Sind wir überhaupt gläubig?

Natürlich, werden wir sagen. Schließlich sind wir ja Christen. Doch selbst da möchte ich ein Fragezeichen setzen.

Zum reichen Jüngling sagte Jesus: „Geh hin, verkaufe alles, was du hast…(Mark. 10,21). Darauf reagierte dieser unmutig und „ging traurig davon; denn er hatte viele Güter.“ (V. 22) Dann heißt es weiter: „Und Jesus sah um sich und sprach zu seinen Jüngern: Wie schwer werden die Reichen in das Reich Gottes kommen! Die Jünger aber entsetzten sich über seine Worte. Aber Jesus antwortete wiederum und sprach zu ihnen: Liebe Kinder, wie schwer ist’s, ins Reich Gottes zu kommen! Es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe, als dass ein Reicher ins Reich Gottes komme.Sie entsetzten sich aber noch viel mehr und sprachen untereinander: Wer kann dann selig werden?“ (V. 23-26)

Der reiche Jüngling ist also kein Christ geworden. Daran hinderte ihn der Reichtum. Die Sache mit Gott war ihm doch eine zu unsichere Sache. Da verließ er sich lieber auf das, was er hatte. Mit seinem Reichtum hatte er ausgesorgt – da war es nicht nötig, sich auf Gott zu verlassen!

Das ist die Weisheit dieser Welt, die Torheit vor Gott ist (1. Kor. 3,19). Der Weltweise vertraut nicht. Er will sich hier seinen Wohlstand, sein Auskommen sichern. Sein Leben ist von der Sorge um die irdischen Dinge geprägt.

Wenn wir unseren Tageslauf ansehen, dann werden wir feststellen, dass das voll zutrifft. Sorge muss sich ja nicht unbedingt als Sorge bemerkbar machen. Das geschieht erst dann, wenn einmal etwas nicht so klappt. Wenn wir die Arbeit verlieren, wenn das Geld knapp wird. Im Allgemeinen aber besteht unsere Sorge darin, es erst gar nicht so weit kommen zu lassen.

Nun leben wir auch noch in einer Gesellschaft, deren Sozialsystem so gut ist, dass niemand durch „das Netz“ fällt. Wir sind alle recht gut abgesichert, und kaum einer möchte – wie der reiche Jüngling – diese Sicherheit aufgeben.

Der Preis besteht darin, dass wir nichts Neues erfahren. Denn irdische Absicherung war dem gottlosen Menschen schon immer wichtig. Unser Vertrauen in Gott wächst dadurch nicht. Wir sind ja nicht darauf angewiesen, zu vertrauen.

Stellen wir uns dagegen einmal vor, alle gesellschaftlichen Stützen würden wegfallen, oder gar, wir würden wieder, wie in der Frühzeit des Menschen, allein den Launen der Natur, der wilden Tiere und den ungezähmten Menschen ausgesetzt – würde uns da nicht eine unheimliche Angst und Verzweiflung überfallen?

Wenn es eine wirkliche Erlösung gibt, dann müssten wir uns auch in solchen Situationen geborgen fühlen und gewiß sein, dass Gott uns bewahrt und mit allem versorgt, ohne dass wir wieder beginnen, mit irdischen Mitteln für unsere Sicherheit und unser Auskommen zu sorgen. Denn dann würde alles wieder so werden, wie es schon immer auf Erden war.

Auf Gott zu verlassen, heißt in allen Belangen sich auf ihn zu verlassen. Ich muss zugeben, das fällt mir sehr, sehr schwer. Ich bin in dieser Hinsicht ein sehr ungläubiger Mensch, obwohl ich schon viele Erfahrungen durch den Glauben machte.

Leider habe ich auch wenig ermutigende Vorbilder und Beispiele für wirklichen Glauben in der Literatur oder gar im Leben gefunden. Selbst als Missionar ging man mit medizinischer Ausbildung in die Welt, um die sogenannten Heiden, durch diesen „Zauber“ zu ködern (ich drücke das jetzt mal so krass aus), anstatt mit göttlicher Kraft zu heilen, wie die Apostel.

Bitten wir Gott, dass unser Glaube stark wird!

4 Gedanken zu “Sind wir überhaupt gläubig?

  1. Echt gute Frage. Danke fürs ansprechen. Ja jeder von uns muss sich fragen was er von der Bibel oder von den Worten Jesu wirklich glaubt, d.h. danach lebt oder ob es nur christliche „Religion“ ist.

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  2. Vertrauen gibt es hier grundsätzlich schon, sogar sehr viel. Ich erlebe seit längerem eine osteuropäische Gesellschaft hautnah mit, es ist einfach nur grauenhaft, das können wir uns in Deutschland teilweise gar nicht vorstellen. Wir nehmen das immer als gegeben hin, aber – so banal das klingt – Vertrauen ist die Grundlage in einer Gesellschaft, und sie ist es, die so vielen hier ein dementsprechend „gutes“ und ruhiges Leben ermöglicht (vgl. das Gemeindegebet 1.Tim 2,1). Ich meine das im Sinne von Verlässlichkeit, Tugend, Integrität. Eigentlich das perfekte Fundament für spirituelles Wachstum! Aber dahingehend scheint, wie es auch im Artikel gesagt wurde, die Notwendigkeit nicht einzuleuchten. In einer Studie über Spiritualität in Deutschland wurde eine größte Gruppe (40%) ausgemacht, die von den Verfassern als „unbekümmerte Alltagspragmatiker“ bezeichnet wurde. Ein ind. Mönch sagt dazu: „Hier im Westen besteht die Schwierigkeit darin, dass alles so leicht gemacht wird. Nicht Wahrhaftigkeit, sondern Entwicklung ist das Ziel. Der Kampf ist die große Lektion!“
    Ermutigende Vorbilder gibt es in der Literatur schon, aber ein lebendes Beispiel ist durch nichts zu ersetzen.

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