Die Bibel ist kein naturwissen-schaftliches Buch

Eine Selbstverständlichkeit, sollte man meinen. Aber dem ist nicht so. Viele, die ernsthaft Christ sein wollen, meinen nämlich, dass gerade die Bibel das sein müsste. Weil sie „Gottes Wort“ sei, müssten die Angaben der Bibel zur Natur wahr, und deshalb naturwissenschaftlich unanfechtbar sein. Als ich Christ wurde, war auch das meine Überzeugung. Ich bemühte mich deshalb mit naturwissenschaftlichen Mitteln die „Wahrheit der Bibel“ zu beweisen – so wie es heute noch viele tun – und scheiterte kläglich…

Man übersieht bei dieser ganzen Sache eines: Zur Zeit als die biblischen Gestalten lebten und die einzelnen Texte der Bibel niedergeschrieben wurden, gab es gar keine Naturwissenschaft. Diese hat sich im Wesentlichen erst seit Kopernikus, also seit dem 15. Jahrhundert, entwickelt.

Hätte Gott zu den Menschen der damaligen Zeit naturwissenschaftlich geredet, er wäre nicht verstanden worden! Aber darum geht es ja. Gott muss von denen verstanden werden, zu denen er reden will. Das war in den damaligen Zeiten geozentrisch, also vom dem aus, wie die Menschen die Erde und das All ohne technische Hilfsmittel wahrnahmen und anthropomorph, d.h. analog wie die Menschen sich selbst und die Umgebung empfanden.

Wenn ein Mensch auf einen anderen Menschen zornig war, dann tat er diesem etwas an wovon er annehmen konnte, dass das dem anderen nicht gefiel. Folglich musste Gott auf den Menschen zornig sein, wenn des Menschen Erwartungen nicht erfüllt wurden oder sogar etwas geschah, was als Schaden erfahren wurde. Aus den Wechselfällen des Lebens wurde das Verhältnis Gottes zum Menschen abgeleitet. Ging alles gut, war Gott barmherzig. Trat eine größere Umwälzung auf, bei der viele Menschen vernichtet wurden, „reute es den Herrn, auf der Erde den Menschen gemacht zu haben, und es tat seinem Herzen weh.“ (1. Mo 6,6). Gott konnte man damals nicht anders verstehen als einen Menschen mit allen seinen Emotionen und Sinneswandel, nur das er eben viel mächtiger als ein Mensch war.

Und alles war natürlich um des Menschen Willen geschaffen: „Und Gott sprach: Es sollen Lichter an der Wölbung des Himmels werden, um zu scheiden zwischen Tag und Nacht, und sie sollen dienen als Zeichen und zur Bestimmung von Zeiten und Tagen und Jahren;“ (1Mo 1,14).

Sonne und Mond haben also nach dieser Auffassung keinen Zweck in sich, oder im ganzen System. Sie sind lediglich „Lichter“ am Himmelsgewölbe, damit der Mensch einen Kalender hat! Davon, dass die Sonne ein Stern, und die Planeten dreidimensionale Gebilde, also Kugeln waren, wusste man noch nichts. Man sah also lediglich Lichter am Himmel, an denen nach langen Beobachtungen auffiel, dass manche Lichter an bestimmten Stellen wiederkehrten. Damit hatte man Anhaltspunkte für eine Zeiteinteilung gewonnen.

Das Weltbild der Bibel ist also ein ganz anderes als das unsrige. Deshalb können wir heute nur sinnvoll von Gott reden, wenn wir die zeitgeschichtliche Einkleidung der biblischen Texte durchdringen und zum eigentlichen Inhalt vorstoßen. Dann wird unsere Verkündigung nicht länger im Widerspruch zu anerkannten wissenschaftlichen Wahrheiten stehen und vom heutigen Menschen guten Willens akzeptiert werden.

Das Problem, das sich von jeher durch die Menschheit zieht, ist das Leid und seine Überwindung. Darum geht es im Wesentlichen in allen „heiligen Texten“. Untrennbar sieht man dieses Problem mit dem Verhältnis des Einzelnen zur Gesamtheit und dem Herrscher über alles verknüpft.

Im Grunde muss uns die vorchristliche Entwicklung des menschlichen Bewusstseins und der Gesellschaft nicht mehr interessieren. Mit der Überwindung des Todes durch Jesus Christus sind auch alle Leiden endgültig aufhebbar. Die ultimative Antwort ist gefunden: Identifiziere Dich mit dem Ewigen und überwinde so alle Anhänglichkeit ans Vergängliche, Materielle! Alles andere hat keinen Heilswert.

Gibt es eine Führung im Leben?

Wie entscheiden?

Wir Menschen werden im Laufe unseres Daseins vor unzählige Entscheidungen gestellt, und stets haben wir das Bedürfnis, uns „richtig“ zu entscheiden. Was der Einzelne aber in den jeweiligen Situationen für richtig hält, ist doch recht unterschiedlich. Die meisten Entscheidungen werden wohl in Hinblick auf den unmittelbaren persönlichen Vorteil gefällt. Oder anders gesagt unter dem Gesichtspunkt. wie befriedige und sichere ich am besten meine Bedürfnisse? Für den, der nicht nur die Oberfläche des Daseins schaut, zeigt sich, dass gerade solche Entscheidungen dem Menschen am wenigsten zum Vorteil gereichen. Im Gegenteil, sie sind es, die den Menschen in tieferes Leid treiben. Das muss sich nicht innerhalb dieses Er­denlebens zeigen. Spätestens aber im nachtodlichen Dasein wird es allerdings sichtbar.

Wer die Wahrheit eines Weiterlebens nach dem Tode noch von sich weist, kann aber auch am heutigen Geschehen diese Gesetzmässig­keit erkennen. Es mag ja jetzt scheinbar noch von Vorteil sein, wenn wir nicht bereit sind auf Annehm­lichkeiten unseres technisierten Lebens zu verzichten. Die Zerstörung der Natur und die wachsende Assozialisierung lassen sich dann aber nicht aufhalten.

Es gibt aber auch viele Menschen, die nach wahrhaft richtigen Entscheidungen leben möchten. Menschen, die fragen, wie sie am besten ihren Mitmenschen oder überhaupt der Gesamtheit des Daseins dienen können. Solche machen es sich oft nicht leicht und immer wieder zweifeln sie daran, ob sie wirklich das Beste taten.

Andere glauben daran, dass es eine „höhere Führung“ gebe und sie versuchen, sich mit ihr in Verbindung zu setzen, um daraus Impulse für ihr Handeln zu empfangen. Sie wenden sich an ihr „Höheres Selbst“, an „Engel“ oder gar an „Gott“ oder Jesus Christus. Das alles ist gut und aufrichtig gemeint. Oft erhält man sogar „Antworten“. Manche meinen, man bekomme sogar immer eine Antwort, verstehe sie aber nicht in jedem Fall. Gott könne durch Begegnungen, Ereignisse usw. antworten. Alles das ist gewiss richtig. Und doch oftmals unbefriedigend.

Gott im Alltag

Ich erinnere mich noch gut an einen Bekannten, der meinte, auch in den kleinen Dingen des Alltags Gottes unmittelbare Führung zu erhalten. Als er bewusst diese Haltung einnahm und seine entsprechenden Wünsche im Gebet äußerte, folgten Geschehnisse, die man als eine „Erhörung“ interpretieren konnte. Zu einer Glaubenskrise kam es allerdings , als immer mehr Erwartungen enttäuscht wurden oder „Gottes Führung“ unsinnige Formen annahm.

So glaubte jener Bekannte zum Beispiel, dass er keinen Wecker mehr benötige, da „Gott“ ihn zur rechten Zeit wecken würde, um morgens auch genügend Zeit zur persönlichen Andacht und Frühstück zu haben. Das klappte zuerst auch erstaunlich gut, aber allmählich kamen die Zeiten durcheinander. Mehrere Male wurde er mitten in der Nacht geweckt oder, wenn ich mich jetzt nicht täusche, auch zu spät. Jedenfalls wurde dieses Vertrauen gründlich erschüttert. Hätten wir damals mehr vom Menschen gewusst, hätte diese Störung leicht behoben werden können. Allerdings hätte man dann auch gewusst, dass ein Gott in solchen Dingen keine Rolle spielt. Die Krise wäre dann sicher nicht zu einer so tiefgreifenden Glaubenskrise ausgeartet, wie es der Fall war.

Dann kommt es immer wieder vor, dass Menschen behaupten, dass dies oder jenes „Gottes Wille“ sei.                   Sie selbst sind davon überzeugt, jene Impulse „von höherer Ebene“ empfangen zu haben. Dann aber stellt sich heraus, dass an diesen Behauptungen nichts Wahres ist. Das Betrübliche an solchen Geschehnissen ist weniger, dass Materialisten meinen, dadurch einen Grund mehr zu haben, über die „einfältigen religiösen Spinner“ zu lächeln, als dass das persönliche Vertrauen in „Höheres“ Schaden erleidet. Denn gewöhnlich sind es ja solche Menschen, denen jenes widerfährt, denen es ein Bedürfnis ist, mit Gott und seinem Willen eins zu werden. Es ist deshalb wichtig, auf diesem Gebiet mehr Klarheit zu erlangen.

Zielhaftigkeit des Kosmos

Der Frage, ob es im persönlichen Leben eine Führung gibt, der der Mensch vertrauen und mit der er eventuell bewusst in Einklang leben kann, kommen wir näher, wenn wir die „Strukturen des Universums“ betrachten. Für den Materialisten, der meint, nur dieses eine irdische Leben zu haben ist unsere Frage völlig gegenstandslos. Die theoretischen Grundlagen der neueren Physik erlauben allerdings eine solche eindeutige Haltung nicht mehr. Nach ihr ist alles mit allem verbunden und damit ein Weiterleben und „Führung“ durchaus denkbar.                    Tatsachen, die von der Wissenschaft anerkannt, aber mit ihren Mitteln nicht erklärt werden können, wie z.B. die Telepathie, die Psychokinese, beweisen eine Freiheit der Seele vom Materiellen und implizieren damit ihren Fortbestand nach Ablegen des physischen Körpers (Tod).

Wenn also die Struktur des Kosmos so beschaffen ist, dass die Materie nur eine bestimmte Daseinsform darstellt, der andere, nämlich seelische und geistige überlegen sind, dann ist es in unserer Zeit „oberstes Ziel“ des Kosmos, oder sollen wir sagen Gottes, den Menschen zur Anerkennung dieser Tatsache zu bringen. Gegen die Realität zu handeln muss zwangsläufig Leiden erzeugen. Da können wir in unserem tagtäglichem beobachten, und warum sollte das in größeren Zusammenhängen anders sein?

Das Universum hat zwei Möglichkeiten, dieses Ziel zu erreichen. Die eine besteht darin, uns durch fortgesetztes Leiden zur Änderung; unseres Lebens zu bewegen oder die weit angenehmere durch Belehrung (wie sie bsw. auch hier geschieht), die freilich durch persönliches Bemühen vertieft werden muss. Dieser „Führung“, die nicht einmal das „Eingreifen“ eines persönlichen Gottes bedarf (was natürlich seine mögliche Existenz nicht ausschließt), können wir uns gewiss sein. An ihr, da es die in unserer Zeit die für den Menschen „oberste Führung“ ist, müssen sich deshalb alle anderen „Führungen“ orientieren, d.h. sie können auch nur im Dienste dieses Zieles stehen. Sie ordnen die Modalitäten, wie dieses Ziel unter den entsprechenden zeitlichen, örtlichen, gesellschaftlichen und persönlichen Gegebenheiten erreicht werden kann.

Ich und Unterbewusstes

Hier wird die Sache sehr komplex und setzt die Verwirrung bei uns Menschen ein. Denn wenn wir persönliche Führung wünschen, uns ihrer vergewissern wollen, dann fragen wir ja, was wir unter den gegebenen Umständen tun. wie wir uns da entscheiden sollen.

Selbst wenn es in den gegebenen Fällen unser aufrichtiger Wunsch ist, dass in unseren Entscheidungen der höchste Wille zum Ausdruck kommen möge, ist damit keinesfalls gesagt – falls man überhaupt eindeutige Klarheit erlangt – , dass die tatsächliche Entscheidung ihm entspricht. Denn um wirklich „Gottes Stimme“ hören zu können, müssten wir in der Lage sein, alle unsere eigenen Stimmen zum Schweigen zu bringen. Das kann und sollte man üben. Im Übrigen muss man sich wohl zufrieden geben, dass die Entscheidungen im Sinne unserer eigenen uns unbewussten Kräfte ausfallen. Was ist damit gesagt? Auch wenn wir es uns anders wünschen, so sind wir doch gezwungen, nach unseren Fähigkeiten und Möglichkeiten zu handeln, d.h.  Ideen, Menschen, Dinge, denen wir uns verbunden haben,  bestimmen, wie wir uns entscheiden werden. In diesem Sinne werden wir ständig geführt oder auch verführt.

Dass eine Sache gut klappt, heißt deshalb noch lange nicht, dass wir uns richtig entschieden hatten (obwohl wir es meist so bewerten), noch dass wir uns falsch entschieden haben, wenn etwas nicht in unserem Sinne läuft. Als Ideal sehen wir allerdings, dass etwas, was wir uns vornehmen auch gelingen möge. Ist das nicht der Fall, so sind wir enttäuscht. Dieses Ideal hat man auch im allgemeinen dann noch, wenn man sich entschieden hat, ein Leben zu leben, das ganz Gott gewidmet sein soll. Da ist man erst recht der Auffassung, dass doch einmal der Punkt erreicht werden müsste, an dem man wirklich erfolgreiche Entscheidungen treffen könnte, d.h. dass man zur richtigen Zeit genau weiß, was zu tun ist, damit zur richtigen Zeit das richtige geschieht. Man muss ja nicht den ganzen Ablauf und die „Zwischenglieder“ einer solchen Handlung verstehen, aber man mochte doch die Gewissheit haben, dass das, was man tut, sinnvoll ist. Wie gesagt: Es ist ein Ideal. Begnügen müssen wir uns mit weniger. Und doch gibt es Ereignisse, die uns als offensichtliche Führungen verblüffen.

Führung und Führung

Ich möchte ein positives und ein negatives Beispiel dafür anführen. Zuerst das positive. Loren Cunningham ist der Gründer einer evangelikalen Mission, die u.a. auf eigenen Schiffen junge Christen zu Einsätzen in alle Welt schickt. Es begann mit einer Vision, die Cunningham im Alter von 20 Jahren erhielt. Schon damals war es ihm ein Anliegen, „Menschen zu Jesus zu führen“. Er vertraute,später mit seiner Frau und Mitarbeitern, dass Gott ihnen die Wege und Mittel zur Verwirklichung dieser Vision zeigen bzw. geben werde. Wenn auch nicht immer alles glatt lief, – wundervolle „Zufälle“ bestimmten die Geschicke, die zu einer großartigen Erfüllung, der in der Vision geäußerten Absichten führten. Die Geschichte dieser Mission scheint ein einziger Beweis für das Wirken Gottes zu sein.

Und doch möchte man ein Fragezeichen setzen. Denn, evangelikale Christen sind dogmatisch und unflexibel (was auf das gleiche hinauskommt). Sie vertrauen der Bibel wortwörtlich und lehnen alles andere ab. Dabei begreifen sie nicht, dass ihr „Verständnis“ der Bibel ein zeitbedingtes ist. Um es zu veranschaulichen: Wenn ich behaupte, dass in einem materiell gedachten Garten eine materielle Schlange gesprochen hat, so ist das nicht nur lächerlich, sondern geht am Verständnis der Bibel vorbei. Wenn Jesus in unserer Zeit missionieren würde, würde er das keinesfalls auf evangelikale Weise tun, sondern dem kulturellen und persönlichen Hintergrund seiner Zuhörer angepasst. Das setzt natürlich voraus, dass man die Wahrheit, die man predigt, versteht, und nicht nur glaubt, wie es die Evangelikalen tun.

Bevor wir uns näher mit dem genannten Beispiel auseinandersetzen, wollen wir uns jetzt mit einem Fall befassen, der auch Elemente einer Führung aufweist, die aber heute kaum noch jemand Gott zuschreiben möchte. In den Schlachtfeldern des ersten Weltkrieges reifte in einem jungen Mann die Überzeugung, dass er zu einer großen Aufgabe bestimmt sei. Mit seinen Kameraden hatte er sich in einem Schützengraben niedergesetzt, um sich zu stärken, als er eine innere Stimme hörte, die ihm befahl, sich etwas abseits zu begeben. Kaum hatte er es getan, schlug eine Granate ein, die alle seine Kameraden tötete. Auf ähnliche Weise sollte dieser Mann, nachdem er der Erfüllung seiner Träume recht nahe gekommen war, Anschlägen auf sein Leben entgehen. Um so mehr musste er sich als Auserwählter der „Vorsehung“ fühlen. Es ist ganz offensichtlich, dass Hitler „bewahrt“, „beschützt“ wurde. Aber, war es Gott, der „mit ihm war“? Das dürfte ausgeschlossen sein. War Gott gegen ihn? Auch das ist nicht erkennbar. Was also waren die wirkenden Kräfte, die über das „rein menschliche“ Vermögen hinausgingen? Wo hatten sie ihren Ursprung?

An beiden Beispielen ist offensichtlich, dass das Übermenschliche, das erreicht wurde, zunächst begründet ist in menschlichen Persönlichkeiten, hier also Cunningham und Hit­ler, die sich leidenschaftlich bestimmten Ideen verschrieben haben, die so von einer Idee besessen sind, dass sie mit Einsatz ihres Lebens deren Verwirklichung anstreben. Nun gibt es Menschen, die gleiche oder ähnliche Ziele anstreben, aber selbst nicht diese Leidenschaft aufbringen oder über die entsprechenden Talente verfügen, um diese Ideen zu realisieren. Sie werden gleichsam von jenen stärkeren Persönlichkeiten befeuert.

Dabei ist zu beachten, dass wir Menschen auf den inneren Ebenen ständig miteinander kommunizieren, auch dann wenn wir physisch voneinander getrennt sind und nichts voneinander wissen. So ergeben sich dann, geistig-seelische Konstellationen, die zu Ereignissen führen können, die für das gewöhnliche menschliche Denken verblüffend, ja „wunderbar“ sind. Die Kräfte einer Führerpersönlichkeit sind so organisiert, dass sie dem betreffenden Menschen große Instinktsicherheit verleihen. Wenn diese Menschen eine Stimme hören, die ihnen befiehlt, dieses oder jenes gerade jetzt zu tun, so ist das strenggenommen weder Gott, noch ein Engel, noch ein Teufel, sondern ihr „Instinkt“, d.h. die Persönlich­keitsanteile, die im gegenwärtigen Augenblick nicht bewusst, aber alle auf das eine Ziel ausgerichtet sind. Selbstverständlich werden viel weniger wunderbare – für uns irrationale – Dinge geschehen, wenn die gleiche Persönlichkeit in einem Umfeld auftritt, das sich ablehnend gegenüber den entsprechenden Ideen verhält. Die evangelikale Mission Cunninghams hätte nicht entstehen können, wenn es nicht genügend Menschen gäbe, die einen solchen Einsatz für sinnvoll hielten. Hitler hätte keine Chance gehabt, wenn das deutsche Volk nicht entsprechend gestimmt gewesen wäre.

Es wurde aus unseren Betrachtungen, für die noch viele Beispiele herangezogen werden könnten, deutlich, dass der Mensch, solange er nicht Ideen sich zu eigen gemacht hat, die mit der Wahrheit übereinstimmen, immer in einem gewissen Sinne verführt wird. Dadurch stellt sich dann zeitweiliger „Erfolg“ als Misserfolg heraus, und das Leiden an der Realität beginnt. Zugleich aber wird der Mensch durch die Realität, – dadurch, dass er scheitert, -korrigiert. Es sind das Wendepunkte, an denen er in die Lage versetzt wird, neue Ideen aufnehmen zu können. Wenn der Mensch also nicht verführt, sondern immer mehr zum Positiven und Wahren hingeführt werden möchte – wodurch allein eine Beendigung des Leides und Missbehagens möglich ist – dann gibt es nichts Wichtigeres als Erkenntnis der Wahrheit und ein Leben ihr entsprechend.

Worauf es ankommt

Von entscheidender Wichtigkeit ist dabei die persönliche Klarheit über die Frage, bin ich ein Wesen, das mit dem physischen Tod vergeht, oder bin ich ein Wesen, dem ein unvernichtbarer, ewiger Kern zugrunde liegt ? Nur wenn ich letzteres positiv beantworten kann, bin ich in Übereinstimmung einer, ja der grundlegenden Wahrheit. Nur auf ihr basierend ist Führung möglich. Außer ihr gibt es nur Verführung. In diesem Sinne allein ist der Spruch Jesu zu verstehen : Niemand kommt zum Vater – dem Urgrund aller Dinge – denn durch mich, d.h. als dem Bewusstsein von diesem Urgrund (Jo 14,6).

(Dieser Text stellt eine leichte Anpassung eines bereits früher veröffentlichten Textes dar. )

Jesus, der Christus – traditionslos

Die meisten Menschen, die sich heute als Christen sehen, sind in einer noch nie dagewesenen Weise zerstritten und deshalb verwirrt. Da hilft es einen traditionslosen Blick auf Jesus Christus, also unabhängig von Bibel, Kirchengeschichte und „Glauben“ zu werfen. Nur durch einen unverstellten Blick können wir wieder neuen Zugang zur herrlichen Wahrheit des Evangeliums finden.

Die Menschheit ist dem Leiden unterworfen. Es gibt keinen einzigen Menschen, der das Leiden nicht kennt. Deshalb sehnen sich alle Menschen nach Befreiung von diesem. Alle Menschen wollen nichts anderes als glücklich sein.

Tiefe Denker sehen übereinstimmend das Urproblem des Menschen im Rätsel des Todes. Schopenhauer schrieb sogar: „Der Tod ist der eigentliche inspirierende Genius, (…)der Philosophie. Schwerlich sogar würde, auch ohne den Tod, philosophiert werden.“ Auch gilt die Todesstrafe von jeher als die schwerste.

Alle Angst des Menschen ist letztendlich Todesangst, d.h. Angst vor der Vernichtung. Nur um dem Tod zu fliehen ist der Mensch feige, und nimmt er alle Unterordnungen, alle Sklaverei und Quälerei, alle Anpassungen an die Gesellschaft auf sich, winselt er wie ein Hund um Erbahrmen.

Im Umkehrschluß hätte alles Leiden ein Ende, wäre das Dasein ewige Freude, wenn es keinen endgültigen Tod gäbe.

Der Tod ist das Problem und ewiges Leben wäre die Lösung des Problems. Nichts anderes!

Nun wird seit 2000 Jahren behauptet, dass ein Mensch den Tod besiegt hätte. Wenn wir davon ausgehen, dass das tatsächlich der Wahrheit entspricht, dann ist das doch die größte Sensation, die es gibt; das wichtigste Ereignis in der Menschheitsgeschichte!

Hätte Jesus vor 2000 Jahren nicht den Tod besiegt, stünde so ein Ereignis noch aus, damit endgültig die menschlichen Probleme – also alle ohne Ausnahme – gelöst werden könnten.

Damit hat die Auferstehung eine existentielle Bedeutung für einen jeden Menschen. Denn was einmal einem Menschen gelang, das kann auch jedem anderen gelingen!

Was ist der Tod?

Der Tod ist in erster Linie eine Bewusstseinsangelegenheit. Ein Mensch im Tiefschlaf weiß nichts vom Leben und nichts vom Tod. Deshalb kennt ihn das Tier nicht. Allmählich erst wurde sich der Mensch des Todes bewusst, je mehr er erwachte.

Das bisher älteste Dokument menschlicher Angst vor dem Rätsel des Todes entstammt dem dritten Jahrtausend vor Christus. Es ist das sumerische Gilgamesch-Epos. An der Leiche seines Freundes Engidu stellt sich der Held die verzweifelte Frage: „Was ist das nun für ein Schlaf, der dich gepackt hat?“, und gesteht: „Todesfurcht überkam mich.“

Wenn wir also der Überlieferung vertrauen, dass es einem Menschen gelang den Tod zu überwinden, dann kann es den Tod – als ein zu Nichts werden – nicht wirklich geben. Dann ist er nicht ein Faktum, sondern eine Täuschung, der der Mensch bisher unterlag.

Den Tod als Irrtum zu durchschauen ist geistige und seelische Befreiung des Menschen. Denn wenn es den Tod nicht wirklich gibt, dann muss ich mich nicht länger ängstigen. Dann kann mich nichts mehr bedrohen. Dann bin ich absolut frei. Dann muss ich mich keiner Macht des Universums mehr unterordnen, denn ich bin ewig! Dann bin ich eins mit Gott!

In diesem herrlichen Bewusstsein, in dieser herrlichen Freiheit zu leben, verändert mich grundlegend, denn es löst alles das auf, was aus dem Irrtum, dem Tod unterworfen zu sein, entstand. Es befreit von allem Leid und aller Krankheit und gibt mir Herrschaft über die Materie.

Grenzenlose Perspektiven in jeder Hinsicht haben sich eröffnet!

Wenn es also wahr ist, dass ein Mensch den Tod besiegt hat, dann konnte der Sieg nur auf der Grundlage geschehen, dass das Leben an sich ewig ist, und dieser Mensch von dieser Tatsache wusste. Nur so konnte er in dem Bewusstsein leben, das wir erst angesichts seines Sieges über den Tod durch die gläubige Reflexion der Auferstehungstatsache gewinnen können.

Nun schlagen wir den Bogen zur jüdisch-christlichen Tradition. Das Pfingstereignis der Apostel war nichts anderes, als dass den Betenden aufging, was die Auferstehung für den Menschen und das jüdische Geistesleben bedeutete. Für den Menschen bedeutete es völliges Heil und damit das Ende aller Versuche aus einem Bewusstsein der Vergänglichkeit Gutes zu erlangen.

Es gibt kein Heil, solange der Mensch im Bewusstsein lebt, er sei in irgendeiner Weise begrenzt und es gäbe etwas, das grundsätzlich Macht über ihn hätte.

Wer weiter im Gegensatz Gott-Mensch lebt, wird weiterhin die Früchte des Todes ernten. Wer aber weiß, dass nichts über ihn Macht hat, wird die unendliche Kraft des Lebens sich auswirken lassen.

Das hat nichts damit zu tun, dass man vor Gott aus eigener Kraft gerecht werden will, sondern man ist dadurch dem Leben gerecht.

Du kannst Dich ändern…

Falsche Ansätze

Dass die Menschheit im Argen liegt, war schon immer offensichtlich. In der Neuzeit kam man auf die Idee, dass der wissenschaftliche Fortschritt im Verein mit den technischen Mitteln die Erde in ein Paradies verwandeln könnte. Diesem Wahn hängt man heute immer noch an, aber eher mehr aus Gewohnheit und ökonomischen Sachzwängen.

Der Marxismus erkannte wenigstens, dass der Mensch geändert werden müsse, und man glaubte ein neuer Typus würde dadurch entstehen, dass die Wirtschaft in die Hände der Produzierenden gelange. Aber der Ostblock brachte keinen neuen Menschen hervor. Doch immer noch meint man, eine gerechtere Verteilung des Reichtums würde die menschlichen Probleme lösen.

Allen diesen Vorstellungen ist gemein, dass der Mensch die Lösung seiner Probleme im Außermenschlichen sucht. Im Grunde heißt das ja, ich bin gar nicht das Problem, sondern die Natur, die wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse sind es. Und wenn man merkt, es ist doch der Mensch, dann ist es natürlich der Andere, der sich ändern muss (sehr gut im Ehestreit anschaulich!).

Selbstbetrug vieler Christen

Von dieser Projizierung des Übels und der Lösung desselbigen auf Außermenschliches ist natürlich der christliche Glaube nicht ausgenommen. Dieser Selbstbetrug, den jeder von uns Menschen fast triebhaft in jedem Augenblick vollzieht, muss durchschaut werden!

Zwar gibt jeder Christ zu, dass er ein Sünder ist und der Erlösung bedarf – aber damit hat es sich auch schon…

Wem ist wirklich gegenwärtig, dass Erlösung nichts anderes heißen kann als Erlösung vom Sündersein ? D.h. ich, Du musst grundlegend geändert werden, ich und Du, wir müssen uns ändern. Das ist die vordringlichste und unausweichliche Aufgabe eines jeden Menschen!

Da es eben eine grundlegende Sache ist, kann ich mich natürlich auch nicht ändern, indem ich die Gebote halte und „gute Werke“ tue. Gebote und Gesetze müssen ja nur denjenigen gegeben werden, deren innere Natur gegen diese rebelliert. Menschliche Ordnungen können deshalb nur durch Gebote und Gesetze (s. Staat) aufrechterhalten werden. Eine Lösung der menschlichen Probleme sind sie nicht. Da muss man tiefer ansetzen.

Der Mensch kann nur dadurch ein neuer Mensch werden, wenn alles aus einer neuen Grundlage hervorgeht. Nur aus einem Apfelkern geht ein Apfelbaum hervor, aus einem Pinienkern eine Pinie.

Auf den Menschen übertragen heißt das: nur aus Deiner Identifikation mit dem physischen Körper gehen Sünde und Tod hervor. Das beinhaltet natürlich auch die ganz natürliche Identifikation mit dem, was Du bisher im Leben erlebt und erfahren hast, die Identifikation mit Deinen Gefühlen, Vorlieben und Abneigungen. Das alles ist Deine Vergangenheit. Wer aber zurückschaut, ist nicht geschickt zum Reich Gottes (Lk. 9,62).

Wenn Du Dich aber identifizierst mit Deiner Unsterblichkeit, dann gehen aus ihr nur Klärung, Reinigung, Gesundung, Heiligung und Heiligkeit hervor.

Das alles geht natürlich nur allmählich, wachstümlich, wie bei einem Baum, der ja auch nicht schon beim ersten Sproß Frucht bringt.

Aber Du musst nicht denken, dass Du deshalb die Hände in den Schoß legen kannst. Christen, die ein falsches Gnadenverständnis haben, meinen, sie müssten sich nicht wirklich grundlegend ändern, sondern es genüge, sich nach dem Tod auf das „Sühneopfer Christi“ zu berufen, und das würde ihnen ewige Glückseligkeit sichern.

Merken wir, wie sich hier wieder der große Selbstbetrug, von dem wir am Anfang sprachen, meldet?

Wieder bin ich es nicht, der sich ändern muss, sondern ich erwarte das Heil von einer neuen Umgebung, in die ich quasi durch eine Zauberformel oder durch ein Losungswort (so, wie man durch das richtige Losungswort Zugang zu verschlossenen Gesellschaften erhält) versetzt werde. Der Tod, obwohl in der ganzen Bibel negativ bewertet, wird zur wahren Erlösung umfunktioniert.

Christus spielt eigentlich eine ganz untergeordnete Rolle, eben die eines Lösungswortes. Nichts weiter!

Dabei könnte doch hinreichend bekannt sein, dass eine neue Umgebung wirklich nichts am Charakter eines Menschen ändert. Aus allen Mitteilungen, die wir von im Glauben fortgeschritterneren Menschen über das Leben nach dem Tod, erhalten haben, geht genau das hervor.

Du bist und bleibst eben das, was Du wirklich bist, was also wirksam in Dir lebt, und nicht was Du glaubst. Glaube ist nur ein Mittel, das Dir auf Erden zur Verfügung steht, damit Du Dich ändern kannst, also wodurch langfristige, neue Wirkungen möglich werden.

Entsprechend Deinen wirklichen Qualifikationen wird sich Dein Leben nach dem Tod gestalten.

Der eine bringt 30-, 60- oder gar 100-fältig Frucht, hat wenig oder viel mit seinen Talenten gewuchert. Entsprechend ist sein Lohn, d.h. das rechte Leben ist der Lohn selbst, wie das sündige Leben auch der Lohn selbst ist. Bei beiden ist das nicht sofort offensichtlich. Sünde kann lange Zeit Spaß machen, später wird erst die Kehrseite sichtbar. Richtig zu glauben und zu denken, kann länger anscheinend vergeblich sein, bis man merkt, dass sich etwas Neues gebildet hat, ein neuer Tragegrund, eine wirkliche Gelassenheit, wo man vorher ungelassen blieb.

Worauf es ankommt

Glauben ist ARBEIT AN SICH SELBST. Die Gnade besteht einzig darin, dass uns alle Mittel zur Verfügung stehen, um diese Arbeit zum Erfolg führen zu können.

„Arbeit“ klingt nach Anstrengung und hat hier eigentlich keinen Platz. Wenn ich trotzdem diesen Begriff in Ermangelung eines besseren verwende, dann deshalb, weil wir genötigt sind, zu arbeiten.

Genauso wenig können wir uns der Nötigung entziehen, uns zu ändern, wenn wir einmal ewig glücklich sein wollen.

Worin aber besteht das Wesen dieser Arbeit an sich selbst? – Sie besteht gerade darin, dass wir lernen total gelassen, völlig sorglos zu werden, völlig entspannt durchs Leben zu gehen! Das fällt nämlich dem natürlichen Menschen am schwersten. Denn das Äussere bedrängt uns, und deshalb sind wir permanent unruhig. Ständig denken wir, dass wir etwas machen müssen.

Als Christen sind wir erlöst. Deshalb gibt es für uns überhaupt nichts mehr zu tun. Im Bewusstsein dessen, dass es nichts mehr zu tun gibt, können wir in die heilsame Ruhe eingehen (Hebr. 4,3), und wenn uns das gelungen ist, haben wir ewig Ruhe! Vorher nicht…

Da es in diesem Sinne sehr viel zu tun gibt, ist Zeit das kostbarste Gut, das wir haben. Deshalb ist es unverständlich, dass viele Christen ihre Zeit mit allerlei Unnötigem vertändeln (Eph. 5,16). So wird man am Ende des Lebens nicht viel weiter gekommen sein, als am Anfang.

„Betet ohne Unterlass.“ (1. Thess. 5,17) – damit ist natürlich nicht gemeint, ständig in Worten irgendwelche Bitten vorzubringen, sondern im ständigen Bewusstsein unserer wahren Natur zu leben oder über diese zu meditieren.

Seid vollkommen!

Ein großer Stein des Anstoßes unter denen, die Christen sein wollen, ist die Aufforderung Jesu „Seid vollkommen, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist.“ Mt. 5,48 . Mit diesem Satz konfrontiert, heißt es sogleich, dass kein Mensch vollkommen sein kann. Also wird dieses dezidierte Wort Gottes vollkommen ignoriert. Dagegen mag man vielen Wert darauf legen, dass die Mitbrüder und -schwestern ja an die Personalität eines Teufels oder ein wortwörtliches Sechstagewerk glauben… Größer kann die (unbewusste) Heuchelei nicht sein. Man macht sich und anderen etwas vor.

Wenn Jesus uns auffordert vollkommen zu sein, dann hat uns Gott auch die Befähigung dazu geben. Sonst würde eine solche Aufforderung keinen Sinn machen. Der erste Schritt muss deshalb sein, zu glauben, dass ich vollkommen sein kann. Denn kein Mensch wird etwas in Angriff nehmen, was ihm aussichtslos erscheint.

Wer in der Heiligung etwas fortgeschritten ist, erkennt möglicherweise sogleich, dass jeder Mensch ontologisch gesehen, bereits vollkommen ist. Jedes Lebewesen ist ein spezifischer Ausdruck des Lebens an sich. Das Leben ist vollkommen. Das Leben ist ewig. Es ist Gott (Vater).

Nur auf dieser Grundlage kann Gott uns das geben, was in der Bibel als „ewiges Leben“ bezeichnet wird. Denn das, was wir bisher erfuhren als lebendige Wesen, bezeichnet die Bibel als Tod (Eph. 2,21). Wer leidet oder anders mit seinem Dasein unzufrieden ist, drückt genau das aus. Er sagt vielleicht: „Das ist kein Leben mehr, was ich jetzt lebe. Es ist ein Sch…leben!“

Alle Menschen leben ewig. „Ewiges Leben“ haben aber nur die, die sich von der Vollkommenheit bestimmen lassen. Nur die werden auch vollkommen werden, d.h. ins Leben eingehen (Mt. 19,17).

Es ist damit also jene Qualität des Lebens gemeint, die im Einklang mit dem Leben an sich ist.

Der neue Mensch

Es wurde gesagt, das Leben an sich sei vollkommen. Was heißt „vollkommen“? Es heißt, es bedarf nichts außerhalb seiner selbst. Im Vollkommenen ist keinerlei Mangel.

Genau ein solches Leben der Fülle, das keinerlei Mangel mehr kennt, ist uns gegeben und wird immer mehr zur Erfahrung, wenn wir uns am Ewigen genügen lassen und damit allen Mangel aufgeben, den der natürliche Mensch am Leben hält, indem er ständig denkt: „Ich habe dies nicht, ich habe das nicht. Mir fehlt dies, mir fehlt das. Das kann mir schaden. Das kann mir nutzen.“

In Wahrheit benötigen wir nichts aus dieser Welt oder der Schöpfung überhaupt. Dadurch, dass wir ewig sind, sind wir vollkommen und haben keinerlei Mangel.

Wir bleiben andererseits ewige Mängelwesen, wenn wir diese unsere Wahrheit nicht erkennen und leben; wenn wir nicht unsere Bestimmung erfüllen. Durch Glauben an unsere Vollkommenheit wird unsere menschliche Natur in die göttliche Natur transformiert, wie sie Jesus in seiner Auferstehung zum Ausdruck brachte.

Jesus Christus ist der wahre Mensch. Nur deshalb konnte er sagen: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.“ (Joh. 14,6). Er ist das, was ich bin. Auch ich bin das Leben, denn das sich seiner selbst unbewusste Leben will sich in mir seiner Herrlichkeit bewusst werden, wie es das dem Leben bereits in Jesus gelang, in dem er sich mit dem Vater, und nicht mit dem Leib (wie es der natürliche Mensch tut) identifizierte (Jo. 10,30).

Nur im Menschen kann sich das Leben seiner selbst bewusst werden.

Himmel und Hölle

Die subjektiven Wertungen

 

Nehmen wir an, Sie befinden sich in einem Dschungel Lateinamerikas und hören plötzlich ein lautes Brüllen. Wenn Sie dieses nicht sofort identifizieren können, befinden Sie sich in Alarmbereitschaft. Ihre ganze Aufmerksamkeit wird davon gefesselt. Ist es ein Jaguar? Was ist es? – Bis Ihnen einfällt, es ist ja nur ein Brüllaffe. Nun können Sie wieder unbesorgt Ihres Weges ziehen. Sie hören zwar immer noch das Brüllen, aber es hat keine Bedeutung mehr für Sie.

Ein anderes Beispiel: Neben Ihrem Bett tickt ständig der Wecker. Das stört Sie aber nur, wenn Sie direkt darauf achten und eigentlich schlafen wollen. Sonst hören Sie ihn nicht einmal. Auch hier wird Ihre Aufmerksamkeit nur gefesselt, wenn Sie dem Ticken eine persönliche Bedeutung beimessen, nämlich, dass es in der Lage sei, Sie wach zu halten.

Dadurch, dass wir die Signale unserer Umwelt deuten, bekommen sie für uns erst eine Bedeutung. Mit dieser ganz persönlichen Deutung des Geschehens um uns herum, oder auch des in unserem eigenen Inneren vorgehenden, also der Körperempfindungen, schaffen wir unser eigenes Gut und Böse, Positiv und Negativ. Das alles entsprechend dem, ob es unserem eigenem Wollen dient, oder ihm entgegensteht.

Das Negative an sich gibt es nicht. Uns begegnet im Leben nichts Negatives, sondern immer nur etwas, das unserem ganz persönlichen Wollen, wenn nicht immer, so doch im gegebenen Augenblick unerwünscht ist. Das ist dann das, was wir ganz persönlich negativ werten.

Das ist ganz wichtig zu wissen. Denn niemand kann uns von unseren Wertungen und damit von der Art des Erlebens befreien, als nur wir selbst. Auch Gott kann das nicht für uns tun. Jeder kann nur für sich, indem er ganz aufmerksam wird, wie er jede Situation im Augenblick bewertet, seine Bewertungen ändern.

Wir halten zunächst fest: Unser Erleben wird von der Bedeutung bestimmt, die wir den Eindrücken der Umwelt geben. Die Bedeutung widerum fußt auf unseren Wertungen. Die größte Aufmerksamkeit schenken wir dem, was uns in allgemeiner Weise oder im gegebenen Augenblick als wichtig erscheint. Auf einen vermeintlichen Jaguar zu achten, wird nur vorübergehend, die Liebe zu einem unserer Hobbies dagegen, wird anhaltender sein.

Doch wie man es dreht und wendet, das Leben wird uns immer wieder Situationen bescheren, die uns nicht passen. Solange wir unser Glück in einer selektiven Entscheidung für diese oder jene Inhalte der Welt treffen – was jeder Mensch zunächst tut -, werden andere Inhalte der Welt gegen uns sein. Ein dauerhaftes Glück ist auf diese Weise unmöglich zu erlangen.

Im Gegenteil, die Enttäuschungen, die wir erleben, können uns in eine negative Abwärtsspirale führen, sodass man ganz im Negativen gefangen wird. Das ist dann die sogenannte Hölle.

Würde der Mensch lediglich ein Wesen sein, das mit der Geburt seinen Anfang nimmt, und mit dem Tod endet, könnten wir diesen Gegebenheiten niemals entrinnen. Wir würden abhängig von unserer Umwelt bleiben. Das wäre der ganz natürliche Zustand.

Der Sinn des Lebens

Aber der Mensch ist nicht Fleisch und Blut, er ist nicht der Körper, sondern er hat einen Körper. Das, was den eigentlichen Menschen ausmacht, ist ewig. Deshalb hat das Leben einen Sinn! Dieser besteht darin, zu lernen, sich mit dem Ewigen zu identifizieren, um so die Abhängigkeiten vom Äußeren, also kurz gesagt, die Welt, zu überwinden, um dauerhafte Freude, dauerhaftes Glück, ewiges Heil zu erlangen.

Wer das ewige Heil erlangen will, dem bleibt nichts anderes übrig, als alle persönlichen Wertungen von Gut und Böse loszulassen, und dem Objektiven zu folgen. Das Ewige ist allein Positiv. Sich darüber zu freuen, dass man ewig ist, indem man sich klar macht, was das alles für unser Leben im Hier & Jetzt und überhaupt, bedeutet, gibt uns befreiende und weltüberwindende Kraft.

Die Abhängigkeit von der Welt, vom Äusseren, ist das objektiv Negative. Das bedeutet nicht, dass die Schöpfung (also das Äußere) schlecht wäre, sondern nur die Abhängigkeit des Menschen von ihr.

Will man also in den Himmel kommen, so muss man die Wünsche und Vorstellungen immer mehr aufgeben, die sich auf die Inhalte der Welt, also das Veränderliche, beziehen. Das betrifft auch jene Wünsche, die sich darauf beziehen, dieses oder jenes in der Welt gern noch zu erleben oder tun zu wollen. Die Einstellung „Habt nicht lieb die Welt noch was in der Welt ist.“( 1. Joh 2,15) ist praktische Notwendigkeit für den Eingang ins Himmelreich.

Wir bleiben vom Äusseren, von den Umständen beherrscht, wenn wir die Welt und ihre Inhalte weiterhin lieben. Wir haben damit unser Glück und Wehe aus unseren Händen gegeben.

Wir erlangen aber wahre Herrschaft und Selbstbestimmung, wenn wir uns an unserer Unvernichtbarkeit – das höchste Gut, das es gibt – erfreuen. Denn durch diese ständig gegenwärtige Erfüllung dessen, was unsere zersplitterte Wunschnatur eigentlich wünscht, gewinnen wir Abstand zu unserer „fleischlichen Natur“ (die sich eben auf die Inhalte der Welt bezieht) und Distanz zur Welt. Es kann uns dann immer mehr egal sein, wie die Welt mit uns umspringt. Wir werden immer ein glücklicher Fels in der Brandung sein. Wir werden zunehmen an innerem und äusserem Heil.

In die gleiche Richtung zielen die Anweisungen „Freuet euch allezeit, abermals sage ich freuet euch!“ (Ph. 4,4) und „Seid dankbar in allen Dingen und für alles!“ (1. Thess. 5,18; Eph. 5,20).

Diese Haltungen übend, werden sie uns immer mehr zur Gewohnheit, sodass unsere Aufmerksamkeit immer mehr vom Positiven gefesselt wird, und damit Wohlfühlen, Freude, Glück, Frieden, Liebe, Gesundheit Beständigkeit erlangen. So bringen wir die Früchte des Geistes (Gal. 5,22) hervor.

Können Ärzte Sünden vergeben?

Sie müssten es können, wenn sie Krankheiten wirklich heilen würden. So ist es jedenfalls nach dem biblischen Weltbild. Nach diesem haben Krankheiten primär keine materielle Ursache, sondern eine geistig-seelische.

In einem Bibellexikon lesen wir: Krankheit ist vielmehr (…) eine von Gott verfügte Strafe (Ex. 9,14, Nm 12, 9-14 u. 21,6, 1.Sm 15, 2.Sm 24,1, 1.Kö. 13,4-6). Jahwe selbst oder der Engel Jahwes (…) schlägt den Menschen mit Krankheit. 

Im N.T. finden sich weiterhin die at.lichen Anschauungen über die Krankheiten und ihre Ursachen wieder (Lk 13,11.16, Joh 9,2 Apg 12.23, 1 Kor 11,30-32, 2 Kor 12,7, Off 16,2; vgl. auch Röm 8,20). Mk 2,5.10f par. Jo 5,14 lassen einen engen Zusammenhang zwischen Krankheit und Sünde, Heilung und Vergebung erkennen; auch Jak 5,16 bringt das Sündenbekenntnis des Kranken mit der Heilung in Verbindung.“ (Hrg. Prof. Dr. H. Haag).

Um so mehr verwundert, dass viele Christen wie selbstverständlich medizinische Hilfe in Anspruch nehmen, und sogar behaupten, Gott habe auch die Ärzte geschaffen…

Mir ist bewusst, dass ich mir mit diesem Beitrag viel Ärger einhandle. Aber für den Fortschritt unseres Glaubens ist es sehr wichtig, dass wir klar sehen lernen.

In der Tat werden auch Ärzte immer mehr auf geistig-seelische Ursachen unserer Krankheiten aufmerksam. Man subsumiert sie unter dem Begriff „Psychosomatik“. Damit nähern sie sich der biblischen Lehre. Trotzdem liegt immer noch der Akzent auf der materiellen Beeinflussung und nicht auf der Sinnesänderung des Patienten.

Natürlich geht es nicht darum, die Ärzte zu kritisieren. Ihr Wissen beziehen sie ja schließlich nicht aus dem unmittelbaren Zugang zur Wahrheit, wie ihn Christen haben könnten, sondern aus der Erforschung des Materiellen. Nein, sie richtet sich an die geistige Trägheit derer, die für sich in Anspruch nehmen, Christen zu sein.

Von uns hätten die Impulse für die Erkenntnis geistig-seelischer Ursachen der verschiedensten Krankheiten kommen müssen. Stattdessen kommen sie von der profanen Wissenschaft oder von denen, die nach Alternativen suchten, weil sie auf den bekannten Wegen keine Hilfe erhielten.

Erfreulicherweise gibt es inzwischen einige Bücher, die auch dem einfach denkenden Menschen die seelischen Muster und die Denkmuster erschließen, die mit bestimmten Krankheiten in Zusammenhang stehen. Womit natürlich nicht gesagt ist, dass damit schon das letzte Wort gesprochen sei. Schließlich befinden wir uns hier auf Neuland, das immer mehr erschlossen werden muss. Aber sie können eine Anregung sein, uns selbst auf die richtige Bahn zu bringen.

Erwähnen möchte ich die Bücher von Dr. med. Ruediger Dahlke: „Krankheit als Weg“ (mit Co-Autor Thorwald Dethlefsen), „Krankheit als Sprache der Seele“, „Krankheit als Symbol“, „Lebenskrisen und Entwicklungschancen“, aber auch das Buch von Louise L. Hay „Gesundheit für Körper und Seele“. Es gibt sicher viele mehr, aber das soll erst einmal zur Anregung genügen.

Natürlich will ich mit diesem Aufsatz nicht sagen, dass kein Christ mehr ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen soll. Ich will nur, dass wir Umdenken. Uns wieder des Sinns einer Erkrankung bewusst werden, indem wir uns und Gott fragen, weshalb habe gerade ich (und jetzt) diese oder jene Krankheit?

Gott geht es nicht um schnelle Heilung, sondern um richtige Heilung, die immer an der Wurzel ansetzen muss. Wir aber wollen möglichst schnell gesund werden, um wieder uns unseren meist oberflächlichen Betätigungen und Vergnügungen hingeben zu können. So bleiben wir innerlich unverändert durch eine „überstandene“ Krankheit zurück. Sie war kein Segen für uns, sondern etwas Unnötiges, Zufälliges.

Doch in Wahrheit gibt es keinen Zufall.

Zur Weiterführung lesen Sie bitte:

Sind wir überhaupt gläubig?

Wahrer Glaube