn er physisch sterbe, völlig tot sei – also nichts den Tod überlebe. Darin unterscheiden sie sich von allen großen Kirchen und Freikirchen, die die Unsterblichkeit der Seele lehren. Auch diese Lehre wird mit Bibelstellen belegt.

Nun könnte man heute, wo zahlreiche Indizien für die Souveränität der Seele und ihr Weiterleben nach dem Tod sprechen, einfach über solche Behauptungen hinweggehen. Aber damit ist einem Anhänger der STA oder „Zeugen Jehovas“ nicht geholfen. Beide Gruppierungen verstehen sich ja als besonders biblisch und Gott treu, da sie eben nur auf die Bibel bauen und alles andere ablehnen. So sei eben die Lehre von der Unsterblichkeit der Seele nur eine Übernahme aus dem Heidentum und die Erfahrungen der Menschen, die für ein Überleben sprechen, Täuschungen Satans.

Selbstverständlich kann man niemals einen Zugang zur Wahrheit finden, wenn man nur die Bibel aus sich selbst verstehen will. Die Texte nehmen auf die Realität als solche und wie sie im zeitgeschichtlich – kulturellen Rahmen erfahrbar war, Bezug. Wir würden heute noch denken, dass die Erde eine Scheibe sei und die Sonne sich um sie drehe, wenn wir nur die Bibel akzeptierten. Wer also eine Sonderlehre aufrecht erhalten will, muss die Realität, oder Teile von ihr, ignorieren.

 

Doch wenden wir uns nun der Lehre der STA zu (die Lehre der „Zeugen Jehovas“ erledigt sich da gleich mit).

Die STA stellt fest: „Besitzt der Mensch keine Unsterblichkeit, enden bei seinem Tod Denken, Fühlen, Wollen und Handeln (Prediger 9,5.6.10). Die Bibel vergleicht seinen Zustand mit einem Schlaf, aus dem er am Ende der Welt aufwachen wird (Johannes 11,11; Daniel 12,13).“  (Quelle: Internationales Bibelstudien – Institut )Hier ist bereits der erste Widerspruch feststellbar. Wenn der Mensch schläft, dann ist er eben nur geistig-seelisch abwesend, aber nicht tot! Wenn also der Tod mit dem Schlaf vergleichbar sei, dann ist eben die Seele geistig-seelisch für immer vom Körper abwesend, aber selbst nicht tot!

„Die Macht des Todes kann die Persönlichkeit nicht zerstören oder auflösen. Wenn wir auch einen völlig neuen Leib [bei der Auferstehung] erhalten, so bleibt doch die Individualität bestehen.“ (Quelle: Eberhard Fischdick in „Was erwartet uns nach dem Tod?“, GTB 1986) Wenn also die Persönlichkeit, die Individualität durch den Tod nicht zerstört wird, dann lebt ja doch die Seele weiter. Denn es ist ja gerade die Persönlichkeit, die Individualität, die einen Menschen vom anderen unterscheidet. Der Leib ist bei allen Menschen im Wesentlichen gleich, also das Unindividuelle. Deshalb sagt Jesus eindeutig: „Und fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht zu töten vermögen; fürchtet aber vielmehr den, der sowohl Seele als Leib zu verderben vermag in der Hölle.“ (Mt. 10,28)

Die Seele kann den Tod in sich tragen, wie das beim Sündenfall begann und damit den Leibestod bewirken und sie kann so verdorben werden, dass sie ihr Leben als Qual empfindet, aber sie kann niemals getötet werden. In diesem Sinne ist die Seele unsterblich. Aber die Bibel unterscheidet von dieser Unsterblichkeit eine andere: Der Mensch ist in der Tat nur vollständig, wenn er einen physischen Körper hat. Diese Unsterblichkeit erlangt er erst, wenn seine Seele von den sündigen, also den tödlichen Inhalten vollständig gereinigt ist.