Der Geist weht, wo er will

Vor einigen Tagen bekam ich überraschend von Amazon ein Buch zugeschickt. Es handelt sich um die neuesten „Gespräche mit Gott“ von N. D. Walsch mit dem Untertitel „Das Erwachen der Menschheit“. Der Absender meinte, es habe ihn an meine Hauptthese erinnert. Diese besteht ja, wie jeder meiner Blog-Leser wissen kann, darin, dass wir uns selbst als ewige, göttliche Wesen bewusst werden müssten, damit alle Probleme gelöst würden. Genau das verkündet auch Walsch!

Das freut mich deshalb besonders, weil es sehr frustrierend ist, immer wieder zu erleben, wie das eigene Wirken im Willen Gottes so wenig äusseren Erfolg zeigt. Da wird von uns Christen immer wieder gejammert über den schlechten Zustand der Welt und den Abfall der Kirchen vom „Wort Gottes“. Aber anstatt selbst zu erwachen, redet man immer nur gedankenlos in christlichen Stereotypen. So kann man aber weder sich selbst, noch der Welt helfen.

Da ist es eben ermutigend zu sehen, dass Gott mehr Möglichkeiten hat, als über Organisationen, die Bibel und derer, die sich allein für befugt halten, das Evangelium zu verkündigen, zu wirken. Sonst müsste man langsam tatsächlich verzweifeln. Nicht über die Welt, aber über die Mitbrüder und -schwestern.

In die gleiche Richtung geht, dass mir dieses Jahr durch einen Fund auf der Straße zwei neuwertige, dicke philosophische Bücher in die Hände gerieten. Ich fasste das so auf, dass es nun „dran“ wäre, mich etwas eingehender mit Philosophie zu befassen. Was für eine Überraschung erlebte ich auch da! Viele Erkenntnisse, die ich auf meinem Glaubens- und Heiligungsweg erlangen konnte, fand ich bereits bei Kant, Schelling, Hegel, Fichte oder Schopenhauer ausgesprochen. Da kann man sich nur wundern, wie platt es trotz dieser Geistesgrößen in Theologie und Verkündigung zugeht.

Für mich steht es schon lange fest, dass Gott sich nicht in zwei Buchdeckel einklemmen lässt und seitdem schweigt. Das Wesentliche ist, dass wir selbst die Wahrheit erkennen können und sollen (Jo 8,32; Eph 4,13; Phil 1,9; Kol 2,2-3; 2. Petr 1,5 u.a.). Denn nur wenn es keine Erkenntnisgrenzen gibt, kann es Fortschritt geben. Einen Beweis dafür stelle ich auch selbst dar. Wenn Menschen von unterschiedlichen Ausgangspunkten zu übereinstimmenden Ergebnissen kommen, dann muss an der jeweiligen Sache, wie man volkstümlich sagt, etwas dran sein.

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Lichte Botschaft verhüllt durch dunkle Wolken des Unverstandes

Am 21. August 2017 wird in den USA eine totale Sonnenfinsternis zu beobachten sein. Die Tochter des bekannten Evangelisten Billy Graham, Anne Graham Lotz, hielt es deshalb für angebracht zu warnen, dass dieses Ereignis der Beginn von Gottes Gericht über Amerika sein könnte. Doch an wen wendet sie sich mit dieser Botschaft? Sie weiß um die regelmäßigen kosmischen Zyklen, die ganz unabhängig von menschlichen Verhaltensweisen sind, und doch bringt sie diese in Beziehung zum Menschen. Weshalb tut sie das entgegen aller Vernunft?

Aus einem solchen Verhalten können wir sehr viel lernen. Für einen religiösen Menschen ist schon lange diese Welt gerichtsreif. Diese Empfindung bringt sie, ohne dass ihr das bewusst ist, mit den Empfindungen, die den archaischen Menschen bei einer Sonnenfinsternis befielen, in Zusammenhang. Dieser stand den Naturphänomenen unwissend gegenüber. Sie lösten deshalb nur Empfindungsreaktionen hervor. So wie das auch bei den Tieren der Fall ist. Bei einer Sonnenfinsternis verstummen die Vögel, Tiere kriechen in ihre Höhlen.

Selbst uns aufgeklärten Menschen befällt noch eine leise Ahnung von dem, was die frühen Menschen erlebt haben mussten. Der Schriftsteller Adalbert Stifter schilderte seine Eindrücke wie folgt. „ Nie und nie in meinem ganzen Leben war ich so erschüttert, wie in diesen zwei Minuten, es war nicht anders, als hätte Gott auf einmal ein deutliches Wort gesprochen und ich hätte es verstanden. Ich stieg von der Warte herab, wie vor tausend und tausend Jahren etwa Moses von dem brennenden Berge herabgestiegen sein mochte, verwirrten und betäubten Herzens […]. Der schöne sanfte Glanz des Himmels [wurde zum] bleischweren Licht […] – erschütternd war dieses allmähliche Sterben mitten in der noch vor wenigen Minuten herrschenden Frische des Morgens. […] Es war ein überaus trauriger Augenblick. Das hatte keiner geahnet – ein einstimmiges ‚Ah‘ aus aller Munde, und dann Totenstille, es war der Moment, da Gott redete und die Menschen horchten.“

Für die frühe Menschheit war die gesamte Natur ein „Reden Gottes“ bzw. der Götter    (denn der Ein-Gott-Glaube, der Monotheismus, entstand erst später). Aus diesen Empfindungsgründen speist sich noch die gesamte alttestamentliche Theologie. Aus dem Erleben der Natur kommen die Vorstellungen von „finsteren Mächten“, vom „Zorn“ und der „Barmherzigkeit“ der Götter (Gottes), von „Segen“ und „Fluch“. Das Neue Testament muss natürlich an die einmal gewachsenen Vorstellungen anknüpfen, bildet aber zugleich den Übergang zur Neuzeit.

Ein Gott der Liebe musste, solange man die Natur als Reden Gottes verstand, verborgen bleiben. Da war nur ein ständiger Wechsel von „Zorn“ und „Barmherzigkeit“ an den Naturereignissen ablesbar. Erst der sich immer mehr bahnbrechende Verstand konnte die einzelnen Naturobjekte zum Begriff der Natur zusammenfassen und so zum Ein-Gott-Glauben gelangen. Von da, etwa beginnend von Moses, war es wieder eine lange Zeit bis zu Jesus, wo dieser eine Gott als Liebe verkündet wurde. Ein Gott, der im Menschen seine Wohnung hat!

Nun haben nicht länger Naturempfindungen Offenbarungscharakter, sondern das verstehende Erkennen des eigenen Inneren führt, den Menschen verwandelnd, zurück zu Gott. Deshalb sagte Jesus: „Ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch freimachen.“ (Jo 8,32)

Auf unserer gegenwärtigen Stufe ist es deshalb nicht mehr fruchtbar, Vorstellungen, über die die Menschheit hinausgewachsen ist, zu reaktivieren. Das geschieht leider immer noch viel zu häufig. Anstatt an der Spitze der Geistesentwicklung zu laufen, hemmen Christen sich selbst mit unzeitgemäßen Begriffen, die aus einem ganz anderen Erleben der Welt stammen. Da wird in naturalistischer Weise von einer Schlange schwadroniert, die den Menschen verführt habe, von einem Baum, der das geistige Vermögen der Unterscheidung gegeben habe, von einem Drachen, von Teufeln und Dämonen, von einem zornigen Gott, der gleichzeitig ein Gott der Liebe sei, dessen Liebe es aber erträgt, dass die Mehrzahl der Menschen ewig in der Hölle schmore – auch wenn sie womöglich moralisch und ethisch besser sind als mancher Christ – nur weil sie nicht „glauben“…

Das alles passt nicht zusammen. Jesu Auferstehung war und ist das fortschrittlichste Ereignis in der Menschheitsgeschichte. Deshalb können Christen nicht länger von dieser und von Gott in einer Sprache reden, die vor mehr als 4000 Jahren einmal modern war. Wir müssen begreifen, was die biblischen Begriffe wirklich meinten. Nur dann können wir in heutiger Sprache von göttlichen Dingen reden. Dann werden wir auch Gehör finden, weil unsere Sache überzeugend ist.

Sind der „schmale Weg“ und die „enge Pforte“ noch von Bedeutung?

Vielfach wird der Eindruck erweckt, dass man als Sünder, ohne also den schmalen Weg der Überwindung der Sünde gehen zu müssen, allein durch einen Gnadenakt Gottes in den Himmel kommen könne. Es genüge lediglich, sein allgemeines Sündigsein zu erkennen und zu bereuen. Dann schließe einen Gott freudig in seine Arme. Doch stimmt das?

Wenn ich mich verbrannt habe, weil ich meine Hand auf einen heißen Gegenstand legte, genügt es dann zu bereuen, dass ich das tat? Sind durch diese Reue die Schmerzen weg? Habe ich, wenn ich das beim nächsten Mal wieder tue, keine Schmerzen mehr ? Oder sollte die Reue nicht beeinhalten, dass ich eine solche Tat nicht wiederhole? – Was an diesem Beispiel ganz offensichtlich ist, leugnen wir in Bezug auf die Sünde.

Dadurch, dass ich meine Sünden bekenne und bereue, sind keinesfalls die Folgen der Sünde getilgt. Wenn also meine Sünde eine bestimmte Krankheit hervorrief, z.B. bei übermässigen Alkoholkonsum einen Leberschaden, so ist er damit nicht automatisch beseitigt. Reue ist lediglich ein Moment des Innehaltens im bisherigen Tun, ein Abstandnehmen von ihm, um sich in seinem Handeln neu zu orientieren. Jede Sünde – was ja nichts anderes ist als falsches Tun – hat negative Folgen. Deshalb kann es gar keinen anderen Weg geben als das Richtige zu tun!

Die Ursachen menschlichen Leides liegen eben im Menschen selbst, und deshalb kann eben nur jeder für sich allein seine eigenen Ursachen des Leides aufheben. Kein Mensch kann das für einen anderen tun. Auch Gott kann das nicht für dich tun.

Deshalb sind Himmel und Hölle keine Orte, die unabhängig vom Menschen existieren, sondern Lebensqualitäten. Man trägt so viel Himmel in sich, wie man Gutes, und so viel Hölle in sich, wie man Falsches in in sich trägt. Welche Qualitäten in welchem Maße man in sich birgt, kann im Erdenleben verdeckt sein. Da kann es einem Sünder so gut gehen, dass ein Frommer darauf neidisch werden könnte (Ps 73,2-4). Doch spätestens nach dem Tod werden die Folgen eines jeden Tuns offenbar. Kein Gnadenakt Gottes kann daran etwas ändern!

 

Aus allem Gesagten dürfte – wenn es verstanden wurde – hervorgehen, dass die Fülle des Lebens, die Herrlichkeit des Lebens, die ewige Glückseligkeit nur durch vollkommene Sündlosigkeit erreicht werden kann. Denn wenn man annähme, der Himmel sei ein harmonischer Ort menschlichen Zusammenlebens, dann muss doch ein solcher Himmel sofort unvollkommen werden, wenn nur ein Mensch mit der Veranlagung zur Sünde Eintritt fände. Denn um sich wirklich wohl zu fühlen, würde es den Sünder drängen, seine Sünde auszuleben. Er würde damit die Gemeinschaft stören.

Nun hört man heute immer wieder, man könne, zumindest auf Erden, nicht sündlos werden. Die Frage entsteht, wo will man es dann werden? Auf die Erde wurde doch das Evangelium gebracht, damit wir hier die Errettung annehmen!

Die freudige Botschaft lautet: Es gibt einen Weg aus allem Leid. Wir sind nicht verurteilt, immer leiden zu müssen. Aber den Weg müssen wir natürlich auch bis zu ENDE gehen!

Er beginnt damit, dass ich mich mit meiner göttlichen Natur (1. Jo 3,9) identifiziere und damit die bisherige Identifikation als ein Geschöpf unter vielen Geschöpfen überwinde. Denn mit der Identifikation mit dem sinnlich-wahrnehmbaren Leib ist man automatisch von Gott getrennt und damit der Existenzangst unterworfen. Für ein Geschöpf gibt es immer etwas, das stärker, mächtiger, größer, intelligenter usf. ist. Doch wenn ich göttlicher Natur bin, dann bin ich unüberwindbar.

Deshalb besteht der Weg eines Kindes Gottes, analog eines Menschenkindes, zur vollen Reife, d.h. zur vollen Entfaltung des göttlichen Wesens zu kommen (Eph, 4,13; Rö 8,29). Erst wenn man alle Abhängigkeiten vom Äusseren überwunden hat, kann man durch die „enge Pforte“ (Lk 13,24) ins Himmelreich gelangen. Erst dann hat sich alles Gute voll entfaltet.

Der Weg des Lebens ist durch den physischen Tod nicht beendet. Mit dem Tod ist nicht, wie man häufig denkt, das Ziel erreicht! Denn um physisch zu sterben, muss man keinen Weg gehen. Wenn der Tod die enge Pforte wäre, stellte das für Niemanden eine Schwierigkeit dar. Nein, der physische Tod ist selbst noch ein Fortwirken der Sünde weil der Mensch noch nicht die entsprechende Heiligkeit erlangt hat (1. Kor 15,26).

Der Hl. Geist und die Wahrheit

Alle Christen behaupten ja den Hl. Geist empfangen zu haben, auch wenn dieser „Empfang“ sich nicht als übersinnliches Geschehen manifestierte. Trotzdem herrscht unter ihnen eine Streitlust, die kaum eine Bibelstelle unangetastet lässt und oft genug dem anderen das Christsein abspricht. Das ist bei denen, die eine „besondere Salbung“ empfangen haben wollen (Pfingstler, Charismatiker usw.), nicht anders. Wenn es wahr sein sollte, dass wir den „Geist der Wahrheit“ haben, der uns in „alle Wahrheit leiten“ will (Jo 16,13), dann stellt dergleichen eigentlich eine Unmöglichkeit dar.
Wir müssen gar nicht darüber diskutieren, ob wir den Hl. Geist empfangen haben oder nicht. Der Hl. Geist kann nichts bewirken, wenn wir an der Wahrheit kein wirkliches Interesse haben. Das ist in der Regel bei den meisten Menschen der Fall.* Das ändert sich auch nicht sogleich, wenn man sich für den Glauben entschieden hat. Da kann man sogar, um vermeintliche Glaubenswahrheiten zu retten, blind gegenüber anderen Wahrheiten werden.

Wer an bestimmten Wahrheiten ein Interesse hat, wird auch immer mehr Wahrheiten erkennen, die damit in Zusammenhang stehen. Erkenntnis der Wahrheit ist kein geheimnisvolles Geschehen, sondern das einfache Zusammenschauen zweier oder mehrerer Tatbestände. Durch ein solches Vergleichen erkennt man, was sie gemeinsam haben und was sie trennt. Ein profanes Beispiel dafür: Wenn ich einen Apfel und eine Birne vor mir habe und in sie hineinbeiße, kann ich feststellen, dass sie eßbar sind, und in dieser Hinsicht etwas gemeinsam haben. Der Geschmack und das Äußere unterscheiden sie. Damit habe ich schon einige Wahrheiten erkannt. Sehe ich nun beide in der Natur, dann stelle ich fest, dass es Baumfrüchte sind. Vergleiche ich Bäume untereinander, erkenne ich, dass es davon die verschiedensten Arten gibt, usw.

Erkenntnis der Wahrheit ist etwas, das im profanen Bereich ganz natürlich geschieht. Trotzdem kann man sagen, dass die Menschen die Wahrheit nicht an sich lieben, sondern nur insoweit, wie sie zur Verfolgung persönlicher Ziele nützlich ist. Ein Börsenmakler wird deshalb viel über Finanzen wissen, von denen ein Kleingärtner gar nichts versteht, und umgekehrt.
Im christlichen Glauben aber geht es, wie in der Philosophie oder auch der Wissenschaft, um die ganz großen Fragen, nämlich das, was „die Welt im Innersten zusammenhält“ (Faust). Darüber, mit Verlaub, möchte man mit keiner Hausfrau diskutieren.

Ist nun Wahrheit demzufolge nur etwas für „große Geister“? – Ja und Nein, denn jeder große Geist hat einmal klein angefangen.

Das Grundproblem des Menschen empfindet jeder: Es ist der Tod und das Leiden. Die Bibel, als Dokument eines historischen Geschehens verweist auf eine Antwort darauf: Jesu Auferstehung. Nimmt man sie als Faktum, dann würde das mit logischer Konsequenz implizieren, dass es außer dem Materiellen Geistiges gibt, und dieses grundsätzlich übergeordnet ist.

Von diesem Geistigen, wenn es denn tatsächlich existiert, kann ich aber nicht nur aus der Bibel wissen, sondern muss ich als Mensch unmittelbare Gewißheit erlangen können. Denn ich muss im Wesentlichen gleicher Beschaffenheit wie Jesus sein, wenn für mich oder irgendeinen anderen Menschen Jesu Auferstehung eine Bedeutung haben sollte.

Da die Bibel keine Darstellung komplexer Zusammenhänge bietet, aber jede Wahrheit mit anderen Wahrheiten zusammenhängt, ist offensichtlich, dass „biblische Wahrheiten“ ihre mögliche Evidenz nur durch außerbiblische Wahrheiten erlangen können. Auch die Inhalte der Bibel sind nur „Stückwerk“. Ein „sola sciptura“ kann deshalb nur geistliche Unfruchtbarkeit bedeuten.

Nun haben wir ja heute nicht nur viele naturwissenschaftliche Wahrheiten erkannt, sonder auch eine Fülle an empirischen Daten, deren Auswertung ein recht deutliches Bild über den Zusammenhang von Geistigem und Materiellem und dem Leben nach dem Tod ergeben könnte. Alles das darf nicht, wenn man wahrhaftig sein will, zugunsten liebgewordener traditioneller Vorstellungen ignoriert oder zurechtgebogen werden.

Als Letztes: Alle Wahrheiten ergänzen und beleuchten sich gegenseitig. Unwahr ist alles was unlogisch ist.

Nicht der Glaube macht uns frei, sondern allein die Wahrheit (Jo 8,32). Deshalb ist ihr Fehlen im Leben von uns so verhängnisvoll und der christliche Glaube für viele ein Spott!

***

* „Nie haben die Massen nach Wahrheit gedürstet. Von den Tatsachen, die ihnen missfallen, wenden sie sich ab und ziehen es vor, den Irrtum zu vergöttern, wenn er sie zu verführen vermag. Wer sie zu täuschen versteht, wird leicht ihr Herr, wer sie aufzuklären sucht, stets ihr Opfer.“ Gustave Le Bon (1841 – 1931), franz. Arzt und Soziologe, Begründer der Massenpsychologie

Laien und Experten

Der Unterschied dürfte klar sein. Die Experten sind diejenigen, die wirklich etwas von einer Sache verstehen, die kompetent sind. Von den Laien erwartet man das nicht.

Jeder, der wirklich etwas wissen will oder in irgendeiner Sache Hilfe benötigt, wendet sich deshalb lieber an einen Fachmann, denn an einen Dilettanten. Niemand wird sich gern von einem Bäckermeister operieren lassen, nur weil der sich ein paar Filme über Operationen angeschaut hat und einige anatomische Kenntnisse besitzt.

In religiösen Dingen ist es aber in den weitaus meisten Fällen umgekehrt: Da hat der Nichtwisser das Sagen! Weshalb das so ist, ist einfach zu verstehen.

In religiösen Dingen muss man, um von ihnen kompetent reden zu können, in Dimensionen vorgestoßen sein, die dem normalen Menschen verschlossen sind. Das drückt Paulus so aus: „Der natürliche Mensch aber vernimmt nichts vom Geist Gottes; es ist ihm eine Torheit, und er kann es nicht erkennen“ (1. Kor. 2,14). Der natürliche Mensch ist also für alles Spirituelle blind!

Man kann zwar Theologie studieren und damit etwas wissen über die Zeit der Entstehung biblischer Texte, über das, was dieser oder jener innerhalb der Kirchengeschichte gesagt hat, man kann die Bibel studieren und die verschiedensten Zusammenhänge zwischen einzelnen Textstellen herstellen – aber damit bleibt man, so nötig das alles auch sein kann, trotzdem noch im Äusseren. Man hat damit noch keine geistliche Kompetenz. Denn die innere Anschauung dessen, was geglaubt werden soll, fehlt.

Aus diesem Mangel erklärt sich die Zerstrittenheit der Christen. Jeder hat seine Meinung, aber nicht die Wahrheit! So sind die einen geneigt zu sagen, es komme nicht auf irgendwelche Ansichten an, sondern allein auf die Liebe. Doch das ist dann oft nur ein Wort für spirituelle Gleichgültigkeit. Es führt deshalb zu einer Nivellierung, zu einer Absage an jedes Wahrheitsstreben. Damit stirbt auch die Liebe, denn sie schwebt nicht im luftleeren Raum, sondern wächst und gedeiht nur unter bestimmten Bedingungen.

Das andere Extrem ist der Fanatiker. Er wird so sehr von Unsicherheit beherrscht, dass er keine Abstriche von seiner einmal gefassten Meinung machen kann und diese jedem anderen aufzudrängen versucht. Solche Menschen sind besonders unter den Fundamentalisten zu finden. Sie streben nach der reinen „biblischen Lehre“ und wollen nichts wissen als das, was explizit in der Bibel steht. Sie übersehen dabei völlig, dass es eine „biblische Lehre“ nur geben kann, wenn man Erkenntnisse hat, die über das in der Bibel Gesagte hinausgehen. Denn die Bibel ist kein systematisches Lehrbuch.

Ihr Weg führt deshalb in die Erstarrung. Man kann das sehr deutlich an kleinen Gemeinschaften sehen, die in dieser Hinsicht besonders fromm sein wollen. Vor wenigen Jahren konnte man eine Dokumentation über die Mennoniten in Mexico sehen. Zum Gottesdienst war das Filmteam nicht zugelassen. Danach aber interviewten sie zwei Besucherinnen nach dem Inhalt der Predigt. Die Antwort: „Es wurde gesagt, dass wir uns bekehren sollten“.

Das also war der Inhalt der Predigt in einer Gemeinschaft, die seit Jahrhunderten von der Welt isoliert lebt! Da erwartet man, dass tiefe Geheimnisse enthüllt würden, da ja die Anfangsbedingungen jedem Glied der Gemeinschaft von Kind auf intus sein müssten – stattdessen dieser Appell an Erwachsene! Wo ist da Glaubenswachstum? Wo ein Hineinwachsen in eine unbekannte Dimension (s.o.) ?

Als Fazit können wir sagen, wir gewinnen nichts wenn wir auf die christlichen Sadduzäer oder Pharisäer hören, die heute wie damals das religiöse Leben dominierten. Sie können uns nichts über die wahren Hintergründe der Welt, nichts über die spirituellen Dimensionen oder gar Gottes Wesen sagen, da sie es nicht kennen. Das ist allein, natürlich graduell verschieden, Erkennenden und Heiligen beschieden. Von diesen gibt es nicht viele…

Wahrer Friede

Das Himmelreich ist die Frucht des Geistes und wird u.a. durch Herzensfrieden konstituiert. Wir kommen also dem Himmelreich immer näher, je tiefer die innere Ruhe und der innere Frieden werden. Nun hat man, besonders als junger Mensch, überhaupt noch kein Bedürfnis nach Ruhe und Frieden. Es strebt alles nach Aktivität, man will etwas erleben, man will „Action“. Wenn dann doch einmal sich eine solche Sehnsucht meldet, meint man vielleicht, Gott könne einen damit beschenken. So, wie jemand, der um Hilfe bat: „Ich bin seit klein auf überzeugter Christ. Ich habe Gott schon in äußeren Umständen erlebt, aber noch nie innerlich.
Ich wünsch´ mir so sehnlichst eine “ innere Begegnung “ mit ihm.
Wenn ich z.B. vor Sorgen umkomme, oder traurig bin, oder auch mal Depressionen hatte, hab ich zu Gott gebetet und geschrien, dass er mir doch seinen inneren Frieden zukommen lässt ,d.h. dass ich diesen göttlichen Frieden von dem die Bibel schreibt, etwas erlebe. (…) Ich erwarte nicht, dass Gott meine Umstände ändert, sondern mir einfach seinen inneren Frieden und Ruhe schenkt.“

Ein solcher Wunsch kann natürlich nur in Erfüllung gehen, wenn eine innere Wandlung stattfindet, die jeder nur selbst vollziehen kann. Da dergleichen kaum gelehrt wird, musste naturgemäß jener Mann, wie viele andere, eine herbe Enttäuschung erleben. Er fährt fort: „Aber nach meinen Gebeten bin ich genauso aufgewühlt wie vorher. Es tobt ein Sturm in mir.“

Immerhin ist ihm bewusst geworden, dass sein Glaube – wieder wie bei vielen Christen – nur ein wirkungsloses Fürwahrhalten ist. „Mein Glaube findet leider nur im Kopf und nicht im Herzen statt, dabei wünsch ich mir nichts mehr als dass er ins Herz übergeht.“ Ruhe und Frieden sind nichts, das mit einem „Hauruck“ erlangt werden könnte! Jesus selbst zeigte den Weg auf, der darin besteht von ihm zu lernen: „lernt von mir!“ Eine solche Aufforderung würde aber völlig unsinnig sein, wenn wir nicht von der gleichen Voraussetzung ausgehen könnten, von der Jesus ausgegangen ist. Mit anderen Worten: Wenn Jesus grundsätzlich eine andere Natur hatte als jeder von uns, also nicht bloß Mensch war, dann können wir von ihm überhaupt nichts lernen. Wir können von ihm nur lernen, wenn wir im Wesen völlig mit ihm übereinstimmen, wir also in gleicher Weise göttlicher Natur sind. Und das ist der Fall (s. „Erwachsen werden“, „Die größte Befreiungsaktion aller Zeiten“).

Nur so können wir auf ein sich Durchsetzen in der äusseren Welt, auf einen Platz in ihr zu erobern, verzichten, wir können „sanftmütig und von Herzen demütig“ werden, weil wir wissen, dass uns nichts und niemand etwas rauben oder uns einen Schaden zufügen kann. So finden wir immer mehr Ruhe für unsere Seele (Mt. 11,28)

Ruhe und Frieden sind Passiva. Sie sind Ausdruck dafür, dass es nichts zu tun gibt, alles in Ordnung ist, wie es läuft. Sie sind das große Einverstandensein.

In der Tat gibt es seit der Erlösung vor 2000 Jahren für die Menschen nichts mehr zu tun. Das einzige Tun sollte darin bestehen, mit dieser Tatsache in Einklang zu kommen. Das allerdings ist, weil es der natürliche Mensch nicht sehen kann, ein Kampf. Aber die höchste Ebene des Kampfes ist es, nicht zu kämpfen. Kurz: Lass alles Äussere und alles, was sich darauf bezieht los. Entspanne Dich!

Zum Schluss noch einige Worte derer, die etwas von der Ruhe und dem Frieden geschmeckt haben:

„Die meisten Menschen wissen nichts vom inneren Menschen und setzen ihre ganze Frömmigkeit in äussere Werke. Sie schwatzen lieber, als dass sie stillschweigen. Sie reden lieber, als dass sie hören; daher bleiben ihnen auch die drei Haupttugenden der Gelassenheit, der Ledigkeit (da sie von allem los und ledig sind) und die Unanmasslichkeit (da sie sich von allen Gaben Gottes nichts zuschreiben, sondern sie als unverdiente Gnade ansehen) ganz fremd, und sie gelangen nicht zu dem Frieden Gottes, der über alle Vernunft erhaben ist.“ (Johannes Tauler)

„Die Ungestorbenheit unseres eigenen Willens ist eine Hauptursache unserer inneren Unruhe; und die gründliche Willenlosigkeit in allen Dingen der kürzeste Weg zum beständigen Frieden der Seele.“(Gerhard Tersteegen)

„Manchmal haben wir die Kraft, “Ja” zum Leben zu sagen. Dann kehrt Frieden in uns ein und macht uns ganz.“ (Ralph Waldo Emerson)

„Du kannst Dir inneren Frieden und Glückseligkeit nicht herstellen. Sie sind deine wahre Natur. Sie bleiben übrig, wenn Du all das aufgibst, was Dich leiden lässt.“ (Buddha)

Lassen wir uns aber auch der Worte Nietzsches eingedenk sein:

„Aus Mangel an Ruhe läuft unsere Zivilisation in eine neue Barbarei aus. Zu keiner Zeit haben die Tätigen, das heißt die Ruhelosen, mehr gegolten. Es gehört deshalb zu den notwendigen Korrekturen, welche man am Charakter der Menschheit vornehmen muss, das beschauliche Element in großem Maße zu verstärken. Doch hat schon jeder Einzelne, welcher in Herz und Kopf ruhig und stetig ist, das Recht zu glauben, dass er nicht nur ein gutes Temperament, sondern eine allgemein nützliche Tugend besitze und durch die Bewahrung dieser Tugend sogar eine höhere Aufgabe erfülle.“

 

 

 

Die Bibel ist kein naturwissen-schaftliches Buch

Eine Selbstverständlichkeit, sollte man meinen. Aber dem ist nicht so. Viele, die ernsthaft Christ sein wollen, meinen nämlich, dass gerade die Bibel das sein müsste. Weil sie „Gottes Wort“ sei, müssten die Angaben der Bibel zur Natur wahr, und deshalb naturwissenschaftlich unanfechtbar sein. Als ich Christ wurde, war das auch meine Überzeugung. Ich bemühte mich deshalb, mit naturwissenschaftlichen Mitteln die „Wahrheit der Bibel“ zu beweisen – so wie es heute noch viele tun – und scheiterte kläglich…

Man übersieht bei dieser ganzen Sache eines: Zur Zeit als die biblischen Gestalten lebten und die einzelnen Texte der Bibel niedergeschrieben wurden, gab es gar keine Naturwissenschaft. Diese hat sich im Wesentlichen erst seit Kopernikus, also seit dem 15. Jahrhundert, entwickelt.

Hätte Gott zu den Menschen der damaligen Zeit naturwissenschaftlich geredet, er wäre nicht verstanden worden! Aber darum geht es ja. Gott muss von denen verstanden werden, zu denen er reden will. Das war in den damaligen Zeiten geozentrisch, also von dem aus, wie die Menschen die Erde und das All ohne technische Hilfsmittel wahrnahmen und anthropomorph, d.h. analog wie die Menschen sich selbst und die Umgebung empfanden.

Wenn ein Mensch auf einen anderen Menschen zornig war, dann tat er diesem etwas an, wovon er annehmen konnte, dass das dem anderen nicht gefiel. Folglich musste Gott auf den Menschen zornig sein, wenn des Menschen Erwartungen nicht erfüllt wurden oder sogar etwas geschah, was als Schaden erfahren wurde. Aus den Wechselfällen des Lebens wurde das Verhältnis Gottes zum Menschen abgeleitet. Ging alles gut, war Gott barmherzig. Trat eine größere Umwälzung auf, bei der viele Menschen vernichtet wurden, „reute es den Herrn, auf der Erde den Menschen gemacht zu haben, und es tat seinem Herzen weh.“ (1. Mo 6,6). Gott konnte man damals nicht anders verstehen als einen Menschen mit allen seinen Emotionen und Sinneswandel, nur das er eben viel mächtiger als ein Mensch war.

Und alles war natürlich um des Menschen Willen geschaffen: „Und Gott sprach: Es sollen Lichter an der Wölbung des Himmels werden, um zu scheiden zwischen Tag und Nacht, und sie sollen dienen als Zeichen und zur Bestimmung von Zeiten und Tagen und Jahren;“ (1Mo 1,14).

Sonne und Mond haben also nach dieser Auffassung keinen Zweck in sich oder im ganzen System. Sie sind lediglich „Lichter“ am Himmelsgewölbe, damit der Mensch einen Kalender hat! Davon, dass die Sonne ein Stern, und die Planeten dreidimensionale Gebilde, also Kugeln waren, wusste man noch nichts. Man sah also lediglich Lichter am Himmel, an denen nach langen Beobachtungen auffiel, dass manche Lichter an bestimmten Stellen wiederkehrten. Damit hatte man Anhaltspunkte für eine Zeiteinteilung gewonnen.

Das Weltbild der Bibel ist also ein ganz anderes als das unsrige. Deshalb können wir heute nur sinnvoll von Gott reden, wenn wir die zeitgeschichtliche Einkleidung der biblischen Texte durchdringen und zum eigentlichen Inhalt vorstoßen. Dann wird unsere Verkündigung nicht länger im Widerspruch zu anerkannten wissenschaftlichen Wahrheiten stehen und vom heutigen Menschen guten Willens akzeptiert werden.

Das Problem, das sich von jeher durch die Menschheit zieht, ist das Leid und seine Überwindung. Darum geht es im Wesentlichen in allen „heiligen Texten“. Untrennbar sieht man dieses Problem mit dem Verhältnis des Einzelnen zur Gesamtheit und dem Herrscher über alles verknüpft.

Im Grunde muss uns die vorchristliche Entwicklung des menschlichen Bewusstseins und der Gesellschaft nicht mehr interessieren. Mit der Überwindung des Todes durch Jesus Christus sind auch alle Leiden endgültig aufhebbar. Die ultimative Antwort ist gefunden: Identifiziere Dich mit dem Ewigen und überwinde so alle Anhänglichkeit ans Vergängliche, Materielle! Alles andere hat keinen Heilswert.

Gibt es eine Führung im Leben?

Wie entscheiden?

Wir Menschen werden im Laufe unseres Daseins vor unzählige Entscheidungen gestellt, und stets haben wir das Bedürfnis, uns „richtig“ zu entscheiden. Was der Einzelne aber in den jeweiligen Situationen für richtig hält, ist doch recht unterschiedlich. Die meisten Entscheidungen werden wohl in Hinblick auf den unmittelbaren persönlichen Vorteil gefällt. Oder anders gesagt unter dem Gesichtspunkt, wie befriedige und sichere ich am besten meine Bedürfnisse? Für den, der nicht nur die Oberfläche des Daseins schaut, zeigt sich, dass gerade solche Entscheidungen dem Menschen am wenigsten zum Vorteil gereichen. Im Gegenteil, sie sind es, die den Menschen in tieferes Leid treiben. Das muss sich nicht innerhalb dieses Er­denlebens zeigen. Spätestens aber im nachtodlichen Dasein wird es allerdings sichtbar.

Wer die Wahrheit eines Weiterlebens nach dem Tode noch von sich weist, kann aber auch am heutigen Geschehen diese Gesetzmässig­keit erkennen. Es mag ja jetzt scheinbar noch von Vorteil sein, wenn wir nicht bereit sind, auf Annehm­lichkeiten unseres technisierten Lebens zu verzichten. Die Zerstörung der Natur und die wachsende Asozialisierung lassen sich dann aber nicht aufhalten.

Es gibt aber auch viele Menschen, die nach wahrhaft richtigen Entscheidungen leben möchten. Menschen, die fragen, wie sie am besten ihren Mitmenschen oder überhaupt der Gesamtheit des Daseins dienen können. Solche machen es sich oft nicht leicht und immer wieder zweifeln sie daran, ob sie wirklich das Beste taten.

Andere glauben daran, dass es eine „höhere Führung“ gebe und sie versuchen, sich mit ihr in Verbindung zu setzen, um daraus Impulse für ihr Handeln zu empfangen. Sie wenden sich an ihr „Höheres Selbst“, an „Engel“ oder gar an „Gott“ oder Jesus Christus. Das alles ist gut und aufrichtig gemeint. Oft erhält man sogar „Antworten“. Manche meinen, man bekomme sogar immer eine Antwort, verstehe sie aber nicht in jedem Fall. Gott könne durch Begegnungen, Ereignisse usw. antworten. Alles das ist gewiss richtig. Und doch oftmals unbefriedigend.

Gott im Alltag

Ich erinnere mich noch gut an einen Bekannten, der meinte, auch in den kleinen Dingen des Alltags Gottes unmittelbare Führung zu erhalten. Als er bewusst diese Haltung einnahm und seine entsprechenden Wünsche im Gebet äußerte, folgten Geschehnisse, die man als eine „Erhörung“ interpretieren konnte. Zu einer Glaubenskrise kam es allerdings , als immer mehr Erwartungen enttäuscht wurden oder „Gottes Führung“ unsinnige Formen annahm.

So glaubte jener Bekannte zum Beispiel, dass er keinen Wecker mehr benötige, da „Gott“ ihn zur rechten Zeit wecken würde, um morgens auch genügend Zeit zur persönlichen Andacht und Frühstück zu haben. Das klappte zuerst auch erstaunlich gut, aber allmählich kamen die Zeiten durcheinander. Mehrere Male wurde er mitten in der Nacht geweckt oder, wenn ich mich jetzt nicht täusche, auch zu spät. Jedenfalls wurde dieses Vertrauen gründlich erschüttert. Hätten wir damals mehr vom Menschen gewusst, hätte diese Störung leicht behoben werden können. Allerdings hätte man dann auch gewusst, dass ein Gott in solchen Dingen keine Rolle spielt. Die Krise wäre dann sicher nicht zu einer so tiefgreifenden Glaubenskrise ausgeartet, wie es der Fall war.

Dann kommt es immer wieder vor, dass Menschen behaupten, dass dies oder jenes „Gottes Wille“ sei.                   Sie selbst sind davon überzeugt, jene Impulse „von höherer Ebene“ empfangen zu haben. Dann aber stellt sich heraus, dass an diesen Behauptungen nichts Wahres ist. Das Betrübliche an solchen Geschehnissen ist weniger, dass Materialisten meinen, dadurch einen Grund mehr zu haben, über die „einfältigen religiösen Spinner“ zu lächeln, als dass das persönliche Vertrauen in „Höheres“ Schaden erleidet. Denn gewöhnlich sind es ja solche Menschen, denen jenes widerfährt, denen es ein Bedürfnis ist, mit Gott und seinem Willen eins zu werden. Es ist deshalb wichtig, auf diesem Gebiet mehr Klarheit zu erlangen.

Zielhaftigkeit des Kosmos

Der Frage, ob es im persönlichen Leben eine Führung gibt, der der Mensch vertrauen und mit der er eventuell bewusst in Einklang leben kann, kommen wir näher, wenn wir die „Strukturen des Universums“ betrachten. Für den Materialisten, der meint, nur dieses eine irdische Leben zu haben ist unsere Frage völlig gegenstandslos. Die theoretischen Grundlagen der neueren Physik erlauben allerdings eine solch eindeutige Haltung nicht mehr. Nach ihr ist alles mit allem verbunden und damit ein Weiterleben und „Führung“ durchaus denkbar.                  

Tatsachen, die von der Wissenschaft anerkannt, aber mit ihren Mitteln nicht erklärt werden können, wie z.B. die Telepathie, die Psychokinese, beweisen eine Freiheit der Seele vom Materiellen und implizieren damit ihren Fortbestand nach Ablegen des physischen Körpers (Tod).

Wenn also die Struktur des Kosmos so beschaffen ist, dass die Materie nur eine bestimmte Daseinsform darstellt, der andere, nämlich seelische und geistige überlegen sind, dann ist es in unserer Zeit „oberstes Ziel“ des Kosmos, oder sollen wir sagen Gottes, den Menschen zur Anerkennung dieser Tatsache zu bringen. Gegen die Realität zu handeln, muss zwangsläufig Leiden erzeugen. Das können wir in unserem tagtäglichen Leben beobachten, und warum sollte das in größeren Zusammenhängen anders sein?

Das Universum hat zwei Möglichkeiten, dieses Ziel zu erreichen. Die eine besteht darin, uns durch fortgesetztes Leiden zur Änderung; unseres Lebens zu bewegen oder die weit angenehmere durch Belehrung (wie sie bsw. auch hier geschieht), die freilich durch persönliches Bemühen vertieft werden muss. Dieser „Führung“, die nicht einmal das „Eingreifen“ eines persönlichen Gottes bedarf (was natürlich seine mögliche Existenz nicht ausschließt), können wir uns gewiss sein. An ihr, da es die in unserer Zeit die für den Menschen „oberste Führung“ ist, müssen sich deshalb alle anderen „Führungen“ orientieren, d.h. sie können auch nur im Dienste dieses Zieles stehen. Sie ordnen die Modalitäten, wie dieses Ziel unter den entsprechenden zeitlichen, örtlichen, gesellschaftlichen und persönlichen Gegebenheiten erreicht werden kann.

Ich und Unterbewusstes

Hier wird die Sache sehr komplex und setzt die Verwirrung bei uns Menschen ein. Denn wenn wir persönliche Führung wünschen, uns ihrer vergewissern wollen, dann fragen wir ja, was wir unter den gegebenen Umständen tun. wie wir uns da entscheiden sollen.

Selbst wenn es in den gegebenen Fällen unser aufrichtiger Wunsch ist, dass in unseren Entscheidungen der höchste Wille zum Ausdruck kommen möge, ist damit keinesfalls gesagt – falls man überhaupt eindeutige Klarheit erlangt – , dass die tatsächliche Entscheidung ihm entspricht. Denn um wirklich „Gottes Stimme“ hören zu können, müssten wir in der Lage sein, alle unsere eigenen Stimmen zum Schweigen zu bringen. Das kann und sollte man üben. Im Übrigen muss man sich wohl zufrieden geben, dass die Entscheidungen im Sinne unserer eigenen uns unbewussten Kräfte ausfallen. Was ist damit gesagt? Auch wenn wir es uns anders wünschen, so sind wir doch gezwungen, nach unseren Fähigkeiten und Möglichkeiten zu handeln, d.h., Ideen, Menschen, Dinge, denen wir uns verbunden haben,  bestimmen, wie wir uns entscheiden werden. In diesem Sinne werden wir ständig geführt oder auch verführt.

Dass eine Sache gut klappt, heißt deshalb noch lange nicht, dass wir uns richtig entschieden hatten (obwohl wir es meist so bewerten), noch dass wir uns falsch entschieden haben, wenn etwas nicht in unserem Sinne läuft. Als Ideal sehen wir allerdings, dass etwas, was wir uns vornehmen, auch gelingen möge. Ist das nicht der Fall, so sind wir enttäuscht. Dieses Ideal hat man auch im allgemeinen dann noch, wenn man sich entschieden hat, ein Leben zu leben, das ganz Gott gewidmet sein soll. Da ist man erst recht der Auffassung, dass doch einmal der Punkt erreicht werden müsste, an dem man wirklich erfolgreiche Entscheidungen treffen könnte, d.h., dass man zur richtigen Zeit genau weiß, was zu tun ist, damit zur richtigen Zeit das richtige geschieht. Man muss ja nicht den ganzen Ablauf und die „Zwischenglieder“ einer solchen Handlung verstehen, aber man möchte doch die Gewissheit haben, dass das, was man tut, sinnvoll ist. Wie gesagt: Es ist ein Ideal. Begnügen müssen wir uns mit weniger. Und doch gibt es Ereignisse, die uns als offensichtliche Führungen verblüffen.

Führung und Führung

Ich möchte ein positives und ein negatives Beispiel dafür anführen. Zuerst das positive. Loren Cunningham ist der Gründer einer evangelikalen Mission, die u.a. auf eigenen Schiffen junge Christen zu Einsätzen in alle Welt schickt. Es begann mit einer Vision, die Cunningham im Alter von 20 Jahren erhielt. Schon damals war es ihm ein Anliegen, „Menschen zu Jesus zu führen“. Er vertraute, später mit seiner Frau und Mitarbeitern, dass Gott ihnen die Wege und Mittel zur Verwirklichung dieser Vision zeigen bzw. geben werde. Wenn auch nicht immer alles glatt lief, wundervolle „Zufälle“ bestimmten die Geschicke, die zu einer großartigen Erfüllung der in der Vision geäußerten Absichten führten. Die Geschichte dieser Mission scheint ein einziger Beweis für das Wirken Gottes zu sein.

Und doch möchte man ein Fragezeichen setzen. Denn evangelikale Christen sind dogmatisch und unflexibel (was auf das gleiche hinauskommt). Sie vertrauen der Bibel wortwörtlich und lehnen alles andere ab. Dabei begreifen sie nicht, dass ihr „Verständnis“ der Bibel ein zeitbedingtes ist. Um es zu veranschaulichen: Wenn ich behaupte, dass in einem materiell gedachten Garten eine materielle Schlange gesprochen hat, so ist das nicht nur lächerlich, sondern geht am Verständnis der Bibel vorbei. Wenn Jesus in unserer Zeit missionieren würde, würde er das keinesfalls auf evangelikale Weise tun, sondern dem kulturellen und persönlichen Hintergrund seiner Zuhörer angepasst. Das setzt natürlich voraus, dass man die Wahrheit, die man predigt, versteht, und nicht nur glaubt, wie es die Evangelikalen tun.

Bevor wir uns näher mit dem genannten Beispiel auseinandersetzen, wollen wir uns jetzt mit einem Fall befassen, der auch Elemente einer Führung aufweist, die aber heute kaum noch jemand Gott zuschreiben möchte. In den Schlachtfeldern des ersten Weltkrieges reifte in einem jungen Mann die Überzeugung, dass er zu einer großen Aufgabe bestimmt sei. Mit seinen Kameraden hatte er sich in einem Schützengraben niedergesetzt, um sich zu stärken, als er eine innere Stimme hörte, die ihm befahl, sich etwas abseits zu begeben. Kaum hatte er es getan, schlug eine Granate ein, die alle seine Kameraden tötete. Auf ähnliche Weise sollte dieser Mann, nachdem er der Erfüllung seiner Träume recht nahe gekommen war, Anschlägen auf sein Leben entgehen. Um so mehr musste er sich als Auserwählter der „Vorsehung“ fühlen. Es ist ganz offensichtlich, dass Hitler „bewahrt“, „beschützt“ wurde. Aber, war es Gott, der „mit ihm war“? Das dürfte ausgeschlossen sein. War Gott gegen ihn? Auch das ist nicht erkennbar. Was also waren die wirkenden Kräfte, die über das „rein menschliche“ Vermögen hinausgingen? Wo hatten sie ihren Ursprung?

An beiden Beispielen ist offensichtlich, dass das Übermenschliche, das erreicht wurde, zunächst begründet ist in menschlichen Persönlichkeiten, hier also Cunningham und Hit­ler, die sich leidenschaftlich bestimmten Ideen verschrieben haben, die so von einer Idee besessen sind, dass sie mit Einsatz ihres Lebens deren Verwirklichung anstreben. Nun gibt es Menschen, die gleiche oder ähnliche Ziele anstreben, aber selbst nicht diese Leidenschaft aufbringen oder über die entsprechenden Talente verfügen, um diese Ideen zu realisieren. Sie werden gleichsam von jenen stärkeren Persönlichkeiten befeuert.

Dabei ist zu beachten, dass wir Menschen auf den inneren Ebenen ständig miteinander kommunizieren, auch dann wenn wir physisch voneinander getrennt sind und nichts voneinander wissen. So ergeben sich dann geistig-seelische Konstellationen, die zu Ereignissen führen können, die für das gewöhnliche menschliche Denken verblüffend, ja „wunderbar“ sind. Die Kräfte einer Führerpersönlichkeit sind so organisiert, dass sie dem betreffenden Menschen große Instinktsicherheit verleihen. Wenn diese Menschen eine Stimme hören, die ihnen befiehlt, dieses oder jenes gerade jetzt zu tun, so ist das strenggenommen weder Gott, noch ein Engel, noch ein Teufel, sondern ihr „Instinkt“, d.h., die Persönlich­keitsanteile, die im gegenwärtigen Augenblick nicht bewusst, aber alle auf das eine Ziel ausgerichtet sind. Selbstverständlich werden viel weniger wunderbare – für uns irrationale – Dinge geschehen, wenn die gleiche Persönlichkeit in einem Umfeld auftritt, das sich ablehnend gegenüber den entsprechenden Ideen verhält. Die evangelikale Mission Cunninghams hätte nicht entstehen können, wenn es nicht genügend Menschen gäbe, die einen solchen Einsatz für sinnvoll hielten. Hitler hätte keine Chance gehabt, wenn das deutsche Volk nicht entsprechend gestimmt gewesen wäre.

Es wurde aus unseren Betrachtungen, für die noch viele Beispiele herangezogen werden könnten, deutlich, dass der Mensch, solange er nicht Ideen sich zu eigen gemacht hat, die mit der Wahrheit übereinstimmen, immer in einem gewissen Sinne verführt wird. Dadurch stellt sich dann zeitweiliger „Erfolg“ als Misserfolg heraus, und das Leiden an der Realität beginnt. Zugleich aber wird der Mensch durch die Realität – dadurch, dass er scheitert -korrigiert. Es sind das Wendepunkte, an denen er in die Lage versetzt wird, neue Ideen aufnehmen zu können. Wenn der Mensch also nicht verführt, sondern immer mehr zum Positiven und Wahren hingeführt werden möchte – wodurch allein eine Beendigung des Leides und Missbehagens möglich ist – dann gibt es nichts Wichtigeres als Erkenntnis der Wahrheit und ein Leben ihr entsprechend.

Worauf es ankommt

Von entscheidender Wichtigkeit ist dabei die persönliche Klarheit über die Frage: Bin ich ein Wesen, das mit dem physischen Tod vergeht, oder bin ich ein Wesen, dem ein unvernichtbarer, ewiger Kern zugrunde liegt ? Nur wenn ich letzteres positiv beantworten kann, bin ich in Übereinstimmung mit einer, ja der grundlegenden Wahrheit. Nur auf ihr basierend ist Führung möglich. Außer ihr gibt es nur Verführung. In diesem Sinne allein ist der Spruch Jesu zu verstehen : Niemand kommt zum Vater – dem Urgrund aller Dinge – denn durch mich, d.h., als dem Bewusstsein von diesem Urgrund (Jo 14,6).

(Dieser Text stellt eine leichte Anpassung eines bereits früher veröffentlichten Textes dar. )

Jesus, der Christus – traditionslos

Die meisten Menschen, die sich heute als Christen sehen, sind in einer noch nie dagewesenen Weise zerstritten und deshalb verwirrt. Da hilft es, einen traditionslosen Blick auf Jesus Christus, also unabhängig von Bibel, Kirchengeschichte und „Glauben“ zu werfen. Nur durch einen unverstellten Blick können wir wieder neuen Zugang zur herrlichen Wahrheit des Evangeliums finden.

Die Menschheit ist dem Leiden unterworfen. Es gibt keinen einzigen Menschen, der das Leiden nicht kennt. Deshalb sehnen sich alle Menschen nach Befreiung von diesem. Alle Menschen wollen nichts anderes als glücklich sein.

Tiefe Denker sehen übereinstimmend das Urproblem des Menschen im Rätsel des Todes. Schopenhauer schrieb sogar: „Der Tod ist der eigentliche inspirierende Genius, (…)der Philosophie. Schwerlich sogar würde, auch ohne den Tod, philosophiert werden.“ Auch gilt die Todesstrafe von jeher als die schwerste.

Alle Angst des Menschen ist letztendlich Todesangst, d.h. Angst vor der Vernichtung. Nur um dem Tod zu fliehen, ist der Mensch feige, und nimmt er alle Unterordnungen, alle Sklaverei und Quälerei, alle Anpassungen an die Gesellschaft auf sich, winselt er wie ein Hund um Erbarmen.

Im Umkehrschluß hätte alles Leiden ein Ende, wäre das Dasein ewige Freude, wenn es keinen endgültigen Tod gäbe.

Der Tod ist das Problem und ewiges Leben wäre die Lösung des Problems. Nichts anderes!

Nun wird seit 2000 Jahren behauptet, dass ein Mensch den Tod besiegt hätte. Wenn wir davon ausgehen, dass das tatsächlich der Wahrheit entspricht, dann ist das doch die größte Sensation, die es gibt; das wichtigste Ereignis in der Menschheitsgeschichte!

Hätte Jesus vor 2000 Jahren nicht den Tod besiegt, stünde so ein Ereignis noch aus, damit endgültig die menschlichen Probleme – also alle ohne Ausnahme – gelöst werden könnten.

Damit hat die Auferstehung eine existentielle Bedeutung für einen jeden Menschen. Denn was einmal einem Menschen gelang, das kann auch jedem anderen gelingen!

Was ist der Tod?

Der Tod ist in erster Linie eine Bewusstseinsangelegenheit. Ein Mensch im Tiefschlaf weiß nichts vom Leben und nichts vom Tod. Deshalb kennt ihn das Tier nicht. Allmählich erst wurde sich der Mensch des Todes bewusst, je mehr er erwachte.

Das bisher älteste Dokument menschlicher Angst vor dem Rätsel des Todes entstammt dem dritten Jahrtausend vor Christus. Es ist das sumerische Gilgamesch-Epos. An der Leiche seines Freundes Engidu stellt sich der Held die verzweifelte Frage: „Was ist das nun für ein Schlaf, der dich gepackt hat?“ und gesteht: „Todesfurcht überkam mich.“

Wenn wir also der Überlieferung vertrauen, dass es einem Menschen gelang, den Tod zu überwinden, dann kann es den Tod – als ein zu Nichts werden – nicht wirklich geben. Dann ist er nicht ein Faktum, sondern eine Täuschung, der der Mensch bisher unterlag.

Den Tod als Irrtum zu durchschauen, ist geistige und seelische Befreiung des Menschen. Denn wenn es den Tod nicht wirklich gibt, dann muss ich mich nicht länger ängstigen. Dann kann mich nichts mehr bedrohen. Dann bin ich absolut frei. Dann muss ich mich keiner Macht des Universums mehr unterordnen, denn ich bin ewig! Dann bin ich eins mit Gott!

In diesem herrlichen Bewusstsein, in dieser herrlichen Freiheit zu leben, verändert mich grundlegend, denn es löst alles das auf, was aus dem Irrtum, dem Tod unterworfen zu sein, entstand. Es befreit von allem Leid und aller Krankheit und gibt mir Herrschaft über die Materie.

Grenzenlose Perspektiven in jeder Hinsicht haben sich eröffnet!

Wenn es also wahr ist, dass ein Mensch den Tod besiegt hat, dann konnte der Sieg nur auf der Grundlage geschehen, dass das Leben an sich ewig ist, und dieser Mensch von dieser Tatsache wusste. Nur so konnte er in dem Bewusstsein leben, das wir erst angesichts seines Sieges über den Tod durch die gläubige Reflexion der Auferstehungstatsache gewinnen können.

Nun schlagen wir den Bogen zur jüdisch-christlichen Tradition. Das Pfingstereignis der Apostel war nichts anderes, als dass den Betenden aufging, was die Auferstehung für den Menschen und das jüdische Geistesleben bedeutete. Für den Menschen bedeutete es völliges Heil und damit das Ende aller Versuche, aus einem Bewusstsein der Vergänglichkeit Gutes zu erlangen.

Es gibt kein Heil, solange der Mensch im Bewusstsein lebt, er sei in irgendeiner Weise begrenzt und es gäbe etwas, das grundsätzlich Macht über ihn hätte.

Wer weiter im Gegensatz Gott-Mensch lebt, wird weiterhin die Früchte des Todes ernten. Wer aber weiß, dass nichts über ihn Macht hat, wird die unendliche Kraft des Lebens sich auswirken lassen.

Das hat nichts damit zu tun, dass man vor Gott aus eigener Kraft gerecht werden will, sondern man ist dadurch dem Leben gerecht.

Du kannst Dich ändern…

Falsche Ansätze

Dass die Menschheit im Argen liegt, war schon immer offensichtlich. In der Neuzeit kam man auf die Idee, dass der wissenschaftliche Fortschritt im Verein mit den technischen Mitteln die Erde in ein Paradies verwandeln könnte. Diesem Wahn hängt man heute immer noch an, aber eher mehr aus Gewohnheit und ökonomischen Sachzwängen.

Der Marxismus erkannte wenigstens, dass der Mensch geändert werden müsse, und man glaubte ein neuer Typus würde dadurch entstehen, dass die Wirtschaft in die Hände der Produzierenden gelange. Aber der Ostblock brachte keinen neuen Menschen hervor. Doch immer noch meint man, eine gerechtere Verteilung des Reichtums würde die menschlichen Probleme lösen.

Allen diesen Vorstellungen ist gemein, dass der Mensch die Lösung seiner Probleme im Außermenschlichen sucht. Im Grunde heißt das ja, ich bin gar nicht das Problem, sondern die Natur, die wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse sind es. Und wenn man merkt, es ist doch der Mensch, dann ist es natürlich der Andere, der sich ändern muss (sehr gut im Ehestreit anschaulich!).

Selbstbetrug vieler Christen

Von dieser Projizierung des Übels und der Lösung desselbigen auf Außermenschliches ist natürlich der christliche Glaube nicht ausgenommen. Dieser Selbstbetrug, den jeder von uns Menschen fast triebhaft in jedem Augenblick vollzieht, muss durchschaut werden!

Zwar gibt jeder Christ zu, dass er ein Sünder ist und der Erlösung bedarf – aber damit hat es sich auch schon…

Wem ist wirklich gegenwärtig, dass Erlösung nichts anderes heißen kann als Erlösung vom Sündersein ? D.h. ich, Du musst grundlegend geändert werden, ich und Du, wir müssen uns ändern. Das ist die vordringlichste und unausweichliche Aufgabe eines jeden Menschen!

Da es eben eine grundlegende Sache ist, kann ich mich natürlich auch nicht ändern, indem ich die Gebote halte und „gute Werke“ tue. Gebote und Gesetze müssen ja nur denjenigen gegeben werden, deren innere Natur gegen diese rebelliert. Menschliche Ordnungen können deshalb nur durch Gebote und Gesetze (s. Staat) aufrechterhalten werden. Eine Lösung der menschlichen Probleme sind sie nicht. Da muss man tiefer ansetzen.

Der Mensch kann nur dadurch ein neuer Mensch werden, wenn alles aus einer neuen Grundlage hervorgeht. Nur aus einem Apfelkern geht ein Apfelbaum hervor, aus einem Pinienkern eine Pinie.

Auf den Menschen übertragen heißt das: nur aus Deiner Identifikation mit dem physischen Körper gehen Sünde und Tod hervor. Das beinhaltet natürlich auch die ganz natürliche Identifikation mit dem, was Du bisher im Leben erlebt und erfahren hast, die Identifikation mit Deinen Gefühlen, Vorlieben und Abneigungen. Das alles ist Deine Vergangenheit. Wer aber zurückschaut, ist nicht geschickt zum Reich Gottes (Lk. 9,62).

Wenn Du Dich aber identifizierst mit Deiner Unsterblichkeit, dann gehen aus ihr nur Klärung, Reinigung, Gesundung, Heiligung und Heiligkeit hervor.

Das alles geht natürlich nur allmählich, wachstümlich, wie bei einem Baum, der ja auch nicht schon beim ersten Sproß Frucht bringt.

Aber Du musst nicht denken, dass Du deshalb die Hände in den Schoß legen kannst. Christen, die ein falsches Gnadenverständnis haben, meinen, sie müssten sich nicht wirklich grundlegend ändern, sondern es genüge, sich nach dem Tod auf das „Sühneopfer Christi“ zu berufen, und das würde ihnen ewige Glückseligkeit sichern.

Merken wir, wie sich hier wieder der große Selbstbetrug, von dem wir am Anfang sprachen, meldet?

Wieder bin ich es nicht, der sich ändern muss, sondern ich erwarte das Heil von einer neuen Umgebung, in die ich quasi durch eine Zauberformel oder durch ein Losungswort (so, wie man durch das richtige Losungswort Zugang zu verschlossenen Gesellschaften erhält) versetzt werde. Der Tod, obwohl in der ganzen Bibel negativ bewertet, wird zur wahren Erlösung umfunktioniert.

Christus spielt eigentlich eine ganz untergeordnete Rolle, eben die eines Lösungswortes. Nichts weiter!

Dabei könnte doch hinreichend bekannt sein, dass eine neue Umgebung wirklich nichts am Charakter eines Menschen ändert. Aus allen Mitteilungen, die wir von im Glauben fortgeschritterneren Menschen über das Leben nach dem Tod, erhalten haben, geht genau das hervor.

Du bist und bleibst eben das, was Du wirklich bist, was also wirksam in Dir lebt, und nicht was Du glaubst. Glaube ist nur ein Mittel, das Dir auf Erden zur Verfügung steht, damit Du Dich ändern kannst, also wodurch langfristige, neue Wirkungen möglich werden.

Entsprechend Deinen wirklichen Qualifikationen wird sich Dein Leben nach dem Tod gestalten.

Der eine bringt 30-, 60- oder gar 100-fältig Frucht, hat wenig oder viel mit seinen Talenten gewuchert. Entsprechend ist sein Lohn, d.h. das rechte Leben ist der Lohn selbst, wie das sündige Leben auch der Lohn selbst ist. Bei beiden ist das nicht sofort offensichtlich. Sünde kann lange Zeit Spaß machen, später wird erst die Kehrseite sichtbar. Richtig zu glauben und zu denken, kann länger anscheinend vergeblich sein, bis man merkt, dass sich etwas Neues gebildet hat, ein neuer Tragegrund, eine wirkliche Gelassenheit, wo man vorher ungelassen blieb.

Worauf es ankommt

Glauben ist ARBEIT AN SICH SELBST. Die Gnade besteht einzig darin, dass uns alle Mittel zur Verfügung stehen, um diese Arbeit zum Erfolg führen zu können.

„Arbeit“ klingt nach Anstrengung und hat hier eigentlich keinen Platz. Wenn ich trotzdem diesen Begriff in Ermangelung eines besseren verwende, dann deshalb, weil wir genötigt sind, zu arbeiten.

Genauso wenig können wir uns der Nötigung entziehen, uns zu ändern, wenn wir einmal ewig glücklich sein wollen.

Worin aber besteht das Wesen dieser Arbeit an sich selbst? – Sie besteht gerade darin, dass wir lernen total gelassen, völlig sorglos zu werden, völlig entspannt durchs Leben zu gehen! Das fällt nämlich dem natürlichen Menschen am schwersten. Denn das Äussere bedrängt uns, und deshalb sind wir permanent unruhig. Ständig denken wir, dass wir etwas machen müssen.

Als Christen sind wir erlöst. Deshalb gibt es für uns überhaupt nichts mehr zu tun. Im Bewusstsein dessen, dass es nichts mehr zu tun gibt, können wir in die heilsame Ruhe eingehen (Hebr. 4,3), und wenn uns das gelungen ist, haben wir ewig Ruhe! Vorher nicht…

Da es in diesem Sinne sehr viel zu tun gibt, ist Zeit das kostbarste Gut, das wir haben. Deshalb ist es unverständlich, dass viele Christen ihre Zeit mit allerlei Unnötigem vertändeln (Eph. 5,16). So wird man am Ende des Lebens nicht viel weiter gekommen sein, als am Anfang.

„Betet ohne Unterlass.“ (1. Thess. 5,17) – damit ist natürlich nicht gemeint, ständig in Worten irgendwelche Bitten vorzubringen, sondern im ständigen Bewusstsein unserer wahren Natur zu leben oder über diese zu meditieren.